Die Senec-Banane reift beim Kunden – hoffentlich

EnBW: Energiespeicher als Gefahrenquelle?

Im Grunde ist es eine Schande, wie langsam die Energiewende umgesetzt wird. Die Bundesregierung, die Länder, aber auch die EU stolpern mehr in die Zukunft, als dass sie konsequent und innovativ voranschreiten. Ein Musterbeispiel ist der Neubau von Windkraftanlagen, dies gilt zumindest für einige Bundesländer – wie Baden-Württemberg. Da drehen sich die Rotoren nicht im Takt, denn Genehmigungen und Zubau kommen kaum voran. Nun gut, müssen wir eben selbst was tun: eine PV-Anlage mit einem Stromspeicher muss her. Zu unserer Verwunderung hat ein internationales Team flugs die Module montiert, denn ein Koch aus Litauen und ein High-School-Lehrer aus Togo haben angepackt. Dann noch zügig einen Senec-Speicher in den Keller, wobei Kollegen aus dem Iran und Georgien hilfreich waren. Damit wird auch klar, dass wir ohne die heiß diskutierte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt nicht einmal PV-Anlagen installieren können. Selbst der benötigte neue Stromzähler wurde von Netze BW, einem Zweig des drittgrößten deutschen Energieerzeugers, der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, zügig in Auftrag gegeben. Doch nun machte sich Ernüchterung breit. Am zweiten Tag des offiziellen Betriebs unserer Anlage reduzierte Senec – eine in Leipzig ansässige Tochter der EnBW – die Leistung des Speichers auf 70 %, am vierten Tag wurde der Speicher gänzlich entleert und eine im Internet abrufbare Information betonte, man könne aus Kulanzgründen mit 7,50 Euro pro Woche rechnen, da der Speicher nicht einsetzbar sei. Jetzt soll es 25 Euro geben, aber mal ganz ehrlich: So haben wir uns die Energiewende wahrlich nicht vorgestellt! Wir wollten einen Stromspeicher und keine ‚milden Gaben!‘

Screenshot 'Standby-Modus'.
Kaum im Haus – schon aus: Das war das Schicksal eines Senec-Speichers in unserem Keller. Aus der Ferne ausgeschaltet, da andernorts ein ähnlicher Speicher Feuer fing. Wir waren davon ausgegangen, dass die Speicher inzwischen technisch so weiter entwickelt wurden, dass keine Gefahr mehr droht. Liegt es an den eigentlichen Speichermodulen oder am Leistungsmanagement? Für Kunden ist es höchst unbefriedigend, wenn ein       10 000 Euro-teures Gerät am zweiten offiziellen Einsatztag in der Leistung reduziert wird und danach die Zwangsentleerung des Speichers erfolgt. (Bild: Screenshot, Ulsamer)

Senec-Speicher: Kaum im Haus – schon aus

Der neue Hausbewohner, unser Senec-Speicher, streikte zwar nicht wie Ver.di für mehr Geld, doch Leistung erbrachte er auch nicht. Hat sich da ein Energieunternehmen übernommen? Stellen Installateure einen Speicher in den Keller, der nicht einwandfrei funktioniert? Bereits bei der Montage wollte ein Einschub mit 2,5 kW-Stunden nicht so richtig und wurde nach einigen Tagen ausgetauscht, aber gar keine Leistung, das ist schon starker Tobak, wo immerhin 10 kW versprochen wurden. Nicht nur die Technik scheint zweifelhaft, sondern auch die Wortwahl. Was hat es denn mit „Kulanz“ und einem „freiwilligen Angebot“ zu tun, wenn für ein rd. 10 000 Euro teures Gerät pro Woche einige Euro gutgeschrieben werden sollen? Man stelle sich vor, der Vorstandsvorsitzende des Energieunternehmens EnBW, Andreas Schell, bekäme einen neuen Dienstwagen – egal mit Verbrenner, Hybrid oder batterieelektrisch betrieben – und am ersten Tag nach der Zulassung – sprich Einbau des neuen Zählers – wird die Leistung des Fahrzeugs auf 70 % reduziert, am vierten Tag ist die Leistung Null. Und dies wäre kein zufälliges Montagsauto, sondern die Leistungsminderung erfolgt von Seiten des Unternehmens, um Schlimmeres – nämlich einen Brand – zu verhindern! PV-Magazine berichtete:  „Es ist fast genau ein Jahr her: Nach drei Verpuffungen und Bränden versetzte Senec fast alle seine verbauten Heimspeicher in Stand-by. In den Folgemonaten entwickelte es die Software ‚Smart Guard‘ mit den Experten von Accure und implementierte sie bei mehr als 135.000 Kunden, um solche Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden.“ Doch nun brannte wieder ein Senec-Speicher trotz der neuen Software in Burladingen auf der Schwäbischen Alb. Zurück zu unserem Beispiel: Was würde der Fahrzeugnutzer wohl sagen, wenn ihm ganz „kulant“ einige Euro zum Ausgleich für die nicht erbrachte Leistung angeboten würden? Ein Auto ist zum Fahren da, und: Ein Stromspeicher zum Speichern, wie es der Name sagt. Ich frage mich auch, ob sich ein wirtschaftlich interessantes und nachhaltiges Geschäftsfeld für die EnBW entwickelt, wenn ständig beim bereits verkauften Produkt nachgebessert werden muss.

