Gestrandeter Buckelwal Timmy auf dem Weg in die Freiheit

Armer Timmy, armes Deutschland

Es brach mir das Herz, wenn ich den Buckelwal Timmy, viele nennen ihn auch Hope, vier Wochen lang im flachen Wasser vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern liegen sah. So bin ich froh und dankbar, dass Timmy jetzt in einer Barge auf dem Weg zurück in seinen Lebensraum, den Atlantik, ist. Hätten die Gutachter recht gehabt, die Landwirtschaftsminister Till Backhaus zugezogen hatte, dann müsste Timmy längst tot sein. Statt dem Wal zu helfen und anzupacken, konzentrierten sich der mecklenburg-vorpommerische SPD-Dauerminister Backhaus und sein Umfeld auf das Abwimmeln von Hilfsangeboten und warfen Wal-Helfern bürokratische Knüppel zwischen die Beine. Zügiges und sachgerechtes Handeln scheint nicht zu den besonderen Fähigkeiten von Minister Backhaus zu gehören, aber damit steht er unter unseren deutschen Politikern nicht allein da. Nun möchte ich den gestrandeten Wal Timmy, benannt nach dem ersten Auflaufen am Timmendorfer Strand, nicht mit der Corona-Pandemie, der Afrikanischen Schweinepest oder der Flutkatastrophe im Ahrtal vergleichen, doch bei diesen und vielen anderen Problemen zeigte es sich, dass Politik und Behörden in unserem Land vielfach nicht mehr vom Ermöglichen, sondern vom Verhindern geleitet werden. ‚Immer schön langsam voran‘ scheint zum Lebensmotto vieler Politiker geworden zu sein!  Wenn man in Mecklenburg-Vorpommern einen Wal in einer frühen Phase nicht mit Gurten wenige Meter ins tiefe Wasser ziehen durfte, weil die Gurte wohl kein TÜV-Siegel hatten und nicht breit genug seien, dann dürfte so mancher Walretter in Australien darüber nur lachen oder eher weinen. Lieber Timmy, du hast dir zum Stranden wirklich das falsche Fleckchen Land ausgesucht. Danken kann ich an dieser Stelle nur der privaten Rettungsinitiative, die trotz aller bürokratischen Hindernisse nicht aufgegeben hat und der es letztendlich gelungen ist, Timmy auf eine Barge zu geleiten, die sich nun in die Nordsee aufgemacht hat. Möge sein zweiter Name ‚Hope‘ noch zum Tragen kommen und der Buckelwal in den Atlantik zurückkehren können.

Fischerboote und im Hintergrund Fischverarbeitung.
„Mehr als 300.000 Wale und Delfine sterben weltweit jedes Jahr als Beifang in Fischernetzen, nicht wenige davon verenden in verloren gegangenen Fischernetzen – sogenannten Geisternetzen“, so Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland. Und es heißt weiter: „Laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO aus dem Jahr 2016 gehen in europäischen Gewässern jährlich rund 25.000 Fischernetze verloren – mit einer Gesamtlänge von etwa 1.250 Kilometern. In der Ostsee allein verschwinden dem NABU zufolge jedes Jahr bis zu 10.000 Netze oder Netzteile.“ Erwähnen möchte ich an dieser Stelle meinen Blog-Beitrag: ‚Unsere Meere: Müllteppiche statt Fischschwärme. Die Zerstörung der Ozeane stoppen!‘ (Bild: Ulsamer)

Politisierung verhindert schnelle Hilfe

Nun bin ich kein Walkundler, doch darum geht es bei der Gesamtsicht auf die Vorgänge auch nicht. Minister Backhaus hat zuerst eine Rettung des Wals abgelehnt und sich hinter einem fragwürdigen Gutachten verschanzt. Dieses Gutachten konnte im Prinzip jeder Schreibkundige zu Papier bringen, denn dass es einem Wal nicht besser geht, wenn er auf einer Sandbank liegt, das dürfte uns allen klar sein. „Aufgrund der wissenschaftlichen Expertise und Beratung habe ich entschieden, das majestätische Tier in Frieden gehen zu lassen“, so Till Backhaus. Wie ein Wal, der auf einer Sandbank gestrandet ist, „in Frieden“ gehen soll, das kann selbst Backhaus vermutlich nicht erklären. Ganz vorbildlich hat Backhaus „die Insel Poel erneut besucht, um mich bei den Menschen zu bedanken, die sich seit Wochen um das Wohl des sterbenden Wals bemühen.“ Backhaus & Co. hatten den Wal – wie Greenpeace oder Sea Shepherd – viel zu früh aufgegeben und in makaberer Weise das Skelett bereits der Universität in Rostock zugeschanzt.

