Luchse: Heimkehrer auf leisen Pfoten

Für die Akzeptanz der Luchse werben

Mögen die Vorurteile gegen den Luchs auch weniger ausgeprägt sein, als gegen den Wolf, so hat er es dennoch schwer, sich wieder in Deutschland niederzulassen. Rund 125 bis 135 Luchse soll es im Berichtsjahr 2019/20 in Deutschland gegeben haben, doch so mancher männliche Luchs ist – wie in Baden-Württemberg – über weite Strecken unterwegs, ohne eine Katze zu finden. Fest etabliert haben sich bisher nur Luchspopulationen im Bayerischen Wald, im Harz und im Pfälzerwald. Luchse haben den großen Vorteil, dass sie der Mensch kaum einmal im Wald zu Gesicht bekommt, allerdings macht ihnen die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Gewerbegebiete oder Verkehrswege zu schaffen, und so sterben viele von ihnen im Straßenverkehr. Illegale Abschüsse sind dazuhin leider noch immer zu beklagen, obwohl die Heimkehrer unter Schutz stehen, doch einige Flintenträger wollen wohl an die Ausrottungsaktionen im 19. Jahrhundert anknüpfen. Nicht selten fehlt es aber auch am politischen Mut, durch Auswilderungsprogramme zu einer steigenden Zahl an Luchsen beizutragen.

Eine Luchsin mit drei JUngtieren im nächtlichen Wald.
„Mehr Luchse braucht das Land“, so der BUND im Februar 2021. Da kann ich nur zustimmen. “Die Bundesregierung zeigt beim Artenschutz gerne mahnend auf andere Länder“, so Antje von Broock, BUND-Geschäftsführerin. „Doch wenn wir uns hierzulande sogar schwertun, so charismatische Arten wie den Luchs effektiv zu schützen – wie soll das erst weltweit und bei unscheinbaren Arten funktionieren?“ Die kleine Population im Thüringer Südharz wird vom BUND und der Universität Göttingen wissenschaftlich begleitet, wobei auch das abgebildete Foto entstand. “Der Luchs-Nachwuchs in Thüringen ist ein schöner Erfolg des Naturschutzes. Die äußerst heimlichen Tiere brauchen und finden hier einen intakten Lebensraum in den Wäldern. Und dank des guten Monitorings vom BUND und von der Universität Göttingen lernen wir die Luchse besser kennen”, sagt Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund. (Bild: BUND / Universität Göttingen)

Unfälle und illegale Tötungen bedrohen die Luchse

Das Bundesamt für Naturschutz vermeldete für das Berichtsjahr 2019/20 im Februar 2021 zwar 32 Luchsweibchen mit 59 Jungen im ersten Lebensjahr. Dies wäre ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, trotzdem ist der Luchs in Deutschland weiterhin sehr gefährdet. So betonte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Professorin Beate Jessel, zum Luchsmonitoring der Bundesländer: „Es zeigt gegenüber dem Vorjahr zwar einen deutlichen und erfreulichen Zuwachs, jedoch ist die Anzahl an Luchsweibchen mit Nachwuchs in Deutschland immer noch zu gering, um von einem stabilen Bestand zu sprechen. In der aktuellen Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wurde der Luchs als ‘vom Aussterben bedroht’ eingestuft. Auch der Erhaltungszustand des Luchses ist weiterhin kritisch zu bewerten. Die deutschen Luchsbestände sind durch die Zerschneidung der Waldlebensräume, durch illegale Nachstellung und durch den Verkehr weiterhin stark gefährdet. Der Erhalt der Tierart kann daher nicht als gesichert gelten.“

Übersichtskarte von Deutschland. Links ein Luchs. In der Karte sind die bekannten Luchsvorkommen in grüner Farbe eingezeichnet.
In Deutschland gibt es wieder drei Luchspopulationen: Im Bayerischen Wald, im Harz und im Pfälzerwald. Einzelne Luchse streifen auch durch andere Regionen, so z. B. durch den Schwarzwald und das Obere Donautal. Hier handelt es sich um männliche Tiere, die allerdings kaum die Chance haben, ein Weibchen zu treffen. Daher kann ihnen nur mit Auswilderungen geholfen werden, denn nur der Kater durchstreift auch mal für Luchse unwirtliche Gebiete. Die Gesamtzahl der Luchse dürfte in Deutschland bei 125 bis 135 liegen. Beachtet werden muss, dass Luchse natürlich nicht an Staatsgrenzen halt machen und daher in europäischen Statistiken gerne auch zweimal auftauchen. „Von den nachgewiesenen Luchsen in Ostbayern haben 26 Tiere (22 Selbstständige, 4 Juvenile) ihren Aufenthaltsschwerpunkt in Tschechien oder Oberösterreich“, so der WWF. (Bild: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

