Coronavirus 1: Globalisierung der Seuchen

Und die Seuchenabwehr fährt mit der Pferdekutsche

Als das Coronavirus – Covid-19 – begann, durch die Welt zu jetten, hatte ich bei so mancher Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch den Eindruck, da komme eine Art schlimmer Schnupfen auf uns zu. Und als British Airways die Flüge nach China bereits eingestellt hatte, flog die Lufthansa munter weiter. Als am norwegischen Holmenkollen Skisprungveranstaltungen ohne Zuschauer stattfanden, drängelten sich die Fußballbegeisterten noch in die deutschen Stadien. Als Bürger in Apotheken und Drogeriemärkte stürmten, um sich mit Desinfektionsmitteln einzudecken, wurden diese knapp und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erlaubte den Apothekern, solche Mischungen wieder selbst herzustellen. So stelle ich mir eine gute Vorbereitung auf Pandemien eigentlich nicht vor. Dabei hatte doch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe dazu aufgerufen, sich zuhause Vorräte anzulegen, die einem Haushalt 14 Tage das Überleben sichern würden. Geradezu skurril ist es, wenn nicht nur Atemmasken – die aus China kommen -, sondern sogar Toilettenpapier knapp wurde. Mein Zutrauen in die Bundesregierung und die nachgeordneten Ämter wurde durch das bisherige Verhalten angesichts eines bedrohlichen Virus nicht gestärkt. Auch die chaotische Verteilung der Eingriffsmöglichkeiten auf Bund, Länder, Landkreise und Kommunen trägt nicht zu einer koordinierten Vorgehensweise bei.

Jens Spahn beim Händewaschen mit Kindern.
Jens Spahn ist uns deutlich voraus, zumindest beim Händewaschen, das er uns (zurecht) ans Herz legt. Denn der Bundesgesundheitsminister hat im Jahr 2019 schon mal fleißig geübt. Brauchen wir eigentlich für solche Ratschläge einen Bundesgesundheitsminister namens Jens Spahn? Auf solche Ideen komme ich eigentlich selbst, und auch das Händewaschen war mir schon geläufig, ehe es Spahn zur Chefsache machte. Ich hätte von der Bundesregierung ein klares und sachorientiertes Konzept gegen jegliche Pandemie erwartet, aber Fehlanzeige. Wenn nach wenigen Tagen in Arztpraxen und Krankenhäusern Mundschutz und Desinfektionsmittel knapp werden, dann ist dies keine Folge von Hamsterkäufen, sondern von Fehlplanungen in der Gesundheitspolitik: Wie konnte man eine einseitige Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten beim Mundschutz nicht frühzeitig erkennen und abstellen? (Bild: Screenshot, Facebook, 7.3.20)

Besser mal keine Fledermäuse verspeisen!

Epidemien haben die Menschen immer wieder heimgesucht, und oft waren die betroffenen Regionen – bei Pest und Cholera – weit schlechter medizinisch vorbereitet als heute. Aber es zeigt sich nicht nur beim Coronavirus, dass er sich in einer globalisierten Welt blitzschnell ausbreiten kann. Ein oder zwei Erkrankte pro Flugzeug und schon macht sich das Virus in der halben Welt breit. Haben wir eigentlich aus Sars nichts gelernt, das 2002/03 ebenfalls aus China kommend über 770 Menschenleben kostete? Covid-19 hat bereits in der ‚Anlaufphase‘ deutlich mehr Tote gefordert, und es ist nicht abzusehen, ob sich dieses Virus überhaupt noch eindämmen lässt.

Die chinesische Regierung versucht, dem Coronavirus mit drakonischen Mitteln Herr zu werden, nachdem die ersten Hinweise durch Li Wenliang nicht aufgegriffen wurden. Der Augenarzt aus Wuhan bekam stattdessen eine Verwarnung durch die Polizei und bezahlte seinen Kontakt mit Erkrankten mit dem Leben. Reichlich spät schlossen die chinesischen Behörden die Wildtiermärkte, da – wie bei Sars – auch bei Covid-19 der Verdacht besteht, die ursprüngliche Quelle könnten Wildtiere, z. B. Fledermäuse sein. Es mag angesichts der bedrohlichen Situation etwas flapsig klingen, aber vielleicht sollten manche Chinesen damit aufhören, alles zu essen, was fliegt, krabbelt oder bellt. Auch bei Ebola gerieten Fledermäuse oder Flughunde in Verdacht, die Wirte des Virus zu sein, der in Afrika mehrfach zu Epidemien führte.

