Öffentliche Projekte werden zur unendlichen Geschichte

Deutschland ist im Schneckentempo unterwegs

In Sonntagsreden setzen sich Politiker für die Entbürokratisierung und die zügige Verbesserung der Infrastruktur ein, doch spätestens ab Montag hapert es beim Ausbau von Autobahnen und Bahnstrecken oder Stromtrassen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt baut die Deutsche Bahn seit Jahren an einem Tiefbahnhof – bekannt als ‚Stuttgart 21‘. Das Projekt sprengt den Zeit- und Kostenrahmen wie wir das bereits beim ‚Flughafen Berlin Brandenburg‘ erleben mussten. Rumort es bei den Steuerzahlern ob des Schneckentempos und der explodierenden Kosten, müssen Eidechsen, Fledermäuse oder der Borkenkäfer als faule Ausrede dafür herhalten, dass inkompetente Politiker und Planer nicht in die Puschen kommen! Dass es auch anders geht, das haben die Schweizer mit dem Gotthard-Basistunnel bewiesen, der 2016 eröffnet wurde, doch die Rheintalbahn bleibt mindestens bis 2040/41 ein Nadelöhr, obwohl im Staatsvertrag von Lugano 1996 der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke auf deutscher Seite zugesagt worden war. Ein halbes Jahrhundert für den Ausbau einer Bahnstrecke oder die Erweiterung eines Autobahnabschnitts ist in Deutschland schon fast rekordverdächtig schnell. Aber auch Sanierungen von öffentlichen Gebäuden – wie des Opernhauses in Stuttgart – kommen nicht voran und werden zu einem Milliardengrab. Der Ausbau der Infrastruktur bzw. deren Sanierung dauert in Deutschland viel zu lange, und das schadet dem Wirtschaftswachstum und mindert den Wohlstand der Bürger. Wenn immer häufiger öffentliche Projekte zur unendlichen Geschichte werden, dann ist es kein Wunder, dass Deutschland bei der Wirtschaftsleistung und bei Innovationen zurückfällt.

Blick vom Fernseturm auf die Innenstadt von Stuttgart. Im Mittelpunkt die Baustelle für Stuttgart 21 mit merhreren hohen Kranen, dem jetzigen Kopfbahnhof und Gleisanlagen.
Blick vom Stuttgarter Fernsehturm auf die ermüdende Dauerbaustelle von Stuttgart 21. Der Grundidee, den Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation zu verwandeln, gelten bis heute meine Sympathien. Aber es ist völlig indiskutabel, dass die Deutsche Bahn im Februar 2010 mit den Bauarbeiten begann, um nun eine Eröffnung des neuen Bahnhofs für den Dezember 2031 anzupeilen. Die voraussichtlichen Kosten lagen 1995 bei ca. 2,5 Mrd. Euro, im Juni 2026 ergab die Kostenschätzung 14,5 Mrd. Euro. Wie soll Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen, wenn ein öffentliches Projekt mehr als zwei Jahrzehnte die Menschen in Stadt und Region strapaziert? Je länger ein Bauvorhaben in Planung und Umsetzung dauert, desto häufiger kommen auch Querschüsse. Mehr dazu in: ‚Bahngesetz: Kein Wohnungsbau auf Ex-Bahngelände? Trickser und Schlafmützen als Gesetzgeber‘. (Bild: Ulsamer)

Stuttgart 21: Jahrzehnte eine Baustelle

Überbordende Bürokratie, mangelnde Digitalisierung, hohe Lohn- und Lohnnebenkosten bzw. Unternehmenssteuern, überhöhte Strompreise und eine fehlende Priorisierung der öffentlichen Ausgaben fallen vielerorts mit zu wenig Verständnis für technische Innovationen und wirtschaftliche Notwendigkeiten zusammen. Darauf bin ich in meinem Beitrag ‚Offenheit für Wirtschaft und Technik sichert Wohlstand. Politik und Gesellschaft brauchen Innovation statt Bürokratie‘ eingegangen, daher werde ich auf diese Aspekte hier nicht zu sprechen kommen. Sie hängen jedoch mit der zu langsamen Entwicklung der Infrastruktur zusammen, denn wie soll man digitalisieren, wenn die Datennetze hinter den Anforderungen herhinken oder die Stromtrassen fehlen, um den Windstrom aus dem Norden in die südlicheren Industriezentren zu transportieren?

Schild 'Eidechsen-Habitat Feuerbacher Heide' mit Fotos und Texten. Dahinter eine grüne Wiese mit langgezogenen Wällen aus Steinen.
Natürlich müssen Eingriffe in die Natur möglichst vermieden werden, doch wird es immer wieder nötig sein, für Eidechsen oder andere Wildtiere ein neues Habitat zu schaffen. Solche Ausgleichsmaßnahmen müssen dabei allerdings hohen Standards genügen und wirklich eine neue Heimat schaffen. Das scheint mir auf der Feuerbacher Heide in Stuttgart vorbildlich gelungen zu sein. Dort wurde ein Ersatzbiotop für 3 000 Mauereidechsen geschaffen, die für die Realisierung von Stuttgart 21 weichen mussten. Mehr zu diesem Thema lesen Sie in meinem Artikel ‚Neue Heimat für vertriebene Eidechsen. So manches Ersatzhabitat lässt zu wünschen übrig‘. (Bild: Ulsamer)

