Wenn Politikern die Cent-Münzen zu schwer im Geldbeutel liegen

Viele Menschen müssen dagegen mit jedem Cent rechnen

Die EU verliert mit dem Vereinigten Königreich zum ersten Mal ein Mitgliedsland, und in Brüssel macht sich die EU-Kommission Gedanken über die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent Münzen! Erkennen die EU-Bürokraten eigentlich nicht mehr, wo die wirklich wichtigen Aufgaben zu lösen sind? Und ganz nebenbei: Die EU war bisher noch nicht einmal in der Lage, die vom früheren EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker versprochene Abschaffung der Zeitumstellung zu realisieren. Noch so ein politischer Rohrkrepierer! Unter seiner Nachfolgerin, Ursula von der Leyen, hat die Kommission jetzt die Cent-Münzen im Blick! Aber als Ursula von der Leyen noch Verteidigungsministerin war, gab es bei der Bundeswehr nicht mal passende Unterwäsche für die SoldatInnen, und auch Panzer wollten nicht rollen und Flugzeuge nicht starten. Leicht skurril ist es, wenn die Gegner der Cent-Münzen wortreich darauf hinweisen, Italien und Irland würden längst in den Geschäften auf- oder abrunden und bräuchten solche Münzen nicht mehr. Für mich sind dies nicht gerade die überzeugendsten Beispiele für wirtschaftlich zukunftsweisende Entscheidungen, denn Italiens Bankwesen ächzt noch immer unter faulen Krediten und beide Länder wären nach der Finanzkrise ohne Hilfe der stabileren Euro-Länder nicht über die Runden gekommen.

Die Buchstaben E und U gelegt mit Zwei-Cent-Münzen.
In der Europäischen Kommission unter Ursula von der Leyen brüten die europapolitischen ‚Strategen‘ mal wieder über die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Und dies unmittelbar nach dem Brexit, wo es darum geht, ein tragbares Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich zu erarbeiten. Welche Prioritäten gelten denn in Brüssel? Wir sollten uns nicht täuschen lassen, wenn aus Brüssel verlautet, es gehe um gemeinsame Rundungsregeln, denn die werden ja nur gebraucht, wenn die Münzen wegfallen. (Bild: Ulsamer)

Auf den Cent achten

Natürlich bin ich mir bewusst, dass man nicht kurzschlüssig argumentieren kann, wer nicht auf den Cent achtet, der handelt sich auch gewaltige Finanzprobleme ein. Vielleicht klingt es altmodisch, doch dann bin ich es gerne: Ich glaube, dass der Satz „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ noch immer eine tiefere Bedeutung hat. Preissensibilität ist für mich eine positive Eigenschaft, die nicht durch das Wegfallen kleiner Münzen gemindert werden sollte. Dies hat nichts damit zu tun, dass viele unserer Zeitgenossen nur mit dem ‚Geiz ist geil‘-Blick die Auslagen betrachten, sondern ganz im Gegenteil. Qualität hat ihren Preis, was besonders für Lebensmittel gilt. Dennoch sollten wir auch die Cent bei der Preisauszeichnung und nicht nur die Euro im Blick behalten.

Gleiches gilt im Grunde für das Sparen, für das man Kinder und Enkelkinder interessieren sollte, doch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) führt das Sparen ad absurdum. So drehen Politiker von unten und oben an der Schraube, die das Bargeld zerquetscht. Der größte Zinsräuber aller Zeiten, Mario Draghi, zerstörte bei vielen Menschen mit seiner Nullzinspolitik die Altersvorsorge. Ob Christine Lagarde einen neuen geldpolitischen Kurs steuert, darf bisher bezweifelt werden: Zuerst will sie mit ihren Mitarbeitern ein Jahr über die Strategie nachdenken. Und irgendwie wird der Wunsch nach Erhalt der Ein- oder Zwei-Cent-Münzen auch zum Kampf mit Windmühlenflügeln, wenn die EZB das 2,5-Billionen-Euro-Kreditkarussell dreht und weiterhin fleißig Anleihen im Euro-Raum ankauft. Aber mal ganz ehrlich: Sollte den Spekulanten und Kredit-Junkies die Zukunft gehören oder den Sparern, die auch mal auf den Cent achten?

Kleines Häufchen mit Fünf-Cent-Münzen.
Und wann sind dann die Fünf-Cent-Münzen dran? Ältere Menschen mit kärglichen Renten oder auch finanziell weniger gut gestellte Mehrkinderfamilien müssen oft mit jedem Cent rechnen, da würde ich mir eine Konzentration der deutschen und europäischen Politik auf die Bekämpfung der Armut wünschen. (Bild: Ulsamer)

Cent-Münzen als Ablenkungsmanöver

In der Politik hat die Zahl derer zugenommen, die meinen, man könne gut auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen verzichten. So setzt sich Oliver Krischer, der Fraktionsvize von Bündnis90/ Die Grünen im Deutschen Bundestag, auch für die Abschaffung der kleinen Cent-Münzen ein. Er verwies auf die hohen Materialkosten und die Energie, die für die Prägung der Münzen aufgebracht werden müsse. Und er betonte gegenüber der Saarbrücker Zeitung: „Die Münzen sind komplett überflüssig und hauptsächlich ein Ärgernis in der Geldbörse.” Nur gut, dass die Grünen jetzt sogar wissen, was mich in meiner Geldbörse ärgert! Wenn Krischer sich zu sehr ärgert, dann soll er die Münzen doch in die Spendenbüchsen werfen, die allenthalben neben Ladenkassen stehen. Gerne darf er auch einige höhere Münzwerte dazulegen.

