Die Wasserreserven müssen nachhaltiger genutzt werden

Klimawandel verstärkt den Verteilungskampf auch in Deutschland

Europa – und damit auch Deutschland – gehörte lange zu den Regionen, die keine unlösbar erscheinenden Wassernöte plagen. Die trocknen Sommer der letzten Jahre haben jedoch nicht nur Pflanzen auf den Feldern vertrocknen lassen, sondern in gleichem Maße Teile der Wälder in Bedrängnis gebracht. Selbst in ansonsten regenreichen Regionen – wie Irland – tröpfelte es in manchen Haushalten nur noch aus dem Hahn. Dies lag allerdings eher an den maroden Wassernetzen, die auf dem Weg zum Kunden die Hälfte des kostbaren Nass‘ verlieren. Die Bundesregierung gibt in Deutschland zwar vor, sich der Bedeutung sauberen Wassers bewusst zu sein, doch sie geht dennoch nicht energisch genug gegen die Belastung des Wassers mit Nitrat und Mikroplastik vor. Die EU unterstützt mit ihren Agrarsubventionen weiterhin landwirtschaftliche Betriebe, die auf eine intensive Nutzung der Flächen ohne Rücksicht auf die Ökologie und den Wasserkreislauf setzen. So sind viele Kleingewässer, Feuchtgebiete und Moore längst aus unserer Landschaft verschwunden. Aber auch riesige Asphaltflächen oder Schottergärten in den Städten tragen nicht zu einem nachhaltigen Wasserkreislauf bei. Eines steht jedoch fest: In Zukunft wird Wasser im Zeichen des Klimawandels in Europa mehr denn je zu einer umkämpften Ressource.

Der untere Teil der Krimmler Wasserfälle. Das Wasser ergießt sich wie in ein großes Becken aus Stein.
Wenn das Nass – wie bei den Krimmler Wasserfällen im Nationalpark Hohe Tauern – tosend ins Tal stürzt, dann muss uns klar sein, dass lediglich 2,5 % des auf der Welt vorhandenen Wassers für Mensch und Tier genießbares Süßwasser ist. Wasser ist eine zentrale Ressource, die mehr Schutz braucht. (Bild: Ulsamer)

Mensch und Tier haben Durst

Der Verteilungskampf wird sich beim Wasser wegen der steigenden Ansprüche in der Landwirtschaft verschärfen, denn so manches Feld, das früher mit dem Regen auskam, braucht in Dürreperioden eine Bewässerung. Schnell wird dann die Entnahme aus Flüssen und Seen an ihre Grenzen stoßen, auf das Grundwasser konzentriert sich aber in vielen Regionen auch die Trinkwasserversorgung. Zusätzliche Abnehmer aus dem Wassernetz werden den Druck auf diese Ressource erhöhen. Selbst unermesslich scheinende Reserven wie im Bodensee, die bisher in trockenen Tagen eine befriedigende Versorgung mit gutem Trinkwasser in den Anrainerstaaten sicherte, werden durch den Klimawandel betroffen sein. Wenn es an Regen mangelt und z. B. in den Alpen wegen der Erderwärmung kaum noch Schnee und Eis vorhanden sein werden, kann folgerichtig kein Schmelzwasser mehr die Lücken auffüllen.

Beim trinkbaren Wasser dürfen wir jedoch nicht nur an den eigenen Bedarf denken, denn auch die Tiere haben Durst, seien es Wild- oder Nutztiere. Die Massentierhaltung, wo tausende, gar abertausende Schweine, Rinder oder Hühner auf engstem Raum zusammengepfercht werden, muss besonders unter dem Gesichtspunkt der Wasserversorgung überdacht werden. Denn nicht nur die Gülle, die das Grundwasser verunreinigt und dort zur Nitratbildung beiträgt, macht Probleme, sondern auch der punktuelle Trinkwasserbedarf wird Schwierigkeiten verursachen. So benötigt eine Milchkuh auf der Weide mit grünem Gras 20 bis 40 Liter Wasser am Tag, doch im Stall bei Trockenfutter steigt der Bedarf auf 40 bis 80 Liter täglich. Auch dies ist ein Grund dafür, die vorhandene Futterfläche bei einem Agrarbetrieb wieder ins richtige Verhältnis zu den gehaltenen Tieren zu setzen. Massentierhaltung im heutigen Sinne hat somit in der Zukunft keine Chance.