Betrachten wir das Bahnprojekt Stuttgart 21, das u.a. den neuen Tiefbahnhof und die Schnellbahnstrecke von Stuttgart nach Ulm umfasst, dann fällt man wirklich vom Glauben ab, dass Deutschland noch für Innovation, Ingenieurskunst und vorausschauendes Handeln steht! In Stuttgart sind seit Jahren die Bahnsteige im Kopfbahnhof nur für Wanderlustige gut zu erreichen, denn die Baustelle für Stuttgart 21 hat gewissermaßen die Reisenden im Würgegriff. Manchmal hat man als geborener Stuttgarter das Gefühl, die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde hat nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch die Entscheidungsträger bei Stadt, Land und Bund überfordert. Das gesamte Vorhaben hat eine derart lange Vorgeschichte, dass man sich bei Konzeption, Planung und Bau nicht derart hätte verzocken dürfen. Als Befürworter des Projekts habe ich kein Verständnis für die Ewiggestrigen, die die Baugrube noch in ein Schwimmbad und die Tunnel in eine Champignonzucht umwidmen wollten, als der Prozess längst unumkehrbar war. Noch weniger Verständnis habe ich für die Verantwortlichen eines Bauvorhabens, die weder im Zeit- noch im Kostenrahmen geblieben sind, denn wer Jahrzehnte mit einer Idee schwanger geht, der sollte deren Realisierung so planen, dass die Deutsche Bahn, Stuttgart, Baden-Württemberg und Deutschland wegen dieses Bahnhofs nicht zur Lachnummer werden! Im Januar 2020 glaubte ich, die Bahn hätte den unterirdischen Bahnhof im Griff und titelte: ‚Stuttgart 21 hat endlich Fahrt aufgenommen. Infrastrukturprojekte: Wie wird man die rote Laterne los?‘ Die ‚rote Laterne‘ werden die Bahn und die politischen Entscheidungsträger, die diesen Bummelzug mit aufs Gleis setzten, so schnell nicht los, denn die vollständige Inbetriebnahme von Stuttgart 21 plant die Deutsche Bahn jetzt für den Dezember 2031. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2010! Nicht vergessen dürfen wir, dass das Projekt 1994 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Und bereits 1970 gab es bei der Bahn, als die Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart in die Vorplanung kam, die Idee, einen Tiefbahnhof in Stuttgart anzulegen. So sind es gerade mal 60 Jahre von ersten Überlegungen bis zur Inbetriebnahme eines unterirdischen Bahnhofs in Stuttgart. Gut Ding will eben Weile haben.

Blick auf die Glasfront der Eingangshalle mit der Schrift in weißen Buchstaben: Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt. Davor stehen einige Fahrzeuge.
Die Baukosten und der Zeitrahmen wurden beim Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt in jeder Hinsicht überschritten. So mancher Kritiker hat diese Verzögerungen und Budgetüberschreitungen der lahmenden Berliner Verwaltung zugeschrieben, doch in Wahrheit haben wir es mit einem deutschlandweiten Phänomen zu tun. Man denke nur an Stuttgart 21 in Baden-Württemberg oder die Elbphilharmonie in Hamburg, die kostete letztendlich statt der geplanten 77 Mio. stattliche 866 Mio. Euro. Berlin gab sich lieber einen zusätzlichen Feiertag, obwohl die Hauptstadt von den Finanzzuweisungen anderer Bundesländer lebt, als das Flughafenprojekt durchzuziehen. Darauf bin ich in meinem Blog-Beitrag ‚Berlin: Auf anderer Leute Kosten feiern. Die klamme Hauptstadt macht Weltfrauentag zum Feiertag‘ eingegangen. ( Bild: Ulsamer)

Flughafen Berlin Brandenburg stottert weiter

Es ist schon gespenstisch, wenn man sieht, wie in Deutschland im Schneckentempo Infrastrukturprojekte vorankommen, was bei weitem nicht nur für das ‚Bahnhöfle‘ in Stuttgart zutrifft. Der Flughafen Berlin Brandenburg, der das Tor zur Welt für die deutsche Hauptstadt werden sollte, spielt in der gleichen Klasse wie Stuttgart 21. Erste Überlegungen für einen Zentralflughafen für Berlin gab es bereits einen Monat nach dem Fall der Mauer 1989. Am 7. Dezember wurde dann von Lufthansa und Interflug eine gemeinsame Kommission gegründet, die Planungen für den Ausbau von Schönefeld zu einem Großflughafen erarbeitete. 1992 begannen die konkreteren Planungen, und es wurde die Berlin Brandenburg Flughafenholding gegründet. Der offizielle Startschuss für die Bauarbeiten fiel im September 2006, und eröffnet wurde er mit einer Verspätung von neun Jahren gegenüber ersten Planungen am 31. Oktober 2020. Zu den Ursachen für die zahlreichen Probleme, die zu dramatischen Verzögerungen führten, gehören Baumängel vor allem beim Brandschutz, deutliche Planungsfehler vor und während des Baus. Die Kapazitäten des Krisenmanagements waren unzureichend, was auch auf Personalentscheidungen zurückzuführen war. Die Baukosten liefen aus dem Ruder, sie erreichten 6,5 Mrd. Euro, dreimal so hoch wie ursprünglich geplant.