Feuerwehrfahrzeug mit ausgefahrener Drehleiter an einem mehrstöckigen Gebäude. Ein Feuerwehrmann ist am Dach zu erkennen.
Feuerwehrleute üben vor dem Brand, damit sie bestens gerüstet sind. Bei der Gesundheitspolitik scheint dies nicht der Fall zu sein. „Ja, wir haben Pläne, vor allem auch die Länder haben Pläne, die Krankenhäuser haben Pandemie-Pläne, also es ist alles mal aufgeschrieben worden, was wir in einer solchen Lage machen, und mein Eindruck ist, dass es sehr unterschiedlich tatsächlich geübt wird praktisch, bis eben auch hin zu den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen”, so Jens Spahn im Deutschlandfunk. Pläne sind schön und gut, aber wer nicht rechtzeitig übt, der ist im Fall einer Pandemie überfordert. (Bild: Ulsamer)

Schneller Löschangriff gescheitert

Bundesgesundheitsminister Spahn ist nach Umfragen in der Wertschätzung der Bundesbürger gestiegen seitdem das Coronavirus grassiert. Für mich ist dies unverständlich, denn seine ersten Aussagen im Januar klangen eher nach Entwarnung: „Es war zu erwarten, dass das Virus auch Deutschland erreicht. Der Fall aus Bayern zeigt aber, dass wir gut darauf vorbereitet sind. Die Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung aus China bleibt nach Einschätzung des RKI weiterhin gering.“ Ob sich hier das Robert-Koch-Institut oder der Minister verschätzt haben, das kann ich nicht beurteilen, allerdings tönt es bereits im März aus Ministermund ganz anders: „Wir müssen all unsere Kraft hauptsächlich darauf verwenden, die Ausbreitung des Virus in Deutschland zu verlangsamen. Nur so können unser Gesundheitssystem und die Forschung gut damit umgehen.“ Wenn ich dies lese, dann klingt es wie bei einem ‚Heerführer‘, der weiß, dass er den Feind nicht aufhalten kann, doch er versucht es mit Verzögerungstaktik – einem Stellungskrieg. Und genau solches Handeln hat in so manchem bösen Konflikt Millionen Menschenleben gekostet. Die zentralen Risikogruppen – über 65-jährige und Personen mit Vorerkrankung – wird diese Aussage nicht sehr erfreuen. Woher angesichts dessen der Beliebtheitszuwachs für Jens Spahn kommt, ist mir ein Rätsel.

Zwei Hände mit Seife über Waschbecken (grüne Farbe).
Händewaschen hat noch nie geschadet, um ansteckende Krankheiten einzudämmen. Aber mal ganz ehrlich: brauchen wir für solche Ratschläge einen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn? Vorbeugenden Schutz des Staates gegen Pandemien habe ich mir anders vorgestellt. (Bild: Ulsamer)

Generell habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass Deutschland wirklich auf eine solche Pandemie gut vorbereitet wäre. Und dabei kommt es doch beispielsweise bei Bränden auf den schnellen und sachgerechten ersten Löschangriff an. Dasselbe gilt bei Katastropheneinsätzen: sehr frühzeitiges Eingreifen kann oftmals eine großflächige Ausbreitung verhindern. Vielleicht hat mancher Politiker gezögert, die gefährlichen Dimensionen offen anzusprechen, dies erinnert mich an die 1970er Jahre, als ich beim Technischen Hilfswerk (THW) manchmal erleben musste, dass sich Landräte schwer damit taten, den Katastrophenfall zu erklären und sich lieber durchwurstelten. Geholfen hat das noch nie. Aber auch bei anderen Seuchen erlebe ich, dass die zuständigen Politiker gerne die wahren Probleme mit einem freundlichen Lächeln übertünchen wollen. Die afrikanische Schweinepest steht aus Polen kommend gewissermaßen vor der Haustüre der deutschen Schweinezüchter. Die Dänen haben flugs ihr Land mit einem Zaun abgegrenzt, um sich so gegen eine Übertragung der Schweinepest – durch Wildschweine, die aus Deutschland zuwandern – abzusichern. Damit ist das Problem allerdings nur zum Teil gelöst, denn ein unachtsam weggeworfenes Brot mit infizierter Wurst an einem Rastplatz kann schnell zur wirklichen Bedrohung werden, wenn es Wildschweine auffressen. Die einen fordern dann den Totalabschuss von Wildschweinen, der sicherlich nicht gerechtfertigt wäre, die anderen nehmen politisch Deckung, denn offene Grenzen in der EU und ein intensiver Warenverkehr bringen auch Herausforderungen mit sich, die sich nur gesamteuropäisch lösen lassen – aber nicht wirklich in Angriff genommen werden.

