Der Schutz der Moorböden kommt kaum voran
An Strategien zum Moorschutz mangelt es in Deutschland nicht, doch dieser kommt im Bummelzugtempo voran, während der Klimawandel im Jet unterwegs ist. Moore könnten einen bedeutend größeren Beitrag zur Bindung des Klimagases CO2 leisten, wenn wieder mehr Flächen mit ursprünglichem Moorboden vernässt würden. Bis heute wurden über 90 % der Moorflächen in Deutschland entwässert und kamen unter den Pflug bzw. wurden aufgeforstet oder als Siedlungs- und Verkehrsflächen mit Beton und Asphalt überdeckt. So ist es schon ein besonderer Moment, wenn man auf einem Bohlenweg durch eine Landschaft wie das Wildseemoor im Nordschwarzwald gehen kann. Das Hochmoor, in dem der Wildsee und der kleinere Hornsee als blaue ‚Augen‘ zu sehen sind, ist bis zu acht Meter mächtig. Das Moor steht seit 1927 unter Naturschutz, wobei die badische Regierung bereits 1914 und 1919 den Torfabbau untersagt hatte. Ein Besuch des Wildsees bei Kaltenbronn, in der Nähe von Bad-Wildbad in Baden-Württemberg, lohnt sich für jeden Naturfreund.

Moore benötigen verstärkten Schutz
Ein Hochmoor wächst nur einen Millimeter pro Jahr in die Höhe, indem die unter Wasser stehenden Torfmoose absterben und so die Torfschicht bilden. Das Wasser für Hochmoore kommt einzig aus dem niedergehenden Regen oder Schnee. Wenn sich ein Hochmoor bildet, dann wölbt sich die Moorfläche wie ein Uhrglas nach oben. Das Wildseemoor auf dem Kaltenbronn hatte Glück, dass der Torfabbau schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gestoppt wurde. Zahlreiche andere Moore wurden weiter abgebaut, für Moorpackungen in Kurkliniken, zum Heizen, zur Stromerzeugung oder für den Gartenbau. Ich halte es für einen Skandal, dass in Europa Torf weiter abgebaut wird und in die Gartenerde wandert, obwohl die Bedeutung intakter Moore für die Bindung von CO2 nun wirklich keine Neuigkeit mehr ist. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in meinem Beitrag ‚Klimawandel: Moorschutz wird noch bedeutender. Torf gehört weder in den Ofen noch in den Garten‘. Jeder Hobbygärtner kann zum Erhalt der Moore beitragen, wenn er zu torffreien Pflanzerden greift.

Am gleichfalls auf dem Kaltenbronn liegenden Hohlohmoor wird durch den Einbau von Grabensperren, die zu 90 % zwischen sechs und neun Metern breit sind, versucht, den Abfluss des Regenwassers zu stoppen, um so das Moor zu erhalten. Einige Sperren sind bis zu 30 Meter breit, was deutlich macht, in welchem Maße der Mensch versucht hat, dieses Moor zu entwässern. Auf einer Fläche von 68 Hektar soll im hängenden Moor das Wasser länger gehalten werden. Vorgesehen ist beim Hohlohsee eine Anhebung des Wasserspiegels. Die Moorrevitalisierung ist umso wichtiger, da mit dem Klimawandel heißere und trockene Sommer das Hohlohmoor bedrohen.