Im Vordergrund eine weiße Gangway, die auf Rädern bewegt werden kann. Aufschrift "TRIWO Hahn Airport". Im Hintergrund der Kontrollturm aus Beton mit Fenstern im oberen Bereich und der gleichen Aufschrift.
Der Flughafen Hahn im rheinland-pfälzischen Lautzenhausen hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, auf die ich bereits mehrfach in meinem Blog eingegangen bin, so z. B. in ‚Startet der Hahn Airport nochmals durch? Landespolitiker vergeudeten Jahrzehnte‘. Der frühere US-amerikanische Militärflugplatz wurde nach deren Abzug ab 1993 für die zivile Luftfahrt genutzt, und meine Familie und ich gehören bis heute zu denen, die im Hunsrück abheben. Zuerst dachte ich, die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen oder Fraport, der Betreiber des Airports in Frankfurt, würden die Chance nutzen und eine sinnvolle Verbindung zwischen dem abgelegenen Flugplatz Hahn im Hunsrück und dem Flughafen in der Mainmetropole Frankfurt schaffen. Doch weit gefehlt, die Landesregierungen waren nicht in der Lage, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Die rheinland-pfälzischen Landesregierungen unter Kurt Beck und Malu Dreyer – beide SPD – brachten den Flughafen Hahn nicht voran. Deshalb wurde er als Wanderpokal nach China verscherbelt. Der eine Käufer hatte noch nicht mal einen ordentlichen Geschäftsbetrieb, der andere flog in die Insolvenz. Ein russischer Oligarch konnte als Käufer gerade noch verhindert werden, und dann griff der Immobilienunternehmer Peter Adrian zu und versucht mit dem TRIWO Hahn Airport jetzt durchzustarten. Den Beschäftigten auf dem ‚Hahn‘ und der ganzen Region kann ich nur wünschen, dass der TRIWO Hahn Airport zum Höhenflug ansetzt und die traurigen Zeiten unter ‚politischer Führung‘ hinter sich lassen kann. (Bild: Ulsamer)

Der Flughafen Berlin Brandenburg, der den Namen des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt trägt, steckt weiter in den roten Zahlen, obwohl die Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund das Unternehmen in Milliardenhöhe entschuldet haben. Der irische ‚Billigflieger‘ Ryanair bezeichnet den BER als “erfolglosesten Flughafen Europas” und zog seine Flugzeuge und Crews ab, wird aber den Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt weiterhin anfliegen. Das wird zu einem Rückgang der Passagierzahlen führen, die insgesamt noch deutlich hinter den Vor-Corona-Jahren zurückliegen, als Tegel und Schönefeld beide angeflogen wurden.

Zwei gelbe Bagger greifen in die Bausubstanz und brechen Teile heraus, Das mehrstockige Gebäude ist aufgerissen, die Decken und Böden der Etagen erkennbar.
‚No ned hudla‘, so scheint das Motto bei vielen öffentlichen Projekten im Schwabenland zu lauten oder ‚Nur keine Hektik‘ im Rest der Republik. Ganz schnell kann es jedoch gehen, wenn öffentliche Projektträger ein Gebäude loswerden wollen, das gerade mal 44 Jahre seinen Dienst versehen hatte. So geschehen in Esslingen am Neckar, wo selbst die Grünen den abwegigen Beschluss unterstützten, ein Gebäude des Landratsamts abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. „Bauen muss vermehrt ohne Neubau auskommen. Priorität kommt dem Erhalt und dem materiellen wie konstruktiven Weiterbauen des Bestehenden zu und nicht dessen leichtfertigem Abriss“, so ein Positionspapier des Bunds Deutscher Architekten mit dem Titel ‚Das Haus der Erde – Positionen für eine klimagerechte Architektur in Stadt und Land‘ aus dem Jahr 2019. Warum bleiben solche Aussagen viel zu oft ungehört? Mehr zum fragwürdigen Abriss lesen Sie in: ‚Landratsamt Esslingen: Abriss statt Sanierung. Würden Sie Ihr Haus nach 44 Jahren abreißen?‘. (Bild: Ulsamer)

Apropos der Bund, sprich in diesem Fall die Bundesregierung: Sie lässt im brandenburgischen Schönefeld am Flughafen Berlin Brandenburg für 2,5 Mrd. Euro ein spezielles Terminal für Politiker und Beamte bauen, die mit der Flugbereitschaft in die Welt düsen wollen! Ursprünglich waren für diesen Polit-Terminal 344 Millionen Euro vorgesehen. “Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Baupreissteigerungen und einer Risikokostenvorsorge ergibt sich ein Kostenrahmen von 2,5 Milliarden Euro, der die maximale Kostenobergrenze für das Projekt darstellt”, heißt es in einer Mitteilung der Bundesimmobilienanstalt an den rbb. So darf mit unseren Steuergeldern nicht umgegangen werden, schon gar nicht, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz uns allen rät, den Gürtel enger zu schnallen. Völlig zurecht schreibt der Bund der Steuerzahler (BdSt) in seinem ‚Schwarzbuch. Die öffentliche Verschwendung. 2026/27‘: „Aus Sicht des BdSt braucht dieses Prestigeprojekt dringend ein Stoppschild. Der Regierungsflugbetrieb muss sich am funktionalen Bedarf orientieren – nicht an immer neuen Ausbauwünschen.“ Nicht nur einen Extra-Flughafen benötigen unsere Bundespolitiker, sondern zusätzlich neue Flugzeuge und Helikopter.

