Stuttgart: Villa Moser – Kunst- oder Endstation?

Wer spät saniert, vergeudet Steuergelder – in Stuttgart genauso wie überall.

„Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, denn alles verschwindet“, so der französische Maler Paul Cézanne. Auf einen Ort in Stuttgart trifft dies in besonderer Weise zu: die Kunstinstallation Villa Moser. Ich denke, jeder von Ihnen kennt solche Orte. Nun kann man trefflich darüber streiten, ob die Ruinen der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Villa des „Bonboles-Fabrikanten“ Eduard Otto Moser auf Dauer Bestand haben müssen, doch die Reste der Villa des Schokoladenproduzenten und der verwilderte Garten wurden für die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 1993 durch eine Kunstinstallation des Architekten Hans-Dieter Schaal für interessierte Besucherinnen und Besucher erschlossen. Nach nicht einmal drei Jahrzehnten ist diese „Kunststation“ in einem derart traurigen Zustand, dass man eher an eine städtische Endstation denkt. Vermoderte Bretter, mit Graffiti verschmierte Wände und zur Absperrung Bauzäune, so sollten Kunst und Geschichte in meiner Geburtsstadt nicht enden!

Ein Steg mit fehlenden Holzplanken, die Wände sind mit Graffiti verschmiert.
Wer eine Kunstinstallation mit viel Holz im Außenbereich realisieren lässt, der muss sich auch im Klaren darüber sein, dass Instandhaltungsmaßnahmen regelmäßig anfallen. War dies der Stadt Stuttgart nicht bewusst? Ich hoffe sehr, dass bei Aktivitäten zur Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 in Stuttgart alle Beteiligten auch die Folgekosten ihrer Projekte berücksichtigen. Die aus Anlass der Bauausstellung 1927 – Deutscher Werkbund – entstandenen Gebäude am Weissenhof, die nur rd. 1,5 Kilometer entfernt sind, haben auch schon erlebt, was es heißt, wenn es an nachhaltiger Förderung fehlt. (Bild: Ulsamer)

Fehlende Instandhaltung kommt teuer

Trotz kritischer Anmerkungen aus der Bürgerschaft und in den Medien ließen die Stadtoberen – ob von den Grünen oder der CDU – die Kunststation Villa Moser über Jahre vergammeln und steckten nicht einen Cent in notwendige Erhaltungsmaßnahmen. Im November 2021 erwachten Gemeinderat und Stadtverwaltung aus dem Dämmerschlaf in Sachen Villa Moser, und es geschah, was passiert, wenn Kulturbanausen am Pranger stehen: sie ziehen die Spendierhosen an! Für ein Sanierungskonzept wurden 200 000 Euro bewilligt. Hätte dieses Budget über die letzten fast 30 Jahren in kleinen Häppchen zur Verfügung gestanden, dann wären jetzt weder ein Sanierungskonzept noch weitere Finanzmittel notwendig. Aber an der Villa Moser zeigt sich wieder mal geradezu ‚mustergültig‘, wie durch fehlende Erhaltung von Kunst im öffentlichen Raum oder auch Gebäuden ein Sanierungsstau entsteht, der letztendlich astronomische Ausgaben im Verhältnis zum Objekt hervorruft.

Eine pyramidenförmige Metallkonstruktion. In den Öffnungen befanden sich einst Glasscheiben. Dahinter Bäume und Sträucher. Man kann durch das Objekt hindurch gehen.
Die seit Jahr und Tag zerbrochenen Scheiben am ‚Gate of Hope‘ lassen wenig Hoffnung aufkommen, wenn man sich durch dieses Werk des US-amerikanischen Konzeptkünstlers Dan Graham dem Leibfriedschen Garten nähert. Das Gate of Hope – ebenfalls zur IGA 1993 errichtet – soll den Rosensteinpark mit dem Leibfriedschen Garten verbinden, doch das gelingt nicht wirklich. Die Sichtachsen stimmen nicht, und irgendwie steht dieses ursprünglich als ‚Brücke‘ konzipierte Tor mit seinem darunter liegenden Wasserbecken etwas verloren in der Stadtlandschaft. (Bild: Ulsamer)

