Landespolitiker vergeudeten Jahrzehnte
Der Flughafen Hahn im rheinland-pfälzischen Lautzenhausen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, auf die ich bereits mehrfach in meinem Blog eingegangen bin. Der frühere US-amerikanische Militärflugplatz wurde nach deren Abzug ab 1993 für die zivile Luftfahrt genutzt. Zuerst dachte ich, die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen oder Fraport, der Betreiber des Airports in Frankfurt, würden die Chance nutzen und eine sinnvolle Verbindung zwischen dem abgelegenen Flugplatz Hahn im Hunsrück und dem Flughafen in der Mainmetropole Frankfurt schaffen. Doch weit gefehlt, die Landesregierungen in Rheinland-Pfalz und Hessen, aber auch Fraport, waren nicht in der Lage, die sich bietenden Chancen zu nutzen. So flossen zwar Subventionen in Millionenhöhe, deren teilweise Rückgabe die EU nun fordert, doch es bröselte nach wie vor der Beton und die Passagierzahlen gingen nach unten. Die rheinland-pfälzischen Landesregierungen unter Kurt Beck und Malu Dreyer – beide SPD – brachten den Flughafen Hahn nicht voran, und so wurde er als Wanderpokal nach China verscherbelt. Der eine Käufer hatte noch nicht mal einen ordentlichen Geschäftsbetrieb, der andere flog in die Insolvenz. Ein russischer Oligarch konnte als Käufer gerade noch verhindert werden, und dann griff der Immobilienunternehmer Peter Adrian zu und versucht mit dem TRIWO Hahn Airport jetzt durchzustarten. Positive Veränderungen lassen sich zwar erkennen, doch die Zahl der Flüge vom ‚Hahn‘ ist bescheiden. Die Fluggastzahlen sind zwar wieder gestiegen, sie liegen jedoch noch bei der Hälfte von 2007, wo fast 4 Mio. Fluggäste verzeichnet werden konnten. Den Beschäftigten auf dem ‚Hahn‘ und der ganzen Region kann ich nur wünschen, dass der TRIWO Hahn Airport zum Höhenflug ansetzt.

Hebt der Hahn mit der TRIWO AG ab?
Ein verkehrstechnisch abgelegener Flughafen ohne Bahnanbindung hat es immer schwer, doch für den Aufbau eines positiven Images ist es natürlich zusätzlich abträglich, wenn 2023 der ‚stern‘ schrieb: „Der ehemalige Militärflughafen Frankfurt Hahn ist nicht nur in Sachen Beliebtheit das Schlusslicht in Deutschland – auch die Zahl der Verspätungen und Flugausfälle ist dort überdurchschnittlich hoch. Insgesamt kam es in Europa im vergangenen Jahr laut einer Erhebung von “Airhelp” von Juli bis September bei 37 Prozent der Flüge zu einer Verspätung.“ Bei unseren beiden jüngsten Flügen mit Ryanair ins irische Kerry bzw. nach Hahn trafen die Verspätungen auch uns – mit jeweils ca. 90 Minuten. Längst vorbei ist es mit der Siegesfanfare, wenn ein Ryanair-Flieger vorzeitig landete! Verspätungen und Servicemängel hin oder her, ohne Ryanair könnte der Hahn Airport gleich schließen, denn an unseren Flugtagen starteten oder landeten nur 15 Passagierflugzeuge, davon entfielen auf die irische Ryanair 12 und die ungarische WizzAir drei. Die hohe Abhängigkeit vom Billigflieger Ryanair – so preisgünstig sind sie ja gar nicht mehr! – ist ein Risiko für den TRIWO Hahn Airport, das nicht unterschätzt werden darf.

Man kann nur hoffen, dass mit der TRIWO AG ein Käufer gewonnen wurde, der mehr als einige Schönheitsoperationen am Hahn vornimmt. Das Know-how für eine zukunftsorientierte Entwicklung sollte das Unternehmen haben, nicht nur weil der Vorstandsvorsitzende der nichtbörsenorientierten Aktiengesellschaft Hobbypilot ist, sondern weil Peter Adrian mit seiner Firma rd. 25 Industrie- und Gewerbeparks sowie verschiedene Flugplätze in Oberpfaffenhofen, Egelsbach oder Zweibrücken betreibt. Genutzt werden die Flächen zum Teil auch für die Entwicklung von Automobiltechnik, Events oder Kongresse usw. Wir kennen den Flughafen Hahn schon seit 25 Jahren, und es hat sich manches getan, doch als Folge politischer Fehleinschätzungen und mangelndem unternehmerischen Denken auf Seiten der Politik wurden wichtige Veränderungen verschleppt. Als völliges Desaster stellten sich die Versuche der damaligen Ministerpräsidentin Malu Dreyer heraus, den Flughafen Hahn an chinesische Firmen zu verscherbeln.