Im Hintergrund die Schwäbische Alb mit lichtem Baumbestand. Im Vordergrund stehen Fahrzeuge im Stau, links ein Informationsschild mit dem stilisierten Albaufstieg und zwei Personen in einem offenen Fahrzeug. Text: Albaufstieg. Schönste Autobahnstrecke Deutschlands. Daneben ein Schild mit Tempolimit 60 und ein weiteres Schild Brückenschäden.
Es dürfte nicht nur uns so gehen, wenn wir dieses großflächige Schild und den Albaufstieg beim baden-württembergischen Mühlhausen im Täle sehen. ‚Schönste Autobahnstrecke Deutschlands‘. Ist das wohl eine neue, sonderbare Art von Humor? Ich komme ins Grübeln. Die Autobahn A 8 ist an dieser Stelle ein echtes Nadelöhr mit jeder Menge Staus. Wer kam nur auf die irrwitzige Idee, ein solches Schild hier aufzustellen? Und die Kombination mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h mit dem Hinweis ‚Brückenschäden‘ zeigt, wie es um Deutschlands Infrastruktur steht. Mehr dazu in: ‚Marode Infrastruktur, leere Kassen und dilettantische Politiker. Deutschland und Europa taumeln in die Bedeutungslosigkeit‘. (Bild: Ulsamer)

‚Schönste Autobahnstrecke Deutschlands‘

Eine besondere Art des Humors zeichnet die Personen aus, die an der A 8 bei Mühlhausen im Täle vor dem stauträchtigen Albaufstieg ein großes sogenanntes touristisches Hinweisschild mit dem Text ‚Schönste Autobahnstrecke Deutschlands‘ errichten ließen. Ganz passend reckte sich bei meiner Aufnahme ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h und der Hinweis ‚Brückenschäden‘ in die Höhe. Diese Autobahn, deren Abstiegsstrecke 1937 in der Zeit der NS-Diktatur, und die Aufstiegsfahrbahnen 1957 errichtet wurden, könnte den einen oder anderen schönen Ausblick bieten, wenn man nicht über kaputte Brücken und enge Fahrstreifen holpern würde und ständig wegen Staugefahr den Vordermann im Auge behalten müsste. Man kann nicht sagen, dass sich die Politik keine Gedanken über Verbesserungen am Albaufstieg gemacht hätte, ganz im Gegenteil. Die Planungen begannen 1993, doch auch davor war klar, dass dieses Nadelöhr beseitigt werden musste. „Der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Mühlhausen und Hohenstadt (Fahrtrichtung München) war in der ADAC-Staubilanz 2024 einer der bundesweiten Top-25-Stau-Hotspots“, so der Automobilclub. Wenn die neue Trasse mit Talbrücken und Tunneln, wie die zuständige Autobahn GmbH des Bundes betont, 2034 fertiggestellt sein sollte, dann sind seit dem Beginn konkreter Planungen vier Jahrzehnte ins Ländle gegangen. Und ganz nebenbei sei erwähnt, hier waren weder Eidechsen oder Fledermäuse für die Verzögerungen verantwortlich – noch nicht einmal Klagen gegen das Planfeststellungsverfahren gab es. Nein, es ging um politische Querelen und ungelöste Finanzierungsfragen, die 2005 sogar – kurz vor dem Abschluss – zu einem Stopp des Planfeststellungsverfahrens geführt hatten. Der Albaufstieg an der A8, den täglich 70 000 Fahrzeuge nutzen, ist ein weiterer Beleg dafür, dass es eine Mär ist, Eidechsen oder anderes Getier würden ständig Verkehrsprojekte behindern. Nein, hinderlich sind Inkompetenz bei Planern und Politikern! Mehr zu den faulen Ausreden politischer Entscheider lesen Sie in: ‚Verhindern Eidechsen den Bau von Straßen, Schienen und Häusern? Die Zauneidechse ist ‚Reptil des Jahres 2020‘‘.