Oliver Krischer betonte mehrfach: „Die Ein- und Zwei-Cent-Münzen sind eine riesige Ressourcenverschwendung an wertvollen Metallen“. Apropos Verschwendung. Wenn Bundestagsabgeordnete ans Einsparen der Cent-Münzen denken, dann fällt mir ein, dass der Deutsche Bundestag – nach dem Chinesischen Volkskongress – das zweitgrößte Parlament der Welt ist. In der ersten Wahlperiode saßen 421 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Heute sind es 709! Natürlich hat sich die Zahl nach der Wiedervereinigung erhöht, aber der XXL-Bundestag muss wieder auf ein Normalmaß gebracht werden. Und leider hat auch die Qualität der Arbeit nicht zugenommen! Jüngst wurde eine Sitzung unterbrochen, weil die Kabinettsbank völlig menschenleer war, und das ‚Plenum‘ verdient ja selten diesen Namen. Es ist eben leichter über Cent-Münzen zu philosophieren, als das eigene Gremium auf ein Normalmaß zu stutzen! So mancher Abgeordnete scheint sich eher durch Cent-Münzen im Geldbeutel belastet zu fühlen, als durch drängendere Fragen wie Altersarmut oder Schulkinder ohne Frühstück! Cent-Münzen werden dann zum schönen Thema für die Ablenkung der Wählerschaft.

Kleines Häufchen von Ein-Cent-Münzen.
Kleine Münzen scheinen manche Politiker sehr zu plagen, denn sie brauchen diese ja auch nicht für ihren Lebensunterhalt. Wer sich in eigene Alterssicherungssysteme flüchtet – wie der Landtag in Baden-Württemberg – oder für das Herrichten eines Zimmerchens in Brüssel 72 000 Euro an Steuergeldern verausgaben kann – wie Ursula von der Leyen -, der sollte nicht leichtfertig über Cent-Beträge palavern. Die ‚Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung‘ vermeldete, Antje Tillmann betone für die Unionsfraktion: „Auf 1-Cent- und 2-Cent-Münzen können wir gut verzichten, auf unser Bargeld natürlich nicht”. Doch irgendwann sind dann die Fünf-Cent-Münzen dran. Vielleicht ist diese Diskussion in unserem XXL-Bundestag auch eine Therapie für so manchen unterbeschäftigten Abgeordneten? (Bild: Ulsamer)

Wenn Bürger mit jedem Cent rechnen müssen …

Von der europäischen Politik würde ich mir eine stärkere Fokussierung auf die wirklich wichtigen Themen wünschen! Wer sich in der EU-Kommission mit der Zeitumstellung – bisher ohne Ergebnis – jahrelang herumplagt, der sollte sich nicht noch der Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen widmen, sondern den Brexit-Folgen, der Migration oder dem Klimaschutz. Nach ersten Zeitungsberichten über Arbeitspläne der neuen EU-Kommission wurde verlautbart, es ginge um gemeinsame Rundungsregeln und nicht um die Abschaffung der Cent-Münzen. Das kommt mir bekannt vor: Prüfaufträge, um die eigene Meinung zu untermauern. Aber eines ist ja klar, Rundungsregeln braucht nur derjenige, der auch die kleinen Münzen abschaffen möchte. Jean-Claude Juncker ist weg, doch die Politik der Nebelgranaten dominiert weiter bei der EU-Kommission. Und wenn ich mir dies wünschen dürfte, dann sollte die EU nicht in ‚kleiner Münze‘ denken, sondern nachhaltige Anstöße für eine europäische Batteriefertigung oder die Wasserstofftechnologie geben. In Deutschland hat Olaf Scholz mit seiner Pflicht für Kassenbons ab dem ersten Brötchen bewiesen, dass er gleichfalls in falschen Kategorien denkt.

Die Angriffe auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen vermitteln den Eindruck, als handele es sich um den Versuch, das Tor zur generellen Abschaffung des Bargelds weit aufzustoßen. Nun zahle ich auch gerne mit Kredit- oder Sparkassen-Karte, aber es kann doch nicht die Aufgabe der Politik sein, uns Bürgern den Umgang mit unserem eigenen Geld vorzuschreiben. Und wenn ich nochmals nach Italien schaue, dann kann ich nicht feststellen, dass dort die Mafiosi arbeitslos geworden wären, nur weil es niedrigere Obergrenzen für Bargeldgeschäfte gibt.

Solange ältere Menschen als Folge niedriger Renten mit jedem Cent rechnen müssen und so manche kinderreiche Familie über kleine Cent-Beträge brüten muss, da sollte die Politik in Europa und Deutschland aufhören, über die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen zu debattieren. Die verantwortlichen Politiker sollten zuerst die Probleme beseitigen, die viele Mitbürger plagen, und dazu gehören sicherlich nicht die kupferfarbenen Münzen im Geldbeutel!

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