WM verstolpert, Bundesregierung holpert, Wirtschaft kränkelt,
Ein Storch stolziert über einen Fußballplatz. Da mag so mancher hoffen, er würde kämpferischere Fußballspieler für die Nationalelf und eine DFB-Spitze vorbeibringen, die den Herausforderungen der Zeit gewachsen ist. Doch schnell war dieser Gedanke verflogen, denn Bundeskanzler Friedrich Merz, der sonst gerne an der fehlenden Einsatzbereitschaft seiner Mitbürger herumnörgelt, schrieb in Instagram und ‚X‘: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel.“ Nun, die meisten Zuschauer dürften das Spiel anders wahrgenommen haben. „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch“. Ob der Kanzler ein anderes Spiel gesehen hat? Nicht nur gegen Paraguay, sondern auch gegen Curacao, die Elfenbeinküste oder Ecuador konnte ich wenig Engagement, Fleiß und Einfallsreichtum erkennen. Auf was sollen die Spieler, der Kanzler oder wir alle ‚stolz‘ sein? Das „Wir sind stolz auf euch“ von Friedrich Merz erinnert mich an „Wir schaffen das“ aus dem Mund seiner Intimfeindin Angela Merkel oder die deplatzierten Gratulationstelegramme von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an das Mullah-Reime im Iran: „zum Nationalfeiertag der Islamischen Republik Iran übermittle ich Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine herzlichen Glückwünsche“. Obskur ist der Hinweis des Bundespresseamts, man habe den falschen Post verschickt, denn der nachfolgende war auch nicht cleverer. Politiker scheinen sich mit der Realität immer wieder nur schwer anfreunden zu können! Und wer Kritik übt, der ist eben ein Nörgler, und denen hat sich Bundeskanzler Merz gleich im nächsten Post zugewandt: „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“ Mit Spott hat es nichts zu tun, wenn Kritik geübt wird, dies sollte Bundeskanzler Merz schon unterscheiden können, selbst wenn seine kommunikativen Fähigkeiten wenig ausgeprägt zu sein scheinen. Überraschend schnell trennte sich der DFB von Bundestrainer Julian Nagelsmann, der sich über eine Goldene Brücke zu neuen Taten aufmacht.

Kicker-Millionäre ohne Elan
Man muss gewiss nicht jedes Mal als Sieger vom Platz gehen, denn die Gegner im Fußball oder anderswo haben ja auch viel zu bieten. Es ist allerdings eine Überlegung wert, ob nicht die Unfähigkeit, Kritik zu ertragen, den Bundestrainer Julian Nagelsmann mit der Nationalelf erst in diese erneute Krise geführt hat. Und letztendlich trägt die DFB-Spitze die Verantwortung für das mickrige Ergebnis, welches nicht nur bei der Weltmeisterschaft erzielt wurde – mit einem gehörigen finanziellen Aufwand. Weite Teile der Wirtschaft kränkeln vor sich hin, die Bundesregierung kann trotz neuer Billionen-Schulden – oder vielleicht deshalb – keinen Schwung vermitteln, und die Nationalelf hat das Kämpfen verlernt. „Der Bundestrainer ist genauso überfordert und erfolglos wie der Bundeskanzler“, schrieb Marion Horn, die Bild-Chefin. Da ist was dran. Leider. Dabei macht mir das kommunikative und inhaltliche Versagen von Friedrich Merz, auf den ich lange als neuen Impulsgeber gesetzt habe, mehr Sorgen als der schnelle Abgang der Nationalelf. Friedrich Merz versprach vor seinem Regierungsantritt einen Kassensturz, um neue Kredite möglichst zu vermeiden, und wurde dann zum Schuldenkanzler. So wird der von Merz angeführte „Adler“ schnell zum Pleitegeier. Mehr dazu lesen Sie in ‚Merz oje -Vertrauen ade. Vom Sparheimer zum Billionen-Schulden-Kanzler‘.
Die Erwartungen, die geschürt werden, sollten beim Fußball, in Politik und Wirtschaft nicht zu weit von den real erzielbaren Erfolgen abweichen. Das gilt für den unvermittelten Wechsel von Friedrich Merz vom Sparheimer zum Schuldenkanzler, besonders aber für Julian Nagelsmann, der 2024 nach dem Aus im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Spanien meinte, so t-online: „Traurig ist, dass eine Heim-EM in meiner Karriere wohl auch nicht mehr kommt. Das tut weh. Und auch, dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird.“ Wer schon meint den WM-Pokal erringen zu können, der sollte nicht bereits im neu erfundenen Sechzehntelfinale ausscheiden. So ist der Abgang von Julian Nagelsmann als Bundestrainer nur konsequent, wenn auch teuer für den DFB. Die Schuld für das WM-Debakel allein bei Nagelsmann abzuladen, wäre jedoch kurzsichtig, denn wenn Pässe beim Gegner landen und Elfmeter ins All fliegen, dann kann es auch kein Bundestrainer richten, es sei denn er setzt auf anderes Personal.

