E-Scooter: Umweltschädlinge auf zwei Rädern?

Zumeist werden die eigenen Füße, das Fahrrad oder der ÖPNV ersetzt

Als ich vor Jahrzehnten meinen ersten Tretroller mit luftgefüllten Reifen erhielt, hätte ich nie gedacht, dass dieser Art der Fortbewegung die Zukunft gehören würde! Nun gut, heute ist die Kraft im Bein nicht mehr gefragt, weil die Kraft aus der Batterie kommt. Aber im Gegensatz zu so manchem heutigen Nutzer wusste ich schon, dass man seinen Roller – sprich E-Scooter – nicht mitten auf dem Weg stehen lassen darf. Und wenn ich heute noch die kritische Einschätzung des Bundesumweltamtes lese, dann frage ich mich schon, wo die E-Scooter-Euphorie herkommt? Modischer Schnickschnack löst unsere Umweltprobleme in den Städten gewiss nicht! Und stehengelassene E-Scooter bringen auch nicht mehr Urbanität.

Ein weiß-grüner E-Scooter steht mitten auf einem asphaltierten Fuweg. Rechts hat ihn eine Fußgängerin passiert. Links und rechts Grasflächen und Bäume im Herbst.
Das wusste ich schon als Kind: meinen Tretroller darf ich nicht mitten auf dem Fußweg stehen lassen! Dies sehen wohl manche E-Scooter-Nutzer anders. Dieser geliehene Elektrotretroller fand sich verlassen mitten auf dem Fußweg durch den Schlossgarten in Stuttgart. (Bild: Ulsamer)

E-Scooter haben in Parkanlagen nichts verloren

Eigentlich wollte ich nur einige aktuelle Fotos für meinen Blog-Beitrag über die anstehende Milliarden-Sanierung des Opernhauses in Stuttgart machen, doch dann fiel mein Blick auf den einen oder anderen herren- oder damenlosen E-Scooter. Mal steht einer in der Mitte eines Fußweges durch den Schlossgarten, mal an den Stufen zum Opernhaus. Hier wurde sicherlich keine Autofahrt eingespart, denn Stadt- und S-Bahn sind in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Und der E-Scooter, der an mir vorbeisaust, gehört nach meiner Meinung auch nicht in eine Parkanlage.

Das Fazit des Bundesumweltamts zum E-Scooter lautet denn auch: „Als Leihfahrzeug in Innenstädten, wo ÖPNV-Netze gut ausgebaut und die kurzen Wege gut per Fuß & Fahrrad zurückzulegen sind, bringen die Roller eher Nachteile für die Umwelt – und drohen als zusätzlicher Nutzer der bereits unzureichend ausgebauten Infrastruktur das Zufußgehen und Fahrradfahren unattraktiver zu machen.“ Diese Aussage kann ich nur bestätigen. So finden sich an diesem Vormittag z. B. weitere E-Scooter vor dem Landesmuseum Württemberg, wo die Busse gleich gegenüber anhalten und die Stadtbahn in zwei Minuten erreichbar ist. In der Nähe der Staatsgalerie parken – selbstredend überall verteilt auf den Flanierwegen – gleich fünf der E-Scooter, und auch dort sind öffentliche Verkehrsmittel bestens erreichbar.

E-Scooter bei einem Baum geparkt. Im Hintergrud ein gelber Omnibus.
In der Innenstadt gibt es Busse, Stadt- und S-Bahn, da machen eigentlich E-Scooter keinen Sinn. Vor allem dann nicht, wenn sie nach Gebrauch überall herumstehen, so wie hier beim Württembergischen Landesmuseum. (Bild: Ulsamer)

E-Scooter: Miese Umweltbilanz

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, betonte: „In der Ökobilanz sind E-Scooter natürlich deutlich besser als das Auto“, und fuhr fort:  „Aber gegenüber dem bewährten Fahrrad, mit dem sich Strecken ebenso schnell bewältigen lassen und Gepäck besser transportieren lässt, sind E-Scooter die deutlich umweltschädliche Variante und aus meiner Sicher daher keine gute Alternative.“ Und wenn ich mir anschaue, wo sich die E-Scooter nach der Nutzung finden lassen, dann entstehen nicht zu unterschätzende Umweltkosten durch das Einsammeln und die Aufladung an zentralen Punkten. Wenn das ‚Sammelfahrzeug‘ dann auch noch mit einem Verbrennungsmotor unterwegs ist, wird das E-Scooter-Fahren zu einer umweltpolitischen Farce. So führt Elektromobilität nicht zu geringeren Emissionen.