Fichte mit Zapfen und Laubbäumen. Das Laub wird herbstlich bunt.
Süßwasser ist eine zentrale Grundlage für das Leben von Mensch und Tier sowie das Gedeihen der Pflanzen. Wir werden im Zuge des Klimawandels um einen Waldumbau nicht herumkommen, da Baumarten wie die Fichte in weiten Regionen Probleme bekommen. Eine Abkehr von Monokulturen ist ebenfalls zwingend. (Bild: Ulsamer)

Wald und Moore vertrocknen

Wassermangel wird – wie wir alle gesehen haben – auch zunehmend die Wälder betreffen. Über einen gezielten Waldumbau können wir zwar dafür Sorge tragen, dass der Forst besser auf die Erwärmung und Perioden ohne Regen vorbereitet ist, doch die Umstellung wird nicht nur viel Geld kosten, sondern geradezu eine Abkehr von Monokulturen erzwingen. Fichten haben in vielen Lagen keine Überlebenschance mehr, aber auch Buchen wurden durch die heißen Sommer geschädigt, obwohl sie bisher – ebenso wie Weißtannen – als resistenter gegen den Klimawandel galten. Ein Ausweichen auf Baumarten wie die Douglasie, die im Grunde bei uns nicht heimisch ist, muss wohl überlegt sein. Grundsätzlich ist ein Umdenken notwendig, welches anerkennt, dass Wälder nicht als reine Holzproduzenten betrachtet werden dürfen, wo die Bäume in Reih und Glied nur auf den Vollernter warten.

Wichtig ist es auch, dass sich Wälder eher durch Naturverjüngung fortentwickeln und weniger durch Aufforstung mit Pflanzen aus der Baumschule. Bäumchen, die sich selbst aus dem Samen entwickeln können, scheinen besser mit periodischem Wassermangel und anderen Unbill umgehen zu können. Wenn aus dem Samen ein Baum wachsen soll, dann dürfen die kleinen Pflänzchen natürlich nicht ständig verbissen werden: Auch dies ist ein Grund dafür, dass Luchs, Wildkatze und Wolf eine Lebensberechtigung in unseren Wäldern haben. Wer nur nach dem Jäger und seiner Flinte ruft, der ist auf dem Holzweg.

Weißes Wollgras umgeben von anderen grünen Pflanzen.
Der Erhalt und die Renaturierung von Moorflächen ist für den Wasserhaushalt von großer Bedeutung. (Bild: Ulsamer)

Moorflächen, die in Trockenzeiten Wasser wieder abgeben könnten, sind zu einer Rarität geworden, was fatale Folgen hat. Moore bestehen bis zu 95 % aus Wasser, daher verglich sie bereits der Naturforscher Alexander von Humboldt mit gewaltigen Schwämmen. Und wie ein Schwamm, so können die Moore das Wasser auch wieder abgeben und tragen damit zu einem ausgeglichenen Wasserhaushalt in der jeweiligen Landschaft bei. Moore können bei starkem Regen bis zu einem Meter aufschwimmen und gewaltige Wassermassen binden – nicht zu vergessen ihre Fähigkeit, große Mengen CO2 zu binden. Wären die Moore durch die industrielle Landwirtschaft, den Straßen- und Siedlungsbau beispielsweise nicht so zusammengeschrumpelt, dann könnten sie deutlich mehr zur Vermeidung von Überschwemmungen beitragen. Und der Klimawandel wird uns nicht nur Dürre, sondern auch Starkregen bescheren. Dies ist ein Grund, sorgsam mit den verbliebenen Mooren umzugehen und möglichst frühere Moorflächen, die nicht abgebaut, sondern nur entwässert worden sind, wieder zu renaturieren. Gerade im Angesicht des Klimawandels müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, um einen möglichst ausgeglichenen Wasserhaushalt zu gewährleisten – und ganz nebenbei stärken wir damit in gleichem Maße die Artenvielfalt.

