Hat die Deutsche Bahn kein Herz für Frösche und Molche?

Arbeiten an der Dreiseenbahn als Todesfalle für Amphibien

Natürlich müssen auch an eher beschaulichen Bahnstrecken – wie jene vom Titisee am Windgfällweiher entlang zum Schluchsee – immer wieder notwendige Arbeiten erledigt werden, doch sollten diese nicht auf Kosten von Amphibien ausgeführt werden. Hunderte von kleinen Grasfröschen und Bergmolchen fielen im Südschwarzwald in einen geöffneten Kabelkanal, in dem ein einsames Glasfaserkabel liegt. Normalerweise versperren Betonplatten den rund 20 Zentimeter tiefen Kanal, doch ohne seine Abdeckung wurde er zur tödlichen Falle für Frösche und Molche.

Rot-brauner Bergmolch in einem grauen Betonkanal.
Junge Bergmolche fanden keinen Ausweg aus dem geöffneten Kabelkanal. (Bild: Ulsamer)

Amphibien stranden im Kabelkanal

Als wir die kleinen Grasfrösche und Bergmolche entdeckten, begannen wir, möglichst viele von ihnen aus dem Betonkanal zu retten. Sie versuchten immer wieder, an den senkrechten Wänden nach oben zu klettern oder zu springen, doch dafür waren sie noch viel zu jung und plumpsten zurück auf den Betonboden. Verendete Tiere zeigten deutlich, dass dieser Kabelkanal schon längere Zeit ohne Abdeckung war. Zwar haben wir sicherlich zweihundert Tiere retten können, die sich vom Windgfällweiher über die Bahngleise in Richtung Wald bewegen wollten, doch viele weitere dürften hier täglich stranden.

Durchlass unter einer Straße für Amphibien.
Unter Bundes- und Landstraßen Durchgänge für Amphibien zu schaffen – wie hier an der B 500 im Südschwarzwald -, dies ist sinnvoll und richtig, doch dann müssen sie auch im weiteren Umfeld geschützt werden. (Bild: Ulsamer)

Auf der westlichen Seite des Windgfällweihers führt die Bundesstraße 500 vorbei, die im nördlichen Schwarzwald auf rd. 60 Kilometern Länge als Schwarzwaldhochstraße bezeichnet wird. Mehr zu diesem Straßenabschnitt unter ‚Schwarzwaldhochstraße im Tief? Hotelruinen versperren den Blick in die Zukunft‘. Nun aber zurück zur Region am Windgfällweiher: Dort wurden Amphibientunnel mit großem Kostenaufwand gerade hier unter der B 500 errichtet. Diese Aktivitäten werden jedoch konterkariert, wenn auf der östlichen Seite des kleinen Stausees – einem ehemaligen Moorsee – Frösche und Molche in einem Kabelkanal der Deutschen Bahn verenden.

Grauer Betonkanal, daneben auf dem Schotterbett die Platten, die ihn ansonsten verschließen. Links Schienen.
Auch an regionalen Bahnstrecken hat die Zukunft Einzug gehalten, zumindest liegt ein Glasfaserkabel in einem Betonkanal. Er wurde auf weiten Strecken geöffnet – ohne Rücksicht auf Amphibien. (Bild: Ulsamer)

Schutzmaßnahmen notwendig

Es wäre bei solchen Arbeiten wie an der Dreiseenbahn sinnvoll, nur kleinere Bereiche des Kabelkanals zu öffnen und umgehend wieder zu verschließen, wenn die Kabelarbeiten oder Baumaßnahmen erledigt sind. Ansonsten müssten Amphibienschutzzäune für die Zeit der offenen Kabelabschnitte eingesetzt werden, die den massenhaften Tod von Amphibien verhindern.

 

Toter Molch liegt auf dem Rücken im grauen Kabelkanal.
Für diesen Molch kam jede Hilfe zu spät – wie für viele andere auch. (Bild: Ulsamer)

 

Rötlich-brauner kleiner Bergmolch in einer Hand
Gerettet! Und ab in die Natur. Amphibien haben es in einer ausgeräumten Landschaft eh nicht leicht, da Tümpel und natürliche Bachläufe fehlen. Deswegen ist es besonders wichtig, sie auch dort zu schützen, wo sie in größeren Populationen leben. (Bild: Ulsamer)

 

Kleiner Grasfrosch auf einer Hand.
Amphibien brauchen wieder mehr Lebensraum, denn Molche, Frösche und Kröten haben im Zeitalter der industriellen Landwirtschaft und der Versiegelung immer geringere Überlebenschancen. (Bild: Ulsamer)

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