Vögel füttern wird zur Straftat

Unsere gefiederten Freunde verdienen unseren Schutz

Nachdem die Insekten immer weniger werden, geht es auch vielen Vogelarten an den Kragen: Zumindest für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen die meisten Singvögel nahrhafte Insekten. Und in Winterzeiten ist bei den daheim gebliebenen Vögeln Schmalhans Küchenmeister, wenn wir nicht zufüttern. Aber selbst im Sommer fehlt es in unserer ausgeräumten Landschaft an Nahrung für die Vögel. Amsel, Drossel, Fink und Star sind auf dem Rückzug, und Rebhühner, Kiebitze oder den Großen Brachvogel sieht man kaum noch. So mancher Vogel ist inzwischen vor der chemischen Keule in die Städte geflohen, aber auch da trifft er immer häufiger auf Schottergärten statt Blühwiesen mit schmackhaften Regenwürmern oder den Rasen mit täglicher Kahlrasur dank Mährobotern. Und dann wagt es eine ältere Dame in Münster, Vögel zu füttern! Ein Mitbewohner in echter Blockwartmentalität notierte jeden Fütterungsvorgang und legte Klage ein. Der Kläger bekommt ‚recht‘, denn in der Hausordnung findet sich ein Fütterungsverbot für Vögel. Eine saftige Strafe ist die Folge, und wieder frage ich mich, ob wir schon in einer Bananenrepublik wohnen?

Ein Dompfaff an einem Futterhäuschen. Er hat einen rten Bauch, schwarzen Kopf und bläuliche Flügelfedern.
Unsere gefiederten Freunde brauchen Hilfe in einer ausgeräumten Landschaft und die Zugvögel mehr Schutz auf ihren Wegen. So ist es kaum zu glauben, dass in Münster eine Rentnerin verurteilt wurde, da sie auf ihrem Balkon Vögeln in einem Blumentopf Futter angeboten hatte. (Bild: Ulsamer)

Gibt’s bald Haft fürs Vögel füttern?

Nun kann man zu unseren gefiederten Freunden stehen wie man möchte, aber dass eine 78 Jahre alte Münsteranerin in Deutschland mehrere tausend Euro Strafe und Gerichtskosten aufgebrummt bekommt, weil sie Vögeln dezent etwas Futter im Blumentopf auf dem Balkon anbietet, halte ich schon für abstrus. Nun sind Möwen keine Singvögel und auch nicht auf der roten Liste, dennoch sind sie sehenswerte und hoch interessante Lebewesen: Doch im irischen Limerick wurde – wiederum – eine ältere und tierliebe Frau zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie es gewagt hatte, in der Nähe ihrer Wohnung Möwen zu füttern. Nicht die Hooligans wurden zur Kasse gebeten, die all überall leere Bierdosen und Plastikflaschen in irischen Parks und an Stränden verteilen, sondern die 70jährige Breda Moynihan.

Facebook-Post mit einer Meise an einem Meisenknödel. Das Westfalen-Blatt titelt: "Rentnerin fürs Vogelfüttern bestraft".
In Münster wurde eine Rentnerin bestraft, weil sie Vögel auf ihrem Balkon fütterte, obwohl dies die Hausordnung untersagt. Und dies in einer Zeit, in der nicht nur die Insekten sterben, sondern auch die Vögel immer weniger werden. Strafe und Verfahrenskosten belaufen sich auf 5400 Euro. Leben wir wirklich schon in einer Bananenrepublik? (Screenshot, Facebook, 20.2.20)

In manchen europäischen Regionen stolpert man bei jedem Schritt über Müll, den manche Zeitgenossen hinterlassen haben, damit wir ihn aufklauben ‚dürfen‘ oder die Stadtreinigung den Dreck entsorgt. Da würde ich mir mal ein hartes Durchgreifen wünschen, aber stattdessen werden Menschen, die Vögel füttern, belangt! Die findet man nämlich, im Gegensatz zu den Faulpelzen, die allenthalben ihre Überreste einfach fallen lassen oder ins Gebüsch entsorgen! Das erinnert mich an die Farce, die mich in meiner Geburtsstadt Stuttgart erzürnt: Rudolf Diebetsberger spielte in Stuttgart acht Meter vom genehmigten Ort entfernt am Kleinen Schlossplatz auf seinem Horn für einen guten Zweck: Von Erblindung bedrohten indischen Kindern sollte geholfen werden! Diebetsberger sollte für diese Ordnungswidrigkeit Strafe bezahlen, was er verweigerte, und prompt landete er allen Ernstes in Stammheim! Den älteren Leserinnen und Lesern dürfte der Begriff noch geläufig sein: Dort saßen einst die Terroristen der ‚Roten Armee Fraktion‘ ein. So viel zur Kleinkariertheit mancher Stadtverwaltungen! Dieses traurige ‚Spiel‘ ist dann doch nicht nach unserem Geschmack, daher schnitten wir auf Anordnung der Esslinger Stadtverwaltung eine Efeuhecke zurück. Bienenweide und Labsal für Amseln im Winter – ade!