Im gleichen Berichtsjahr starben acht Luchse im Straßenverkehr, zwei Luchse an natürlichen Todesursachen und bei vier Luchsen war die Todesursache unklar. Ein Luchs wurde nachweislich illegal getötet. Gerade bei den erschossenen oder vergifteten Luchsen scheint es eine hohe Dunkelziffer zu geben, worauf der BUND Naturschutz in Bayern immer wieder hinweist. „Seit Jahren verschwinden im Bayerischen Wald Luchse. Manche werden gefunden: erschossen, vergiftet, verstümmelt. Die Wilderei drängt den ohnehin sehr seltenen Luchs an den Rand des Abgrunds.“ Erst im Februar wurde bei Bischofsmais in Bayern ein totes Luchsweibchen gefunden, zu dem das Polizeipräsidium Niederbayern mitteilte: „Aufgrund der Feststellungen bei der tierärztlichen Untersuchung steht der Verdacht einer Straftat im Raum.“ Und dabei würde es sich um keinen Einzelfall handeln. Michael Lukaschik erwähnte am 3. März 2021 in der Passauer Neuen Presse weitere Beispiele. „Im Sommer 2019 ist in der Gemeinde Bischofsmais im Bereich Oberbreitenau ein Luchs gefunden worden, der verhungert war. Er war angeschossen worden, konnte nicht mehr jagen und verendete jämmerlich. 2013 war bei Bodenmais ein trächtiges Luchsweibchen von einem Unbekannten mit einem Schrotgewehr erschossen worden. Die Ermittlungen wurden eingestellt, nachdem kein Täter gefunden werden konnte. 2012 ist bei Rinchnach die Luchsin Tessa mit “Carbofuran”, einem seit 2007 in der EU verbotenen hochtoxischen Insektenvernichtungsmittel, getötet worden. Auch hier konnte kein Täter ermittelt werden. Vereine und Verbände, die sich um die Wiederansiedlung des Luchses in Deutschland kümmern, beklagen neben diesen Taten die hohe Dunkelziffer von illegal erlegten Luchsen. In Deutschland ist noch nie jemand wegen der Tötung eines Luchses verurteilt worden.“ Es gab zwar erstinstanzliche Verurteilungen, doch bei der Berufung gingen die Täter straflos aus!

Ein Mann hält einen noch narkotisierten Luchs in den Armen, der ein Senderhalsband trägt.
Um mehr über das Leben der Luchse und ihre Streifzüge zu erfahren, werden einzelne Tiere mit Sendern ausgestattet – wie ‚Friedl‘ hier im Bild. (Bild: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg FVA)

Auswilderung sinnvoll?

Neben den bereits erwähnten Luchspopulationen im Bayerischen Wald, im Harz und im Pfälzerwald gibt es einzelne Tiere, die durch die Wälder streifen. Dies gilt beispielsweise für Baden-Württemberg, wo im Schwarzwald und im Oberen Donautal je ein männliches Tier, auch Kuder genannt, unterwegs ist. Dank einer Besenderung können die Streifzüge einzelner Tiere – wie bei ‚Friedl‘ im Schwarzwald – verfolgt werden, und dabei zeigt sich, dass Luchse weite Strecken zurücklegen können. In Mitteleuropa müssen sie dabei immer wieder Verkehrswege überqueren. Luchsweibchen haben Reviergrößen von 75 bis ca. 400 km², Männchen bringen es auch mal auf 600 km², wobei sich das Gebiet des Katers mit zwei bis drei Weibchen überschneiden kann. Wenn man diese weitläufigen Streifgebiete betrachtet, wird deutlich, dass in Deutschland nur eine überschaubare Zahl von Luchsen leben kann, denn große in sich geschlossene Waldgebiete sind rar geworden. Nicht nur wegen der Luchse bedarf es in Deutschland weiterer Anstrengungen, um das Wandern von Tieren zu erleichtern. „Grünbrücken und gepflanzte Korridore können Biotope wieder vernetzten. Denn nach wie vor stellt die Zerschneidung ihres Lebensraums und ihrer Wanderrouten das größte Problem für Luchse dar“, so der NABU.

