Wenn die Quellen versiegen

Wasserknappheit wird zur Bedrohung in Deutschland

In den letzten Jahrzehnten schienen Dürre und Wassermangel eher Stichworte, die in afrikanischen Staaten diskutiert wurden, doch mehr und mehr hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass wir beim Süßwasser auch in Mitteleuropa aus der Überflussgesellschaft in eine Mangelwirtschaft abgleiten. Ganze Regionen drohen auszutrocknen, Quellen versiegen, Fernwasserversorger nehmen keine neuen Kommunen auf, und Waldbrände nehmen an Zahl und Intensität zu. Wer beim Klimawandel nur an die Erderwärmung denkt, der vergisst, wie bedrohlich Wasserknappheit und Artenschwund sind. Verschärfte Konflikte zeichnen sich nicht nur zwischen Staaten um den Zugang zu Wasser ab, sondern in gleicher Weise zwischen den Nutzern innerhalb der Länder: Private Haushalte und Landwirtschaft sowie Gewerbe- und Industrie greifen auf die lebensnotwendige Ressource Wasser zurück. Am Rückgang des verfügbaren Süßwassers ändern in Deutschland einige verregnete Monate nichts, dies belegen erschreckende Analysen des Global Institute for Water Security an der Universität der kanadischen Provinz Saskatchewan ebenso wie des GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam. Mögen auch die konkreten Verlustzahlen auseinandergehen, der Weg scheint unweigerlich zur Wasserknappheit zu führen. Es wird nicht reichen, wie die Bundesregierung eine Wasserstrategie zu präsentieren, sondern es muss schnell und konsequent gehandelt werden, wenn in Zukunft sicheres Wasser für alle bereitstehen soll.

Blick auf die Staumauer einer Talsperre aus Beton.
Mit einer Höhe von 106 Metern ist die Rappbode-Talsperre das höchste Bauwerk seiner Art in Deutschland, und sie wurde 2022 als ‚Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland‘ ausgezeichnet. Überlegungen für diese Talsperre gab es bereits 1890, erste Arbeiten erfolgten während des Zweiten Weltkriegs, errichtet wurde die Talsperre dann aber von 1952 bis 1959 in der DDR, worauf auch eine Inschrift hinweist: „Die Rappbode Talsperre – ein Grossbau des Sozialismus“. Aufgestaut werden können 109 Mio. m³ Wasser, das der Trinkwasserversorgung, dem Hochwasserschutz und der Energieerzeugung in Sachsen-Anhalt dient. Nervenkitzel bieten im Übrigen eine Hängebrücke parallel zur Rappbode-Talsperre in Höhe der Mauerkrone oder eine Doppel-Zipline. Wenn Dürreperioden und Starkregenereignisse zunehmen, dann müssten in Deutschland weitere Talsperren oder andere Speicherseen gebaut werden, doch ist dies in einem Land denkbar, in dem schon ein Windrad heftige Diskussionen auslösen kann und in Stuttgart noch immer Gegner des neuen Tiefbahnhofs auf der anderen Straßenseite ausharren, obwohl sich das Projekt Stuttgart 21 langsam, aber sicher der Fertigstellung nähert? (Bild: Ulsamer)

Strategien genügen nicht

Das verfügbare Wasser wird in Deutschland weniger, ausgerechnet in einer Zeit, die erkennbar mehr Hitzetage bringt und längere Dürreperioden. Damit steigt trotz bisheriger Einsparungen der Bedarf an Süßwasser gerade auch in der auf Bewässerung angewiesenen Landwirtschaft. In manchen Bundesländern kann Oberflächen- und Grundwasser noch kostenlos für die Bewässerung von Feldern genutzt werden. Aber in den Ställen leben durstige Bewohnerinnen: Eine Milchkuh benötigt pro Tag zwischen 50 und 200 Liter Wasser! Nicht übersehen dürfen wir bei der bisherigen Entwicklung, dass die Industrie durch entsprechende Kreislaufverfahren Brauchwasser eingespart hat, und dies gilt ebenso für Privathaushalte und das Kleingewerbe, die 1991 nach Angaben des Umweltbundesamts 144 Liter pro Kopf und Tag verbrauchten, 2022 waren es 125 Liter. Diese Verbrauchsreduzierung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei lediglich um Wasser für Körperpflege, Kochen und Trinken oder Wäschewaschen und Putzen handelt. Große Teile des Wasserverbrauchs haben wirtschaftlich stärker entwickelte Gesellschaften in andere Staaten verlagert, in denen ihre Kleidung hergestellt oder Obst und Gemüse angebaut werden. Beziehen wir solche Erzeugnisse mit ein, dann entfallen auf jeden Bundesbürger pro Tag rd. 7200 Liter Wasser. Nicht selten werden gerade Gurken oder Himbeeren in Spanien erzeugt, wo das Wasser bereits heute knapp ist. Diese Tatsache macht eine gesamteuropäische Vorgehensweise sinnvoll, die aber nur Erfolg haben wird, wenn die Verbotsbürokraten in Brüssel nicht zum Zuge kommen, sondern Fachleute. Wer noch nicht einmal einen tragfähigen Kompromiss für die Abschaffung der Zeitumstellung finden kann, der wird auch keine Wasserstrategie erarbeiten und umsetzen können.