Flusskreuzfahrtschiff auf dem Rhein. Im Hintergrund Bäume am Ufer, im Vordergrund die Wasserfläche des Rheins. Ds Schiff ist langgestreckt, auf dem Oberdeck sitzen Passagiere.
Wasser bewegt in unseren Flüssen nicht nur Turbinen, die grünen Strom erzeugen, sondern auch Binnenschiffe mit Containern, Schrott oder chemischen Produkten, sowie Schiffe für Flusskreuzfahrten – wie hier auf dem Rhein. (Bild: Ulsamer)

Wasser bewegt die Welt

Die Kraft des Wassers kann sich unheilvoll entladen, wenn Überschwemmungen Mensch und Tier gefährden, Hab und Gut bedrohen. Doch auch zu dieser Gefahr trägt der Mensch durch Bebauung und falsche Landnutzung (z.B. Maismonokulturen) bei. Und so manches Neubau- oder Gewerbegebiet klotzten Planer und Kommunalvertreter in eine Flussaue, wo sich unsere Vorfahren niemals angesiedelt hätten. Höher liegende Kirchen zeigen noch immer, dass die damaligen Zeitgenossen mehr Respekt vor dem Wasser hatten, und eigentlich zog es nur den Müller notgedrungen näher an den Fluss oder Bach. Seit alters her kommt den Flüssen eine wichtige Aufgabe beim Transport zu: Waren es einst Flöße, die z. B. ganze Baumstämme aus dem Schwarzwald über Neckar und Rhein bis nach Holland schafften, so sind es heute Binnenschiffe mit Containern, Schrott oder Mineralöl. Wenn der Regen über Wochen ausbleibt, dann wird dieser relativ ökologische Transportweg zunehmend Probleme bekommen.

Wasser bewegt aber nicht nur Waren, sondern auch Mühlräder oder Turbinen. Regenerativ erzeugter Strom aus Wasserkraft ist für eine CO2-arme Zukunft von größter Bedeutung. Dabei hat Wasser den besonderen Vorteil, dass es mit Überschussstrom wieder in höherliegende Seen oder Staubecken befördert werden kann, um sich dann bei Bedarfsspitzen nochmals auf den Weg zur Turbine zu machen. Bundes- und Landespolitiker führen zwar gerne das Wort ‚regenerativ‘ im Munde, doch sie machen sich bisher zu wenig Gedanken über die Speicherung von Strom für die Tage, in denen der Wind nicht bläst und die Sonne sich hinter Wolken versteckt. Und, dies möchte ich zumindest anmerken, Wasserstoff gewinnt für Fahrzeuge mit Brennstoffzelle ebenso an Bedeutung wie auch als Speichermedium. Selbstredend macht nur mit regenerativer Energie erzeugter Wasserstoff Sinn. So kann man mit einiger Berechtigung sagen, dass Wasser die Welt früher bewegt hat und verstärkt in Zukunft bewegen wird.

Die Grafik des Wasserverbrauchs zeigt deutlich nach unten. MIt einem leichten Anstieg für 2018.
Im Jahr 2018 lag der Leitungswasserverbrauch in Deutschland bei 127 Litern pro Kopf und Tag. Der leichte Anstieg – gegenüber 123 Litern/Kopf – zum Jahr 2017 wird auf die extrem trockene Witterung zurückgeführt. Wir Deutschen haben gegenüber den frühen 1990er Jahren deutlich beim Wasser gespart und liegen beim direkten Wasserverbrauch im Mittelfeld der Industriestaaten. Im Vereinigten Königreich und in Frankreich verbrauchen die Bürger täglich rd. 150 Liter Leitungswasser, in den USA knapp 300 Liter. Der Verbrauch einschließlich des Wassers, das in anderen Staaten für die Erzeugung von T-Shirts oder Zucchini verbraucht wurde, liegt um ein Vielfaches höher. Und zum Vergleich: Auf ein Kilogramm Rindfleisch entfallen in der Erzeugung ca. 15 500 Liter Wasser! Aber auch ein Kilogramm Avocados – etwa 2 ½ Stück – bringen es auf 1 000 Liter Wasser, ehe sie in der Küche landen. (Bild: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.)