Stau an der Baustelle bei Pforzheim an der A8. Im Bild auch eine querende Eisenbahnbrücke.
„Wo heute täglich rund 80 000 bis 90 000 Fahrer das Enztal passieren, herrschten vor 80 Jahren in der Geburtsstunde der A 8 noch idyllische Verhältnisse. Damals hatte in Deutschland nur einer von hundert Bürgern ein privates Auto, schrieb die Zeitschrift ‘Die Autobahn‘ im Jahr 1934. Die meisten Wagen waren im Besitz von Firmen und Verwaltungen‘, so die Internetseite ‚meinenzkreis.de‘. Bis heute verläuft die A8 bei Pforzheim auf der gleichen Trasse. Daher war es höchste Zeit, dass dieser Autobahnbereich ausgebaut wird. Viel zu lange wurde geplant, bis endlich der Startschuss für den sechsstreifigen Ausbau fiel, der das Problem der Steigung und des Gefälles jedoch nur in Ansätzen löst. Eine Talbrücke wurde immer wieder verworfen, obwohl sie die Höhenunterschiede fast vollständig nivelliert hätte. Bei Neubau und Sanierung muss stärker als bisher auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Mehr dazu in: ‚Wenn Brücken 150 Jahre auf dem Buckel haben. Isambard Kingdom Brunel setzte auf Nachhaltigkeit‘. (Bild: Ulsamer)

Bleiben wir auf der A8 in Baden-Württemberg und fahren von Stuttgart in Richtung Karlsruhe, dann ist der Stau bei Pforzheim seit Jahren vorprogrammiert. Der sechsstreifige Ausbau der Autobahn ist hier längst überfällig, aber wie man für 4,8 Kilometer Jahrzehnte von der ersten Planung bis zur Fertigstellung benötigen kann, das erschließt sich mir nicht. „Für mehr Sicherheit werden 1,1 Millionen Kubikmeter Gestein und Erde abgetragen, um die A8 bei Pforzheim flacher zu machen. Die Steigung und das Gefälle in der Pforzheimer Senke werden spürbar entschärft, was den Verkehrsfluss verbessert und Staus vorbeugt“, so die zuständige Autobahn GmbH. Nun ist die Enz nicht der Amazonas, doch mit einer Talbrücke hätte sich das üble Gedränge schon vor Jahr und Tag verhindern lassen. Auf diese Weise wäre die „Steigung und das Gefälle“ für den Durchgangsverkehr wirklich behoben gewesen. Aber in Deutschland wird gerne gewühlt und gebaggert, auch wenn es sinnvollere Lösungen gegeben hätte. Nicht nur mit diesem Autobahnabschnitt hatte ich beruflich von Seiten eines Industrieunternehmens bzw. Verbands zu tun, und ich musste mich nicht selten wundern, mit welch fragwürdigen Argumenten Diskussionsprozesse in eine realitätsferne Richtung geschoben wurden. Ein weiteres Beispiel für politisches Gezerre möchte ich noch kurz erwähnen, denn auch bei der zweiten Rheinbrücke bei Wörth (Rheinland-Pfalz) war ich ein Mitleidender. Jetzt soll sie endlich gebaut werden. „Die Menschen im Kreis Germersheim warten seit Jahrzehnten auf diese zweite Rheinbrücke. Die bestehende Brücke von 1966 ist völlig überlastet, der tägliche Stau auf der B10 ist eine enorme Belastung für Pendler und Wirtschaft”, betonte Landrat Martin Brandl (CDU) gegenüber dem SWR. Ja, so ist es leider in unserem Land. Wichtige Infrastrukturprojekte kommen zu langsam voran und werden dann nach einer unendlichen Vorgeschichte teuer gebaut.

Blick auf den Littmann-Bau am Eckensee in Stuttgart. Säulen bestimmen die Frontansicht. Auf dem Dach stehen Skulpturen.
Der Littmann-Bau der Württembergischen Staatstheater, in dem Oper und Ballett vereint sind, muss saniert werden. Daran besteht seit Jahren kein Zweifel, und deshalb wurden viele Instandhaltungsmaßnahmen – in Erwartung einer Generalsanierung – erst gar nicht durchgeführt. Doch müssen es gleich zwei Milliarden Euro für die Sanierung, Erweiterung und ein Interimsgebäude sein? Ich halte es für einen Skandal, dass beim unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus dem Jahr 1912 die dem Landtag zugewandte Fassade wegen des Einbaus einer Kreuzbühne um zwei Meter verschoben werden soll. Seit 25 bis 30 Jahren wird über die Sanierung des Littmann-Baus auf politischer Ebene diskutiert, und jetzt soll es mal wieder eine Expertenkommission unter Vorsitz des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger richten. Eine unendliche Geschichte im nächsten Akt. Jahr um Jahr geht ins Ländle, die Künstler warten auf bessere Arbeitsverhältnisse und der Littmann-Bau auf den Erhalt der historischen Substanz. Im Grunde hat sich seit meinem Artikel aus dem Jahr 2019 ‚Stuttgart: Erst vergammeln lassen, dann teuer sanieren. Opernhaus, Villa Berg und Villa Moser wurden sträflich vernachlässigt‘ an allen drei genannten historischen Orten nichts getan. (Bild: Ulsamer)