Leere Bier und andere Getränkedosen in verschiedenen Farben auf angespültem Seetang.
Die Trinker, die an diesem Strand im irischen Südwesten ihre leeren Bier- und andere Getränkedosen hinterlassen haben, wurden nicht bestraft: Aber das Füttern einiger Möwen in Limerick rief die Staatsmacht auf den Plan. (Bild: Ulsamer)

Am Rande möchte ich anmerken, dass ich auch die Unzahl von Verbotsschildern für eine Abstrusität halte, die das Füttern von Enten, Schwänen oder Fischen an Seen in Parks inzwischen verbieten. Zumindest in Maßen sollte es doch Kindern erlaubt sein, Tiere füttern zu können, um sie so auch aus der Nähe kennenlernen zu können. Damit möchte ich natürlich nicht Tür und Tor für diejenigen Mitbürger aufstoßen, die ihre alten Backwaren gleich Sackweise in Gewässern entsorgen. So habe ich dies schon aus der Ferne am Neckar in Tübingen mit ansehen müssen, ohne Kritik äußern zu können.

Grau-weiße Möwe beim Aufpicken von Muscheln.
Möwen sorgen im Regelfall selbst dafür, dass ihr Tisch gedeckt ist, und nicht selten finden sie auch genügend Abfälle, die die Menschen hinterlassen haben. Diese Möwe holte mit ihrem Schnabel in Belfast Miesmuscheln aus der Kaimauer und ließ sie aus der Höhe auf den Boden fallen, um sich das Öffnen zu erleichtern. (Bild: Ulsamer)

Von der Natur entfremdet!

Die Bürokraten sind los und verfolgen ältere Damen, die Vögel füttern, einen Hornisten, der für kranke Kinder ins Horn stößt oder Heger einer Efeuhecke, die nicht ins Normalmaß der Esslinger Stadtverwaltung passt. Da kann ich nur sagen: Weit haben wir es in Europa gebracht! Manche Behörden, Richter, Journalisten, Politiker, aber auch Nachbarn und andere Zeitgenossen haben sich derart weit von der Natur entfernt, dass es mich graut! Millionen Tiere werden unter qualvollen Umständen in Massenställen gehalten, was viel zu wenig Menschen ‚stört‘. Dagegen stilisiert man Wildtiere wie Wolf, Bär oder Biber zur Gefahr, die möglichst schnell ausgemerzt werden sollte.

Ausriss aus Irish Independent, Text: "Pensioner fined 150 Euro for feeding seagulls in field near her home."
Zwar stehen Möwen nicht auf der roten Liste der gefährdeten Arten, aber eine Strafe für das Füttern der gefiederten Mitlebewesen, das ist doch starker Tobak. Im irischen Limerick wurde eine Rentnerin zu 150 Euro Strafe verurteilt, und dies nach dem ‚Litter Pollution Act 1997‘. Wer so manche irische Stadt oder einige Strände kennt, der würde sich wünschen, dass dort so engagiert Jagd auf Müllsünder gemacht würde! Aber Fehlanzeige: Dort sammeln wir mit anderen Strandwanderern den Müll unserer schlampigen Zeitgenossen auf. Von einer Bestrafung der Müllsünder habe ich noch nichts vernommen! (Bild: Ausriss, Irish Independent, 7.2.20)

Nicht nur im fernen China, wo gerne mal Fledermäuse und andere Wildtiere verspeist werden, auch wenn der Coronavirus als Folge davon um den Globus jettet, haben manche Mitbürger das Gefühl für die Natur verloren. In Italien landen noch immer Singvögel gebraten auf dem Teller, die man während des Vogelzugs erbeutet hat, und in Deutschland oder Irland gibt’s saftige Strafen für das Füttern von Vögeln! Heinrich Heine mag es mir verzeihen, wenn ich seinen Zweizeiler aus einem Gedicht entlehne: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht“. Wenn man ungestraft Schottergärten anlegen darf, aber das Füttern von Vögeln verboten ist, stimmt etwas nicht mit unseren gesellschaftlichen Wertvorstellungen!

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