Von Wassersparern und Verschwendern

Nicht nur die Wasser- und Abwassergebühren regen uns an, den Hahn nach Gebrauch wieder zuzudrehen. Allerdings würde ich mir wünschen, dass zumindest überall das Trinkwasser den Verbraucher etwas kostet, denn nur dann lässt sich der Konsum reduzieren und gleichzeitig das Versorgungsnetz optimieren. In der Republik Irland scheiterte die Regierung unter Premierminister Leo Varadkar, als sie Wassergebühren durchsetzen wollte. Und so bleibt das Netz in einem eher trostlosen Zustand, aus dem die Hälfte des Trinkwassers versickert.

Wer besonders eifrig Wasser einspart, sei es über die Spartaste in der Toilette oder die Minimierung des Verbrauchs in Waschmaschinen, der wird nicht selten bestraft. Die Netze einschließlich der Aufbereitung und der Kläranlagen sind zum Teil für heutige Verhältnisse überdimensioniert, da Fachleute lange mit einem wachsenden Verbrauch gerechnet haben. Die Grundkosten bleiben jedoch nahezu gleich, nicht selten müssen Rohrsysteme sowohl beim Trink- als auch beim Abwasser häufiger durchgespült werden, um Keimbildung oder ‚Verstopfung‘ zu vermeiden. Gerade die Industrie hat ihren Wasserkonsum aus Kostengründen optimiert und versucht, das Wasser möglichst lange in Kreisläufen zu nutzen.

Skifahrer auf einer Piste, die mit Schneelanzen (dünnen, hohen Rohren) beschneit wird. Die Aufnahme entstand auf dem Hintertuxer Gletscher Anfang Oktober.
Welchen Sinn haben Sonntagsreden über den Klimawandel, zu Umwelt- und Naturschutz, wenn auf dem Hintertuxer Gletscher in Österreich ganzjährig Ski gefahren wird und zahllose Schneelanzen und Schneekanonen dafür die technische Grundlage schaffen. Der Wasser- und Stromverbrauch ist hoch und passt nicht in unsere Zeit. Nicht nur dieser Gletscher ist in den letzten Jahrzehnten geschrumpft. (Bild: Ulsamer)

Dies heißt natürlich nicht, dass wir den Wasserhahn im Widerspruch zur obigen These doch wieder häufiger aufdrehen sollen, sondern die Systeme müssen Schritt für Schritt an den zurückgehenden Wasserverbrauch angepasst werden. Wasser kommt oftmals auch für fragwürdige Zwecke zum Einsatz. Ein Beispiel möchte ich kurz ansprechen. Wenn das Sterben der Gletscher zwar beklagt, andererseits auf ihnen Ski gefahren wird, dann geht das meist nur mit künstlicher Beschneiung. Daher halte ich es für abstrus, wenn es in einer Veranstaltungsbroschüre aus dem Zillertal heißt: „Der Hintertuxer Gletscher ist Österreichs einziges Ganzjahresskigebiet und bietet Wintersportlern an 365 Tagen im Jahr perfekt präparierte schneesichere Abfahrten.“ Dort tummeln sich dann nicht nur die Hobbyskifahrer, sondern auch Nationalteams unterschiedlicher Staaten. An den hohen Energieverbrauch für Skikanonen und Skilanzen, an den Wasserverbrauch und den dahinsiechenden Gletscher scheint dabei kaum einer auf seinen Brettern, die ihm die Welt bedeuten, zu denken. Und die Umweltfolgen lassen sich auch mit Speicherbecken nicht wegspülen, aus denen ein Teil des Wassers für die Schneekanonen entnommen wird.

Hier ist ein Umdenken ebenso gefragt wie bei Liebhabern von Rasen mit Kurzhaarschnitt, die den Mähroboter täglich losschicken, um dann anschließend den Wassersprenger aufzudrehen. Aber auch die Wahl der Feldfrüchte muss neu orientiert werden, denn es ist schon unerträglich, im Sommer an vertrockneten Maismonokulturen entlang zu wandern, um am Abend in den Nachrichten den Ruf der Bauernverbände nach Staatshilfe für dürregeschädigte Landwirte zu vernehmen. Und zumeist landet der Mais nicht auf dem Teller, sondern in Biogasanlagen und der Massentierhaltung.