Mitarbeiter in einer Caritas-werkstatt stellen OP-Masken (Mundschutz) her.
Ein eklatanter Engpass bei Mundschutz oder OP-Masken kann doch nur auftreten, wenn sich vorher in der Gesundheitspolitik niemand Gedanken gemacht hat, woher diese Utensilien eigentlich kommen und ob sie bei einer Pandemie von dort problemlos bezogen werden können. Ich hoffe sehr, dass z.B. in dieser Caritas-Werkstatt auch später noch solche Masken hergestellt werden können und nicht wieder die Billig-Hersteller aus China zum Zug kommen. Globalisierung ist unvermeidbar, aber sie muss auch ihre Grenzen haben. (Bild: Screenshot, Facebook, 6.3.20)

Wenn Mundschutz knapp wird

Mit der Vorbereitung auf mögliche Epidemien kann es in Deutschland nicht weit her sein, wenn nach ersten Hamsterkäufen bereits nicht nur manche Regale mit Toilettenpapier leer sind, sondern auch Mundschutz und Desinfektionsmittel zur Rarität werden. Nun bin ich weder Arzt noch Virologe und kann die Bedeutung solcher Artikel schwer einschätzen. Aber mal ganz ehrlich: Wenn eine Pandemie jeden Abend die Nachrichten beherrscht, dann klingt es schon etwas albern, wenn gebetsmühlenartig auf die Bedeutung des Händewaschens hingewiesen wird. Selbstredend ist das richtige Waschen der Hände immer wichtig, mit und ohne Coronavirus, doch eine Bevorratung mit Mundschutz oder Desinfektionsmitteln hätte ich schon erwartet, die auch Nachfrageimpulse auffangen kann. Nur gut, dass zumindest das Toilettenpapier wieder ins Regal gefunden hat! Zu einer konsequenten Vorbereitung auf Seuchen aller Art gehört für mich auf jeden Fall, dass Produktionskapazitäten im eigenen Land oder zumindest in der EU in ausreichendem Maße vorhanden sind. Doch was stellt sich heraus? Mundschutz & Co. kommen aus China, und dort werden diese Erzeugnisse selbst benötigt bzw. die entsprechenden Fabriken sind unter den gegebenen Umständen nicht arbeitsfähig.

Bei Desinfektionsmitteln hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin einen Weg geöffnet: Apotheker dürfen jetzt wieder selbst Desinfektionsmittel mischen. Dies ist sicherlich besser, als wenn sich Heimwerker als Laboranten betätigen, aber irgendwie ist es auch ein Armutszeugnis für unser Land. Zumindest bei Aldi wurden nach Tagen dann wieder drei Desinfektionserzeugnisse pro Käufer angeboten. Ja, zum Donnerwetter, wo leben wir denn? In einer Bananenrepublik! Die Brücken bröseln, das Schienennetz ist unterfinanziert, immer mehr Bürger stehen in Tafelläden an, Mundschutz und Desinfektionsmittel werden knapp! Was haben denn die Bundesregierungen unter Angela Merkel in den letzten 14 Jahren eigentlich getan? Und die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes erscheinen unzureichend, wenn der Bundesgesundheitsminister nur anregen kann, Großveranstaltungen abzusagen.