Welche Schäden entstehen, wenn es an der Instandhaltung von Gebäuden mangelt, zeigt sich in Stuttgart noch deutlicher bei der Oper im Schlossgarten und bei der Villa Berg im Osten der Stadt. Die Sanierung und Erweiterung des Operngebäudes inklusive einer Interimsspielstätte sollen eine Milliarde Euro verschlingen, bei der Villa Berg dürften sich die Kosten – einschließlich des Herrichtens der Parkanlagen – auf 100 Millionen Euro belaufen. Entstehen soll dort ein „offenes Haus für Musik und Mehr“. Ganz besonders spannend dürfte der Programmpunkt „Baby Singen“ sein, der sich im Nutzungskonzept für das frühere SWR-Gebäude findet. Wer auch immer nach 15 Jahren Leerstand in der Villa Berg wieder singen wird: wenn er auf die Zeit des Verfalls zurückblickt, dann kann er nur ein trauriges Lied anstimmen.

Ein Treppenhaus aus hellem Beton mit Treppen ins Nirgendwo. Alles ist mit Graffiti verschmiert.
Stufen ins Nirgendwo. (Bild: Ulsamer)

Graffitischmierer in der Bonboles-Villa

Nun zurück zur Kunstinstallation Villa Moser, die ebenfalls seit Jahren unter städtischer Ägide vor sich hin bröselt. Immer häufiger hat sich bei mir der Eindruck verdichtet, dass der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Joachim Dorfs, den Nagel auf den Kopf trifft: „Offenbar hat sich in Stuttgart das Jahrzehnt als kleinste Zeiteinheit für Veränderungen etabliert.“ In der Stadtverwaltung geht alles gemächlich seinen Gang, notwendige Gelder für rechtzeitige Sanierungen werden nicht vom Gemeinderat bewilligt, und wenn der Unmut in der Öffentlichkeit zu laut wird, greift man eben in die Tasche des Steuerzahlers und rettet, was noch zu retten ist. So kurzsichtig und leichtfertig sollte mit dem Geld von uns Bürgern nicht umgegangen werden. Die Ruinen der Villa Moser, die seit 1955 einschließlich des sie umgebenden Leibfriedschen Gartens Eigentum der Stadt Stuttgart sind, bleiben bis heute schutzlos Vandalen und Graffitischmierern ausgeliefert. Aber auch der Zahn der Zeit nagte insbesondere an den Holzplanken der Kunststation. Der Anblick der Gesamtanlage ist seit Jahren ein Trauerspiel!

Zwei Sockel (Postamente), auf denen einst Skulpturen standen, dahinter eine mit Herbstlaub bedeckte Treppe.
Diese beiden Sockel haben Krieg und Schmierfinken überstanden, auch wenn sie inzwischen sogar hierher versetzt wurden. Glauben eigentlich alle selbsternannten Graffiti-Künstler, dass sie sich in unseren Städten austoben dürfen, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden? Im Übrigen: nicht jeder, der eine Spraydose bedienen kann, ist ein Banksy! An der einen oder anderen Stelle würde eine Kameraüberwachung nichts schaden. (Bild: Ulsamer)

