Wladimir Putin: Imperialist und Kriegsverbrecher

Ist der Angriff auf die Ukraine erst der Anfang?

Wer hätte gedacht, dass im 21. Jahrhundert mitten in Europa eine Armee mit Panzern, Kampfflugzeugen und Raketen beim Nachbarn einfällt, Tod und Zerstörung bringt und der Aggressor unverblümt erklärt, sich das ganze Land einverleiben zu wollen? Wladimir Putin und seine Vasallen wollen genau dies tun und trampeln ohne jeden Gewissensbiss auf den Menschen in der Ukraine und ihren verbrieften Rechten herum. Der russische Präsident kann seinen verbrecherischen Plan in der Ukraine nur umsetzen, weil die demokratischen Staaten Angst haben, er könnte seine Drohungen wahrmachen und den roten Knopf drücken, um so die Welt mit seinem Atomwaffenarsenal ins Verderben zu reißen. Putin scheint zwei Großväter zu haben, Adolf Hitler und Josef Stalin: Ländergrenzen spielten für beide keine Rolle, was die Polen erleiden mussten, als sich beide Diktatoren ihr Land als ‚Beute‘ teilten. Und das eigene Volk war beiden Diktatoren ebenso gleichgültig wie Menschen anderer Nationen, Religionen oder Kulturen. Mit bestialischer Rücksichtslosigkeit lässt Putin ukrainische Städte zerbomben, Wohnviertel in Schutt und Asche legen, um dann zu behaupten, das russische Militär solle die Ukraine ‚entnazifizieren‘, dabei sitzt der wahre Nazi im Kreml. Ganz bewusst zerstören die russischen Militaristen die Infrastruktur in der Ukraine, belagern ganze Städte, um so die freiheitsliebenden Menschen in die Knie zu zwingen. Selbst auf die größte Kernkraftanlage Europas in Saporischschja ließ der Diktator feuern, denn Putin will seine Macht sichern und mehren, und dies zu Lasten der Ukrainer und gegebenenfalls der ganzen Menschheit.

Tweet des ukrainischen Präsidenten. Er steht in der Innenstadt von Kiew.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt in der jetzigen Ausnahmesituation persönlichen Mut und politisches Gespür. Er hält in Kiew die Stellung und stärkt seinen Soldaten und der Bürgerschaft den Rücken. Die US-Regierung bot ihm an, sich ausfliegen zu lassen, doch er betonte: „Mein Kampf ist hier. Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Als in der Ukraine auf den Schokoladenfabrikanten und Milliardär Petro Poroschenko ein Comedian als Präsident folgte, mag so mancher amüsiert den Kopf geschüttelt haben, doch Selenskyj kämpft ohne Rücksicht auf sich selbst für sein Land. Da hat es Großbritannien mit dem Premierminister schlechter erwischt, so John Crace im ‚Guardian‘: „The Ukrainians voted for a comedian and got a leader, a man with an unerring moral compass. We in the UK also voted for a comedian and got exactly that.“ (Bild: Twitter, 26.2.22)

Der ‚Nazi‘ sitzt im Kreml

Für mich ist es ein einziges Trauerspiel, dass wir im demokratischen Deutschland nahezu tatenlos zusehen müssen, wie Wladimir Putin an seinen langen Tischen nach Frieden suchende Politiker vorführt und danach Befehle zur Bombardierung ganzer Stadtviertel in der Ukraine gibt. Seine Hasstiraden haben per TV-Übertragung inzwischen so skurrile Formen angenommen, dass ich mich frage, ob der russische Präsident psychisch noch in der Lage ist, die Realität zu erkennen und sein Amt auszuführen? Da schwadroniert Putin als Hobbyhistoriker darüber, dass die Ukrainer und Russen ein Volk seien und lässt gleichzeitig seine Panzer das Nachbarland niederwalzen, um dieses zu ‚entnazifizieren‘. Wäre es nicht besser, im Kreml damit anzufangen? Ausgerechnet mit Artillerie und Raketen beim ukrainischen Präsidenten in einer solchen ‚Mission‘ anzuklopfen, ist besonders abwegig, stammt Wolodymyr Selenskyj doch aus einer russischsprachigen jüdischen Familie.