Links Christine Lagarde im dunklen Oberteil mit weißen Haaren, rechts Mario Draghi im dunklen Anzug mit rot-gemusterter Krawatte. Sie halten gemeinsam eine goldene Glocke.
Zinsräuber unter sich: Mario Draghi reicht symbolisch bei der Amtsübergabe eine Glocke an Christine Lagarde weiter. Ich habe allerdings den Eindruck, dass Draghi als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) den Schlag der Glocke nie gehört hat, die eine Neuausrichtung der EZB-Politik einforderte! Nullzinspolitik und Billionen-Geldschwemme zog er auch in den guten Jahren durch, und nun steht die EZB ohne Spielräume bei der Coronavirus-Krise da. Die US-Notenbank hat sich in guten Tagen wieder Zinsspielräume verschafft, die sie jetzt nutzen kann, um wirtschaftlichen Verwerfungen gegenzusteuern. (Bild: Screenshot, Instagram, europeancentralbank, 31.10.19)

Die EZB hat ihr Pulver verschossen

Die Börsenkurse gehen in den Keller, und die Europäische Zentralbank (EZB) hat unter Mario Draghi ihr Pulver verschossen. Sie kann unter seiner Nachfolgerin, Christine Lagarde, nur noch schneller das Billionen-Euro-Kredit-Karussell drehen und die Negativzinsen weiter ins Rote treiben! Ganz anders die US-Notenbank, die sich nach der Finanzkrise neue Spielräume schuf und jetzt problemlos die Zinsen zur Belebung der Wirtschaft wieder senken kann. Aber für seine miserable Leistung wurde Ex-EZB-Präsident Draghi von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch noch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Für welche Verdienste denn? Die gleiche Frage stelle ich mir bei so einigen deutschen Bundespolitikern. Leistung? Auf die Schräglage bei der Zinspolitik habe nicht nur ich wiederholt in meinem blog hingewiesen, doch was ist passiert? Nichts!

Die Bundesregierung hat es zugelassen, dass zentrale Finanzinstrumente im Euroraum nicht mehr funktionieren und die Altersarmut steigt. Ganz zynisch könnte man schreiben, dass durch das Coronavirus gerade die Älteren dahingerafft werden, und dies erleichtert die Rentenlast. Aber so böse sollte man noch nicht einmal denken! Oder doch? Zumindest die CDU muss alles tun, dass es auch den Rentnern gut geht: „Wir haben derzeit die Mehrheit bei den über Sechzigjährigen“, so Norbert Röttgen in einem ‚Zeit‘-Interview, und er fuhr fort: „Sonst nirgendwo.“

Jens Spahn fordert zur Absage von Großveranstaltungen auf.
In anderen europäischen Staaten wurden Großveranstaltungen zur Eindämmung des Coronavirus zügig verboten, doch in Deutschland kann Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nur appellieren. Und auch die Länder bzw. die zuständigen kommunalen oder regionalen Entscheidungsträger kamen nur schwer in die Gänge. Es ist schon skurril, dass man die Datenschutz-Grundverordnung der EU klein-klein in Deutschland umsetzt, aber für eine Pandemie keine sachgerechten gesetzlichen Grundlagen hat. So mancher Politiker hat die Bedeutung einzelner Problemfelder längst aus den Augen verloren. (Bild: Screenshot, Facebook, 8.3.20)

Zauderer am Werk

In Deutschland zögert die Bundesregierung bei einschneidenden Maßnahmen, um den Virus einzudämmen. Es gibt laue Bekundungen von Jens Spahn, man solle doch Veranstaltungen mit mehr als 1 000 Teilnehmern absagen. Und was passiert bei 998 in einem Festzelt? Ich kann keine klare Strategie entdecken! In der Schweiz, Frankreich oder Italien werden Großveranstaltungen per Dekret verboten, und in unserem Land fehlt mal wieder die gesetzliche Grundlage für konsequentes Handeln. Hätte man hier nicht vorbeugend entsprechende Gesetze verabschieden oder Verordnungen erlassen müssen? Ich denke schon! Bei einer Veranstaltung mit 1 000 oder      50 000 Personen trifft der einzelne Teilnehmer direkt doch immer nahezu auf die gleiche Zahl an Kontaktpersonen, daher halte ich eine solche gegriffene Höchstzahl für willkürlich und absolut sinnlos!