Nun, der Storch auf dem Fußballplatz wird es nicht richten: Eine neue Spielergeneration kann es schaffen, mit Mut und Können wieder auf vorderen Plätzen bei EM und WM zu landen. Mit Julian Nagelsmann wäre dies vermutlich nichts mehr geworden. Ob der Wunsch-Kandidat Jürgen Klopp es reißt, das muss sich noch zeigen. Wenn wir in Sport, Wirtschaft und Politik mehr Achtung und Erfolg erkämpfen wollen, dann geht das nur mit Ehrgeiz und einem von Max Weber so treffend formulierten ‚starken langsamen Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich‘. Max Weber zielte mit seiner Aussage zwar auf die Politik ab, doch trifft sie nach meiner Meinung auch in anderen Bereichen voll ins Schwarze. Mit etwas mehr Leidenschaft, wie sie die Gegner der deutschen Nationalelf zeigten, und etwas mehr Augenmaß – man denke nur an die Fehlpässe – hätte der Weg von Julian Nagelsmann und seinen Millionen-Kickern bei der WM nicht so früh enden müssen. Was mir bei Nagelsmann besonders missfiel, war sein Verhalten gegenüber dem vierten Offiziellen, der sich meist im Bereich der Mittellinie und somit in der Nähe der Trainer bzw. Spielerbank aufhält. Wäre er vor meiner Nase so häufig nervös gestikulierend und voller Beschwerden aufgetaucht, dann hätte ich ihn auf die Zuschauertribüne verbannt. Was werden Kinder und Jugendliche von einem solchen Verhalten eines Bundestrainers lernen, wenn sie selbst auf dem Spielfeld stehen? Kritische Fragen zu seinen Künsten als Trainer wollte Nagelsmann nicht hören, obwohl ich den Eindruck gewonnen hatte, dass seine Mannen verunsichert über das Spielfeld irrten.
Nicht jammern, sondern kämpfen, und zwar im guten Sinne, denn gelbe oder rote Karten sind selbstredend nicht das Ziel. Dies würde ich mir für die Nationalelf wünschen und genauso für manchen Vertreter von Wirtschaft und Politik.
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Ein Storch auf dem Fußballplatz – man könnte hoffen, er bringt engagierte Spieler für die Nationalelf und einen effektiveren Bundestrainer! Ob Jürgen Klopp, der sein Interesse signalisierte, dieser Erlöser der Nationalelf sein wird, kann ich nicht beurteilen. Einen Neustart muss es nicht nur beim DFB, der Nationalelf und beim Bundestrainer geben, sondern ich wünsche mir auch in Politik und Wirtschaft wieder mehr Leidenschaft, Kampfgeist, Innovationsbereitschaft und Präzision bei der Lösung anstehender Aufgaben. Weder Jammern noch Schönreden nutzt etwas! Wir brauchen mehr Tatkraft in Deutschland. Darauf bin ich in meinem Beitrag ‚Offenheit für Wirtschaft und Technik sichert Wohlstand. Politik und Gesellschaft brauchen Innovation statt Bürokratie‘ eingegangen. (Bild: Ulsamer)


Sehr geehrter Herr Dr. Ulsamer,
vielleicht bringt der Storch, mit dem Sie Ihren Artikel beginnen, eine mutigere Spielergeneration auf den Platz.
Fehlender Mut scheint den Fußball, die Wirtschaft und die Politik zu verbinden.
Ständige Kritik an Schiedsricherentscheidungen und fehlende Akzeptanz, prägen den Fussball,
Ganz im Gegensatz zum Handball.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Walter