Weiße Kreuze auf einem US-Soldatenfriedhof.
In ganz Europa gibt es mehr als genügend Soldatengräber, doch Wladimir Putin scheint dies anders zu sehen. Vor wenigen Tagen habe ich nach fast einem halben Jahrhundert wieder den Normandy American Cemetry besucht, auf dem 9 388 US-Soldaten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Sie haben ihr Leben geopfert, um in Deutschland und Europa die Gewaltherrschaft des verbrecherischen NS-Regimes zu beenden. Der Gang über diesen Friedhof war nun noch bedrückender, denn Wladimir Putin hat einen Krieg gegen die Ukraine begonnen, der bereits jetzt tausende Menschen das Leben gekostet hat. (Bild: Ulsamer)

Wer in Russland die Wahrheit ausspricht, und es wagt, den Überfall auf die Ukraine als Krieg zu bezeichnen, der wird von der Polizei niedergeknüppelt und ins Gefängnis geworfen oder gleich in ein Straflager deportiert. Selbst kleine Kinder landen mit ihren Müttern hinter Gittern, weil sie vor der ukrainischen Botschaft in Moskau Blumen niederlegen wollten. Putin, ein KGB-Agent der alten Sowjetschule, versteht sich auf die Umdeutung von Begriffen, und so ist der Krieg für ihn eben nur noch eine ‚militärische Spezialoperation‘. In der irischen Hauptstadt Dublin liegt die russische Botschaft ganz passend an der Orwell Road: George Orwell, der Namensgeber, nahm auf republikanischer Seite am spanischen Bürgerkrieg teil und veröffentlichte 1945 mit ‚Farm der Tiere‘ eine satirische Fabel über den Sowjetkommunismus. Zwar ist der rote Lack ab, doch Putin will zurück zum Machtbereich der Sowjetunion. Andersdenkende Tiere werden in ‚Animal Farm‘ von ‚Napoleon‘ & Co. zum Feind abgestempelt und eigens abgerichtete Hunde auf sie gehetzt. ‚Schwatzwutz‘ sorgt mit seiner Propaganda dafür, dass ‚Napoleons‘ Herrschaft abgesichert wird. Im Grunde hat sich Putin aufgemacht, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, und wer nicht spurt, wandert wieder wie in Zeiten der Sowjets nach Sibirien oder wird mit Gift bedroht (wie Alexei Nawalny oder Julija und Sergei Skripal) bzw. in Russland oder in Berlin erschossen.

Gemälde an einem Rest der Berliner Mauer. Links Breschnew und rechts Honecker beim Bruderkuss.
Wladimir Putin will zurück zu einem Reich, das deutlich größer ist als das Russland unserer Tage. Und so hält er es mit Leonid Iljitsch Breschnew, der mit seiner ‚Liebe‘ andere Nationen erdrückte. Die Breschnew-Doktrin über die „begrenzte Souveränität sozialistischer Länder“ scheint so ganz nach Putins Geschmack zu sein: Lässt man ‚sozialistisch‘ weg, dann passt die Denkweise ganz zum Vorgehen gegen die Ukraine, der Putin abspricht, eine eigene Nation zu sein. Für Michail Gorbatschow hat Putin keinerlei Verständnis, denn er öffnete den Eisernen Vorhang und ließ den Fall der Mauer zu. Das Gemälde an Mauerresten – East Side Gallery – in Berlin schuf der russische Künstler Dmitri Wrubel: Es zeigt Breschnew, den Generalsekretär der KPdSU, im innigen Bruderkuss mit Erich Honecker, dem Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Staatsrats der DDR. (Bild: Ulsamer)

