Besser im Ozean versinken, als im Schlick elendig verenden
Ich habe lange überlegt, ob ich zu dem vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern gestrandeten Wal Timmy zur Feder greifen soll, denn an medialen Kommentaren ist kein Mangel. Aber es ist wirklich unerträglich, mit welcher Inkompetenz Bürokraten und Politiker wie Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) mit einem friedlichen Riesen umgegangen sind, der vor der Küste ihres Bundeslands gestrandet war. Und die Justiz hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert – leider vergleichbar mit der von der grünen Landwirtschaftsministerin Thekla Walker in Baden-Württemberg angeblasenen Jagd auf den Wolf Grindi, der zum Glück überlebte. Mehr dazu in: ‚Grün und Schwarz – gemeinsam zur Wolfshatz. In Baden-Württemberg haben es Wölfe schwer‘. Nun bin ich gewiss kein Walkundler, doch was mich anwidert ist die Empathielosigkeit, mit der in typisch deutscher Manier ein Minister, der seit 1998 wie festgeklebt auf dem Chefsessel im Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern sitzt, ein Gutachten anfertigen lässt, das bestätigt, man könne nichts mehr für den im Schlick festsitzenden Buckelwal tun. Da muss man kein Fachmann sein, um zu wissen, dass es einem gestrandeten Wal nicht besser gehen kann, wenn er tagelang, ja wochenlang festsitzt. Schnelligkeit hätte geholfen, doch dies ist nicht die Sache der Politik und der Bürokraten in Deutschland. Man kann nur hoffen, dass unser Land von keiner größeren Katastrophe heimgesucht wird, denn dann kommt die Abwehr nur zögerlich voran. Erinnern möchte ich nur an die Corona-Pandemie oder die Afrikanische Schweinepest. Wal Timmy in größter Not ist nur ein trauriges Symbol für die Zustände in unserem Land. Viel zu spät wurde ein privater Versuch zugelassen, Timmy zu retten und in seinen angestammten Lebensraum zurückzubringen. Vielleicht ist es für Hilfe längst zu spät, doch sollte die Lebenskraft des Wals zu sehr geschwunden sein, wäre es besser, wenn er im Ozean versinkt, statt im Schlick elendig zu verenden.

Leben oder in Würde sterben
Der Buckelwal, der bereits bei Timmendorf gestrandet war, liegt seit dem 31. März vor der Insel Poel in der Flachwasserzone. Das heißt über zwei Wochen sind vergangen, ehe nun doch noch von Minister Backhaus die Erlaubnis erteilt wurde, eine private Initiative könnte sich um Timmy kümmern. Für eine wirkliche Rettung könnte es zu spät sein, wenn die Gutachter von der Stiftung Deutsches Meeresmuseum und der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover auch nur im Ansatz recht haben. Diese schrieben schon am 7. April: „Da die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung aufgrund der genannten Punkte sehr gering sind und mit einem hohen Verletzungsrisiko einhergehen, sollte von einer Lebendbergung des Tieres abgesehen werden.“ Gutachten sind so eine Sache, denn mehr als eine Woche später leidet der Wal Timmy immer noch. Nun möchte ich der allgegenwärtigen Zunft der Gutachter und Kommissionen nicht zu nahetreten, aber hätte man 1945 ein Gutachten zum Zustand Deutschlands angefertigt, dann wäre wohl kaum der Wiederaufbau so schnell in Gang gekommen. Als am 24. Oktober 1963 Bergleute im Schacht Mathilde wegen des Bruchs eines oberirdischen Klärteichs eingeschlossen wurden, glaubte kaum einer daran, dass nach zwei Wochen noch 11 Männer lebend geborgen werden konnten. Häufig hat man eine Chance, auch in einer aussichtlos erscheinenden Lage, Leben – seien es Menschen oder Tiere – zu retten, wenn schnell, sachgerecht und umsichtig gehandelt wird. Daher beklage ich das mangelnde Engagement der Behörden in Mecklenburg-Vorpommern.