Mehr Realitätssinn, Kompetenz und Konsequenz sind gefragt

Öffentliche Projekte kommen häufig erst nach Jahrzehnten aus der Planungs- in die Umsetzungsphase, verlaufen anschließend absurd langsam, und zu guter Letzt explodieren die Kosten. Fehlende oder marode Verkehrswege, was für Schiene, Straße und Binnenschifffahrt gleichermaßen zutrifft, sind zu einer Belastung für die Wirtschaftskraft in unserem Land geworden. Sicherlich kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser, zahlreiche Beispiele aus Ihrem regionalen Umfeld. Aber nicht nur bei der Verkehrsinfrastruktur liegt es im Argen, sondern in gleicher Weise bei der Sanierung öffentlicher Gebäude. Zur Veranschaulichung eignet sich das Staatstheater in Stuttgart ganz besonders, denn dort wurde über Jahrzehnte an der Instandhaltung geknausert und – mehr oder weniger gleichzeitig – eifrig über eine umfassende Sanierung debattiert. „Grombiera statt Kunscht gibt es mit mir nicht“, beschied der inzwischen in den Ruhestand verabschiedete grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann Journalisten und Öffentlichkeit, als laut und vernehmlich die Frage gestellt wurde, ob denn zwei Milliarden Euro nicht etwas viel seien, um die Räumlichkeiten für Oper und Ballett in Stuttgart auf Vordermann zu bringen. Mehr dazu in: ‚Winfried Kretschmann und sein Grombiera-Trauma. Zeit und Kosten explodieren bei der Staatstheater-Sanierung‘.

Eine Art Holzverschlag führt auf ein altes Tunnelportal aus Naturstein zu. Darüber aus Beton ein weiterer Tunnelabschluss. Ein rechteckiges Loch soll den Fledermäusen den neuen Weg weisen.
Aus meiner Sicht gehört die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Weil der Stadt und Calw zu den fragwürdigsten Bahnvorhaben unseres Landes. Als ich im Juni 2017 in einem Blog-Beitrag kritisch auf die Hermann-Hesse-Bahn eingegangen bin, sollten die Baukosten noch bei 50 Mio. Euro liegen, bis 2026 haben sie sich auf 240 Millionen Euro nahezu verfünffacht, und dies bei einer Streckenlänge von 23 Kilometern! Weitere Informationen finden Sie dazu in: ‚Des Landrats Bimmelbahn – zweiter Akt. Steuerbürger und Fledermäuse zahlen die Zeche‘. Die regionalen Befürworter schieben die Zusatzkosten auf Fledermäuse, die sich in den alten Tunneln niedergelassen hatten, doch auch durch ein Gutachten war deren Anwesenheit und der Schutzstatus bekannt. Mit dem im Bild gezeigten Vorbau wurde versucht, die Fledermäuse dazu zu bringen, zukünftig oberhalb einer eingezogenen Zwischendecke zu leben. (Bild: Ulsamer)

Politiker haben gerne die Spendierhosen an, was auch für die Verdopplung der Fläche des Bundeskanzleramts gilt, und dies ist nicht selten gepaart mit einer völligen Abwendung von der Realität in unserem Land. Neuestes Beispiel: der Bundestagsbeschluss, der eine ICE-Trasse mitten durch die Lüneburger Heide vorsieht. Da waren sich sogar die schwarz-rote Bundesregierung unter Friedrich Merz und Bündnis90/Die Grünen einig, woran man mal wieder sehen kann, dass die Grünen nichts mit dem Naturschutz im Sinn haben. Längst vergessen ist, dass sich ein Bürgerdialog für den Ausbau der Bestandsstrecke ausgesprochen hatte. Damit wird am Rande erneut klar, dass die von Politikern so viel gelobten organisierten Bürgerdialoge nur freundlich aufgenommen werden, wenn die Bürgerschaft die eigene politische Meinung stützt. Über Bürgerräte, die wenig mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung zu tun haben, habe ich in meinem Artikel berichtet: ‚Bürgerräte: Zufallsauswahl statt echter Bürgerbeteiligung. Feigenblätter zur Ruhigstellung der Bürgerschaft‘. Fertig soll die ICE-Strecke durch die Lüneburger Heide im Jahr 2050 sein und 14 Mrd. Euro kosten. Bei dem zu erwartenden Widerstand dürften Zeit- und Kostenplan bald aus dem Ruder laufen. Mit dem Kopf durch die Wand – dies ist für große Infrastrukturmaßnahmen noch nie der richtige Ansatz gewesen! Nicht nur die niedersächsischen Landespolitiker von SPD und CDU finden keinen Gefallen an der Zerschneidung der Lüneburger Heide, sondern: „Sie werden – mittlerweile sehr diskret – unterstützt von Vizekanzler Lars Klingbeil, dessen Wahlkreis im Zentrum des potenziellen Neubau-Geschehens läge“, so Ulrich Exner in der ‚Welt am Sonntag‘ in seinem Beitrag ‚Das wird noch Nerven kosten‘. Und Exner schreibt weiter: „Dazu die AfD, die das Projekt ebenfalls ablehnt und dabei Seite an Seite mit den Umweltschutzverbänden Nabu und BUND streitet, während sich die Grünen sowohl im Bund als auch im Land für den Neubau ausgesprochen haben. Auch das eine eher seltene Konstellation.“ Nicht nur Nerven wird die Neubaustrecke kosten, sondern den Steuerzahler eine gewaltige Milliardensumme.