Der neue Zar und seine Funktionärsclique

Das waren noch Zeiten, als Putin im Deutschen Bundestag sprach oder mit entblößter Heldenbrust hoch zu Ross unterwegs war, jetzt sitzt er einsam am Schreibtisch mit den leicht historischen Telefonen oder empfängt Staatsgäste am besagten langen Tisch, hält sie sich auf Kanonenrohrlänge vom Leib, und Außenministerin Annalena Baerbock brachte es auf den Punkt, als sie sagte, es „ist unglaublich bitter, weil ich erlebt habe (…), wie einem eiskalt ins Gesicht gelogen wurde.“ Wladimir Putin und sein Außenminister Sergei Lawrow versuchen mit wirren Äußerungen das menschenverachtende Vorgehen in der Ukraine zu kaschieren, indem sie – im Stil eines Joseph Goebbels – die Wahrheit nicht nur verbiegen, sondern zerbrechen. Der Angriffskrieg wird gewissermaßen zu einer ‚Friedensmission‘, die ukrainische Regierung bestehe aus ‚Gangstern‘, ‚Drogenabhängigen‘ und je nach Laune aus ‚Nazis‘ oder ‚Neo-Nazis‘. Jeder Satz wird durch das Vorgehen der politischen und militärischen Führung in Moskau ad absurdum geführt: Beim Kampf gegen vermeintliche ‚Nazis‘ feuern die russischen Einheiten nicht nur auf den Fernsehturm in Kiew, sondern beschädigen auch gleich noch das Denkmal Babyn Jar, das an von deutschen Soldaten ermordete jüdische Kinder, Frauen und Männer erinnert. Der neue Zar im Kreml nimmt keinerlei Rücksicht auf Geschichte und Gegenwart, auf Menschen oder ihre Wohnungen. Dies hat Putin bereits in Tschetschenien oder Syrien gezeigt.

Der russische Präsident und die ihn stützenden Oligarchen sowie die staatlichen und militärischen Entscheider müssen spüren, dass man nicht ungestraft in ein Nachbarland einfallen kann. Dann gibt es für solche Zeitgenossen eben nur noch Urlaub im eigenen Land und nicht mehr an der Cote d‘Azur, keinen Schulbesuch oder ein Studium in westlichen Universitätsstädten und kein Shopping in freiheitlichen Metropolen. Alle Finanzmittel dieser Nomenklatura, ihre Firmen und ihr Immobilienbesitz müssen konfisziert und nicht nur eingefroren werden. Die eingesammelten Gelder sollten den ukrainischen Flüchtlingen zugutekommen. Die Sanktionen der EU, des Vereinigten Königreichs oder der USA und weiterer Verbündeter greifen bisher zu kurz, denn es geht nicht nur um einige Milliardäre, sondern die gesamte herrschende Klasse muss bestraft werden. Diese umfasst nicht nur 10 oder 20 Superreiche, sondern auch Duma-Abgeordnete, die für Putins Kriegs- und Annexionspolitik den Weg bereiten, und die gesamte staatliche und militärische Funktionärsclique.

Ein gelber Markierungsstein mit einem Schild "Erdgas". Er ist deutlich nach links gekippt.
Die deutschen Bundesregierungen haben es zugelassen oder gar gefördert, dass Deutschland heute bei der Gasversorgung zu 55 % von russischen Lieferungen abhängig ist. Selbst der größte Erdgasspeicher Europas in Rehden wurde noch an Gazprom verhökert, ohne dass die politischen Entscheidungsträger ihr Veto eingelegt hätten. Steinkohle, die in Deutschland verfeuert wird, kommt zu 50 % aus Russland! Die großspurig verkündete Schließung deutscher Kohlebergwerke hat nicht zu mehr Klimaschutz, sondern zu noch höherer Abhängigkeit von Russland geführt. Sogar beim Öl liegt der russische Anteil bei 35 %. Sollte nicht die Daseinsvorsorge bei individuell nicht zu lösenden Themen eine Aufgabe der politischen Entscheider sein? (Bild: Ulsamer)

