In Baden-Württemberg haben es Wölfe schwer
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg konnte Cem Özdemir, der seine Kandidatur für Bündnis90/Die Grünen auf den Plakaten kaum zeigen wollte, gegen Manuel Hagel von der CDU mit einem hauchdünnen Vorsprung von landesweit 27 000 Stimmen gewinnen, doch den vier sesshaften Wölfen in Baden-Württemberg kann es gleichgültig sein, wer den Ministerpräsidenten stellt. Özdemir und Hagel gehören ganz gewiss nicht zu den Wolfsfreunden! Es ist für mich als Naturfreund bitter zu erleben, wie die Grünen und die CDU die Wölfe auf die Abschussliste setzten bzw. den Wolf ins Jagdrecht drückten. In einer Diskussionsrunde, über die die Schwäbische Zeitung berichtete, wetteiferten Özdemir und Hagel nicht um mehr Schutz für Wildtiere, sondern ganz im Gegenteil: Bei Wölfen, Bibern und Saatkrähen meinte Hagel „Da hilft nur Schrot und Blei“. Vielleicht kein Wunder, wenn auch eine inakzeptable Äußerung, denn Hagel legt nicht nur selbst auf Wildtiere an, sondern ist gar Schatzmeister der Jägervereinigung Ehingen. So ließ sich Özdemir natürlich nicht lumpen und betonte, er habe sich bereits während seiner Zeit in Brüssel dafür eingesetzt, dass der Schutzstatus des Wolfs herabgesetzt werde. „Ich halte Versprechen, die die Schwarzen geben“, sagte er. „Sie versprechen, ich setze es um.“ Arme Wölfe und andere Wildtiere, wenn sogar der Vegetarier Özdemir ins Jagdhorn bläst. Und so ist es kein Wunder, dass Özdemir bei einem Interview die CDU übertreffen wollte, als er laut SWR betonte „Deshalb habe ich mich sehr darüber gefreut, dass der abgeschossen werden soll. Das Kommando ist schon unterwegs“. Gemeint war der Hornisgrinde-Wolf GW2672m.

Widerstand gegen Wolfsjäger wird zur Pflicht
In einer Videokonferenz mit ehrenamtlichen Naturschützern hatte ich Gelegenheit, Cem Özdemir auf seine verbale Entgleisung anzusprechen, und er meinte, das sei etwas flapsig gewesen, doch im Kern hielt er den Abschuss des Wolfs, den seine Verteidiger liebevoll ‚Grindi‘ nennen, weiterhin für richtig und unterstützte damit Thekla Walker als baden-württembergische Umweltministerin. Walker und Özdemir waren das Spitzenduo der Grünen bei der Landtagswahl, die am 8. März nach Sitzen ein Patt zwischen Bündnis90/Die Grünen und CDU im Landtag brachte. Walker hatte die Ausnahegenehmigung erteilt, die den Abschuss des Wolfs im Nationalpark Schwarzwald erlaubte, obwohl er selbst von ihrem eigenen Ministerium als „nicht aggressiv“ eingestuft wurde und sich bisher noch nicht einmal an einem Weidetier vergriffen hatte. Die Grüne Thekla Walker wollte den Hornisgrinde-Wolf „durch ein spezialisiertes Jagd-Team entnehmen lassen“, so die Pressemitteilung des Umweltministeriums. Wenn ich den Begriff „entnehmen“ schon höre! Dieser Wolf sollte erschossen werden! Mehr zu jenem derartigen politischen Trauerspiel, das die Grünen inszenierten, lesen Sie in: ‚Baden-Württemberg: Grüne profilieren sich als Wolfsjäger. Ein Wolf im Nationalpark Schwarzwald wird zum Wahlkampfopfer‘. Die Profijäger, da würde mir beinahe Wolfskiller herausrutschen, konnten bis zum 10. März trotz umfassender technischer Hilfe den Wolf von der Hornisgrinde – zum Glück! – nicht erschießen. Zwar gaben das Verwaltungsgericht in Stuttgart und der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof in Mannheim mit zumindest fragwürdigen Begründungen ‚Grindi‘ zum Abschuss frei, doch Bürger aus nah und fern trafen sich nicht nur zu Mahnwachen und einem Wolf-Samstag, um gegen die Tötung des Hornisgrinde-Wolfs zu protestieren, sondern wanderten bei Tag und Nacht durch das Revier des Wolfs, um auf diese Weise einen Abschuss zu erschweren. Mein Dank gilt der Naturschutzinitiative (NI), die den Rechtsweg einschlug, um gegen die Abschussgenehmigung zu klagen, und allen zumeist kleineren Organisationen und Wolfsfreunden, die sich für ‚Grindi‘ einsetzten, während NABU und BUND nicht nur untätig blieben, sondern bereits grünes Licht für eine Verlängerung der Abschussgenehmigung gaben, als diese noch nicht einmal anstand. Wäre der Widerstand bei NABU und BUND etwas kräftiger ausgefallen, wenn nicht die grüne Umweltministerin Thekla Walker die Schussfreigabe erteilt hätte, sondern der CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk? Als ein Wolfsrüde im Südschwarzwald eine Fähe fand – erstmalig seit zwei Jahrhunderten – rief der baden-württembergische CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk die „Alarmstufe Rot“ aus und sah Touristen und ‚Kulturlandschaft‘ bedroht. Aber ebenfalls die grüne Umweltministerin Thekla Walter hatte sich schon bei ihrem Amtsantritt nicht als Freundin von Wolf & Co. geoutet: „Wenn ein Wolf zu nahe kommt … dann muss man den auch entnehmen“. Weitere Informationen zu den politischen Wolfsjägern finden Sie in meinem Beitrag ‚Schwarzwald: Mehr Wölfe – weniger Lifte. Der Natur Freiräume lassen‘.

Meine Frau und ich fuhren eigens in den Schwarzwald, um am Wolf-Samstag der Naturschutzinitiative (NI) teilzunehmen, und sind Wege gegangen, die uns von ortskundigen Wolfsfreunden genannt wurden, um alle zu unterstützen, die für ‚Grindis‘ Schutz gelaufen sind. „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“! Gerne wurde dieser Satz von der Atomkraftbewegung zitiert, aus der letztendlich u.a. die Grünen entstanden sind, doch er geht wohl nicht nur auf Bertold Brecht zurück, sondern auf einen Lehrsatz von Papst Leo XIII. aus dem 19. Jahrhundert. Wie auch immer, der Gedanke bleibt richtig. Daran ändern selbst zwei Klageabweisungen im Eilverfahren nichts, denn die Rechtsprechung kann nicht losgelöst vom politischen Umfeld gesehen werden. Dies hat sich in unserer deutschen Geschichte häufig genug gezeigt, und dabei müssen wir nicht einmal an die dunkelsten Zeiten denken, sondern an Homosexualität oder Cannabis. Das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim lässt mich traurig und etwas sprachlos zurück, denn die Argumentation der Richter erleichtert es auch in weiteren Fällen, Wölfe und andere Wildtiere zu „entnehmen“ – sprich zu erschießen. Wenn ein Wolf nicht einmal im Nationalpark Schwarzwald sicher ist vor Nachstellungen, wo denn dann? Mehr dazu in: ‚Richterlicher Segen für den Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs. Wo sollen Wildtiere in diesem Land noch leben?‘ Große Teile unserer Gesellschaft entfernen sich immer weiter von der Natur, und das lässt sich nicht nur bei politischen Entscheidungsträgern wie Cem Özdemir, Thekla Walker, Winfried Kretschmann oder Manuel Hagel feststellen, sondern wohl leider bei Teilen der Justiz und der Medien in gleichem Maße.