Schäumende Wellen auf einem Fluss, dem Neckar, bei Hochwasser. Im Hintergrund ein Wehr mit einer Schleuse.
Erwärmt sich die Atmosphäre, kann die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen, und dies könnte zu mehr Niederschlägen führen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Regenmengen anders verteilen: Auf längere Dürreperioden könnte Starkregen folgen, der dann kaum in die ausgetrockneten und damit harten Böden eindringen kann. Hochwasser könnte zu einer häufigeren Bedrohung werden. Sollte durch das Abschmelzen des Grönlandeises der Golfstrom deutlich abgeschwächt werden, könnte dies auch in Deutschland gravierende Auswirkungen auf die Verteilung des Regens haben. Mehr dazu unter ‚Wenn der Golfstrom schlapp macht. Erderwärmung könnte Nord- und Westeuropa eisige Zeiten bescheren’. Das Foto wurde am Neckar bei Esslingen aufgenommen: Hier zeigte sich die Wasserstraße mal wieder als der ‚wilde Fluss‘, wie ihn die Kelten kannten. (Bild: Ulsamer)

Apropos Wasserstrategie. Eine solche hat die Bundesregierung vorgestellt, was ich ausdrücklich begrüße, doch befürchte ich, dass zu zaghaft vorgegangen wird. Strategien sind wichtig, z. B. die vor kurzem entwickelte Moorstrategie, allerdings sind die konkreten Schritte das eigentliche Problem, denn da verliert so mancher Zauderer oder Weggucker leicht die Orientierung. Dies zeigte sich z. B. bei der Ansiedlung von Tesla im brandenburgischen Grünheide, die von SPD- Ministerpräsident Dietmar Woidke und der damaligen CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel durchgedrückt wurde, obwohl die neue wasserintensive Fabrik in einer schon heute von Dürren geplagten Landschaft liegt. Zwar wird es im Zuge des Klimawandels in Deutschland im Jahresschnitt nicht unbedingt weniger Niederschlag geben, doch sintflutartiger Regen wird auf Dürren folgen, und dies trägt kaum zum Auffüllen des Grundwasserkörpers bei, sondern zu Überschwemmungen. Auch auf solche Katastrophen sind wir zu wenig vorbereitet, wie man im Ahrtal auf traurige Weise erleben musste. Zu lange wurden nicht nur die Flussauen zugebaut, sondern die Versiegelung in unseren Städten und falsche Anbaumethoden im Agrarbereich, die das Abschwemmen des Bodens erleichtern, lassen auf zunehmend häufigere Starkregenereignisse apokalyptische Szenen folgen und so manche Flutkatastrophe hat bisher wenig mit dem Klimawandel zu tun, sie ist das Resultat falschen menschlichen Handelns vor Ort. Mehr zu diesem Aspekt finden sie in meinem Blog-Beitrag ‘Naturkatastrophen’ aus Menschenhand. Die Natur braucht mehr Raum.

Braune Rohrkolben und andere Pflanzen ragen aus dem Tümpel heraus.
Moore und Feuchtgebiete unterschiedlicher Ausprägung brauchen mehr Schutz. Wo immer möglich, müssen entwässerte Flächen wieder renaturiert werden. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in meinem Blog-Beitrag ‚Eine Strategie rettet noch kein Moor. Moore binden CO2 und stärken Wasserhaushalt‘. (Bild: Ulsamer)