Nur wenige Jahre bewohnte der Schokoladenfabrikant Eduard Otto Moser die eigens für ihn von 1872 bis 1875 erbaute Villa, da er bereits 1879 überraschend mit 60 Jahren verstarb. Das von Johann Wendelin Braunwald entworfene Gebäude hat Anklänge an die Villa Berg, doch hat der Architekt durchaus ein eigenständiges bauliches Werk im Stil der Neorenaissance geschaffen. Die dreigeschossige Villa, die an kleine Landsitze in der Toskana erinnert, wurde ergänzt durch Stallungen mit Remise, ein Geflügel- sowie ein Gewächshaus. Mit einer eigenen dampfbetriebenen Anlage wurde das Wasser aus einem Brunnen ins höhergelegene Reservoir gepumpt, aus dem das ganze Anwesen versorgt wurde. Das Wasserreservoir fiel der Aufschüttung für den Aussichtspunkt ‚Bastion Leibfried‘ zum Opfer, von dem man einen schönen Blick auf Stuttgart hat, wenn man es schafft, den versammelten Müll auszublenden. Völlig unleserlich sind die dort angebrachten Hinweistafeln, die die umliegenden Stadtquartiere erklären.

Vermoderte und angefaulte braune Holzbretter lehnen an einer Wand.
Endstation? Die Kunstinstallation Villa Moser ist seit Jahren im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr begehbar: Die Stadtverwaltung sah zu, wie die Holzbohlen verrotten! (Bild: Ulsamer)

Hinfällige Kunstinstallation

Als Marie Friederike Moser 1903 kinderlos verstarb, vererbte sie das Gesamtareal an ihre Großnichte Rose Leibfried, die mit ihrem Ehemann für Villa und Gartenanlagen sorgte. Der Park wurde in den kommenden Jahrzehnten durch den Bau einer Straßenbahn von Stuttgart nach Feuerbach und der Verbreiterung von Straßen beschnitten. Die heutige, extrem geschäftige Verkehrssituation am Pragsattel hatte sich damals bereits angekündigt, und so ist der Leibfriedsche Garten in unseren Tagen nahezu vergleichbar mit einer zu groß geratenen Verkehrsinsel. Nach dem Tod des Ehepaares Leibfried versuchte die Stadt Stuttgart das Gelände zu kaufen, doch der Sohn lehnte dies ab. Einer Beschlagnahme entging die Villa Moser 1943 nur durch eine Vermietung: Das Unternehmen Bosch richtete dort sieben Zweizimmerwohnungen für Mitarbeiter ein. Bei mehreren Bombenangriffen brannte 1944 die Villa Moser aus. Die äußeren Mauern blieben – wie Nachkriegsfotos belegen – zuerst noch stehen, ehe sie zum Abbruch freigegeben wurden. 1955 erwarb die Stadt nach mehrmaligen Anläufen das Anwesen. Wer sich für Details zur Geschichte der Villa Moser interessiert, dem möchte ich gerne die Bachelorarbeit von Simon Otto Volk empfehlen.

Das Sanctuarium: kreisförmiges Objekt umgeben von Metallpfählen mit goldenen Speerspitzen. Darin wachsen kleine Bäume und andere Pflanzen.
Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt ist für die städtischen Parks und Grünanlagen in Stuttgart zuständig, doch um die Kunststation Villa Moser hat es sich nicht gekümmert. Zur Ehrenrettung dieser Abteilung muss ich erwähnen, dass der Gemeinderat keine Mittel für die Erhaltung zugebilligt hatte. Umso eifriger machten sich die Mitarbeiter des Gartenamts am daneben liegenden ‚Sanctuarium‘ zu schaffen. Dort hatte der aus den Niederlanden stammende und seit 1970 in Unterfranken ansässige Konzeptkünstler Herman de Vries ebenfalls zur IGA 1993 eine weitere Kunststation – ‚Heiligtum‘ – realisiert: Übermannshohe schwarze Lanzen mit goldfarbener Spitze sollten sich schützend um einen kreisrunden ‚Mini-Urwald‘ erheben, inmitten pulsierender Verkehrsadern. Die Pflanzen, darunter auch Bäume, sollten sich frei entfalten können und so einen Denkanstoß zur Bedeutung der Natur und ihrer Bedrohung vermitteln, getreu seinem Grundsatz: „natur ist sich selber genug und soll dem menschen auch genug sein. was wir von der natur noch um uns finden können (ich sage bewußt nicht ‚haben‘) hat keine menschlichen zufügungen nötig. sie ist sich selbst – und für uns eine offenbarung …“ Soweit die Theorie. Doch 2018 schlugen die Stadtgärtner zu und setzten alles auf den Stock – oder noch tiefer! Wo käme man auch hin, wenn sich das ‚Grün‘ so ungebührlich über die Begrenzung recken würde! Dies erinnert mich an unsere Efeuhecke im nahegelegenen Esslingen, die wir auf amtliche Anweisung hin zurückschneiden mussten, obwohl problemlos ein Zwillingskinderwagen auf dem Gehweg Platz gehabt hätte. (Bild: Ulsamer)

