Weniger Beton und mehr Natur für unsere Flüsse und Bäche

Der Schutz des Trinkwassers hat Priorität

Viele Flüsse und Bäche in Deutschland ähneln einer Betonrinne, sie werden durch Querbauwerke unterbrochen, und weitgehend für das Auge unsichtbar lassen auch Mikroplastik und Arzneimittelrückstände, Nitrat und Phosphor grüßen. Die stinkenden Flüsse mit gelblichen Schaumbergen aus den 1960er Jahren gehören dank leistungsfähiger Kläranlagen für Industrie- und Gewerbebetriebe sowie dem kommunalen Sektor der Vergangenheit an, und diese Erfolge sollten wir nicht geringschätzen. Doch heute besteht die Gefahr, dass die weniger in die Nase dringenden Probleme nicht gelöst, sondern von der Politik vor sich hergeschoben werden. So kommt das Bundesumweltministerium zu dem erschreckenden Ergebnis: „Nur 9 % der Fließstrecke der natürlichen Flüsse und Bäche sind in einem guten oder sehr guten ökologischen Zustand.“ Skurril ist es, dass die Bundesregierung zwar die EU-Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 abnickte, seither jedoch um Verlängerung der Fristen bat, in denen der Zustand der Flüsse und Bäche verbessert werden sollte. Mögen die chemischen Belastungen weniger erkennbar sein, so springen die Misshandlungen ins Auge, die Bäche und Flüsse durch menschliche Eingriffe erleben mussten: Rhein oder Neckar wurden mit brachialen Mitteln zu Schifffahrtsstraßen gemacht, und selbst in diesen Tagen wird die Elbe weiter vertieft. Statt durch die Landschaft zu mäandern, fließen Bäche in einem engen Betonkorsett dem nächsten Fluss zu.

Ein kleiner Fluss - die Steinlach - ist in ein Betonkorsett gezwängt. Links und rechts Gras und Büsche.
Die Steinlach wurde in Tübingen in eine Betonrinne gezwängt. Es gibt erste Renaturierungsmaßnahmen, doch die herangerückte Bebauung lässt wenig Spielraum. Dies ist ein Beleg dafür, dass sich Irrwege beim Hochwasserschutz, die vor langer Zeit – im guten Glauben – eingeschlagen wurden, sehr schwer oder gar nicht korrigieren lassen. (Bild Ulsamer)

Von Nitratfluten und Stauwehren

Wenn über hohe Nitratwerte in Flüssen und im Grundwasser zurecht geklagt wird, ist das kein Wunder, denn Gülle, Mist und Gärreste aus Biogasanlagen gelangen noch immer viel zu reichlich auf landwirtschaftliche Flächen. Auch organischer Dünger kann eben im Übermaß zu einer Gefahr werden, was umso mehr gilt, wenn in Massenställen viel zu viele Tiere gehalten werden, deren Hinterlassenschaften dann auf einer zu kleinen Fläche verteilt wird. Für so manchen Nutztierhalter steht nicht der Ertrag auf Feldern und Wiesen im Vordergrund, sondern sie werden zur Entsorgungsstation für die anfallende Gülle degradiert. Regen schwemmt den überschüssigen Dünger nicht nur ins Grundwasser, sondern gleichfalls in Flüsse und Bäche. Dies gilt besonders dort, wo selbst die Uferstreifen noch ihren Anteil an Gülle oder Mineraldünger abbekommen. Die Umweltorganisation VSR-Gewässerschutz berichtet: „Bei unseren Messfahrten an Deutschlands Flüssen messen wir leider viel zu häufig zu hohe Nitratwerte. Für das Erreichen des ‚guten Zustands‘ der Gewässer hatte die EU mit der Wasserrahmenrichtlinie ursprünglich das Jahr 2015 als Frist gesetzt. Deutschland hat die Möglichkeit diese Frist zu verlängern für fast alle Gewässer ausgereizt. Doch statt nun alles daran zu setzen die neue Frist 2027 zu erreichen, wird die Umsetzung verschleppt in der Hoffnung auf Fristverlängerung.“ Da wird zwar in Berlin von Agrarministerin Julia Klöckner nach langem Zögern 2020 die Düngeverordnung verschärft, allerdings braucht es im Grunde keine Reförmchen, sondern eine Revolution im Agrarsektor! Der Streifen an Gewässern, auf dem nicht gedüngt werden darf, wurde auf 3, 5 oder 10 Meter ausgedehnt – je nach Hangneigung! Nun mal ganz ehrlich: Drei oder fünf Meter sind ein Witz! Mittelfristig müssen Randstreifen an Gewässern ganz aus der Nutzung genommen werden.