Mehrere Fahrräder in entsprechendem Ständer, danaben ein E-Scooter.
Mustergültig wurde dieser E-Scooter in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs geparkt. Das Bundesumweltsamt betont, dass Fahrrad fahren deutlich ökologischer ist als die Nutzung des E-Scooters. (Bild: Ulsamer)

So mancher Kommunalpolitiker, der die E-Scooter begrüßt, scheint ganz zu vergessen, dass er mir gegenüber noch die Übermöblierung des städtischen Raums mit Ladesäulen für E-Autos beklagte, als ich mich von Berufswegen für den Aufbau von E-Ladestationen einsetzte. Bei batteriebetriebenen Leih-Pkw entfällt aber zumindest die Rückholung zur Aufladung, da diese im Stadtgebiet an zahlreichen Ladesäulen erfolgt – und im Regelfall durch die Kunden. Ein großes Problem ist derzeit wohl auch die Lebensdauer der E-Scooter im Verleiheinsatz. Um nochmals das Bundesumweltamt zu zitieren: „Da die größten Umweltbelastungen von E-Scootern durch deren Produktion verursacht werden, ist die Lebensdauer der Roller ein wichtiger Aspekt zur Gesamtbewertung ihrer Umweltfreundlichkeit. Erste unbestätigte Zahlen aus Kentucky, Louisville (USA) deuten bei Verleihern von E-Scootern auf eine relativ kurze Nutzungsdauer von 28 bis 32 Tagen hin. Andere Quellen gehen von drei Monaten aus, obwohl manche Verleiher für neue Modelle inzwischen auch schon eine Lebensdauer von über 12 Monaten angeben.“ Wenn diese Zahlen aussagefähig sein sollten, dann sind die E-Scooter ein neuer Gipfel in unserer Wegwerfgesellschaft. Mit Ökologie und Nachhaltigkeit hat dies auf jeden Fall nichts zu tun. Die Produktion der Lithium-Ionen-Akkus, deren mögliche Zweitnutzung nach ihrem Scooter-Einsatz sowie deren Recycling scheinen auch noch nicht umfassend aufgearbeitet zu sein.

Fünf grün-weiße Tretroller am Fußweg verteilt.
Fünf E-Scooter schön verteilt bei der Staatsgalerie in Stuttgart. So wird sich nicht mehr Urbanität entwickeln! (Bild: Ulsamer)

E-Scooter für Fußfaule?

Die vom Bundesumweltamt angeführten Untersuchungen zur Nutzung von E-Scootern legen den Eindruck zumindest nahe, dass sie keinen oder nur einen minimalen Einfluss auf die Pkw-Nutzung haben. In Berlin wurden die Scooter eher am Abend und an den Wochenenden genutzt. Dies deutet auf eine Freizeitnutzung hin. In Paris zeigte es sich, dass 47 % der befragten Nutzer ohne verfügbare E-Scooter zu Fuß gegangen wären, 29 % hätten den ÖPNV genutzt und neun Prozent die Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt. „Nur acht Prozent der Befragten haben mit dem geliehenen E-Scooter eine Auto- oder Taxifahrt ersetzt. Drei Prozent hätten sich ohne Roller gar nicht fortbewegt.“ Vom E-Scooter ist somit kein umweltpolitischer Durchbruch in unseren Städten zu erwarten.

Verkehrsminister Scheuer fährt mit Elektrotretroller durch einen Büroflur.
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sauste mit dem E-Scooter für ‚Bild‘ schon mal medienwirksam durch einen Büroflur. Weder der E-Scooter noch das von ihm gleichfalls propagierte Lufttaxi wird unsere Verkehrs-, Umwelt- oder Klimaprobleme lösen. (Bild: Screenshot, bild.de, 10.11.19)

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der auch schon Lufttaxis als Lösung für unsere Verkehrsprobleme anpries, fuhr natürlich für ‚Bild‘ schon mal mit dem E-Scooter vor. Nach ersten Unfällen mit E-Tretrollern wandte sich Scheuer an den Deutschen Städtetag und schob gewissermaßen den Kommunen die notwendige Aufsicht zu. So ist das: der Bund lässt ein Verkehrsmittel zu, und dann sollen die anderen für Ordnung sorgen. Aber wen wundert’s, wenn Andreas Scheuer die Medien-Probefahrt auch noch im Büroflur erledigt.

Wenn man Parks oder Fußgängerzonen bzw. Gehwege als No-Go-Area für E-Scooter betrachtet, dann bleiben in den Städten die raren Fahrradwege und der überfüllte Straßenraum. Da sind Unfälle vorprogrammiert, und dies alles ohne Helmpflicht! Diese steht ja auch für Radfahrer noch aus. Umweltpolitisch wird sich mit den E-Scootern nichts bewegen lassen, es sei denn, es würden wirklich in großem Maße Autofahrten eingespart. Dies lässt sich bisher allerdings nicht absehen. Für das emissionsgeplagte Stuttgart bringen E-Scooter keine Verbesserung. Wer zukünftig dem gesundheitsfördernden Gehen oder dem ÖPNV die kalte Schulter zeigt und sich stattdessen auf den E-Scooter schwingt, der tut auf jeden Fall nichts gegen die Umwelt- und Klimaprobleme!

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