Die Rückenflosse eines Riesenhais ragt aus dem Wasser. Sein restlicher Körper ist direkt unter der Meeresoberfläche zu sehen.
Nicht nur ich wünsche mir sicherlich, dass das Schicksal von Timmy auch das Bewusstsein schärft für die Verletzlichkeit der Ozeane und ihrer tierischen Bewohner. Die konkrete Hilfe für den Wal Timmy halte ich für wichtig, gleiches trifft für den Schutz seines Lebensraums zu, die Meere. Reste eines Fischernetzes im Maul von Timmy und Narben von Berührungen mit Schiffsschrauben zeigen, wie stark die menschlichen Eingriffe Wale, Delfine, Riesenhaie, Meeresschildkröten, Robben und andere Bewohner der Ozeane beeinträchtigen. Weitere Informationen hierzu finden Sie in meinem Beitrag ‚Der Riesenhai – ein friedlicher Koloss. Mikroplastik statt Plankton landet zwischen den Kiemen‘. (Bild: Ulsamer)

Niemand schien sich aufraffen zu wollen, um den Wal zu retten, bis dann die Freimaurer ‚PixelHelper‘ ins Spiel kamen. Allerdings gingen sie schon bald beleidigt vom Platz, denn der Geldgeber für potenzielle Rettungsaktionen, Walter Gunz, sympathisiere mit der AfD. Ob dies auf den MediaMarkt-Mitgründer zutrifft, das weiß ich nicht. Ein moralischer Tiefschlag war jedoch die Erklärung der PixelHelper bei ‚X‘: „Bevor der Wal Timmy von Jens Schulz als AfD-Mitglied & Walter Gunz als Sympathisant gerettet wird, lassen wir ihn für die Demokratie sterben“. Einen Wal – und vermutlich auch andere Tiere – für die „Demokratie sterben“ zu lassen, das zeigt für mich, wes Geistes Kind diese Freimaurertruppe ist. Da sage ich nur eines: erbärmlich! Auf die ersten Akte des politischen Trauerspiels bin ich in meinem Beitrag ‚Wal Timmy: ein Opfer von Bürokraten und Politikern. Besser im Ozean versinken, als im Schlick elendig verenden‘, eingegangen. Aber leider lag Timmy weiter seit dem 31. März vor der Insel Poel im Flachwasser.

Ein Delfin sprint aus dem blauen Meer.
Zehntausende von Walen oder Delfinen verlieren jedes Jahr durch menschlichen Einfluss ihr Leben. So manchen Delfin und nicht wenige Robben haben wir schon tot am Strand gesehen. Hier verzichte ich ganz bewusst auf ein Bild mit einem toten Meeresbewohner, denn die Schönheit dieser Tiere sollte uns dazu bewegen, mehr für den Schutz der Küstengewässer mit Stränden und Klippen sowie der Hochsee zu tun. Mehr dazu in: ‚UN-Hochseeschutzabkommen: Leerformel oder konkreter Fortschritt? Die Zerstörung der Ozeane muss gestoppt werden!‘ (Bild: Ulsamer)

Bürokratisches Kleinklein statt nachhaltiger Hilfe

Das Drama um Timmy nahm dann eine neue Wendung, als sich eine private Rettungsinitiative um den bereits erwähnten MediaMarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert meldete, um eine letzte Chance zu nutzen, den Wal Timmy in die Nordsee bzw. den Atlantik zurückzubringen. Wer nun jedoch geglaubt hatte, jetzt ginge es endlich voran, der hatte sich geirrt. Till Backhaus hatte zwar verkündet, man könne diesen Rettungsversuch nicht genehmigen, doch man werde ihn dulden, was nach mehr Engagement und Tempo klang. Weit gefehlt! Allen Ernstes musste jedes Konzept und jeder konkrete Schritt weiterhin von Seiten der Behörden genehmigt werden. Das ist wirklich ein übles Foulspiel von Trick-Till! Backhaus heuchelte zwar und gab sich dem Wal zugewandt, doch das bürokratische Kleinklein führte dazu, dass Timmy auch nach vier Wochen noch vor der Insel Poel lag. Zum Glück ist Backhaus weder für die Feuerwehr noch den Rettungsdienst oder das THW zuständig, ansonsten würden Häuser niederbrennen und Verletzte am Unfallort liegen bleiben oder Katastrophenopfer vergessen werden, zumindest müssten alle warten, bis ein Gutachten vorliegt. Ist in Mecklenburg-Vorpommern eigentlich niemand in der Lage, Till Backhaus, der seit Jahrzehnten den Landwirtschaftsminister mimt, von Bord und in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken? Wo steckt eigentlich die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig? Wer eine Walrettung vermurkst, der verstolpert vielleicht auch noch den Wahlkampf, das sollte nicht nur der SPD zu denken geben. Nicht verhehlen möchte ich, dass es der privaten Initiative nicht durchgängig gelungen ist, Fachkompetenz einzubinden. Nach meiner Meinung ist es an der Zeit, für Walstrandungen vorzusorgen und entsprechendes technisches und meeresbiologisches Know-how zu verbinden. Als früherer THW-Helfer könnte ich mir vorstellen, dass an Ost- bzw. Nordsee jeweils ein Kreisverband zusammen mit der DLRG den Grundstock bilden könnten, finanziert von Bund und Ländern.