Ein Binnenschiff, das nur ganz knapp in die Schleuse passt, fährt wieder auf den Fluss. Das Schiff ist mit Schrott beladen.
Der Neckar wurde von 1921 bis 1968 von Mannheim, wo er in den Rhein mündet, bis Plochingen schiffbar gemacht. Für die Natur bleibt – im Gegensatz zum Oberlauf – wenig Platz. Dies lässt sich auch an den Schleusen – wie hier bei Oberesslingen – erkennen, die für Rheinschiffe zu kurz sind. Sollten die Erweiterungen wirklich durchgezogen werden, dann müssen umfängliche Renaturierungsmaßnahmen damit verbunden werden, die vor allem die Altarme einbeziehen. (Bild: Ulsamer)

Die schlechte Beurteilung vieler Fließgewässer resultiert in Deutschland – neben der Überdüngung – gerade auch aus der Struktur der Flüsse und Bäche. Durch ihre Begradigung, das Einzwängen in kanalähnliche Formen oder die Unterbrechung durch Querbauwerke wie Wasserkraftwerke oder Staustufen fehlen naturnahe Räume für Tiere und Pflanzen. An der Isar lässt sich auf einer relativ kurzen Strecke der Unterschied zwischen einem Wildfluss und einem von Menschenhand geformten Gewässer ablesen. Der Oberlauf der Isar ist noch geprägt durch ein breites Flussbett, in dem sich die Wasserführung immer wieder verlagert. Ausgedehnte Schotterbänke, Inseln, die bei Hochwasser überflutet werden, und verzweigte Flussarme zeigen die Naturnähe, und dann erfolgt die Ableitung des Wassers am Stauwehr Krün. Von dort aus fließt das Wasser über den Walchensee zum gleichnamigen Kraftwerk, das 1924 seinen Betrieb aufgenommen hat. Erst seit 1990 gelangt ein kläglicher Rest von vier Kubikmetern Wasser pro Sekunde ins eigentliche Flussbett, zuvor fiel die Isar immer wieder trocken. Da der Rißbach nahezu komplett zum Walchensee abgeleitet wird, fehlt der Isar – außer bei Hochwasser – die Kraft, Geschiebe aus Geröll und Sand zu transportieren, und damit ändert sich das Bild des Wildbachs entscheidend, der für Pflanzen und Tiere immer wieder neue Lebensräume schafft. Flussseeschwalben legen ihre Eier unmittelbar auf den Kiesboden, doch dieser wird von der Vegetation überwuchert, wenn der Fluss die Inseln nicht mehr umlagert. An ihrem Oberlauf sind die großen Flüsse wie der Rhein, die Donau oder die Elbe relativ naturnah, doch ihre Nutzung für die Binnenschifffahrt oder die Elektrizitätsgewinnung, aber auch die Eindämmung der Fließgewässer zur Landgewinnung und zum vermeintlichen Hochwasserschutz haben schwerwiegende Folgen für Flora und Fauna.

Zwei Binnenschiffe begegnen sich auf dem Rhein. Im Hintergrund ein Chemieunternehmen mit Tanks und anderen Produktionsanlagen.
Auf und am Rhein herrscht emsige Betriebsamkeit – wie hier im Raum Mannheim / Ludwigshafen -, da kommt vielfach die Natur zu kurz. Die Binnenschifffahrt setzt jedoch im Verhältnis zur Ladung relativ wenig CO2 frei. (Bild: Ulsamer)