Erhalt und Renaturierung von Feuchtgebieten

Das sogenannte Wasserdargebot, die Menge des Oberflächen- und Grundwassers, das in einem bestimmten Gebiet genutzt werden kann, ist in Deutschland im Verhältnis zu Regionen, die seit Jahrzehnten von Dürren geplagt werden, natürlich noch hoch, doch wissenschaftliche Untersuchungen belegen klar einen Wandel zum Negativen. Wie bereits eingangs erwähnt, liegen die Wasserverluste in Deutschland bei einzelnen Studien auseinander, der Trend aber ist klar: einem in heißeren Zeiten und wegen der Bevölkerungszunahme durch Zuzug steigenden Bedarf steht ein sinkendes Potential an nachhaltig nutzbarem Süßwasser gegenüber! Der Direktor des vorstehend erwähnten Global Institute for Water Security geht nach der Auswertung von Satellitendaten davon aus, dass Deutschland rapide an Wasser verliert. „Deutschland hat in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren.“  Jay Famiglietti betont: „Damit gehört es zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit.“ Zugrunde liegt die Annahme, die sich auf Satellitendaten stützt, dass Deutschland jährlich 2,5 Mrd. m³ Wasser verliert. Studien des GeoForschungsZentrums (GFZ) kommen nach anderen Berechnungen auf ein jährliches Minus von 760 Mio. m³ an Wasserressourcen. Wer nun recht hat, das kann ich nicht beurteilen, doch der erschreckende Rückgang an potenziell nutzbarem Wasser ist allemal erkennbar! In zunehmenden Dürreperioden wird mehr Wasser verdunsten, welches den Menschen, Tieren und Pflanzen gleichermaßen fehlt, und das auch das Grundwasser nicht stärkt. Heftige Regengüsse bringen keine Erholung, denn es wird weder durch den ausgetrockneten und damit harten Boden den Pflanzen zufließen noch das Grundwasser anheben. Das Abschmelzen der letzten Alpengletscher und der fehlende Schnee im Winter werden in den Sommermonaten zu einem geringeren Abfluss in die im Alpenvorland liegenden Bäche, Flüsse und Seen führen.

Im Vordergrund ein Damm aus Ästen, Wurzelwerk und Erde, den ein Biber errichtet hat. Dainter eine aufgestaute Wasserfläche mit abgestorbenen Fichten.
Wir brauchen wieder mehr Wasserflächen in unserer Landschaft, und da kommt dem Biber eine wichtige Aufgabe zu. Der eifrige Baumeister kann mit seinen Dämmen die Natur zurückholen – wenn man ihn denn gewähren lässt. Diese Aufnahme entstand am Weg vom Kunzenmoos Parkplatz in der Gemeinde Feldberg zum Raimartihof. Gleich gegenüber befindet sich die Waldhofbachfassung, die über den Hangkanal dem Schluchsee jährlich im Schnitt 30 Mio. m³ Wasser zuführt. Der Schluchsee liegt hinter der Rappbode-Talsperre auf Platz 10 unter den deutschen Stauseen. Sein Wasser dient in erster Linie der Stromerzeugung. (Bild: Ulsamer)

Technische und natürliche Speichermöglichkeiten fehlen, um im großen Maßstab zusätzliches Wasser zu binden. Es ist kaum damit zu rechnen, dass in unserer Gesellschaft im nennenswerten Maßstab Staudämme gebaut werden können, wo doch bereits ein Windrad oder eine Mobilfunkantenne zu Aufruhr führen kann. Zu denken gibt auch, wie sang- und klanglos die Idee eines Speichersees im Hotzenwald von der politischen Tagesordnung verschwand, der allerdings zur Absicherung der Stromversorgung für ein Pumpspeicherwerk gedacht war. Selbst beim Bau von Hochwasserrückhaltebecken hat sich die Einsicht noch nicht durchgesetzt, diese so groß zu bauen, dass immer etwas Wasser dort verbleiben kann: Das würde vor allem der Tierwelt nutzen. Um ‚Wasserstress‘ zu vermeiden, der vorliegt, wenn mehr als 20 % des verfügbaren Wassers durch Menschen genutzt werden, müssen wir unser Verhalten gegenüber der Natur verändern. Ja, in vielen Fällen ist eine Kehrtwende von Nöten. In den zurückliegenden Jahren wurden Feuchtgebiete in großem Maßstab trockengelegt, Moore abgebaut, Tümpel und Weiher aufgefüllt, Bäche und Flüsse begradigt, nicht selten in ein Betonkorsett gezwängt. Wasser wurde nicht als wichtige Ressource geschont oder gar geschätzt, sondern alles dafür getan, es so schnell wie möglich aus Feld und Flur, aus Forst und Kommunen in dicken Rohren herauszuleiten. Zu lange haben sich die politisch Verantwortlichen darauf verlassen, dass schon rechtzeitig neuer Regen fällt oder die Bewässerungsanlagen Felder und Gärten feuchthalten.