Gerhard Schröder – eine Schande für die SPD

Die Nutznießer von Gazprom & Co. in den westlichen Staaten muss gleichfalls der finanzielle Bann treffen! Putin ist der Aggressor, daran gibt es keinen Zweifel, und besonders bedauerlich ist es, dass uns die Bundeskabinette der vergangenen Jahrzehnte in eine beispiellose Abhängigkeit vom russischen Gas geführt haben. 2015 erwarb eine Gazprom-Tochter den größten Gasspeicher Europas, was die Bundesregierung unter Union und SPD unbedingt hätte verhindern müssen. Dieser Speicher in Rehden hatte bereits zu Beginn des Winters den geringsten Füllstand, um so das Droh- und Erpressungspotential für Putin zu erhöhen. Lange diskutierte man über das Pipelineprojekt Nordstream 2, bei dem sich weder Angela Merkel (CDU) noch Olaf Scholz (SPD) mit Ruhm bekleckert haben, doch die nahezu parallel verlaufende Pipeline Nordstream 1 brachten noch Gerhard Schröder (SPD) und Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) auf den Weg. Ganz nebenbei gefragt: Warum bezahlen wir Steuerzahler eigentlich noch Personal und Büro für Ex-Kanzler Schröder? Die Mitarbeiter haben das Weite gesucht, jetzt ist es an der Zeit, Schröder selbst vor die Tür zu setzen.

Blick auf gestapelte bunte Container im Hafen von Barcelona.
Wirtschaftssanktionen treffen auch die freiheitlichen Staaten, doch im Moment scheinen sie das einzige Druckmittel gegen den Aggressor Putin zu sein. Alle Finanztransaktionen Russlands müssen blockiert und der Warenverkehr eingestellt werden. Dies wird die Lieferketten gerade auch in der Containerschifffahrt weiter durcheinander wirbeln. (Bild: Ulsamer)

Schröder kassiert weiterhin als Aufsichtsratsmitglied des russischen Ölkonzerns Rosneft bzw. Verwaltungsratsvorsitzender von Nord Stream 2 erkleckliche Summen und hält Putin für einen ‚lupenreinen Demokraten‘. Hier werden die geknechteten Oppositionellen in Russland und die vom Krieg heimgesuchten Ukrainer gänzlich anderer Meinung sein! Schröder ist eine Schande für die Partei Friedrich Eberts oder Willy Brandts! Die SPD sollte Gerhard Schröder aus der Partei werfen, aber auch ein ernstes Wort mit der SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprechen, die mir zunehmend wie die Filialleiterin von Gazprom erschien. Der frühere SPD-Chef und Ministerpräsident Matthias Platzeck hadert mit den Sanktionen gegen Russland und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag, Rolf Mützenich, palaverte gerne über Russland, das sich bedroht fühle, und schien lange oder noch immer zu verkennen, wer wen attackiert.

Russische Botschaft in Berlin mit der wehenden russischen Flagge.
Wäre es nicht an der Zeit, die Zahl der Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin zu reduzieren? Wohl wissend, dass dann Putin gleichziehen wird. (Bild: Ulsamer)

Putin und seine Diktatorenfreunde

Separatisten kontrollierten seit 2014 Gebiete in der Ostukraine um Donezk und Luhansk und wurden dabei von Putin unterstützt und befeuert, der widerrechtlich die Krim besetzte und so – ohne nachhaltige Reaktionen des Westens – bereits die Souveränität der Ukraine mit Waffengewalt in Frage gestellt hatte. Wie in alten Zeiten ließ er die Separatisten um Hilfe rufen, schloss einen Beistandspakt und marschierte mit rücksichtsloser Gewalt in die Ukraine ein, denn Putin will keinen demokratischen Staat an seinen Grenzen dulden. Wer fühlt sich da nicht an die DDR 1953 oder die Tschechoslowakei 1968 erinnert?  Putin betont gegenüber westlichen Politikern immer wieder, er sei durchaus zum Dialog bereit, die Ukraine und die Kritiker in den demokratischen Staaten müssten lediglich zuvor alle russischen Forderungen akzeptieren. Aus diesen Äußerungen Putins wird mehr als deutlich, dass er sich längst weit vom Politikverständnis freiheitlicher Bürger entfernt hat. Man hat sich zu unterwerfen, dem neuen Zaren zu huldigen oder es fallen Bomben. ‚Wir haben keine bösen Absichten‘, betont Putin, doch gleichzeitig sterben auf seinen Befehl hin unschuldige Zivilisten und Soldaten auf beiden Seiten. Für wie bekloppt hält uns der immer mehr entrückt wirkende Potentat im Kreml eigentlich?