Flüsse und Auen renaturieren

Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, was zumeist auch gut so ist, doch bei unseren Flüssen und Bächen müssen wir konsequenter als bisher auf Renaturierung setzen. Im Zeitalter des Klimawandels und der dringend notwendigen Energiewende wird niemand auf die Stromerzeugung aus Wasserkraft verzichten wollen, doch muss die Durchgängigkeit für Fische und andere Lebewesen weiter verbessert werden. Und an kleineren Fließgewässern, die bisher noch naturnah erhalten blieben, verbietet sich der Bau zusätzlicher Kleinkraftwerke. Ein positives Signal ist das Bundesprogramm ‚Blaues Band Deutschland‘, das zu Biotopverbünden entlang der Bundeswasserstraßen und ihrer verbliebenen Auen führen soll. Durch die Eindeichung ist die Mehrheit der Auen als Naturraum, aber auch als Überschwemmungsfläche verlorengegangen. Wo sich bei Hochwasser einst die Flut in Auen ergoss, stehen heute Wohn- und Gewerbegebäude. An vielen Orten dürften manche Mitbürger im Zuge des Klimawandels bei extremem Hochwasser nicht nur nasse Füße bekommen. Somit ist es nicht nur im Sinne der Natur, sondern auch zahlreicher Anwohner, wenn – wo immer möglich – Auen als Überschwemmungsflächen wieder renaturiert werden. Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Professorin Beate Jessel, betonte: “Naturnahe Flussauen sind in ihrer Bedeutung für die biologische Vielfalt so etwas wie eine ‘moderne Arche Noah’.“

Auwald am Rhein: Einzelne Bäume stehen im Wasser, dort liegen auch Steine.
Auwälder – wie hier ein Restbestand am Rhein – dienen auch als Überschwemmungsfläche bei Hochwasser, doch zumeist sind die Auen durch Eindeichungen verlorengegangen. (Bild: Ulsamer)

Chancen für eine Renaturierung bietet sich an den Bundeswasserstraßen, die rd. 7 500 km umfassen, wobei davon 2 800 km besonders interessant sind, weil sie kaum noch oder gar nicht mehr für den Gütertransport genutzt werden. Hier setzt die bereits erwähnte Initiative ‚Blaues Band Deutschland‘ ebenfalls an. So manche Wasserstraße hat sich auch wirtschaftlich als Flopp erwiesen: der Main-Donau-Kanal, der zwischen 1960 und 1992 auf 171 km erbaut wurde, ist ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte. Die Verbindung von Rotterdam an der Nordsee über Rhein, Main und Donau bis zum Schwarzen Meer konnte nie so viel Frachtvolumina anziehen, dass der Bau des Kanals gerechtfertigt worden wäre. Flusskreuzfahrer und Wassertouristen tummeln sich nun auf dem Kanal. Wie schwierig es ist, ein kleines Renaturierungsprojekt anzuschieben, erlebte ich am heimatlichen Neckar. Gescheitert ist es an einer Unzahl von beteiligten Behörden, die gerade beim Bodenschutz durchaus unterschiedliche Interessen verfolgen. Der von den Amtsvertretern genannte Zeithorizont für das Vorhaben lag bei 10 Jahren, da musste ich als damaliger Mitarbeiter eines Industrieunternehmens, das die Fläche von den Parkplätzen abgezwackt hätte, passen. Solche Zeiträume für ein durchaus überschaubares Projekt sind in einem Wirtschaftsunternehmen ganz einfach nicht vermittelbar! Heute steht am angedachten Platz eine Kita – somit auch ein Fortschritt. Aus meiner eigenen Erfahrung mit einer Vielzahl von Projekten kann ich nur sagen, dass die Renaturierung von Gewässern mit weniger Bürokratie und Kompetenzgerangel vorangebracht werden muss. „Wir setzen uns seit Jahren für eine ökologische Gewässerentwicklung von Bundeswasserstraßen ein“, betonte der damalige NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Wegen unklarer Zuständigkeiten und Rechtsgrundlagen ist es bisher aber kaum möglich, ökologische Maßnahmen für diese Gewässer umzusetzen. Auch der NABU hofft, dass das ‚Blaue Band‘ der Renaturierung neuen Schub verleiht. Ausgleichsmaßnahmen sollten an Gewässern möglich sein, selbst dann, wenn im eigentlichen Projekt kein Eingriff in den Wasserhaushalt stattfindet. Dies würde im kommunalen Bereich durchaus helfen.