Die Reste der Ruinen und der einstige englische Landschaftsgarten blieben über Jahrzehnte weitgehend unbeachtet und wegen der Topografie und der Umschließung durch Verkehrswege auch unbebaut. Damit endete die Geschichte der Villa Moser jedoch nicht, denn zur Internationalen Gartenbauausstellung im Jahre 1993 gestaltete der Architekt Hans-Dieter Schaal eine Kunstinstallation, die die Überbleibsel der Villa und den verwilderten Garten einbezog: Eine umfangreiche Konstruktion aus einem turmartigen Gebäudeteil in Beton und Metallstegen mit Holzauflage machte das schon fast verwunschene Kleinod wieder für Besucher „zugänglich“. Und damit komme ich auch zu meinem zentralen Kritikpunkt: Selbstredend können nicht alle Grundmauern früherer Villen konserviert werden, aber wenn man keine Lust hat, daraus entstandene Kunstwerke zu erhalten, dann hätte sich die Stadtverwaltung eigentlich das Geld für die Umgestaltung im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung 1993 sparen können! In Parkanlagen sollten keine Relikte kostenintensiver Großveranstaltungen zerfallen, die Ziel lichtscheuer Elemente sein oder in Müllkippen verwandelt werden könnten.

Ein heller Metallsteg über den Resten einer Ruine und einer Treppe aus Naturstein.
Die Ruine der Villa Moser und den umliegenden Garten durch Stege im Rahmen der Kunstinstallation von Hans-Dieter Schaal zugänglich zu machen und gleichzeitig zu schützen, war im Grunde keine falsche Vorgehensweise, doch hätte es auch etwas filigraner sein dürfen. Anregungen dazu gibt es im Werk des 2021 verstorbenen Bauingenieurs Jörg Schlaich reichlich, der nicht nur Brücken, Stegen und Türmen eine gewisse Leichtigkeit vermitteln konnte. (Bild: Ulsamer)

Zweiklassengesellschaft historischer Orte

Zwar beschäftigten sich Verwaltung und Gemeinderat hin und wieder mit der Villa Moser, doch wann immer uns unsere Stadtwanderungen vorbeiführten, das gleiche Bild: Graffiti, leere Flaschen und anderer Unrat. Und als Antwort der Stadt gab’s noch zusätzliche Bauzäune zur Absperrung der zerfallenden Kunstinstallation. Wenn die Stadtverwaltung nun 200 000 Euro ausgeben wird, nur um neue Pläne für die Villa Moser und den Leibfriedschen Garten zu entwickeln, dann hoffe ich sehr, dass sorgsamer mit diesem Ensemble umgegangen wird als in früheren Jahrzehnten, besonders damals im Vorfeld der IGA. Dabei beziehe ich mich nicht nur auf die vorhandenen Objekte von Menschenhand, sondern gerade auch auf die Natur, die sich aus den angelegten Zier- und Obstgärten entwickelt hat. Die Eidechsen, die sich an den sonnigeren Plätzen des Leibfriedschen Gartens angesiedelt haben, sollten nicht die nächsten Opfer der Umgestaltung werden.