Ein Containerschiff mit roten, blauen und weißen Containern fährt auf hoher See.
Mit der Ruhe ist es selbst auf hoher See vorbei, denn Containerschiffe, Öl- und Gastanker usw. verbinden über die Kontinente hinweg die wirtschaftlichen Zentren. Die Menschheit greift immer stärker in den Lebensraum der Meeresbewohner ein, daher halte ich es für eine Pflicht, die Ozeane und ihre Küsten besser zu schützen und in Not geratenen Walen, Delfinen, Robben usw. zu helfen. (Bild: Ulsamer)

Abstrus ist es, wenn von manchen Gruppierungen betont wird, man solle den Wal nicht retten, sondern die Natur Natur sein lassen. Da würde ich zustimmen, wenn die Menschheit nicht ständig der Natur ins Handwerk pfuschen würde. Wer die Meere mit Überfischung und Vermüllung traktiert, immer mehr Schiffe durch die Ozeane pflügen lässt, Bohrinseln für Öl und Gas installiert oder die See mit Windkraftanlagen zupflastert, der muss sich auch um die Schäden kümmern. Und dazu zählen vielfach gestrandete Wale oder Delfine. Timmy wollte kaum einen Ausflug in die Ostsee unternehmen, sondern folgte hungrig einem Heringsschwarm oder wurde durch Lärm oder Mikroplastik desorientiert. Timmy ist gezeichnet von Narben, die ihm Schiffsschrauben zufügten, und in seinem Maul hängt noch der Rest eines Geisternetzes. So ist Timmy ein Leidtragender der Übernutzung der Meere, und daraus resultiert für mich die Pflicht zur Hilfe. Gleiches trifft auch auf das Binnenland zu, denn die Hilfe für verletzte Igel oder Greifvögel ist im Grunde ebenfalls eine ethische Pflicht, weil die Naturräume immer kleiner werden. Mein Dank gilt daher an dieser Stelle allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die Tieren in Not helfen, seien es Wale, Igel, Vögel oder ein anderes Wildtier.

Ein Sandstrand mit vielen Plastikresten.
So sollte kein Strand in Europa oder dem Rest der Welt aussehen! Plastikmüll hat sich zu einer weltweiten Plage entwickelt, die gerade auch unter Meeres- und Küstenbewohnern Opfer hervorruft. Weitere Hinweise dazu finden Sie in: ‚Seevögel in Not. Leergefischte und vermüllte Meere zerstören die Vogelwelt‘. (Bild: Ulsamer)