Ein Biber hat einen Damm aus Ästen und dicken Holzknüppeln gebaut. Der Bach ist aufgestaut.
Die Biber gestalten mit ihren Dämmen – wie hier im Schwarzwald – die Landschaft an Bächen und Flüssen neu, und sie tragen so zur Renaturierung bei und mildern Hochwasser ab. Es ist eine Schande, dass in Bayern jährlich rd. 2 000 Biber erschossen werden. (Bild: Ulsamer)

Mehr Natur wagen

An kleineren Flüssen und Bächen übernimmt die Renaturierung gerne auch ein emsiger Mitarbeiter, der kostenlos die Landschaft wieder naturnäher gestaltet: der Biber. Ich höre schon den einen oder anderen Leser aufstöhnen, der den Biber mit einem aufgestauten kleinen See seine Wiese überfluten sieht. Doch besteht kein Grund zur Panik, denn der Biber sucht sich häufig eine feuchte Wiese aus, die ohnehin wenig Ertrag bringt. Hier würde ich mir wünschen, dass aus staatlichen Mitteln oder Ausgleichsabgaben verstärkt der Ankauf von Flächen ermöglicht wird, die der Biber überflutet hat. Zwar gibt es  z. B. in Bayern Entschädigungszahlungen für vom Biber gefällte Bäume, doch auch hier sollte auf die langfristige Sicherung der betroffenen Areale gesetzt werden. Stattdessen werden in Bayern jährlich rd. 2 000 Biber erschossen! Wenig Verständnis zeigte der baden-württembergische Umweltminister für die Forderung von Landwirten nach Entschädigungszahlungen für Biberschäden. Franz Untersteller, der jetzt aus dem Amt scheidet, lehnte 2019 einen Fonds aus formaljuristischen Gründen ab, da der Staat nicht für Schäden aufkommen müsse, die durch Wildtiere entstünden. So ganz eingängig ist dies nicht, denn für den Schutz gegen die zurückkehrenden Wölfe oder Risse von Nutztieren werden auch Zahlungen geleistet – nach meiner Meinung völlig zurecht! Vom Biber errichtete Dämme schaffen Überflutungsflächen, die tatsächlich Hochwasserereignisse abmildern können und für zahlreiche Tiere und Pflanzen neue Lebensräume bieten. Die Baumeister aus der Natur sind in der Lage kleine Paradiese zu schaffen!

Ein Silberreiher mit weißem Federkleid und orangenem Schnabel. Er hat einen kleinen Fisch quer im Schnabel.
Selbst kleinere Renaturierungsmaßnahmen schaffen wieder Platz für ein wenig Natur an unseren Bächen und Flüssen. Dieser Silberreiher hat es gut im Schwenninger Moos, aus dem der Neckar entspringt. (Bild: Ulsamer)

Generell sollten wir bei unseren Gewässern wieder der Natur den Vorrang zubilligen, und dies gilt auch für Kormorane oder Graureiher, die Angler oder Fischzüchter nur selten erfreuen. Nicht jeder Fluss oder See darf zu Lasten der Natur zu einem Eldorado für Badegäste oder Wassersportler umfunktioniert werden. Es macht nur wenig Sinn, in Sonntagsreden die Natur in den höchsten Tönen zu preisen, um anschließend den Rest der Woche nichts für den Schutz unserer Gewässer zu tun. Wenn Politiker in Deutschland und der EU eine Wasserrahmenrichtlinie mit entwerfen und absegnen, dann müssen sie auch für die Umsetzung der Vorgaben eintreten. Ganz nebenbei ist schon die Begrifflichkeit – „Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik“– ein Ungetüm, das eher abschreckt als zum Mittun einzuladen! Und der nichtamtliche Begriff ‚Wasserrahmenrichtlinie‘ ist auch nicht viel packender!

In einem kleinen Bach wird das Wasser von der Sonne beleuchtet, es fällt über große Steine.
Jeder kleine Bach hat seine Bedeutung in der Natur und für uns Menschen. (Bild: Ulsamer)