Mauer in Berlin, dahinter das Brandenburger Tor. Davor ein Schild: "Achtung! Sie verlassen jetzt West-Berlin".
Wenn statt Michail Gorbatschow 1989 Wladimir Putin Russland regiert hätte, dann gäbe es in Berlin noch heute die Mauer, Deutschland und Europa wären geteilt. Die Ukraine braucht unsere Solidarität in ihrem Freiheitskampf! (Bild: Ulsamer)

Putin und Lawrow, der es als langgedienter Außenminister besser wissen müsste, sehen Russland nicht isoliert, obwohl in der UN-Vollversammlung nur noch vier ‚gute Freunde‘ mit dem russischen Botschafter stimmten: Belarus, Syrien, Eritrea und Nordkorea votierten mit Russland gegen die UN-Resolution, die den Angriff auf die Ukraine mit überwältigendem Ergebnis verurteilte. Wen wundert es, dass in diesen vier Staaten Diktatoren mit brutaler Gewalt ihr Volk drangsalieren? Und in Syrien hat das russische Militär bereits gezeigt, wie es mit der Zivilbevölkerung umspringt, wenn der Stuhl eines Putin-Freundes wackelt! Der russische Präsident hat nicht nur die Atomstreitkräfte seines Landes in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, sondern ganz unverhohlen auch mit deren Einsatz gegen jeden gedroht, der die Ukraine unterstützt, und die Sanktionen bezeichnete er als ‚Kriegserklärung‘. Mit seinem Marsch zurück in die Sowjetzeit hat sich Putin in eine Sackgasse manövriert, in die ihm auf Dauer noch nicht einmal seine Oligarchen folgen werden.

Eine weiße Taube sitzt in einem glaslosen Fensterrahmen. Rechts etwas
Friedenstauben tun sich schwer in einer Welt, in der Menschen wie Wladimir Putin über Krieg und Frieden entscheiden. Als ich diese Taube aufgenommen habe – die Uhr zeigte nahezu 12 – da hätte ich nie geahnt, dass der Frieden in Europa wieder einmal durch eine einzelne Person – Wladimir Putin – so sehr bedroht werden würde. (Bild: Ulsamer)

Mutige Ukrainer und der verschreckte Westen

Die ukrainische Armee, aber auch die Bürgerinnen und Bürger ohne Uniform kämpfen mit bewundernswertem Mut für ihre Freiheit und gegen die Einverleibung in ein Russland, das versucht zur Sowjetunion zurückzukehren. Es ist geradezu trostlos jeden Tag die immer flehentlicheren Bitten um mehr Unterstützung aus dem Mund von Wolodymyr Selenskyj oder Vitali und Wladimir Klitschko zu hören und zu wissen, dass der freie Westen nicht direkt militärisch eingreifen wird, um einen Atomkrieg, einen dritten Weltkrieg zu vermeiden. Wenn Nachbarn leiden, darf uns dies nicht ruhen lassen, doch mit einem völlig unberechenbaren Herrscher im Kreml will die NATO einen Schlagabtausch vermeiden. So müssen wir zusehen, wie die Ukrainer leiden, vertrieben oder getötet werden. Unsere Solidarität hat enge Grenzen, daran ändern selbst einige Waffen nichts, die aus deutschen Depots – zu spät – geliefert werden.

Der Westen, und gerade auch Deutschland, hat zu lange zugesehen, wie sich Wladimir Putin als Herrscher über den Gashahn und eine immense Atomstreitmacht im Kreml festsetzte. Putin ist eben kein „lupenreiner Demokrat“ – wie Gerhard Schröder meint -, sondern ein Diktator, der bisher Wahlen manipulierte und nun eine lebenslange Alleinherrschaft anstrebt. Sein chinesischer Kollege  Xi Jinping ist ihm da schon voraus, und drückt sich um eine klare Aussage zum russischen Angriff auf die Ukraine, denn er liebäugelt damit, Taiwan mit Waffengewalt ins kommunistische Riesenreich einzugliedern. Putin und Xi sind im Grunde Imperialisten der alten Schule: Sie wollen ihre Macht über die eigenen Landesgrenzen hinaus ausdehnen! Wer wie Putin am roten Knopf einer atomaren Weltmacht sitzt, der ist von außen weitgehend unangreifbar, so bleibt nur die Hoffnung, dass sein eigenes Volk ihn aus dem Rennen nimmt. Meine Hochachtung gilt allen Bürgerinnen und Bürgern, die in Russland gegen Putins Willkürherrschaft aufbegehren. Solange Putin im Kreml sitzt, wird die Welt nicht mehr zur Ruhe kommen. Wladimir Putin hat sich in seiner Wagenburg eingeigelt und betrachtet die freie Welt als Feind, und jeden demokratisch gesinnten Bürger im eigenen Land als Aufrührer, der mit Haft oder dem Tod zu bestrafen ist. Viel zu lange hat sich gerade Deutschland in eine Gas-Knechtschaft begeben, sich über den Kohleausstieg oder Windkraftanlagen gestritten und die AKW abgeschaltet bzw. kein LNG-Terminal gebaut, ohne zu erkennen, dass Wladimir Putin am Gashahn sitzt und uns nach Gutdünken – ganz ohne Krieg – mit kalten und dunklen Wohnungen terrorisieren kann. Genau dieses versucht die russische Armee im Auftrag Putins jetzt mit Bomben und Raketen in der Ukraine, indem sie Heizkraftwerke, Energie- oder Wasserversorger angreift.