Ein kreisrundes früheres Brunnenbecken. Mit Graffiti.
Das runde Brunnenbecken hat die Attacken der Vandalen bis auf Schmierereien bisher halbwegs gut überstanden. (Bild: Ulsamer)

Überraschend ist es für mich immer wieder, wie unterschiedlich mit historischen Orten umgegangen wird: Für ein kleineres technisches Vorhaben in der Entwicklungszone des früheren Truppenübungsplatzes Münsingen, heute überwiegend Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, machte ich mich gemeinsam mit Vertretern des Landesdenkmalamts und anderer Vertreter von Behörden und Verbänden auf die Suche nach einem kleinen Betonmäuerchen und einem nicht mehr existenten Sportplatz der französischen Truppen aus der Nachkriegszeit. Mögliche Bodendenkmäler schützten wir durch die Anlage einer Messstrecke auf einem eigens aufgeschütteten Damm. Für mich als Nebenfachhistoriker war dies völlig okay. Aber warum die Ruinen der Villa Moser und des Leibfriedschen Gartens nicht umfassend geschützt werden, frage ich mich schon. Selbst zur IGA 1993 wurden noch Bauteile abgebrochen oder versetzt, um für andere Zwecke Platz zu schaffen. Wird hier mit zweierlei Maß an historische Orte herangegangen? Die Untere Denkmalschutzbehörde residiert im Amt für Stadtplanung und Wohnen der Landeshauptstadt Stuttgart: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Flaschen und anderer Müll liegt am Boden neben einem Müllbehälter.
Müll gehört immer mehr zum Stadtbild, denn die Müllsünder scheinen zuzunehmen. Aufgenommen im Leibfriedschen Garten. Nicht wenige Besucher hatten ihre Sekt- und Schnapsflaschen gleich am Ort des Gelages zurückgelassen. Und wie könnte es anders sein, ein verlassener E-Scooter lag auch noch im Gras. (Bild: Ulsamer)

Die Ruinen der Villa Moser wären sicher auch ein Ort des Gedenkens an die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. So lässt sich eine gedankliche Verbindung zum Monte Scherbelino ziehen, der aus Trümmern zerstörter Häuser aufgeschüttet wurde. Leider mangelt es dort gleichfalls an sachkundiger Information, worauf ich bereits in meinem Blog eingegangen bin: „Monte Scherbelino – eine steinerne Mahnung zum Frieden“. Und wie könnte es anders sein, die Graffitischmierer hatten dort ebenfalls schon vorbeigeschaut!

Eine künstliche Grotte in einer Natursteinmauer ist vom Rauch geschwärzt. Darüber die Inschrift: Erbaut von Eduard Otto Moser. Darunter 1875 in römischen Ziffern.
Vom Fratzenkopf ist nicht allzu viel übriggeblieben, doch die Inschrift zeigt das Jahr der Fertigstellung der Villa Moser 1875. In der darunter sichtbaren Grotte legten Brandstifter Feuer, die keinerlei Rücksicht auf die Ruine genommen haben. (Bild: Ulsamer)

Süße Geschichte vernachlässigt

Die Villa Moser würde sich auch anbieten, um die Stadtgeschichte mit ‚süßen‘ Themen anzureichern. Eduard Otto Moser lernte Konditor in Stuttgart und zog dann nach Paris, um mit vielen neuen Kenntnissen in seine Heimatstadt zurückzukehren und eine Bonbon- und Schokoladeproduktion mit schließlich 250 Beschäftigten aufzubauen. Nicht nur Moser gehörte zu den kreativen Schokoladeherstellern, die ab Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein in Stuttgart ihre Unternehmen schufen, sondern auch Wilhelm Roth, der 1894 mit der Firma Moser fusionierte. Die Schokoladenmarke Moser-Roth existiert immer noch. In diese Reihe bekannter Schokoladehersteller gehören auch die Brüder Waldbaur (einstmals am Feuersee zuhause), sowie Ernst Staengel und Karl Ziller, die die Marke Eszet schufen, und natürlich nicht zu vergessen Clara und Alfred E. Ritter, die 1912 in Cannstatt – heute ein Stadtteil von Stuttgart – ins Schokobusiness einstiegen. Ritter Sport ist zwar jetzt in Waldenbuch ansässig, doch mit all diesen kreativen Süßwarenproduzenten könnte sich Stuttgart im Rahmen eines Villa-Moser-Projektes schmücken. Apropos schmücken: Es findet sich noch nicht einmal eine Informationstafel zum Leibfriedschen Garten und der Villa Moser, und wenn es eine gäbe, dann wäre sie mit Graffiti verschmiert.

