Leben wir im Lande der Vandalen?

Müllfrevler verdrecken unsere Landschaft

Geht es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, immer wieder auch so: Da macht man sich zu einer kleinen Wanderung auf, und was stört zwischen Obstbäumen und Weinreben, zwischen den letzten herbstlichen Blüten und summenden Bienen? Müll! Immer häufiger kann man keinen Schritt mehr gehen, ohne über den Dreck anderer Leute zu stolpern. Und dies nicht nur am Spülsaum unserer Meere oder an Flussufern, sondern am Wegesrand, rund um Sitzbänke, im Wald und auf Wiesen. Von unseren Städten gar nicht zu reden, die manche Zeitgenossen mit einer Müllkippe verwechseln.

Verschiedene Kronkorken, in weißer, roter Farbe etc. Auf einem steht "Seggl".
Kippen und Kronkorken verschandeln die Landschaft. Ertappte Müllsünder sollten über Sozialstunden beim Müllsammeln helfen. (Bild: Ulsamer)

Verräterischer Kronkorken

In Esslingen am Neckar ziehen Altglascontainer geradezu magisch die Müllsünder an, die ihre Überbleibsel aus dem Haushalt gerne dort abladen. Ich habe bereits darüber berichtet, und nach dem jüngsten Blog-Beitrag wurde zumindest der Unrat in unserer Straße abgeholt. Doch bei unserer heutigen Wanderung wieder das gleiche Bild, nur an einem anderen Platz. Am Ende des Ortsteils Rüdern, wo viele Spaziergänger und Wanderer ihre Tour starten, fand sich einmal mehr Hausmüll zwischen den Sammelcontainern statt Flaschen in den Behältern. Im irischen Kerry halten Videokameras an den Recyclingplätzen zumindest die größten Müllfrevler davon ab, ihren Abfall abzuladen. Aber in vielen deutschen Kommunen oder Regierungsstuben sieht man ja schon den Überwachungsstaat um die Ecke lugen, wenn man den Begriff Videoüberwachung nur in den Mund nimmt. Und so dürfen wir Bürger, die zuhause getreulich ihre vier Mülltonnen schön getrennt mit Hausmüll, Papier, Verpackungen mit grünem Punkt bzw. biologischen Abfällen befüllen, nicht nur die Vermüllung unserer Landschaft ertragen, sondern über unsere Steuergelder auch noch für die Abfuhr des Unrats mancher Zeitgenossen aufkommen. Von Mitbürgern möchte ich an dieser Stelle ganz bewusst nicht sprechen, denn unsoziales Verhalten muss benannt und geahndet werden.

Mit unserem Rucksackvesper – oder muss ich Lunchpaket schreiben? – streben wir einer Bank zu, doch die erste relativ neue Sitzgelegenheit hat bereits unliebsamen Besuch bekommen: sie wurde angekokelt. Ist es da ein Wunder, dass viele Kommunen vom Aufstellen von Bänken absehen, da Zündler diese missbrauchen, um sich zu Lasten der Gemeinschaft auszutoben? Die nächste Bank hat sich tapfer gehalten und lädt zu einer Pause ein. Zigarettenkippen, Kronkorken und andere Hinterlassenschaften geben allerdings einen Einblick in die Lebensgewohnheiten vorhergehender Gäste, auf den wir gerne verzichten könnten. Einen der kleinen Blechdeckel ziert das Wort „Seggl“, und dies trifft irgendwie auf die Müllsünder zu. Gerne auch mal ‚Seckel‘ geschrieben, ist es eines der am meisten gebrauchten Schimpfworte – zumindest im Schwäbischen. Gemeint ist eine dumme, sich reichlich idiotisch benehmende Person. Und charakterisiert solch eine Beschreibung nicht genau jene Mitmenschen, die ihren Müll rücksichtslos in die Landschaft werfen oder Sitzbänke in Brand stecken?