Wasserqualität sichern

Flüsse und Bäche müssen wieder für Fische durchgängiger werden, und es gilt, die Struktur der Fließgewässer weg von Beton und Spundwänden und hin zur Natur auszurichten. Zumeist wird es gelingen, Nutzungen wie Schifffahrt, Energiegewinnung oder Freizeitaktivitäten mit mehr Naturnähe zu verbinden, wenn alle Beteiligten sich willig und kompromissbereit zeigen. Wasser, sei es in Fließgewässern oder in Seen, Weihern, Tümpeln, Stauseen oder im Grundwasser unterwegs, wird gerade auch durch den Klimawandel noch wertvoller. Dürreperioden und Starkregenereignisse werden zunehmen – besonders dann, wenn der Golfstrom weiter schwächeln sollte -, denn Wasser für Menschen, Tiere und Pflanzen wird in diesem Fall knapper und kostbarer. Daher müssen wir alles tun, um die Sauberkeit von Bächen, Flüssen und Seen weiter zu verbessern – Gülle und Kunstdünger haben nichts in unseren Gewässern zu suchen, genauso wenig wie Arzneimittelreste. Mikroplastik und Nanopartikel müssen aus Kosmetika verbannt werden, damit sie erst gar nicht in unsere Fließ- und Stillgewässer oder ins Trinkwasser gelangen. Der Bodensee, der vom Rhein durchflossen wird, ist ein gutes Beispiel dafür, dass durch gemeinsame Anstrengungen der Anliegerstaaten die Wasserqualität enorm verbessert werden konnte.

Ein Stausee, umgeben von Wald.
Ein Drittel des Trinkwassers kommt aus Flüssen, Seen oder Talsperren – wie Schönbrunn im südlichen Thüringer Wald. Hier wird die Schleuse, ein Nebenfluss der Werra, aufgestaut. Wenn wir bei zunehmenden Dürreperioden nicht auf dem Trockenen sitzen wollen, dann werden wir stärker als bisher auf die Speicherung von Wasser setzen müssen. Dabei müssen wir darauf achten, dass Flüsse dennoch möglichst durchgängig bleiben. (Bild: Ulsamer)

Nicht aus den Augen verlieren dürfen wir, dass rund ein Drittel des Trinkwassers in Deutschland aus Flüssen, Seen und Talsperren gewonnen wird, schon allein deshalb muss uns allen die Sauberkeit der Gewässer am Herzen liegen. Dies gilt in gleicher Weise für das Grundwasser – das über 60 % des Trinkwassers beisteuert – oder Quellen. Die Wassergebühren, die wir alle direkt oder indirekt entrichten, werden deutlich steigen, wenn sich der Aufwand zur Aufbereitung weiter erhöht, wenn Nitrat oder Nanopartikel herausgefiltert werden müssen. „Jede Verschmutzung von Wasserressourcen führt am Ende dazu, dass uns weniger Grundwasser zur Verfügung steht. Gerade in Anbetracht der zunehmenden Dürreperioden ist das problematisch. Dementsprechend hoch ist der Stellenwert, den der Gewässerschutz genießen sollte“, so Martin Weyand vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Wer heute den Zustand der Gewässer verschlechtert, der vergeht sich nicht nur an der Natur, sondern greift auch in unseren Geldbeutel, da er die Trinkwasserpreise in die Höhe treibt. Und bei der Sicherung des Trinkwassers geht es nicht nur um uns, sondern besonders um die nachwachsenden Generationen!

Ein Wildfluss, die Isar. Geröll im Flussbett, der Fluss mäandert, im Hintergrund die Zugspitze.
Naturnahe Wildflüsse wie der Oberlauf der Isar sind selten geworden. Im Hintergrund das Zugspitzmassiv. (Bild: Ulsamer)

Ganzheitlicher Ansatz notwendig

Wir müssen Bäche und Flüsse – wo immer möglich – aus ihrem Korsett aus Beton, Spundwänden oder steinernen Mauern befreien, und sie renaturieren. Alle Fließgewässer, die von menschlichen Eingriffen verschont blieben, gilt es konsequenter zu schützen. Gerade bei Fließ- und Stillgewässern kommt es auf nachhaltiges und ökologisches Denken an. Veränderungen in der Gewässerstruktur haben im Regelfall langfristige Folgen, die sich später oft nicht mehr beheben lassen. Dies können wir auch an den Mooren erkennen, die in Europa weitgehend zerstört wurden, und jetzt fehlen sie als Speicher, die das Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugen und später wieder abgeben können. Zudem sind, ganz nebenbei, die Moore äußerst wichtige CO2-Senken. Zu einem ganzheitlichen Ansatz gehört es, Gewässer, Feuchtgebiete und Moore in die Betrachtung einzubeziehen. Jeder Tümpel, Weiher oder See ist ebenso bedeutsam wie kleine Bäche, große Flüsse und Moore. Gerade daran fehlt es aber in Deutschland und in der EU. Da werden Wasserproben in Seen und Flüssen genommen, doch was ist mit Bächen und Tümpeln? Und so lange in der EU Moore für Gartenerde und als Heizmaterial abgebaut werden, kann von einer nachhaltigen Strategie zum Schutz des Wassers nicht gesprochen werden!