Am 11. April betonte Minister Backhaus in einer Pressemitteilung: „Aufgrund der wissenschaftlichen Expertise und Beratung habe ich entschieden, das majestätische Tier in Frieden gehen zu lassen.“ Irgendwie hatte Timmy dies nicht mitbekommen und lebte einfach weiter. Aber völlig abwegig ist es, wenn zuerst Bergungsversuche abgelehnt werden, doch Tage später – am 15. April -, in denen sich der Buckelwal weiter quälen musste, der gleiche Minister verkündete: „Wir haben entschieden, dass eine Lebendbergung des Wals stattfinden darf. Damit eröffnen wir erstmals die Möglichkeit, das Tier zurück in sein natürliches Umfeld zu bringen.“ Erst zwei Wochen liegen lassen und sich über die schwindende Lebenskraft des Wals äußern, und dann eine Kehrtwende! Das ist schon ein bisschen so, als wenn man einen gestürzten Passanten auf dem Gehweg jammern lässt, ein Gutachten einholt und ein oder zwei Wochen später zur Hilfe eilt. Was ist denn in Mecklenburg-Vorpommern los? Hätte nicht auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mal mit ihrem Parteifreund Backhaus reden und ihn überzeugen können, dass ein sterbender und hilfloser Wal im Wahljahr keine Pluspunkte bringt?
Noch eine kurze Anmerkung zu Till Backhaus, der mit einer Doktorarbeit ‚brillierte‘, die sich dem ach so komplexen Thema ‚Betrachtungen zur Getreideproduktion in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 1900 und 2000‘ widmete. Kein Wunder, dass seine Promotion immer mal wieder in den Medien kritisch hinterfragt wurde, denn sein Doktorvater war Berater einer seinem Landwirtschaftsministerium nachgeordneten Organisation. Zum Glück hat sich Backhaus nicht auch noch mit einer Arbeit über ein von ihm in den Landtag eingebrachtes Gesetz mit dem Titel „Rindfleischettikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ habilitiert. Laut Wikipedia war dieser Wortbandwurm das „längste gültige und gebräuchliche zusammengesetzte Hauptwort der deutschen Sprache“. Dem Wal Timmy haben solche Meisterleistungen natürlich nichts gebracht. Dies gilt in gleicher Weise für die larmoyante Erklärung von Minister Backhaus: „Ich habe mich seit Beginn rund um die Uhr mit der Lage befasst, war fast täglich vor Ort und habe alle Vorschläge zur Rettung des Wals ernsthaft prüfen lassen.“ Toll, Herr Minister! Sie waren vermutlich stets bemüht, doch das ist zu wenig. Leider blieben schnelle und hilfreiche Aktivitäten aus. Fürs Nichtstun – sprich für das Nichthandeln – sind Minister eigentlich zu teuer, insbesondere in einem Bundesland mit gerade mal 1,6 Mio. Einwohnern.