Chinesische Irrwege
Die grenzenlose Naivität ist mir bis heute ein Rätsel, mit der Malu Dreyer & Co. einen Partner auserkoren hatten, der über keinerlei Geschäftsbetrieb verfügte. SYT aus Shanghai hatte dort zwar einen Briefkasten auf dem Hinterhof hängen, doch es fehlte am nötigen Kleingeld. Aus Fehlern kann man lernen, allerdings ist das wohl nicht die Stärke mancher Landesregierung. Auf den ersten Fehlgriff folgte der Verkauf an den Mischkonzern HNA, der zügig in die Pleite schlitterte. Und dem Flughafen Hahn eine Insolvenz bescherte! Deutsche Steuergelder flossen in dreistelliger Höhe in den Flughafen Hahn mit Potenzial, doch die rheinland-pfälzische Landesregierung unter SPD-Führung brachte zweimal nur einen chinesischen Reinfall zustande. Details zu diesen chinesischen Kapriolen lesen Sie in meinem Beitrag ‚Flughafen Frankfurt-Main: Malu Dreyer und die Freier aus China‘. Der Konkursverwalter verhökert den Hahn an die eigens gegründete Swift Conjoy GmbH, die allerdings zum vereinbarten Termin den Kaufpreis nicht überweisen konnte oder wollte.

Damit war das mehraktige Trauerspiel allerdings noch nicht zu Ende, denn trotz geopolitischer Verwerfungen wurde nach zwei chinesischen ‚Käufern‘ sogar der russische Oligarch Wiktor Charitonin als Kaufinteressent genannt, der sich den Nürburgring einverleibt hatte. Ja, ja, der Nürburgring: Für Rennsportfans hat er einen guten Klang, doch unter dem damaligen SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) hatte sich auch dieser zu einem Fass ohne Boden für über 300 Mio. Euro an Steuergeldern entwickelt. Seine Parteifreundin und Nachfolgerin, Malu Dreyer, hatte beim ‚Hahn‘ ebenfalls kein glückliches Händchen. Mehr dazu in: ‚Frankfurt-Hahn – ein Flughafen im Tiefflug. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat versagt‘. Unternehmerisches Denken und politisches Handeln scheinen sich nur schwer verbinden zu lassen. Die Probleme beim Flughafen Hahn waren immer absehbar, doch die Landespolitik dilettierte weiter. Mehr dazu finden Sie in: ‚Vom Pleiteflughafen zum geopolitisch relevanten Airport? Frankfurt-Hahn: Infrastruktur darf nicht zum Wanderpokal werden‘.

Nicht nur der Flughafen Hahn hat durch die rückläufigen Passagierzahlen gelitten, sondern auch das regionale Umfeld. So ist es erfreulich, wenn sich die TRIWO AG ans Renovieren gemacht hat und die Zahlen bei Fluggästen und Fracht wieder nach oben treiben möchte. Hätten die Landesregierungen unter Malu Dreyer die chinesischen Fettnäpfchen ausgelassen und unternehmerisches Denken gezeigt, dann hätte dies mehr Lichtblicke auf den Hahn gebracht. Die seit Jahren schwierige Situation hätte bei etwas mehr politischem Weitblick verhindert werden können.
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Auf dem Hahn steppt gewiss nicht der Bär, denn selbst auf der Internetseite des Flugplatzbetreibers heißt es: „der Sommerflugplan des TRIWO Hahn Airport (bietet) 38 Ziele sowie bis zu 130 An- und Abflüge pro Woche“. Damit dürfte ein Flughafen dieser Größenordnung dauerhaft kaum rentabel sein. Wie bei anderen Immobilien setzt die TRIWO AG neben dem Flugbetrieb auf weitere Einnahmequellen: „Zu vermieten ist auch eine Eventfläche auf dem Flughafengelände. Die Fläche ist 27.965 qm groß und eignet sich für Open Air- als auch für Zeltveranstaltungen. Zu dem Event-Gelände gehören eigene Parkflächen sowie eine eigene Zufahrt.“ Mehr zu den politischen Wirren rund um den Flughafen Hahn lesen Sie in: ‚Flughafen Hahn: Malu Dreyer und die Freier aus China. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat sich zweimal verzockt‘. (Bild: Ulsamer)