Eine sogenannte Grünbrücke über einer vierspurigen Straße. Holzbretter sichern die Betonbrücke nach oben so ab, dass kein direkter Einfall der Fahrzeugscheinwerfer möglich ist. An der Straße führt ein Metallzaun entlang, an dem oben ein schräger Zaun angebradcht ist, der ein Übersteigen unmöglich macht.
Wildbrücken ermöglichen es Luchsen und anderen Wildtieren, gefahrlos Verkehrswege zu überbrücken. Hier im Pfälzerwald – an der B10 – verhindern spezielle Zäune das Überklettern durch Wildkatzen oder Luchse und leiten die Tiere zur Grünbrücke. Oft überleben nur 25 % der jungen Luchse ihr erstes Lebensjahr. Daher müssen gerade auch Verkehrsunfälle und illegale Tötungen verhindert werden. (Bild: Ulsamer)

Eine Auswilderung von Luchsen macht nur Sinn, wenn sie auf eine breite Zustimmung in der Bürgerschaft, bei Waldbesitzern, Landwirten und Jägern zählen kann. Es „muss sichergestellt werden, dass die ausgesetzten Exemplare nicht durch illegale Abschüsse verschwinden, wie das im Bayerischen Wald teilweise der Fall ist“, so der baden-württembergische NABU-Landesvorsitzende, Johannes Enssle, auf meine Anfrage. Und da kann ich ihm nur zustimmen. Auch die Luchsinitiative Baden-Württemberg setzt sich seit 30 Jahren für eine breite gesellschaftliche Unterstützung bei der Auswilderung von Luchsen ein: „Von zentraler Bedeutung sind hier der Schwarzwald, die Schwäbische Alb und auch das Obere Donautal“, so die Vorsitzende der Luchsinitiative, Verena Schiltenwolf. „In den letzten Jahren wanderten immer wieder männlich Luchse, Kuder, nach Baden-Württemberg, vor allem aus dem Schweizer Jura. Weibliche Luchse haben ein geringes Ausbreitungspotential und tun sich schwer bei der Überwindung von ökologischen Barrieren“, so Schiltenwolf. „Vor diesem Hintergrund ist eine Etablierung einer Luchspopulation nur durch aktive Bestandsstützung möglich, also Aussetzen weiblicher Luchse, Katzen.“ Eine solche Auswilderung brachte 2020 Peter Hauk ins Gespräch, der ansonsten als Minister für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz eher bei Beutegreifern – wie dem Wolf – alle Alarmglocken läuten hört. Vielleicht denkt er als studierter Forstmann auch daran, dass die Luchse dabei helfen könnten, die Rehe in Schach zu halten, die gerne am Waldnachwuchs knabbern. Die bisherigen Diskussionen zeigen, dass noch weiter für die Akzeptanz des Luchses geworben werden muss.

Ein Luchs wurde gerade aus einer Transportbox in die Freiheit entlassen. Links und rechts der Box ein Mann und eine Frau.
Im Pfälzerwald wurden durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz 20 Luchse ausgewildert, die aus der Schweiz und der Slowakei stammen. Forstamtsleiterin Dr. Ute Fenkner-Gies entlässt zusammen mit Projektmitarbeiter Michael Back Luchsin ‚Gaupa‘ in ihre neue Heimat. (Bild: Annina Prüssing / Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz SNU)

Neue – alte Lebensräume

Dass eine Wiederansiedlung von Luchsen durchaus Erfolgschancen hat, zeigt sich in Rheinland-Pfalz. Dort wurden von 2016 bis 2020 durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz 20 Luchse in die Freiheit entlassen. Zum Vorteil gereicht dieser Initiative, dass der Pfälzerwald, Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet, zu einem Gutteil im staatlichen Besitz ist. Bereits im ersten Jahr nach Auswilderung stellte sich Nachwuchs bei den Luchsen ein, aber auch der Aderlass ist groß, so verfolgte z. B. ‚Lucky‘ ein Beutetier über die Straße, doch beide, Luchs und Reh, wurden getötet, der Autofahrer blieb zum Glück unverletzt. Luchse wandern zu und wieder ab – in Rheinland-Pfalz scheint es erfreulicherweise gelungen zu sein, mit Tieren aus der Schweiz und der Slowakei den Impuls für eine dauerhafte Rückkehr der Luchse in eines ihrer angestammten Gebiete zu geben. Vielleicht ist eine ähnliche Entwicklung im benachbarten Baden-Württemberg – oder in anderen geeigneten Regionen – denkbar.