Hilfe statt Politunsinn
Ethische Fragen kamen nicht nur im besagten ‚Gutachten‘ nicht zur Sprache, und Moral scheint auch bei einer Organisation ein Fremdwort zu sein, die sich zwar lautstark äußerte, sich dann jedoch mit einer fadenscheinigen Begründung davonmachte. Gemeint sind die ‚PixelHelper‘, die ich bisher nur von fragwürdigen ‚Kulturevents‘ kannte. So heißt es in einem Post bei ‚X‘ allen Ernstes: „Bevor der Wal Timmy von Jens Schulz als AfD-Mitglied & Walter Gunz als Sympathisant gerettet wird, lassen wir ihn für die Demokratie sterben“. Nun weiß ich nicht, mit wem der MediaMarkt-Gründer Walter Gunz sympathisiert, und dem Wal Timmy dürfte es ebenfalls gleichgültig sein. Ein Wal hat kein Parteibuch. Ob sich die Freimaurer-Truppe bei PixelHelper mit solchem verqueren Unsinn einen Gefallen tun, das müssen sie selbst wissen. Schlichtweg eine Unverschämtheit ist es, wenn es in der Presseerklärung weiter heißt: „Und starten mit einer eigenen neuen gemeinnützigen Organisation: Je suis Timmy. Initiative für Natur-, Umwelt- und Tierschutz e.V. Unser Ziel ist eindeutig: Die Rettung von Tieren in Not darf niemals Bühne für politische Narrative sein.“ Es ist ungehörig, sich den von vielen Menschen für den gestrandeten Wal gebrauchten Namen Timmy unter den Nagel zu reißen und dann zu palavern, dass die „Rettung von Tieren in Not … niemals Bühne für politische Narrative sein“ dürfe. Wer brachte denn das politische Deutungsmuster ein, der Wal Timmy dürfe nur von Menschen gerettet werden, deren politische Einstellung ‚PixelHelper‘ gefällt. Gerne würde ich ausrufen ‚Oh Herr, schmeiß Hirn ra‘, aber das würde den ‚PixelHelper‘-Freimaurern ja auch nicht gefallen.
Mit ethischen Grundsätzen lässt es sich nach meiner Meinung nicht verbinden, wenn in Mecklenburg-Vorpommern bereits festgelegt wurde, dass die Universität in Rostock das Skelett des gestrandeten Wals bekommen sollte, obwohl dieser noch lebt. So sollte die Politik nicht mit einem Lebewesen umgehen. Oder wollte man den Wal einfach verenden lassen, um leicht an ein Ausstellungsobjekt zu kommen, das auf dem Markt legal nicht zu kaufen ist, weil Buckelwale streng geschützt sind? Vielleicht mahlen die politischen Mühlen in Deutschland aber nur zu langsam. Selbstredend möchte ich die Verwahrlosung von Gebäuden und Objekten, die sich im öffentlichen Besitz befinden, nicht mit einem in Not geratenen Lebewesen vergleichen, doch es ist schon auffällig, dass – und dies hat nichts mit Mecklenburg-Vorpommern zu tun – die Handlungsfähigkeit z. B. im baden-württembergischen Stuttgart bei der Sanierung von Oper und Villa Berg oder der Kunstinstallation Villa Moser nicht sehr ausgeprägt ist. Da wird – wie beim Tiefbahnhof Stuttgart 21 – in Jahrzehnten gedacht statt zügig und kostengünstig gehandelt. Mehr dazu in: ‚Stuttgart: Erst vergammeln lassen, dann teuer sanieren. Opernhaus, Villa Berg und Villa Moser wurden sträflich vernachlässigt‘. In Deutschland muss die Handlungsfähigkeit der Politik wieder hergestellt werden, und da sehe ich – um keine Irrtümer aufkommen zu lassen – auch bei selbsternannten ‚Alternativen‘ keine Ansatzpunkte.

Wir müssen helfen
Zurecht wird die Frage aufgeworfen, ob der Mensch bei gestrandeten Walen überhaupt eingreifen soll. Nach meiner Meinung ja, denn durch menschliche Eingriffe wurde der Lebensraum der Wale und anderer Meerestiere stark beeinträchtigt. Überfischung und Vermüllung, zunehmende Nutzung durch Schiffsverkehr und Windkraftanlagen sind nur einige der Probleme. Es geht darum, die negativen Einflüsse auf die Meere zu reduzieren und gleichzeitig Tieren beim Überleben zu helfen, sei es im Meer oder an der Küste. Darauf bin ich u. a. in meinem Beitrag ‚Austernfischer: Nahrung und Nistplätze werden knapp. Küsten- und Seevögel benötigen mehr Schutz‘ eingegangen. Im Binnenland tragen engagierte Mitbürger Kröten über die Straße, pflegen verletzte Igel oder Vögel, um die negativen Auswirkungen menschlicher Eingriffe zu reduzieren, und so ist die Hilfe für Wale oder Delfine, die stranden, gleichfalls gerechtfertigt
Ich hoffe sehr, dass der vor der Insel Poel gestrandete Wal noch eine Chance bekommt, in die Nordsee bzw. den Atlantik zurückzukehren und dort zu leben. Sollte er im Ozean sterben, weil er bereits zu geschwächt ist, dann muss er wenigstens nicht im Flachwasser elendig verenden. Politik, Bürokratie und Justiz, aber auch manche scheinbar engagierte Organisation haben nach der Strandung von Timmy kläglich versagt. Mach’s gut, Timmy! Dein Lebensraum in der Nordsee oder im Atlantik wartet auf dich.