Beregnung von Gemüseflächen. Im Hintergrund Büsche und Bäume.
Es zeigt sich bereits jetzt, dass heiße und regenarme Perioden den Druck auf die Wasservorräte verstärken, da zunehmend Felder beregnet werden. Wir müssen auch die Auswahl der Feldfrüchte angesichts des sich verstärkenden Klimawandels überdenken. (Bild: Ulsamer)

Das Wasser im Einkaufskorb

Im weltweiten Ranking der Wasserverbraucher schlägt sich Deutschland ganz gut, und die Einsparbemühungen zeigen Wirkung. ‚Na super, dann können wir uns ja beruhigt zurücklehnen!‘ Wer so denkt, der übersieht allerdings, dass wir einen Teil unseres Wasserverbrauchs gewissermaßen ins Ausland verlagert haben. Mit Gurken, Tomaten oder Zucchini aus Spanien importieren wir auch gleich das für deren Wachstum notwendige Wasser – nicht selten aus tiefen Grundwasserschichten abgepumpt. Wir können uns das Gemüse schmecken lassen, ohne unsere Wasserstatistik zu belasten. Doch nicht selten entsteht der Wasserbedarf dann in Regionen, die bereits über Engpässe klagen.

Die fragwürdige Massentierhaltung habe ich bereits angesprochen, doch sie spielt auch beim virtuellen Wasserkonsum eine Rolle: Sojabohnen aus Südamerika werden an Schweine in deutschen Ställen verfüttert, um das Fleisch dann nach China zu schippern. Baumwoll-T-Shirts machen sich dafür aus Afrika oder Asien auf den Weg zu den europäischen Konsumenten, und auch diese haben eine lange Wassergeschichte. Wenn wir über Nachhaltigkeit reden und dabei über unser Land hinausdenken, müssen wir den sogenannten Wasserfußabdruck heranziehen, der dann unseren Gesamtverbrauch erfasst.

„Deutschlands gesamter Wasserfußabdruck beträgt rund 117 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr“, so das Bundesumweltamt. „Davon entfallen nur fünf Milliarden Kubikmeter auf die öffentliche Wasserversorgung. Der Wasserfußabdruck ist mehr als das Zweifache des Bodensees und entspricht einem täglichen Verbrauch von mehr als 3.900 Litern pro Einwohnerin und Einwohner. Zum Vergleich: Weltweit liegt der Verbrauch bei knapp 3.800 Litern pro Person und Tag. Mehr als die Hälfte des Wassers für die von uns benötigten Produkte und Güter stammt nicht aus Deutschland selbst. Das Wasser für importierte Güter wird als externer Wasserfußabdruck bezeichnet. Das meiste Wasser führt Deutschland über Agrargüter aus Brasilien, der Elfenbeinküste und Frankreich ein.“ Dieses Zitat verdeutlicht nochmals, dass eine rein landesbezogene Diskussion über den Wasserverbrauch nicht weiterführt.

Kleiner Bach umgeben von Haushaltsmüll, Sesseln und anderem Unrat.
Die Gülleflut aus der Massentierhaltung sickert in den Boden und verunreinigt als Nitrat das Grundwasser. Aber auch Mikroplastik und allerlei andere menschliche Hinterlassenschaften gefährden das Oberflächenwasser. So manches Kleingewässer – wie hier im walisischen Merthyr Tydfil – wird zur Müllkippe. (Bild: Ulsamer)