Leeres Regal im Supermarkt.
Manche Politiker werde ich nie verstehen: Zuerst zum Anlegen von Vorräten aufrufen und sich dann empören, dass die Bürger genau dies tun. Hamsterer sind unterwegs!(Bild: Screenshot, Facebook, 5.3.20)

Da versammelten sich zehntausende von Fußballfans in deutschen Stadien, aber in Frankreich wurde bereits ohne Zuschauer gespielt. Minister Spahn rät, man solle doch statt des ÖPNV auf dem Weg zur Arbeit das Fahrrad benutzen: er hat gut reden, denn er wird im Dienstwagen chauffiert. Und brauche ich wirklich einen Gesundheitsminister Spahn, um zu wissen, dass ich meine Hände intensiv waschen soll? Das tue ich – wie mit Sicherheit andere auch – ohnehin, und ganz besonders nach Fahrten in den so oft gepriesenen Bussen und Bahnen. Die härteren Maßnahmen werden auch in deutschen Landen kommen, aber immer dann, wenn es dafür eigentlich schon zu spät ist. Doch nur schnelles, sachgerechtes und konsequentes Handeln hilft bei der Eindämmung von Pandemien – und nicht nur dort! Sollten zehntausende von Bürgern mit Lungenentzündung und weiteren Symptomen in unseren Krankenhäusern landen, dann ist es zu spät.

Ein Hanster bildich dargestellt und der Hinweis zu einem Wettbewerb: Gesucht werden Kochvorschläge, wenn Strom und Gas ausfallen.
Ein leckeres Essen zuzubereiten, wenn mal längere Zeit Strom und Gas ausfallen, das hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zum Wettbewerbsthema gemacht. ‚Schöne‘ Kochrezepte für karge Tage werden gesucht und sollen dann uns Bürgern als Kochbuch zur Verfügung gestellt werden. Für die Vorbereitung auf Katastrophen ist das kein Fehler, aber in Corona-Zeiten weckt dies bei so manchem Bürger eher den Argwohn, man müsste mit dem Schlimmsten rechnen. Und ist es dann ein Wunder, wenn Hamsterkäufer die Regale leerräumen? (Bild: Screenshot, bbk.bund.de, 9.3.20)

Zu lange gepennt?

„Frage, wie oft üben wir eigentlich das, was in den Pandemieplänen steht, das ist was, was ich im Moment noch mal sehr stark spüre. Ja, wir haben Pläne, vor allem auch die Länder haben Pläne, die Krankenhäuser haben Pandemie-Pläne, also es ist alles mal aufgeschrieben worden, was wir in einer solchen Lage machen, und mein Eindruck ist, dass es sehr unterschiedlich tatsächlich geübt wird praktisch, bis eben auch hin zu den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen“, so Jens Spahn im Deutschlandfunk. Sollen solche Sätze die Bevölkerung beruhigen? Wenn ja, dann wirkt es bei mir nicht! Genau diese Fragen hätten in den letzten Jahren – nach Sars oder der Vogelgrippe – beantwortet werden können. Wer bei der Feuerwehr erst mit dem Üben anfangen würde, wenn es brennt, der wäre wohl eine Fehlbesetzung! Die Bundesregierung hätte in den vergangenen Jahren mehr Gehirnschmalz in die Vorbereitung auf Pandemien stecken sollen, dafür hätte sie gerne auf die Kassenbonpflicht für jedes Brötchen verzichten dürfen. Aber die Prioritätensetzung bei dieser Bundesregierung – und nicht nur dort – ist mir ohnehin ein Rätsel!