Mehrere Masten aus Metall mit Hochspannungsleitungen vor einem blauen Himmel mit weißen Wolken. Im unteren Bereich Bäume und Sträucher.
Der Ausbau der Stromerzeugung aus Wind und Sonne ist unausweichlich, wenn wir die Erderwärmung zumindest eindämmen wollen. Wer eifrig Windräder und PV-Anlagen installiert, der muss gleichzeitig für die Erweiterung der Stromtrassen und den Aufbau von Speicherkapazitäten sorgen. Geschieht dies nicht, sind bei Dunkelflaute Stromimporte unausweichlich, die im schlechtesten Fall auf Kohlestrom oder Atomkraftwerke zurückgreifen. Wer einen gefährlichen Blackout in Deutschland und Europa verhindern will, muss auf Ertüchtigung und Sicherung der Strominfrastruktur setzen! Darauf bin ich in meinem Beitrag ‚Blackout: Wenn der Strom fehlt. Wie gefährdet sind unsere Stromnetze?‘ eingegangen. (Bild: Ulsamer)

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass es in Deutschland bei öffentlichen Projekten nur im Schneckentempo vorangeht, weil es an Realitätssinn und Kompetenz, verbunden mit Konsequenz fehlt. So werden große und kleine Projekte fast immer teurer als geplant, und die Umsetzung dauert viel länger. Es ist höchste Eisenbahn, den Teufelskreis zu durchbrechen, der öffentliche Vorhaben zur unendlichen Geschichte werden lässt. Vorausschauende Planung und politische Umsetzungsbereitschaft müssen zusammengeführt und ein realistischer Kostenrahmen festgelegt werden. Wer sich in Projekte hineinschleicht, indem wider besseren Wissens mit zu niedrigen Kosten und geschönten Zeitplänen argumentiert wird, der muss in Administration und Politik zu spüren bekommen, dass solches Verhalten nicht länger geduldet wird. Ohne die umfassende Einbeziehung der Bürgerschaft lassen sich Infrastrukturprojekte kaum noch realisieren, und dies ist in einer demokratischen Gesellschaft gut so!

 

Schild 'Gefahrenstelle'. Weißes Dreieck mit rotem Rand und Ausrufezeichen. Darunter ein kleineres Schild 'Straßenschäden'.
Schäden an Straßen und Brücken gehören zum Alltagsbild in Deutschland – eine Folge mangelnder Investitionen in unsere Infrastruktur. Das geht nicht zuletzt auf die Regierungsjahre von Angela Merkel zurück, die sich merkwürdigerweise bis heute großer Beliebtheit erfreut. Da konnte ich nichts anderes als lachen, als die CDU/CSU in ihrem Bundestagswahlprogramm 2017 verkündete: „Deutschland ist weltweit Vorzeigeland für seine Infrastruktur“. Für Straße, Schiene und Binnenschifffahrt galt dies bereits damals nicht. Wer dazuhin das Aus der Kernkraft einläutet, wie es die damalige Bundeskanzlerin tat, ohne gleichzeitig massiv in erneuerbare Energien, Stromtrassen und Speicherkapazitäten zu investieren, der handelt fahrlässig. Kaum ins Bundeskanzleramt gewählt, erkannte Friedrich Merz 2025 wohl über Nacht, obwohl er als Sparkommissar angetreten war, dass 500 Mrd. Euro zusätzlich für die Infrastruktur notwendig seien, und statt an anderer Stelle den Sparstift anzusetzen, ließ er sich vom Bundestag Kreditermächtigungen erteilen, die eine Billion Euro umfassen. So ruinierte Merz sein Ansehen selbst in wenigen Tagen. Mehr dazu in: ‚Merz oje -Vertrauen ade. Vom Sparheimer zum Billionen-Schulden-Kanzler‘. (Bild: Ulsamer)

 

Im Vordergrund Meeresfläche bei Ebbe und steiniger Strand. Auf einer niedrigen Klippe sind Gebäude und zahlreiche Kräne zu sehen.
Ganz allein sind wir nicht, wenn es um die schleppende Umsetzung von Großprojekten geht. In der Nähe der englischen Stadt Bridgwater in der Grafschaft Somerset wird am AKW Hinkley Point C gebaut, gebaut und gebaut. 2007 hatte Vincent de Rivaz, der damalige Chef des britischen EDF-Ablegers und Bauherr, betont, die Briten könnten im Jahr 2017 ihren Truthahn an Weihnachten mit Strom aus Hinkley Point braten. Daraus wurde bis heute nichts, jetzt wird 2030 für die ersten Stromlieferungen prognostiziert. So hinken die Atommeiler von Hinkley Point C hinter den zeitlichen Versprechungen her, und parallel dazu sind die angepeilten Gesamtkosten inzwischen von angedachten 21 Mrd. Euro auf prognostizierte 55 Mrd. Euro angestiegen. Einen Bericht zu dieser Thematik finden Sie unter ‚‚‚Goldenes Zeitalter“ für Atomenergie oder Fehlzünder? Britisches AKW Hinkley Point C immer teurer und verspätet‘. (Bild: Ulsamer)

 

