Gefährdete Vögel werden aus Mordlust abgeknallt
Seit ich die bunten Papageitaucher zum ersten Mal gesehen habe, habe ich sie ins Herz geschlossen und es ist für mich im Grunde unvorstellbar, dass sich Jäger aufmachen und nach Island reisen, um dort die in ihrem Bestand gefährdeten Papageitaucher abzuschießen. Und dies ganz legal und ihm Rahmen von ‚Jagdreisen‘, die z. B. ‚Malepartus Jagdreisen‘ aus dem niedersächsischen Landesbergen anbietet. „Jagd auf Tordalk, Papageientaucher, Trottel- und Dickschnabellumme“ wird in Island angeboten: „Das Limit liegt bei 100 Vögeln je Tag für die Gruppe“, die aus zwei bis vier Personen besteht. ‚Weltnis – Jagd-Erlebnis-Reisen‘ oder ‚The Iceland Hunting Club‘ bewerben vergleichbare Angebote mit Fotos, auf denen zahlreiche getötete Papageitaucher zu sehen sind. So wird von deutschen Jägern in Island auf die Papageitaucher angelegt, obwohl der atlantische Papageitaucher auf der Roten Liste der internationalen Artenschutzorganisation IUCN als gefährdet eingestuft wird. Was nutzen solche Auflistungen, die auf die dramatische Lage von zunehmend mehr Vogelarten hinweisen, wenn sie dennoch aus Lust am Töten abgeschossen werden?

Papageitaucher benötigen Schutz
Auf die Papageitaucher, auch Papageientaucher und im Englischen Puffins genannt, bin ich bereits in einem eigenen Blog-Beitrag eingegangen, auf den ich gerne verweise: ‚Papageientaucher: Die bunten ‚Clowns‘ der Meere werden immer seltener. Seevögel leiden unter Überfischung, Plastikmüll und Klimawandel‘. Papageitaucher haben in der Brutzeit nicht nur einen bunten Schnabel, sondern ziehen mit ihrer freundlichen Erscheinung und ihrem lebhaften Wesen zahlreiche menschliche Betrachter an. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade der Mensch diesen Seevögeln die Lebensgrundlage entzieht. Überfischung und Vermüllung der Meere gehören zu den zentralen Ursachen für das Verschwinden der Papageitaucher wie auch die Zerstörung der Brutgebiete. Folgerichtig wird der atlantische Papageitaucher auf der Roten Liste der internationalen Artenschutzorganisation IUCN als gefährdet eingestuft. Die Überfischung raubt den Puffins die Nahrungsgrundlage für sich selbst und ihre Küken. Der Klimawandel verändert nicht nur das Nahrungsangebot, sondern bedroht die Papageitaucher, die die Winterzeit auf dem offenen Meer zubringen, durch stärkere Stürme. Wie bei dieser Bedrohungslage, die zum Teil gravierende Bestandsrückgänge mit sich gebracht hat, auf Faröer und Island jährlich 100 000 Papageitaucher auf dem Teller für den ‚menschlichen‘ Genuss landen können, ist mir ein absolutes Rätsel! Noch absurder ist es für mich, wenn Jäger eigens aus Deutschland anreisen, um in Island Papageitaucher abzuschießen. Eigentlich fällt mir dazu nur das Wort Mordlust ein!

Nicht weniger pervers ist es, in Deutschland weiterhin Rebhühner abzuschießen, so z. B. über 1300 im Jagdjahr 2023/24, obwohl das Rebhuhn auf den Roten Listen als stark gefährdet geführt wird. Von 1980 bis 2016 betrug der Rückgang der Rebhühner sage und schreibe 91 %. Von den Feldhasen mussten im gleichen Jagdjahr 256 280 ihr Leben lassen, obwohl sie zurecht als im Bestand gefährdet gelten. Auch 63 315 Wildkaninchen wurden erlegt, obwohl diese bereits auf der Vorwarnliste stehen. Die Zahl der Jagdscheininhaber hat sich in Deutschland von 264 413 im Jagdjahr 1982/83 auf die aus meiner Sicht unglaubliche Zahl von 460 771 in 2023/24 erhöht. Und unter diesen Jägern scheinen nicht wenige zu sein, die auch im Ausland zur Flinte greifen und z. B. Papageitaucher abschießen.

Die Papageientaucher werden nur eine Chance zum Überleben haben, wenn wir konsequenter als bisher ihre Brutgebiete schützen und dafür Sorge tragen, dass die Überfischung und Vermüllung der Meere beendet wird. In unser aller Interesse gilt es, die Erderwärmung durch eine Verminderung der klimaschädlichen Emissionen zu bremsen, denn ansonsten setzen auch sintflutartige Regengüsse den Puffins durch Überschwemmung der Bruthöhlen zu, und die Sandaale werden im wärmeren Meerwasser jahraus jahrein seltener. Der Schutz der Papageientaucher und aller bedrohten Seevogelarten muss intensiviert werden, und dazu gehört unbedingt, dass keine Puffins mehr durch Jagdtouristen erschossen werden!

Zum Beitragsbild
Die leergefischten Meere und der Rückgang der Sandaale im Zeichen der Meereserwärmung machen nicht nur den Papageitauchern, sondern auch zahlreichen anderen Seevögeln das Überleben schwer. Darauf bin ich in meinem Blog-Beitrag ‚Seevögel in Not. Leergefischte und vermüllte Meere zerstören die Vogelwelt‘ eingegangen. (Bild: Ulsamer)