Starker Regen prasselt auf den Boden. Die Dole verschafft das Wasser kaum.
Auf versiegelten Flächen kommt der Niederschlag nicht dem Grundwasser zugute, denn das Regenwasser verschwindet in der Kanalisation. In den urbanen Regionen benötigen wir mehr Überflutungsflächen, denn bei Starkregen kann die Kanalisation das Regenwasser nicht schnell genug abführen. Aber auch dauerhaft müssen mehr Wasserflächen in unseren Städten geschaffen werden. (Bild: Ulsamer)

Regenwasser muss wieder eine Chance bekommen, in der Landschaft zu versickern und so das Grundwasser aufzufüllen. Dies heißt auch, dass – wo immer möglich – versiegelte Flächen renaturiert werden müssen. In der Landwirtschaft gilt es, durch entsprechenden Anbau dafür Sorge zu tragen, dass die Böden möglichst durch Bewuchs nicht so stark austrocknen und den Niederschlag aufnehmen können. Jeder naturnahe Tümpel, Weiher, Teich oder See ist von Bedeutung, um das Niederschlagswasser möglichst lange zu halten. Mäandrierende Bäche und Flüsse können zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt ebenso beitragen wie die Wiedervernässung einstiger Moore und Feuchtgebiete. Statt dicker Betonröhren für den ‚Abtransport‘ des Wassers brauchen wir mehr Flächen in den unterschiedlichen Landschaftsbereichen, die Wasser speichern und wieder abgeben können. Im südirischen Kerry haben wir in den trockeneren Monaten erlebt, wie ein höher gelegenes Moor durch die Abgabe von Wasser an einen kleinen Speichersee dazu beiträgt, dass weiterhin Trinkwasser aus dem Hahn kommt. Ergänzende Ausführungen finden Sie in meinem Blog-Beitrag ‚Klimawandel: Ohne ein Moor wären wir auf dem Trockenen gesessen. Moorschutz braucht weltweit eine höhere Priorität‘. Vorhandene Feuchtgebiete müssen erhalten und Moore oder Tümpel brauchen wieder Wasser!

Ausgetrockneter Boden mit tiefen Rissen.
Auf einem knappen Drittel der Landesfläche wächst in Deutschland Wald oder sie wird forstlich genutzt. Das großflächige Absterben von Fichtenmonokulturen, z. B. im Harz, ist ein deutlicher Beleg dafür, dass diese Baumart im Zeichen der Erderwärmung in vielen Regionen keine Chance mehr hat. Den Bäumen fehlt jedoch nicht nur das Wasser, das über Jahrzehnte immer umfassender aus den Forstgebieten abgeleitet wurde, sie wurden auch am falschen Ort gepflanzt. Wie anschaulich zu erkennen, ist der Boden in einem Wald in Baden-Württemberg bereits am 1. Juni, als ich das Foto aufgenommen habe, ausgetrocknet. (Bild: Ulsamer)

Wasser wird zum knappen Gut

Das kostbarer werdende Süßwasser darf nicht länger durch schädliche Einträge aus der Industrie, aus Haushalten (Medikamentenrückstände oder Mikroplastik) und gerade auch der Landwirtschaft (Pestizide, Gülle, Düngemittel) verunreinigt werden. Eine weitere Ertüchtigung der Kläranlagen ist zwingend erforderlich, doch muss es besonders darum gehen, viele gefährliche Stoffe erst gar nicht ins Wasser gelangen zu lassen. Gelingt das nicht, werden die Kosten für die Klärung der Abwässer immer schneller steigen. So mancher Bach führt vor allem in trockenen Sommermonaten mehr geklärte Abwässer als Quell- oder Regenwasser. Um Bäche und Flüsse ist es in Deutschland ohnehin nicht gut bestellt, obwohl die Schaumberge und der üble Geruch früherer Jahrzehnte verschwunden sind. „Im Jahr 2021 wurden nur       8 Prozent der deutschen Flüsse und Bäche in einen ‚guten‘ oder ‚sehr guten‘ ökologischen Zustand beziehungsweise ein ‚gutes‘ ökologisches Potenzial eingestuft“, so das Umweltbundesamt. Es ist eine absolute Blamage, dass Deutschland die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie der EU, zu denen sich die Bundesregierung 2000 verpflichtet hatte, deutlich verfehlen wird. Bis spätestens 2027 sollten sich dann alle Gewässer in einem guten Zustand befinden – hoffentlich! An diesem Beispiel lässt sich ablesen, dass politische Vorsätze nicht ausreichen, sondern sie müssen auch gegen Widerstände umgesetzt werden!