Zwei Personen bei der Montage von Solarmodulen auf einem Gebäude.
Wie wenig fruchtbar Diskussionen über die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt sind, das erlebten wir bei der Montage unserer PV-Module und des Stromspeichers. Mitarbeiter aus verschiedensten Ländern legten Hand an – wie ich dies bereits aus der Automobilindustrie kannte. Ohne langjährige Zuwanderung in den Arbeitsmarkt würden schon heute Fabriken stillstehen. (Bild: Ulsamer)

Neue Techniken machen immer wieder Probleme, das ist keine Frage. Doch darf man einem Kunden einen Speicher ins Haus stellen, der wohl technisch nicht ausgereift ist? Schon 2022 brannten mehrere Senec-Speicher ab, und wer möchte schon für die Energiewende sein Häuschen opfern? Ist ein Verkauf solcher Geräte nicht sittenwidrig? Ganz gönnerhaft wird von Senec mitgeteilt, man könne den Sonnenstrom vom Dach auch weiterhin direkt nutzen oder ins Netz einspeisen. Ist das nicht fabelhaft? Zumindest für den Energieversorger: Acht Cent bekommt man fürs Einspeisen und rd. 40 Cent bezahlt der Kunde für den bezogenen Strom pro kW-Stunde und „freiwilliges Kulanzangebot“ ist in diesem Fall ein schräges Wort, es ist im Grunde eine Unverschämtheit, denn wir haben als Kunden unsere Rechnung bezahlt und bekamen ein nicht wirklich funktionsfähiges Gerät. Bedenklich ist es auch, dass wir hier nicht einem Zockerverein aufgesessen sind, sondern einem Tochterunternehmen der EnBW, die sich mehrheitlich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und des Zweckverbands Oberschwäbischer Elektrizitätswerke befindet. So wird das nichts mit der Hinwendung zur regenerativen Energieerzeugung auf dem eigenen Dach und der Speicherung des Stroms zur Entlastung der schwächelnden Netze!

Screenshot mit dem Text 'Vorübergehende Einschränkung im Betrieb.
Leistungsreduzierung aus Sicherheitsgründen, das ist besser als ein abgebranntes Haus, doch als Senec-Kunde hätten wir ein ausgereiftes Produkt erwartet. (Bild: Screenshot, Ulsamer)

Innovationskraft ist gefragt

Vielleicht sollte Robert Habeck, der Kinderbuchautor, der jetzt den Wirtschafts- und Klimaminister im Bund gibt, nicht das abrupte Ende neuer Gas- und Ölheizungen ab 2024 propagieren, sondern mal in unserem Land dafür Sorge tragen, dass die Bürgerinnen und Bürger ein entsprechendes Angebot an verlässlicher Technik für die Energiewende vorfinden. Mehr Verlässlichkeit wäre nicht nur bei den beteiligten Unternehmen, sondern auch in der Politik angebracht. Die Speicherprobleme im Haus sind die Batteriedramen im E-Auto! Ganz nebenbei: Die Module für unsere PV-Anlage wurden vom deutschen Unternehmen Bauer entwickelt, die Produktion dagegen findet in Taiwan statt, der Wechselrichter der israelischen Firma ‚SolarEdge‘ kommt aus der Volksrepublik China. Was im Detail im Senec-Speicher steckt, weiß ich nicht, doch vermutlich kommt von den Komponenten wenig aus deutscher Fertigung. Leider ist das so in Deutschland und der EU: Viel heiße Luft, die zentralen Bauteile allerdings stammen nicht nur im Photovoltaikbereich aus Asien. Da lassen sich Parallelen ziehen zum ganzen Brimborium, das die EU gerne bei der Digitalisierung und dem Datenschutz veranstaltet: Die Software kommt von Microsoft aus den USA, die Dienstleister für soziale Medien wie Facebook, Twitter, Instagram oder YouTube ebenfalls, oder wie bei TikTok aus China, doch die EU hat dafür gesorgt, dass wir bei jeder Internet-Seite bestätigen dürfen, ob wir mit den ‚Cookies‘ einverstanden sind. Fällt eigentlich niemandem in Brüssel oder Berlin auf, wie lächerlich das ist? ‚Cookies‘ sind wie Süßkram für quengelnde Kinder an der Ladenkasse, eine echte Entscheidungsmöglichkeit wäre mir lieber.