Die demokratischen Nationen und die eine oder andere weniger freiheitlich denkende Regierung stellen sich zwar mit Resolutionen und Sanktionen gegen Putins Angriffskrieg, doch die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine sind weitestgehend auf sich selbst gestellt. Ihr Mut ist bewundernswert! Spenden, helfen, beten – dies scheint der Dreiklang für uns Bürger zu sein, und Sanktionen zu verhängen die Ultima Ratio für die Staaten. Und mehr scheint nicht möglich zu sein. Es ist zum Verzweifeln! Kann das russische Volk, werden die Oligarchen und die politische und militärische Führungsspitze Wladimir Putin aus dem Kreml vertreiben, ehe es zu spät ist? Auf innere Einsicht wage ich beim russischen Präsidenten nicht mehr zu hoffen, der als Imperialist und Kriegsverbrecher die Sicherheitsordnung in Europa zu zerschlagen gewillt ist. Putins Truppen mögen die Ukraine besetzen können, politisch und moralisch jedoch hat er den Krieg längst verloren. Dies kann oder will der russische Präsident nicht erkennen. Vielleicht ist es ihm auch gleichgültig. Er scheint sich in der hohen Aufmerksamkeit zu sonnen, die ihm jetzt zukommt.

Ich wünsche den Menschen in der Ukraine, dass sie ihre Freiheit nicht (dauerhaft) verlieren. Ich bewundere ihren Mut, ihre Wehrhaftigkeit und Kraft, mit der sie für die Souveränität ihres Staates und die demokratischen Werte kämpfen.

Solidarität mit der Ukraine! Frieden und Freiheit für das ukrainische Volk!

 

 

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Ein Plakat mit den Farben blau und gelb für die Ukraine und dem Text: Standing for peace with the people in Ukraine.„Die politische Macht kommt aus den Gewehrkäufen.“ Dieser Satz stammt zwar nicht von Wladimir Putin, sondern von Mao Tse-tung, doch der russische Präsident hat ihn verinnerlicht. Die freie Welt steht in Solidarität zur Ukraine, aber wird das gegen einen militärisch weit stärkeren Gegner reichen? Das Foto zeigt ein Plakat, das der Irish Independent und andere Zeitungen für ihre Leserinnen und Leser beilegten. Es hängt jetzt in unserem Fenster. (Reproduktion Irish Independent)

3 Antworten auf „Wladimir Putin: Imperialist und Kriegsverbrecher“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Ulsamer,
    ein Eingreifen der Nato zugunsten der Ukraine, ist wohl nicht möglich. Allerdings wäre dies die einzige wirksame Hilfe, damit die Menschen in der Ukraine ihre Freiheit verteidigen könnten. Das Handeln ist vielleicht nur aufgeschoben. Niemand kann garantieren, dass Herr Putin nicht den Hilferuf aus den baltischen Staaten hört und den Bündnisfall damit auslöst.
    Möge dies nie geschehen und die Solidarität mit der Ukraine und ihren Menschen andauern.
    In Erinnerung an die “Obergrenze” bin ich skeptisch.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerhard Walter

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