Mehr Moorböden renaturieren
Zwar werden einzelne Moorflächen wieder renaturiert, doch dieser Prozess kommt viel zu langsam voran. Das gilt für die Renaturierung von Flüssen und Gewässern ganz allgemein in gleicher Weise, worauf ich in meinem Beitrag ‚Regenwasser braucht mehr Raum. Auwälder, Bäche, Flüsse, Moore und Tümpel renaturieren‘ eingegangen bin. Die Wiederherstellung von Mooren und Gewässern sollte Politik und Bürgerschaft weit mehr interessieren als bisher, denn wer die Erderwärmung bremsen möchte, der muss auch auf Moore setzen, und wenn Überschwemmungen verhindert werden sollen, dann geht dies nur mit mehr Raum für naturnahe Gewässer. Natürlich ist es sinnvoll, wenn die Politik Strategien entwickelt, um Probleme gezielter angehen zu können, was besonders auch für die Moorschutzstrategie der Bundesregierung vom Oktober 2022 zutrifft. Zweifel bleiben allerdings, denn viel zu oft folgen auf Strategien und Konzepte nur vollmundige Erklärungen, aber leider keine oder nur unzureichende Handlungen zu deren Umsetzung. So beschloss die Bundesregierung 2007 in der ‚Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt‘, zwei Prozent der Landesfläche als Wildnis zu sichern, doch im Zieljahr 2020 waren es gerade mal 0,6 %. Ich hoffe sehr, dass es bei der Moorschutzstrategie schnellere Fortschritte gibt – die bisherigen Erfahrungen sind dagegen wenig positiv. Noch immer werden Moore in Europa abgebaut, um als torfhaltige Gartenerde in Blumenbeeten zu enden. Daher ist es höchste Zeit, die noch vorhandenen Moore konsequenter zu schützen und frühere Moorflächen zu renaturieren.

Reden fällt vielen politischen Entscheidern leichter als handeln. Beispielsweise sollten laut der Zielvereinbarung ‚Klimaschutz und Bodenschutz‘, die der Bund und die Länder 2021 abgeschlossen haben, die Treibhausgasemissionen aus Moorböden, die laut NABU im Jahr 2019 bei rund 53 Millionen Tonnen lagen, bis 2020 um fünf Millionen Tonnen reduziert werden. Eine im Grunde nicht sehr anspruchsvolle Zielsetzung, wenn wir die Dramatik des Klimawandels betrachten, doch nähert sich die Umsetzung kaum den Zielvorgaben an. „Für eine Reduzierung um fünf Millionen Tonnen müssten von 2020 bis 2030 also insgesamt 250.000 Hektar vernässt werden – 23 000 Hektar pro Jahr. Im langjährigen Durchschnitt sind es laut NABU aber nur 2000 Hektar“. „Die jährliche Wiedervernässung müsste also mindestens um den Faktor 11 beschleunigt werden.“ Dies ist nach aller Erfahrung kaum zu erwarten, und auf diese Weise wird die Lücke zwischen hehren Zielvorstellungen und der erreichten Wiedervernässung ehemaliger Moore leider kaum kleiner. Weitere Ausführungen hierzu finden Sie in: ‚Eine Strategie rettet noch kein Moor. Moore binden CO2 und stärken Wasserhaushalt‘.

In Sachen Moore: Handeln statt reden
Moore sind eine bedeutende CO2-Senke und können wie ein Schwamm gewaltige Mengen an Niederschlagswasser aufnehmen, um so Überschwemmungen zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Dennoch haben Moore trotz ihrer Vorteile für Natur und Mensch im öffentlichen Bewusstsein noch immer nicht den Stellenwert, den sie verdienen.

Bei Mooren zeigt sich unser deutsches Problem wie bei vielen anderen Fragestellungen: Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Handlungsdefizit! Nun, nicht jedem Besucher werden auf dem Kaltenbronn diese Gedanken durch den Kopf gehen, und es reicht selbstredend auch, wenn man sich für die Moore wegen ihrer eigenwilligen Schönheit einsetzt! Der Wildsee im Nordschwarzwald führt den Wanderern vor Augen, dass an zu vielen Orten die Moore entwässert und die Flächen für die Menschen nutzbar gemacht wurden, ohne die Folgen zu betrachten. Es ist ein Glücksfall, dass der Wildsee und die umliegende Landschaft aus Moorflächen und Bannwäldern früh geschützt und für uns erhalten wurden. Es ist unser aller Aufgabe, die vorhandenen Moore zu bewahren und entwässerte Moorböden wieder zu renaturieren!