Menschenleben sind in Gefahr, die Wirtschaft lahmt, der internationale Handel geht in die Knie, Versorgungslücken tun sich auf, der Tourismus bricht ein und wir bekommen nur halbgare Verlautbarungen zu hören. Hat die Bundesregierung da zu lange gepennt? Auf Krisen muss man vorbereitet sein, indem man auch das eigentlich Undenkbare bedenkt und in Worst-Case-Szenarien einbezieht. Ich habe allerdings den Eindruck, dass es daran gefehlt hat. Sonst hätte doch bemerkt werden müssen, dass wir in eine ungute Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten bei Mundschutz und verschiedenen Medikamenten geraten sind. Der gesetzliche Rahmen zur Eindämmung von Epidemien ist ungenügend. Meine Kritik trifft ebenso auf manche Nachbarstaaten zu, die bereits vom Coronavirus überrollt werden – wie Italien – und Rentnerbrigaden aus früheren Ärzten und Krankenpflegern reaktivieren müssen. In Irland liegen jeden Monat 10 000 Patienten in den überlasteten Krankenhäusern statt im Bett auf einem Schragen – und dies ganz ohne das Coronavirus. So hat mir auch ein Mitarbeiter in einem Geschäft für Farmbedarf geraten, dass wir uns schleunigst wieder nach Deutschland begeben sollten, denn da sei das Gesundheitswesen noch nicht ganz so schlecht.

Internet-Seite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit der Aufforderung, zuhause Vorräte für zwei Wochen anzulegen.
Die ‚Aktion Eichhörnchen‘ kenne ich aus meiner Kindheit, und generell spricht nichts gegen eine Bevorratung von Wasser und Nahrungsmitteln für zwei Wochen in jedem Haushalt, wenn dies das Einkommen zulässt. Es ist allerdings geradezu aberwitzig, dass sich das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für die Vorratshaltung einsetzt, die Bundesregierung aber völlig überrascht ist, wenn sich die Bürger angesichts der Covid-19-Pandemie dann brav in Bewegung setzen und Hamsterkäufe tätigen. (Bild: Screenshot, bbk.bund.de, 9.3.20)

Aktion Eichhörnchen 4.0 genügt nicht

Da mag der fürsorgliche Ire recht haben, aber ist es nicht traurig, in welch unzureichender Weise wir Europäer auf eine Pandemie vorbereitet sind? Ich halte es für blamabel, welches Stückwerk die Bundesregierung in Sachen Coronavirus abliefert, und wenn wir nicht einmal medizinisches Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern ausreichend mit Desinfektionsmitteln und Mundschutz versorgen können, dann macht auch eine neue ‚Aktion Eichhörnchen‘ wenig Sinn, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe angeregt hat. Überraschend ist es allemal, wenn die Bundesbehörden dazu raten, sich mit dem Notwendigsten für zwei Wochen einzudecken, und die Bundesregierung dann von Hamsterkäufen überrascht wird. Zu diesem Szenario passt dann auch der vom gleichen Bundesamt ausgeschriebene Wettbewerb, bei dem Kochrezepte für Gerichte eingereicht werden können, die unseren Magen füllen, wenn Strom und Gas ausfallen!

Bräunliches Eichhörnchen hält eine Walnuss in den kleinen Pfoten.
Wer sich einen Vorrat für Katastrophen, Pandemien und andere Unwägbarkeiten anlegt, der handelt wie das Eichhörnchen – und ist vielleicht auf der sicheren Seite. (Bild: Ulsamer)

Die ‚Aktion Eichhörnchen‘ aus den frühen 1960er Jahren war durchaus sinnvoll, und in unseren Tagen ist eine angemessene Bevorratung gleichfalls wichtig, aber ich würde mir ein Gesamtkonzept von dieser Bundesregierung wünschen und keine unkoordinierten Einzelvorhaben! Wir sind nach allem Anschein auf die Pandemie mit dem Coronavirus genau so schlecht vorbereitet wie auf den Zerfall unserer Infrastruktur.

So kann es nicht weitergehen, wenn Deutschland den Weg in die Zukunft meistern soll. Die Globalisierung der Seuchen lässt sich nicht verhindern, doch wenn die Viren im Jet um den Globus düsen, dann darf der Seuchenschutz nicht mit der Pferdekutsche unterwegs sein. Und die Kleinstaaterei beim Reagieren auf Covis-19 ist nicht zielführend. Wir brauchen ein gut koordiniertes Vorgehen in allen Bundesländern und die gleichen Maßstäbe in ganz Deutschland!

6 Antworten auf „Coronavirus 1: Globalisierung der Seuchen“

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