Meeresschutz und Hilfe im Einzelfall verbessern

Selbstredend geht es nicht nur um den Wal Timmy, sondern um all seine Artgenossen und andere Wildtiere, die im oder am Meer – oder wo auch immer – leben. Greenpeace u. a. greifen jedoch argumentativ zu kurz, wenn sie meinen, man solle Timmy sterben lassen, aber den Meeresschutz verbessern. Hilfe im konkreten Fall schafft das Bewusstsein, dass insgesamt mehr getan werden muss, um unsere Ozeane für Wildtiere wieder zu ihrem Lebensraum zu machen. Ob der Wal Timmy schlussendlich gerettet werden kann, das weiß ich nicht, doch eines ist sicher, ohne den bürokratischen Hickhack in Mecklenburg-Vorpommern wären die Chancen größer gewesen, bzw. die gesamte Aktion wäre deutlich früher passiert und hätte sein Leiden verkürzt. Die zuerst abgelehnte und dann zögerlich geduldete Hilfe für den Buckelwal Timmy ist ein Symbol für den Zustand von Politik und Bürokratie in weiten Bereichen. „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“, betonte Roman Herzog 1997, und natürlich bin ich mir bewusst, dass der Bundespräsident die großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemfelder im Blick hatte, doch auch auf die bürokratischen Hemmnisse rund um die Rettung eines Wals trifft vieles, was Roman Herzog vor fast 30 Jahren formulierte, zu: „Wer Initiative zeigt, wer vor allem neue Wege gehen will, droht unter einem Wust von wohlmeinenden Vorschriften zu ersticken.“ Ja, aus allen Ritzen kommen bürokratische Besserwisser und mediale Schlauberger. „Was sehe ich dagegen in Deutschland? Hier herrscht ganz überwiegend Mutlosigkeit, Krisenszenarien werden gepflegt. Ein Gefühl der Lähmung liegt über unserer Gesellschaft. Was ist los mit unserem Land? Im Klartext: Der Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft, eine unglaubliche mentale Depression – das sind die Stichworte der Krise. Sie bilden einen allgegenwärtigen Dreiklang, aber einen Dreiklang in Moll.“ So ist es: Der Wal liege im Sterben, die Gurte seien zu schmal, der Schlepper mit der Barge zu laut usw. Hier zeigt sich auch die „mentale Depression“, die Roman Herzog überaus treffend ansprach. Timmy wäre in seiner Sandkuhle auf alle Fälle gestorben, war es da nicht besser, eine letzte Chance zu ergreifen, um ihn hoffentlich zu retten?

Selbst nach einem vierwöchigen Überlebenskampf in einer Sandkuhle wusste das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund nur zu schreiben: „Die wissenschaftliche Institution bekräftigt jedoch ihre Einschätzung, dem Tier die größtmögliche Ruhe zuteilwerden zu lassen, es ausschließlich palliativ zu versorgen und von weiteren Manipulationen am Wal abzusehen.“ Einen solchen Irrweg mag ich nicht mitgehen, denn Timmy hat gezeigt, dass er um sein Leben kämpft und nicht nur auf seinen Tod wartet. Ich hoffe, dass Timmy bzw. Hope es noch in den Atlantik schafft und dort weiterleben kann. Ganz gewiss kann er auf das kleingeistige Gezänk verzichten, das sich um die Rettungsversuche durch eine private Initiative entfacht hat. Sollte Timmys Kraft durch wochenlanges Liegen im flachen Wasser für ein langes Walleben nicht mehr ausreichen, dann ist sein Tod im Atlantik vielleicht gnädiger als ein weiteres Aufliegen auf Sandbänken, begafft und beurteilt von Politikern und Bürokraten, die zu keiner nachhaltigen Hilfe in der Lage waren. Wenn Timmy sein Martyrium im Flachwasser überlebt, dann nicht wegen, sondern trotz Politik und Behörden. Ich wünsche Timmy ein Leben in Freiheit und tiefes Wasser statt Sandbänken. Mach‘s gut Timmy! Die Hoffnung, lieber Hope, stirbt zuletzt.

 

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Die Sonnne geht orangerot über dem Meer unter. Einige kleinere Wolken sind zu sehen. Das Meer wirkt dunkel.Ich hoffe sehr, dass es Timmy mit menschlicher Hilfe bis in den Atlantik schafft, und dass der Buckelwal dort noch viele Jahre durchs Meer ziehen kann. Die Strapazen, die er nicht nur durch die Liegezeit von jetzt vier Wochen vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern erleiden musste, sondern auch durch Schiffsschrauben und das Netz in seinem Maul haben seine Kraft hoffentlich nicht aufgezehrt. Sollte dies jedoch der Fall sein, dann haben die bürokratischen und politischen Irrungen und Wirrungen mit zu seinem Tod beigetragen. Aber noch bleibt uns die Hoffnung, dass Hope es schafft. Die private Rettungsinitiative verdient bei allen internen Problemen Lob und Anerkennung, denn sie hat angepackt, wo andere nur als Gaffer zugeschaut haben. Auf die ersten Akte des politischen Trauerspiels in Mecklenburg-Vorpommern bin ich bereits eingegangen: ‚Wal Timmy: ein Opfer von Bürokraten und Politikern. Besser im Ozean versinken, als im Schlick elendig verenden‘. (Bild: Ulsamer)

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