Ein umlaufender Fries ist völlig zugeschmiert.
Die Informationen zu den umliegenden Stadtquartieren der Stadt Stuttgart sind auf der Bastion Leibfried längst zugeschmiert! Hier befand sich einst das Wasserreservoir für die Villa Moser und den Leibfriedschen Garten. (Bild: Ulsamer)

Der öffentliche Raum gehört nicht Randalierern, Vandalen und Schmierfinken! Es ist an der Zeit, dass die Stadtgesellschaft wieder die Oberhand gewinnt. Es kann doch nicht sein, dass der Schlossplatz in Stuttgart an Silvester mit Bauzäunen abgeschrankt wird, um Fröhlichkeit und Ruhe vor antisozialen Hooligans zu schützen! Müssen wir tatenlos zusehen, wie unsere Städte in Müll und Wandschmierereien versinken? Haben Kunstinstallationen wie die Villa Moser keinen Bestand mehr? Dürfen sich unsoziale Zeitgenossen ihres Mülls an Altglascontainern entledigen, ohne dass dagegen vorgegangen wird? Der Leibfriedsche Garten mit den Resten der Villa Moser ist zum Opfer von Vandalen, aber auch der Vernachlässigung durch die Stadtverwaltung geworden. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Oberbürgermeister Frank Nopper und die Gemeinderäte mal öfter durch die Straßen und Parks gehen, dann erleben sie aus erster Hand wie das Stadtbild verschandelt wird!

Der Leibfriedsche Garten und die Villa Moser haben ein sanftes Erwachen aus dem tristen und unwürdigen Alptraum verdient, in den sie im letzten Jahrzehnt gestoßen wurden!

 

Eine Eidechse klettert aus einem Metallgitter und betrachtet eine grüne Pflanze.
Wenn sich die Stadt Stuttgart zu einer Sanierung des Leibfriedschen Gartens mit der Villa Moser aufraffen sollte, dann muss Rücksicht auf die Natur genommen werden, die sich inzwischen entwickelt hat. Dies gilt selbstverständlich auch für die Eidechsen. Als Kulturfolger kommen Eidechsen auch im städtischen Bereich – wie auf dem Weg zur Bastion Leibfried – zurecht, wenn sie Winterquartiere und einen Unterschlupf für ihr aktives Halbjahr finden. Natürlich dürfen Insekten als Nahrung nicht fehlen. (Bild: Ulsamer)

 

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Hohe Bauzäune aus Metall versperren den Zugang zur Kunstinstallation Villa Moser. Vermoderte Bretter lehnen an einer Wand.Was haben die Villa Moser und die Villa Berg auf der anderen Seite des Talkessels in Stuttgart gemeinsam? Bauzäune versperren seit Jahren den Zugang, da die Kunstinstallation bzw. das Gebäude vernachlässigt wurden. Und dazu gesellt sich die leerstehende Villa des Bildhauers, Malers und Grafikers Otto Herbert Hajek am Hasenberg. Dieser Eingangsbereich der Kunstinstallation von Hans-Dieter Schaal sollte die Grotte bildlich aufgreifen, die sich unterhalb der Villa befindet. (Bild: Ulsamer)

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