Eine Karte von Baden-Württemberg mit roten Flecken, die den Weg Friedls im Bereich von Freiburg bis Ulm zeigt.
Männliche Luchse legen bei ihren Streifzügen weite Strecken zurück, auch durch für sie oftmals ungeeignete Landschaftsräume. Dies zeigt das Bewegungsbild von ‚Friedl‘ aus dem Schwarzwald. Die Städte Freiburg (links) und Ulm (rechts im Bild) liegen Luftlinie 165 km auseinander. (Bild: Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg FVA)

„Wir würden als NABU in Baden-Württemberg ein Auswilderungsprojekt begrüßen“, so der Landesvorsitzende Enssle, „allerdings muss sichergestellt sein, dass das Projekt nicht aus dem Naturschutzhaushalt, sondern aus dem Haushalt der Jagdverwaltung (Ministerium für ländlichen Raum) finanziert wird, da die Art ja dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz unterliegt.“ Für alle Leserinnen und Leser, die nicht in meinem heimatlichen Baden-Württemberg wohnen, sei erwähnt, dass der Wolf im Umweltministerium ‚ressortiert’, die Zuständigkeit für den Luchs aber im Ministerium für den ländlichen Raum. Nun gut, da mache ich mir schon so meine Gedanken, obwohl ich meine Berufslaufbahn in einem Ministerium begonnen habe! Möglicherweise finden Wolf und Luchs nach den nächsten Wahlen ein gemeinsames Ministerial-Amt. Dies soll nur so nebenbei erwähnt werden, denn der Heimkehrer Luchs braucht Zustimmung über Ministeriums- oder Parteigrenzen hinweg. Dabei macht es das ‚Pinselohr‘ den Bürgern und Politikern leichter als der Wolf: Wölfe haben es seit den Gebrüdern Grimm besonders schwer, denn nicht wenige Politiker und Lobbyisten des Deutschen Bauernverbands scheinen ‚Rotkäppchen‘ nicht als belehrendes Märchen, sondern als Dokumentation zu verstehen! Zwar sind Rehe das bevorzugte Beutewild von Luchs und Wolf, und es dürfte die äußerst scheue Katze nur im Einzelfall in die Nähe von Schafen und Ziegen ziehen. Wichtig ist es, dass Schutzmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde ebenso aus den öffentlichen Kassen bezahlt werden wie Entschädigungen für gerissene Weidetiere.

Ein Luchs liegt auf einem Felsen. Im Hintergrund Waldbäume.
Die Luchse sind eine Bereicherung für unsere Wälder. Dies sieht auch der baden-württembergische Forst- und Landwirtschaftsminister Peter Hauk so: „Der Luchs ist eine der faszinierenden Wildtierarten im Land“. Und nach bisherigen Erfahrungen ist der Eurasische Luchs (Lynx lynx) menschenscheu – daher stellt er keine Gefahr dar für Anwohner oder Wanderer. Die meisten von uns werden einen Luchs ohnehin nicht in freier Wildbahn treffen, sondern wie hier im Wildpark Bad Mergentheim. (Bild: Ulsamer)

Akzeptanz schaffen

Ausschlaggebend für den Erfolg eines Auswilderungsprogramms ist natürlich ein ausreichender Lebensraum für die Luchse, doch auch geschlossene Waldgebiete nutzen wenig, wenn Jäger und Landwirte, Anwohner oder Wanderer nicht mitziehen. Wenn – wie im Bayerischen Wald – ausgewilderte Luchse außerhalb des Nationalparks illegal getötet werden, dann gefährdet dies die Ansiedlung, die so im Grunde auch wenig Sinn macht. Solche Probleme zeigen sich nicht nur in Deutschland: In Irland werden immer wieder Seeadler vergiftet aufgefunden, die von Norwegen für die Auswilderung zur Verfügung gestellt wurden. Somit hat bei jedem Auswilderungsprojekt der Kampf um die Köpfe der Menschen und um deren Einstellung zu den Tieren oberste Priorität. Ohne Akzeptanz bei den Betroffenen – zumindest bei den Gutwilligen – geht es nicht. Politik kann aber auch nicht heißen, immer auf den letzten Gegner zu warten, der sich in seiner Wagenburg verschanzt hat und gegen den Naturschutz poltert. Ich habe gewiss großes Verständnis für jeden Weidetierhalter, der sich Sorgen um seine Schafe, Ziegen oder Rinder macht, denn in unserer Zeit ist es ohnehin nicht leicht, einen wirtschaftlichen Ertrag in dieser Branche zu erarbeiten. Und Schafe gehören zu meinen Lieblingstieren! Dennoch stehen dem Luchs – und ebenso Wolf und Bär – ein Lebensrecht in unserer Natur zu. Daher erwarte ich auch eine konsequentere Strafverfolgung illegaler Tötungen von Luchsen und anderen geschützten Wildtieren. „Als Hauptgefährdungsursache für den Luchs in Bayern werden illegale Tötungen vermutet“, so der WWF. „Denn im Bayerischen Wald verschwinden regelmäßig Luchse in einem ‚Bermudadreieck‘ jenseits der Nationalparkgrenzen.“ Der Schutz der Luchse muss eine höhere politische Priorität bekommen!