Gebäude auf einer Brücke über die Nahe. Teile des Ufers mit Sonnenschirmen stehen im Wasser.
Die Bebauung ist in vielen Kommunen dem Fluss immer näher gerückt – da hat Hochwasser wenig Platz! Und dann bekommen nicht nur die Sonnenschirme nasse Füße. Die Brückenhäuser in Bad Kreuznach erinnern an Florenz. (Bild: Ulsamer)

Die eigentlichen Gewässer, ihre Uferstreifen, aber auch das weitere Umfeld müssen in den Blick gerückt werden, wenn wir auf mehr Natur setzen. Und das Grundwasser gehört bei allen Überlegungen dazu. Die Erderwärmung und lange Dürreperioden machen Süßwasser immer kostbarer – und dies gilt in erheblichem Maße für Deutschland und Europa. In überdüngten Gewässern werden Hitzetage das Algenwachstum beflügeln und nicht nur zu Badeverboten führen, sondern – schlimmer noch – die Trinkwasseraufbereitung erschweren. Wir müssen alles tun, um eutrophierte, also überdüngte, Seen und Flüsse zu verhindern, denn ansonsten sterben dort nicht nur die Fische!

Fischtreppe an einem kleineren Kraftwerk.
Das Kloster Beuron gewinnt seit 1921 elektrischen Strom aus Wasserkraft. 2009 wurde die Anlage erneuert, wobei ganz bewusst auf die optimale Energiegewinnung verzichtet wurde: Bei Niedrigwasser wird die Fischtreppe mit Auf- und Abstiegshilfe bedient und beim Stauvolumen werden die Laichzeiten der Fische berücksichtigt. Eine vorbildliche Vorgehensweise. (Bild: Ulsamer)

Bei Bächen und Flüssen brauchen wir weniger Beton und mehr Natur! Alle Querbauwerke sind auf ihre Durchlässigkeit für Fische zu überprüfen. Die Verschmutzung mit Nitrat oder Phosphor aus Gülle oder Mineraldünger, durch Medikamentenrückstände, Mikroplastik und Nanopartikel aus Kosmetika muss deutlich reduziert werden! Durch Wegschauen und Sonntagsreden lassen sich diese Probleme nicht lösen, sondern nur durch beherztes und nachhaltiges Handeln!

 

Ein steiler Felsen erhebt sich über einen Fluss, die Donau.
Die Donau hat gerade an ihrem Oberlauf – wie hier bei Sigmaringen-Laiz in Baden-Württemberg – viel von ihrem ursprünglichen Zustand behalten. Im Übrigen laden Wege an der Donau zum Wandern ein! Unsere Flüsse haben trotz manch positiver Beispiele noch mehr Schutz als bisher verdient: schädliche Einträge durch die Landwirtschaft oder durch Kläranlagen müssen unbedingt weiter minimiert werden. (Bild: Ulsamer)

 

Kirchenbau mit grünem Dach weit oberhalb eines Flusses, die Lausitzer Neiße.
Kirchenbauten – wie hier im sächsischen Görlitz – zeigen meist, dass unsere Vorfahren wussten, wer weit oberhalb des Flusses baut, der ist auf der sicheren Seite. In den letzten 100 Jahren sind die Menschen mit ihren Wohnhäusern, aber auch mit Gewerbe und Industrie den Flüssen immer näher gerückt. (Bild: Ulsamer)

 

Die Elbe bei Dresden mit mehreren Brücken.
Die Elbe bei Dresden ist ein imposanter Fluss, doch in Dürreperioden fehlt zunehmend das Wasser. Die Erderwärmung bringt neue Probleme, daher müssen wir engagiert gegen den Klimawandel ankämpfen. (Bild: Ulsamer)

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