Zum Beitragsbild
Ich habe mich bewusst entschieden, kein Bild des sich quälenden Wals zu zeigen, der – als ich diesen Beitrag schreibe – noch immer vor der Insel Poel liegt, sondern seinen Lebensraum in Blick zu nehmen. Über das traurige Schicksal Timmys, das sich hoffentlich noch wendet, dürfen wir die Probleme nicht vergessen, die ihn, seine Artgenossen und zahlreiche andere Meereslebewesen bedrohen. Die Überfischung raubt den Tieren im Meer und an den Küsten die Nahrung, Netze werden – wie bei Timmy – zu einer lebensbedrohlichen Gefahr, die Nutzung der Meere schreitet mit Schiffsverkehr oder Windkraftanlagen weiter voran, und die Verschmutzung der Ozeane nimmt kein Ende. Mehr dazu in: ‚Unsere Meere: Müllteppiche statt Fischschwärme. Die Zerstörung der Ozeane stoppen!‘ (Bild: Ulsamer)


Das sehe ich genauso.
Auch im Schuldienst ist es so.
Alles ganz langsam. Hauptschüler “können nichts, wollen nichts”. Das ist die Aussage vieler Mentoren. Reduktion die Anweisung.Fördern bedeutet aber fordern.
Herauskitzeln der Motivation, das mögliche möglich machen, nicht reden, sondern handeln.
Leider ist Timmy ein Opfer unserer heutigen Politik.
Wenn man gehandelt hätte, hätte man Verantwortung übernehmen müssen. Das geht gar nicht. Lieber warten und dann das Geld abschöpfen.
Solange wie kein Ruck durch unsere Gesellschaft geht – wie es der ehemalige Bundespräsident Herzog gefordert hat – wird sich nichts ändern.
Zahlen werden immer die, die schwach sind und keine Stimme haben: Tiere wie Timmy, Kinder etc..
Stimme den Aussagen voll und ganz zu.
Gott sei Dank wird in Deutschland kein Walfleisch gegessen, er wäre sonst noch auf dem Teller gelan-det.
Tiere gibt es auch sehr viel länger wie Menschen und Tiere haben auch keine Kriege angezettelt. Religionskriege und anderes.
“‘Timmy” soll ganz schnell im Atlantik zu Kräften kommen, sich eine nettes Walweibchen suchen und hoffentlich auch ein Walkalb bekommen.
Hut ab vor den Helfern, die ihn nicht aufgeben und nicht auf das Gerede von irgendwem hören.
Bin riesen Tierfreund und weiß eins: ‘Das größte Raubtier ist der Mensch’ (Indianische Weisheit).
Abschließend sage ich nur eins >> Timmy, bleib weg von den Menschen, aber nicht von denen, die Dir helfen.
Du gehörst in den Atlantik und nicht in die Ostsee.
Gute Reise, Du kleines Schussel-chen, das ist lieb gemeint.
Drücke Dir die Daumen und meine Haustiere die Pfoten.
Alles Liebe und die meisten Men-schen sollen sich wirklich verpis-sen, besonders Politiker, die meisten haben eh keine Ahnung.
Alles Gute für Dich, Timmy und bleib von der Ostsee weg.
Du gehörst in den Atlantik.
Gute Reise und es gibt auch Menschen, die Dir helfen wollen.