Hellbraune Holzbank, relativ neu, an zwei Stellen großflächig schwarz: sie wurde angekokelt.
Moderne Vandalen versuchen immer wieder, neue Sitzbänke in Brand zu stecken. Härtere Strafen müssen dazu beitragen, solche Zeitgenossen auf den Pfad der Tugend zu führen. (Bild: Ulsamer)

Stoppt die modernen Vandalen

Vielleicht ‚bruddle‘ ich inzwischen auch über Belangloses, denn immer mehr Menschen scheinen sich mit dem Dreck in Stadt, Wald und Flur und in Flüssen, Seen und Ozeanen abzufinden. Aber es gibt andererseits genauso die wackeren Müllsammler, die versuchen, die Müllflut einzudämmen und so die Stadt- und Straßenreinigung zu unterstützen. Es ist höchste Zeit, dass drastischer gegen Müllsünder vorgegangen wird, und so hoffe ich, dass mehr Kommunen auf ihren Gemarkungen notfalls auch mit ‚Müllsheriffs‘ und Videoüberwachung gegen die Verschandelung unseres Landes vorgehen. Wir klauben zwar hin und wieder anderer Leute Müll auf, doch wenn wir uns schon den Rücken krumm machen, dann erwarten wir auch, dass härte Strafen verhängt werden, um die Vermüllung zu bekämpfen. Sehr geeignet erscheinen mir zusätzlich zu Geld- und Freiheitsstrafen vor allem Sozialstunden: Mit einer schmucken ‚Gelben Weste‘ Müll einzusammeln, das könnte so manchen Müllsünder vielleicht wieder auf den Weg der Tugend führen.

Vom tieferliegenden Neckar (Fluss) aus fotografierte Graffiti. Schmierereien ohne erkennbaren Inhalt.
Und am Vortag hatten wir in Tübingen, vom Neckar aus, diesen ‚prächtigen‘ Ausblick auf einige Graffiti: Nicht jeder Schmierfink ist eben ein Künstler. (Bild: Ulsamer)

Der eine oder andere wird die Überschrift für etwas überzogen halten, wenn ich frage, ob wir im Land der Vandalen leben? Geschichtslehrer könnten mich darauf aufmerksam machen, dass die Vandalen bei ihren Plünderungen in Rom im Jahr 455 auch nicht schlimmer hausten als andere Völkerschaften in jenen Zeiten – und vielleicht sogar heute. Mag sein, aber ich habe den Eindruck, dass Schmierfinken in unseren Städten mit ihren Graffiti zunehmend weniger Rücksicht nehmen und Müllsünder selbst an entferntesten Orten Einweggeschirr und leere Flaschen oder Dosen zurücklassen. Und wer Parkanlagen in Müllkippen umwandelt, gerne mal handgreiflich gegen Polizisten wird, der muss endlich spüren, dass er sich nicht ungestraft gegen die Gemeinschaft stellen kann. Der eine kokelt Sitzbänke an, schnippt seine Kippen vor unsere Füße, der nächste zertrümmert Schaufenster, plündert Geschäfte oder wirft Brandbomben. Wir dürfen die modernen Vandalen nicht gewähren lassen, die unsere Gemeinschaft zu zerstören drohen!

2 Antworten auf „Leben wir im Lande der Vandalen?“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Ulsamer,
    Ihren gerechten Zorn teile ich, nicht jedoch Ihre Schlussfolgerung, falls ich Sie richtig verstehe, dass es eine direkte Verbindung gibt zwischen Kippen wegwerfen, bis zum Werfen von Brandbomben.
    Zwischen einer Ordnungswidrigkeit bis zum Verüben eines Verbrechens, liegt eine große Wegstrecke. Vermutlich kann die Achtung des Gemeinwohls nur über spürbare Sanktionen erfolgen. Die gelbe Weste als Ersatzpranger dürfte jedoch zu weit gehen. Tätige Reue ist aber sicher angemessen.
    Mit freundlichen Grüßen

    Gerhard Walter; Immendingen

    1. Sehr geehrter Herr Walter, selbtredend wirft nicht jeder später Brandbomben, der seine Kippen in die Landschaft schnippt. Doch eine gewisse Verwahrlosung in Teilen unserer Gesellschaft lässt sich leider nicht leugnen. Und hier muss früher angesetzt werden. Dabei sollten auch Sozialstunden eine größere Rolle spielen. Und eine ‘Gelbe Weste’ mit entsprechendem Aufdruck könnte auch nicht schaden. Von Reue spürte ich bisher nichts, wenn ich Menschen auf den Müll angesprochen habe, den sie in unsere Landschaft warfen. Davon sehe ich zum Selbstschutz heute ab. MIt besten Grüßen Lothar Ulsamer

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