Der Kampf geht weiter
Gegen die Wölfe in unserem Land, aber auch gegen Biber, Fischotter, Graureiher, Kormorane und andere Wildtiere hat sich über die Jahre eine große Koalition der Wolfsgegner zusammengerottet. Betrachtet man den neugewählten Landtag in Baden-Württemberg, dann wollen nicht nur die Grünen und die CDU auf Isegrim anlegen, den sie nur aus Rotkäppchen zu kennen scheinen. Nein, darüber hinaus die Opposition aus AfD und der auf 5,5 % geschrumpften SPD wollen die Jagd auf Wölfe erleichtern. Wildtiere haben keinen leichten Stand in Deutschland, mögen sie andernorts dagegen wohlgelitten sein. Da wanderte ein Wisent, der jahrelang unbehelligt durch polnische Dörfer gezogen war, nach Brandenburg, und schon wurde er auf amtliches Geheiß erschossen. Bruno, der Bär, kam aus Italien, und die Büchse knallte in Bayern im amtlichen Auftrag. Und nun sollte es – mit richterlichem Segen – dem aus einem österreichischen Rudel stammenden Wolf GW2672m in Baden-Württemberg genauso ergehen! ‘Lebensrecht für Wildtiere in der Natur. Nur hinter Gittern eine Zukunft?‘, in diesem Beitrag finden Sie weitere Informationen zur Bedrohung der Wildtiere in Deutschland. Die artenschutzrechtliche Ausnahegenehmigung, die Thekla Walker erteilt hatte, wurde zwar nicht verlängert, doch der Wolf im Nationalpark Schwarzwald und seine zweibeinigen Freunde können noch nicht aufatmen. Es ist damit zu rechnen, dass zukünftig Abschüsse noch schneller genehmigt werden, da der Wolf nach seiner Aufnahme ins Jagdrecht fortan im Landwirtschaftsministerium ‚ressortieren‘ dürfte, und dieses Haus hat sich unter Peter Hauk (CDU) als Hort der Wolfsgegner geoutet.


Die Bundesregierung unter Friedrich Merz aus CDU/CSU und SPD hat mit den Stimmen der AfD die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht durchgesetzt und dabei betont, es seien „im Jahr 2024 bei rund 1.100 Übergriffen rund 4.300 Nutztiere durch Wölfe gerissen oder verletzt worden“. Ganz übersehen wird, dass in der deutschen Nutztierhaltung viele Millionen Tiere vorzeitig sterben, also lange bevor der Metzger kommt. Somit relativieren sich die Risse durch Wölfe zahlenmäßig doch ganz erheblich! Und zumeist sind die vom Wolf attackierten Schafe oder Ziegen nicht ausreichend geschützt, obwohl solche Maßnahmen aus Steuergeldern gefördert werden. Bündnis90/Die Grünen stimmten im Bundestag zwar gegen die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht, allerdings hatte sich bereits Steffi Lemke in ihrer Zeit als grüne Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gebrüstet, man habe „eine Regelung beschlossen, die es bundesweit möglich macht, Wölfe nach Rissen auf Weidetiere schnell und unkompliziert abzuschießen“. Und sie setzte noch einen drauf: „Diese Schnellabschüsse sind unbürokratisch und praktikabel umsetzbar“. Das hätte ich mir anders gewünscht, aber ‘Bündnis 90/ Die Grünen: Die grüne Seele bei Natur- und Umweltschutz ist verwelkt‘, so musste ich leider einen meiner Beiträge betiteln.
Nicht nur der Wolf von der Hornisgrinde, sondern auch seine wenigen Artgenossen und andere Wildtiere werden es in Baden-Württemberg zukünftig noch schwerer haben. Da mag der Vegetarier Cem Özdemir in die Villa Reitzenstein, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, einziehen und der Jäger Manuel Hagel in einem Ministerium seiner Arbeit nachgehen, die bisherigen Aussagen lassen wenig Gutes für die Wölfe erwarten. Grün und Schwarz haben wenig übrig für freilebende Wölfe und blasen weiterhin zur Hatz auf die wenigen Wölfe. Und AfD und SPD als Opposition fallen den Wolfsjägern ganz gewiss nicht in den Arm. Umso wichtiger ist es, jetzt – nach der vorläufigen Rettung von ‚Grindi‘ – nicht nachzulassen, sondern kontinuierlich für die Wölfe und andere Wildtiere zu streiten, denen ein Lebensrecht in der Natur zusteht. Der Kampf geht weiter!
Zum Beitragsbild
Ich habe noch nie in einer Region so viele Hinweisschilder der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) gesehen, wie jetzt, als das Umweltministerium zur Jagd auf den Hornisgrinde-Wolf im Schwarzwald geblasen hatte. Die Kameraüberwachung diene der „wissenschaftlichen Erfassung von Wildtieren“. Das mag nun glauben, wer will, hier wurde mit dem großflächigen Einsatz von Kameras versucht, den Aufenthaltsort des Hornisgrinde-Wolfs ausfindig zu machen, um dann das von Cem Özdemir erwähnte „Kommando“ an Jägern heranzuführen. Ist das Satire, wenn ausgerechnet unter einer grünen Ministerin der Wald zum ‚Überwachungsstaat‘ mutiert? (Bild: Ulsamer)