Ein Luchs steht auf einem Felsen, im Hintergrund starker Bewuchs mit dünnen und mittleren Bäumen.
Luchse können ohne konsequenten Schutz keine dauerhaften Populationen aufbauen. Wer sich an einer geschützten Tierart vergreift, muss mit harten Konsequenzen rechnen, doch gerade daran fehlt es bei illegalen Tötungen! (Bild: Ulsamer)

Weit intensiver als bisher müssen wir versuchen, die Zerschneidung der Landschaft zumindest punktuell durch Grünbrücken und die Respektierung von Wildtierkorridoren abzumildern. Dass dies vielfach leichter gesagt als getan ist, habe ich selbst beim Bau eines Prüf- und Innovationszentrums in Immendingen an der Donau erlebt. Letztendlich ist es gelungen, sowohl eine Wildtierpassage durch das Gesamtgelände zu ermöglichen und gleichzeitig die technischen Anforderungen der Fahrzeugentwickler zu realisieren. In Luchsgebieten müssen die Wildzäune mit einem Schutz gegen das Überklettern versehen werden – vorbildlich entlang der B 10 im Pfälzerwald! Natürlich kosten solche Maßnahmen Geld, genauso wie der Herdenschutz, doch diese Aufwendungen sind gerechtfertigt: Wir müssen gegen das Artensterben ankämpfen, was bedeutet, Heimkehrern wie dem Luchs Freiräume in unserer Natur zuzubilligen.

Ein hell gefärbter Luchs auf einem dunkelbraunen Baumstumpf sitzend.
Manche Jäger sehen im Luchs einen Konkurrenten bei der Jagd auf Rehe oder Feldhasen, doch er ist ein eifriger Mitarbeiter der Förster, die sich um den Verbiss nachwachsender Bäume sorgen. Weidetierhalter müssen beim Schutz ihrer Tiere aus öffentlichen Kassen unterstützt werden. (Bild: Ulsamer)

Frappierend ist es schon, wenn in politischen Diskussionen beklagt wird, dass Rehe eine Gefahr für den nachwachsenden Wald seien, doch kaum taucht der Luchs als Helfer auf, da ist es auch nicht recht. Junge Wildschweine schlägt der Luchs ebenso, und diese werden nicht nur wegen der Afrikanischen Schweinpest von Schweinezüchtern als Gefahr angesehen und immer intensiver bejagt: Wer hier nur auf die Flinte setzt und vierbeinigen Helfern wie Luchs und Wolf ein Lebensrecht abspricht, der handelt irrational! Ich weiß, Luchse greifen sich auch mal einen Feldhasen oder Fuchs, und beiden stellt zumindest ein Teil der Jägerschaft ebenfalls nach. Wäre es nicht an der Zeit, in unseren Wäldern der Natur mehr Freiraum zu lassen und damit dem Luchs wieder eine Heimat zu geben? Ja, die Natur braucht mehr Raum in unserer Landschaft und in unerem Denken – dies gilt für den Wald oder Forst ebenso wie für Äcker und Wiesen. Und natürlich auch für städtische Gärten und Parks.

Ich hoffe sehr, dass Europas größte Katze in den bisher wiederbesiedelten Regionen in Ruhe leben darf und weitere Gebiete über Auswilderungsprogramme für die Luchse zugänglich gemacht werden! Wir alle sollten uns in gesellschaftliche Diskussionen einbringen und um die Akzeptanz für den Luchs in unserer Natur kämpfen!

 

Ein deutlich gefleckter Luchs bei Nacht. Die dunkleren Flecken auf dem hellbraunen Fell sind individuell verschieden.
Luchse nutzen auch gerne Waldwege als Bewegungsachsen. Eine dort installierte Kamera der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) hat diesen Luchs im Pfälzerwald erfasst. Anhand der Fellzeichnung kann das Individuum festgestellt werden. Das machten sich die Luchsexperten im Rahmen einer Zählung von Dezember 2019 – April 2020 zunutze (Foto: FAWF).

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