Links ein tief eingeschnittenes Tal zwischen hohen Bergen. Links führt ein Weg auf eine Tunnelöffnung zu.
Ein knapp sieben Kilometer langer Eisenbahntunnel, durch den nie ein Zug rollte – das ist der Túnel de la Engana in der spanischen Region Kantabrien. Ein öffentliches Projekt, dessen visionäre Idee bereits Ende des 19. Jahrhunderts erdacht wurde, scheiterte, obwohl 1959 der Durchschlag erfolgte und der 6 976 Meter lange Tunnel nur noch auf das Legen der Schienen wartete. Entstanden war der damals längste reine Eisenbahntunnel in Spanien, und dies nicht zuletzt durch den Einsatz von Zwangsarbeitern unter dem Regime des Diktators Francisco Franco. Die nie vollendete Bahnstrecke von Santander am Atlantik nach Puerto de Sagunto/Valencia am Mittelmeer ist ein öffentliches Projekt, das im Grunde zwar sinnvoll gewesen wäre, doch durch die politische und wirtschaftliche Entwicklung überholt worden war. (Bild: Ulsamer)

 

Offshore-Windpark mit verschiedenen Rotoren über dem grau-blauen Meer.
Windkraft und Wasserstoff wären eine gute Kombination. Aber: Bei Brennstoffzellenfahrzeugen, die mit Wasserstoff betankt werden, fehlte es der deutschen Politik, und nicht nur dieser, am notwendigen Durchhaltevermögen. Über die Frage, ob die Effizienz des eingesetzten Stroms bei Batterie- oder Brennstoffzellenfahrzeugen größer sei, wurde ganz aus den Augen verloren, dass sich Wasserstoff – zumindest derzeit – besser speichern, jederzeit rückverstromen oder ins Gasnetz einspeisen lässt. Dazuhin ist die Betankung eines Fahrzeugs mit Wasserstoff zeitlich nahezu mit einem herkömmlichen Verbrenner vergleichbar. Von größter Bedeutung ist es für mich, regenerativ erzeugten Strom für die Wasserstoffproduktion zu nutzen, wenn dieser aktuell nicht gebraucht wird und große Batteriespeicher fehlen. So werden die Windkraftanlagen bei mangelnder Stromnachfrage abgestellt, und die Betreiber entschädigt, anstatt Wasserstoff zu produzieren. Hoffentlich verpassen Deutschland und Europa nicht wieder einen Trend in einer Technologie, an der China fleißig weiterentwickelt. In Europa wurden 2024 nur 736 Brennstoffzellen-Fahrzeuge verkauft und 2025 mit 566 noch weniger, so elektroauto-news.net, in China dagegen 2024 immerhin 7113 und im vergangenen Jahr 7 797. Im Dezember 2019 hoffte ich noch, dass die Politik die Chancen des Wasserstoffes nachhaltig aufgreift, aber vergeblich: ‚Wasserstoff – wenn der Politik ein Licht aufgeht. Batterie und Brennstoffzelle ebnen den Weg in eine emissionsfreie Zukunft‘. (Bild: Ulsamer)

 

Eine Stadtvilla aus rotem Backstein mit Erkern und Türmchen.
Kommunen klagen häufig über Leerstände in der Innenstadt, doch in nicht wenigen Fällen sind sie selbst schuld daran. So bei der ‚Villa Schmückle‘ in Esslingen am Neckar. Das Wohnhaus wurde 1897 für die Witwe Rosa Schmückle erbaut, und laut Stuttgarter Zeitung heißt es in der Esslinger Denkmaltopografie von Andrea Steudle u.a.: „Wesentlich für die Wirkung des zweigeschossigen Baus ist die asymmetrische, auf malerische Effekte zielende reiche Komposition unter anderem durch Arkadenloggia, Schweifwerkgiebel und Sichtmauerwerk mit Sandsteinrahmungen.“ Leider steht das Gebäude, das der Stadt Esslingen gehört, seit 2017 leer. Und es macht – direkt gegenüber des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg – einen vergammelten Eindruck. Die Stuttgarter Zeitung wusste 2025 zu berichten, dass sich nun ein Investor gefunden hätte, der ein ‚Projekt für gemeinschaftliches Wohnen 55+‘ umsetzen möchte. In Esslingen, das sich viel auf seine Geschichte als freie Reichsstadt zugutehält, sollten historisch bedeutsame Gebäude nicht ein Jahrzehnt ungenutzt bleiben. Ich würde mir wünschen, dass sich die Stadtverwaltung mehr um den Leerstand und die Sanierung eigener Gebäude kümmern würde, als unsereins zum Efeu-Rückschnitt zu ermahnen. Hierzu lesen Sie mehr in meinem Kommentar ‚Esslingen am Neckar: Wenn der Amtsschimmel die Efeuhecke frisst. Kleingeistige Bürokraten gegen Bienen und Amseln‘. (Bild: Ulsamer)

 

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Eine Weinbergschgnecke auf grauem Untergrund. Sie hat ein hellles Schneckenhaus und kriecht über den erdigen Untergrund.Schnecken sind nicht gerade Schnellläufer, aber sie wissen zumindest, wo sie hinwollen. Da geht es in der Politik bei öffentlichen Projekten teilweise anders zu: Ja, langsam, das stimmt wohl, doch dann mangelt es an klaren Zielvorstellungen, ganz zu schweigen von kompetenten und realistischen Vorgaben für Kosten und Zeit. (Bild: Ulsamer)

 

 

 

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