Beregnung von Gemüseflächen. Im Hintergrund Büsche und Bäume.
Mit zunehmenden Hitzetagen und länger anhaltender Trockenheit steigt der Wasserbedarf in Landwirtschaft und Gartenbau. Wie wird unsere Gesellschaft mit der Konkurrenz zwischen Privathaushalten, Landwirtschaft und Industrie umgehen, wenn das Wasser knapp wird? In den letzten Jahren haben sich die Zeiträume verlängert, in denen der Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung Dürre anzeigt, und dies im Bereich des Oberbodens bis 25 Zentimeter bzw. im Gesamtboden bei 1,80 Meter. So manche Diskussion über einige Regentage würde versachlicht, wenn mehr Bürger einen Blick auf diese Karten werfen würden. (Bild: Ulsamer)

Süßwasser wird in den nächsten Jahrzehnten zu einem zunehmend knappen Gut werden, darum müssen wir bereits jetzt alles Menschenmögliche dafür tun, um Grund- und Oberflächenwasser vor Verschmutzungen zu bewahren und das kostbare Wasser so sparsam wie möglich einzusetzen. Auf landwirtschaftlichen Flächen und im Forst bzw. Wald, aber auch in den Kommunen oder im Bereich von Industrie und Verkehrsflächen müssen wieder mehr Möglichkeiten zum Versickern und zur Speicherung für das Regenwasser geschaffen werden. Gerade in Städten und Gemeinden fehlen zumeist nicht nur naturnahe Grünflächen und Bäume, sondern auch kleine Seen, Weiher, Teiche oder Tümpel. Es kann nicht darum gehen, die letzte Baulücke zu schließen, sondern Freiräume für die Natur zu erhalten. Wer heute noch Frischluftschneisen zubaut und die Speicherfähigkeit für Regenwasser weiter reduziert, der handelt im urbanen Bereich fahrlässig und gefährdet die Gesundheit der Bürgerschaft. Die EU-Agrarpolitik muss die Flächensubventionen ohne Vorteile für Natur und Mensch aufgeben und stattdessen auf Ökologie und Nachhaltigkeit setzen! Dazu gehören dann Blühwiesen und Brachen ebenso wie zusätzliche Tümpel und Weiher, naturnahe Flussufer sowie Anbaumethoden, die den Boden und dessen Speicherfähigkeit für Wasser schützen. Und so mancher zugeschüttete Tümpel, der zu einem Holzlagerplatz wurde, sollte im Forst wieder zu einem Biotop umgestaltet werden.

Gezogen von einem grünen Traktor wird aus dem Tankanhänger gut erkennbar Gülle auf das Grünland geschleudert.
Rund die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt, daher kommt es zur Sicherung des Oberflächen- und Grundwassers auch darauf an, den Eintrag von Gülle, chemischen Düngemitteln oder Pestiziden deutlich zu reduzieren. Rinder, Schweine und Hühner gehören wieder auf die Weide und nicht in Massenställe. Dies führt zu einer Reduzierung des Bestands und der Güllemenge. (Bild: Ulsamer)

Wenn wir nicht wollen, dass die Quellen versiegen und das Trinkwasser in Deutschland knapp wird, müssen wir mehr zum Schutz der Gewässer und zur Aufnahmefähigkeit des Bodens für die Niederschläge tun. Die Wasserstrategie der Bundesregierung bezieht wichtige Faktoren ein, doch nur eine zügige Umsetzung kann helfen. Der Kampf gegen den Klimawandel ist von zentraler Bedeutung, aber selbst wenn die Erderwärmung deutlich abgebremst werden kann, müssen wir gleichzeitig mehr zur Sicherung der Ressource Wasser und der Artenvielfalt tun. Hitzetage ohne Zugang zu sauberem Wasser werden für Menschen und Tiere zur Katastrophe. Wenn wir der Natur nicht wieder mehr Wasser in der Fläche lassen, werden nicht nur die Pflanzen vertrocknen, sondern auch unser Lebensstil verwelken!

 

Wasser fließt über einen überhängenden Felsen auf grüne Moosflächen.
Jeder Tropfen zählt: Wasser fördert das Leben. Das zeigt sich auch beim Grün am Rande des Neidlinger Wasserfalls auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. (Bild: Ulsamer)

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