Bodenschutz ist Wasserschutz

„Der Großteil der Böden weltweit, insbesondere der landwirtschaftlich genutzten, befindet sich in mittelmäßigem, schlechtem oder sehr schlechtem Zustand“, so heißt es im Weltwasserbericht 2018 der UN. Und die Autoren fahren fort: „Aufgrund damit einhergehender höherer Verdunstungsraten, geringerer Bodenwasserspeicherung und vermehrtem Oberflächenabfluss bei gleichzeitig zunehmender Erosion hat dies gravierende Folgen für den Wasserkreislauf.“ Im Grunde lassen sich diese Symptome auch in Europa erkennen, wenngleich in geringerem Maßstab als in Afrika. Dennoch muss sich die Politik stärker dem Themenkomplex Wasser widmen. Dieser hängt zwar mit der Klimafrage zusammen, doch habe ich den Eindruck, dass Natur- und Umweltschutz, und dazu gehört auch die Sicherung der Ressource Wasser, derzeit im politischen Alltag zu kurz kommt.

Die Bodennutzung spielt bei einer nachhaltigen Wasserversorgung eine häufig eher unterschätzte Rolle: „Weltweit entstammen bis zu 40% der Niederschläge über der Landmasse aus Pflanzenverdunstung im Aufwindbereich und anderen Formen der Landverdunstung. In einigen Regionen gilt dies sogar für den größten Teil der Niederschläge“, so nochmals der Weltwasserbericht. Damit wird deutlich: Wo sich der Regenwurm im Boden kaum noch regt, da ist auch die Wasserspeicherung unzureichend, und wo die Pflanzen verdorren, muss die Bodennutzung geändert werden.

Eine Kuh trinkt aus einer automatischen Wasserschale an einem Stallgebäude. Zwei weitere braune Kühe stehen an.
Anstehen fürs Wasser: Auch Tiere haben Durst. Darf die Milchkuh auf die Weide, dann reichen ihr am Tag 20 bis 40 Liter Wasser. Mit Trockenfutter steigt der Bedarf im Stall auf 40 bis 80 Liter. Dies ist ein weiterer Grund dafür, die Massentierhaltung in immer gigantischeren Ställen zu überdenken! (Bild: Ulsamer)

Wasser ist Leben

 Sicherlich gibt es niemanden, der ohne Wasser sein Leben gestalten könnte. Dennoch fehlt es bei manchem Mitbürger an der Einsicht, dass wir alle auch für das lebenswichtige Nass Verantwortung tragen. Wie könnte es ansonsten sein, dass Kippen achtlos in die Landschaft geworfen werden, die beim nächsten Regen ihre Giftstoffe in Wasser und Boden abgeben? Noch immer landen Müll, leere Plastikflaschen oder andere Kunststofferzeugnisse in Bächen, Seen, Flüssen und im Meer. Kläranlagen kämpfen mit Medikamenten, die in die Toilette statt in den Restmüll entsorgt wurden. Mikroplastik aus Kosmetikartikeln oder zerfallenden Kunststofferzeugnissen gefährden Mensch und Umwelt – und die Politik schaut zu.

Wir alle sind gefordert, mit Wasser sorgsam umzugehen, und die Mehrheit ist sich dessen auch bewusst und handelt entsprechend. Wer jedoch Wasser mit allerlei Hinterlassenschaften verschmutzt, der muss mit härteren Strafen rechnen. Von zentraler Bedeutung ist es, die Bodennutzung so zu verändern, dass die Pflanzen besser mit heißen und trockenen Perioden zurechtkommen. Grundwasser darf nicht länger durch Nitrat gefährdet werden. Alle Gewässer – vom Tümpel über den breiten Fluss bis zum wasserreichen See – brauchen konsequenten Schutz. Wir dürfen auch Kleingewässer, selbst nur periodisch wasserführende Pfützen, nicht unterschätzen, denn sie sind überlebenswichtig für viele Insekten, Vögel und andere Tierarten.

Wasser ist eine elementare Voraussetzung für menschliches Leben, aber auch unerlässlich für Tiere und Pflanzen. Der Schutz des Wassers muss gestärkt werden. Dies gilt natürlich in besonderer Weise für das Süßwasser. Doch auch unsere Meere dürfen nicht weiter zur Müllkippe verkommen. Wenn wir einen Verteilungskampf ums Wasser in Deutschland und Europa verhindern wollen, dann müssen wir unsere Nutzung des kostbaren Nass‘ nachhaltiger gestalten.

 

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