Hohe Strommasten aus Metall mit Überlandleitungen. Darunter einige Bäume.
Die von Bundesregierung und EU-Kommission geforderte Elektrifizierung aller Lebensbereiche, sei es Heizen, Mobilität oder industrielle Produktion, erfordert gewaltige Strommengen. Es fehlt nicht nur am notwendigen Ausbau der regenerativen Energiegewinnung, sondern auch an der Ertüchtigung der Stromnetze. Wenn alle ihren Strombedarf decken, dann droht gerade ohne die notwendigen großen und kleinen Speicher der Blackout. (Bild: Ulsamer)

PV-Module, Lithium-Ionen-Batterien oder Wasserstofftechnologie, so richtig gut ist es um den Industriestandort bei diesen Themen nicht bestellt. Und in der Anfangsphase der Coronapandemie konnten nicht einmal ausreichend Schutzmasken in unserem Land hergestellt werden. Medikamentenengpässe gehören zum deutschen Alltag, weil die Produktion nach Asien verlagert wurde. Deutschland und Europa fallen immer weiter zurück, dies merken manche Zeitgenossen nur noch nicht so richtig, da wir alle von den Technologien unserer Vorfahren leben. Ja, wie dieses Beispiel zeigt, wird aus einem unwilligen Senec-Speicher im Keller eine industriepolitische Frage höchsten Ranges. Tatsächlich hoffen wir, dass die Senec-Banane beim Kunden, sprich in unserem Keller reift, doch so richtig überzeugend ist dieser Start nicht. Dabei hatten wir einer unserer Töchter und unseren Nachbarn von unserer PV-Anlage berichtet, die nun aufs gleiche Pferd setzen – hoffentlich nicht zu Unrecht. Was ist nur aus der Innovationskraft eines Carl Benz, Gottlieb Daimlers, Robert Boschs oder Werner von Siemens geworden? Politik und Bürokratie setzen auf Gängelei statt Zukunftsorientierung und Technologieoffenheit. Und so manches Unternehmen scheint sich besser mit Kohle und Gas als mit der Speicherung von Strom auszukennen. Heinrich Heine kann mir hoffentlich verzeihen, wenn ich mir einen Absatz aus seinen ‚Nachtgedanken‘ entlehne: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht, / Ich kann nicht mehr die Augen schließen, / Und meine heißen Tränen fließen.“

 

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Ein grau-weißes Gerät mit Lüftungsöffnungen steht in einem Keller. Größe eines Kühlschranks.Ganz neu ist die Abschaltung von Senec-Speichern nicht, denn dies durften viele Kunden bereits im Jahr 2022 erleben, nachdem es zu Bränden gekommen war. Nachdem ich mein Berufsleben in technikaffinen Unternehmen zugebracht habe, dachte ich, wir könnten es jetzt wagen, denn Anfangsfehler bei Energiespeichern seien sicherlich behoben worden. War das ein Irrtum? Nachdenklich stimmt mich Johann Wolfgang von Goethe, der im ‚Faust‘ schreibt:  Da steh’ ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor! / Heiße Magister, heiße Doktor gar, / Und ziehe schon an die zehen Jahr’ / Herauf, herab und quer und krumm/ Meine Schüler an der Nase herum –/ Und sehe, daß wir nichts wissen können! (Bild: Ulsamer)

 

 

Eine Antwort auf „Die Senec-Banane reift beim Kunden – hoffentlich“

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Ulsamer,
    zunächst hoffe ich, dass Ihr Beitrag zur Energiewende alsbald wie geplant erfolgen kann und der Speicher ordnungsgemäß funktionieren wird. Wahrscheinlich ist es gar nicht so selten, dass die Kunden zur Abkürzung der Entwicklung, selbstverständlich ohne gefragt zu werden, für die Erprobung zuständig gemacht werden.
    Mit dem “Kulanzangebot”, das Sie erhalten haben, werden die Begriffe heftig durcheinander gewirbelt. Kulanz bedeutet Freiwilligkeit. Diese kann einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch nicht verdrängen. In diesem Zusammenhang fällt mir mein Ausbilder beim Landgericht Rottweil ein, der mich vor ca. 45 Jahren darauf hingewiesen hat – ” wer ungenau spricht, denkt ungenau”. Ihr Anbieter handelt jedoch nicht fahrlässig sondern vorsätzlich. Ob die Komponenten besser funktionieren würden, wenn sie in Europa entwickelt und hergestellt würden, bezweifle ich. Trotzdem zeigt auch ihr Beispiel, dass es dringend notwendig ist, sich von der Abhängigkeit zu lösen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerhard Walter

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