‚Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert‘

Die politischen Angriffe auf das Bargeld nehmen zu

Sprichwörter verdeutlichen auch die Einstellung, die Menschen zu bestimmten Gegenständen oder kulturellen Entwicklungen haben. Ein Musterbeispiel ist der Satz ‚Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert‘. Diese Aussage passt auch auf unsere heutigen Zahlungsmittel Cent und EURO. Aber in der Politik nimmt die Zahl derer zu, die meinen, man könne gut auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen verzichten. Jüngst setzte sich Oliver Krischer, der Fraktionsvize von Bündnis90/ Die Grünen im Deutschen Bundestag, diesen alten Hut auf. Er verwies auf die hohen Materialkosten und die Energie, die für die Prägung der Münzen aufgebracht werden müsse. Und er betonte gegenüber der Saarbrücker Zeitung: „Die Münzen sind komplett überflüssig und hauptsächlich ein Ärgernis in der Geldbörse.” Nur gut, dass die Grünen jetzt sogar wissen, was mich in meiner Geldbörse ärgert! Wenn Krischer sich zu sehr ärgert, dann soll er die Münzen doch in die Spendenbüchsen werfen, die allenthalben neben Ladenkassen stehen. Gerne darf er auch einige höhere Münzwerte dazulegen. Und dann gibt es noch Ingeborg Gräßle, für die CDU im Europaparlament, die Bargeldzahlungen nur noch bis 5 000 EURO zulassen möchte. Die Angriffe auf das Bargeld nehmen zu, und letztendlich geht es vielen Politikerinnen und Politikern darum, die letzten Freiheiten im Zahlungsverkehr einzuschränken.

Kleine Säulen mit Ein- und Zwei-Cent-Münzen umgeben ein Ein-EURO-Stück.
‚Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert‘. Gilt diese Aussage nicht mehr, nur weil es heute um Cent und EURO geht? Nach meiner Meinung ist es auch weiterhin wichtig, die Sensibilität auch für geringe Beträge zu erhalten. Hier ein EURO mit seinem Äquivalent in 25 Zwei-Cent- und 50 Ein-Cent-Münzen. Manch einer muss mit jedem Cent rechnen, ein grüner Bundestagsabgeordneter wie Oliver Krischner selbstredend nicht. (Bild: Ulsamer)

Kriminelle nicht durch Bargeldgrenze zu stoppen

CDU-Gräßle und Grüne-Krischer verbindet, dass sie unter unseren EU-Nachbarstaaten immer Belege finden, die sie gegen die deutschen Regelungen ins Feld führen können. „5000 Euro sollten mehr als ausreichend sein“, sagte Gräßle, die Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses im Europaparlament, der Stuttgarter Zeitung. Und damit man gar nicht auf die Idee kommt, Kritik üben zu wollen, fuhr sie fort: „Wer glaubt, dass Barzahlen über diese Größenordnung hinaus ein Bürgerrecht sei, arbeitet dem organisierten Verbrechen in die Hände.“ So schnell geht das, und schon ist man ein Krimineller! So sollte eine CDU-Politikerin nicht ‚argumentieren‘. Dies erinnert mich an Cem Özdemir, der von seinen Reiterferien in den Anden in Facebook berichtete und Kritiker ruckzuck in die AfD-Ecke stellte, die nachfragten, wie es denn wohl mit seinem ökologischen Fußabdruck steht. Aber daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, dass zahllose deutsche Abgeordnete – in welchem Gremium auch immer – auf sachliche Kritik gleich mit einem Totschlagargument antworten.

Ich kann mich nicht erinnern, wo ich jemals 5 000 EURO oder mehr in bar auf den Tisch legen musste, doch geht es mir um die grundsätzliche Frage, ob der gesetzestreue Bürger ständig eingeschränkt werden muss, um vorgeblich Kriminelle in die Schranken zu weisen. Geradezu lächerlich klingt es in meinen Ohren, wenn durch eine solche Bargeldgrenze das organisierte Verbrechen daran gehindert werden soll, die Milliardenbeträge aus ihren kriminellen Geschäften in Immobilien oder Firmen zu investieren – und das schmutzige Geld so zu waschen. Da wäre es deutlich einfacher, Immobilienkäufe mit Bargeld zu untersagen, wie dies z.B. Belgien tut. In Italien wurde die Obergrenze für Bargeldtransaktionen auf 1 000, dann wieder auf 3 000 EURO festgelegt. Bis heute habe ich nicht vernommen, dass dies die mafiösen Strukturen in Italien wirklich in die Bredouille gebracht hätte. So gibt es in Rumänien ebenfalls eine Bargeldgrenze, die bei umgerechnet rd. 2 300 EURO liegt, doch auf dem Korruptionsindex von Transparency International liegt Rumänien auf Platz 59. Und wenn EU-Mittel auf dem Weg zum Projekt verschwinden, dann bestimmt nicht mehr im Geldbündel aus der Hosentasche. Deutschland liegt im Übrigen bei Transparency International auf einem unbefriedigenden 12. Platz!

100 EURO-Schein, darauf ein Schlüssel, und der Text: "Obergrenze für Barzahlungen. Gräßle will Bargeld-Obergrenze". Ein Tweet der Stuttgarter Zeitung.
Eine Obergrenze für Bargeld in Höhe von 5 000 EURO fordert die Europa-Abgeordnete der CDU, Ingeborg Gräßle. Sie möchte damit Korruption und organisierter Kriminalität den Hahn zudrehen: Nur komisch, dass es eine solche deutlich niedrigere Obergrenze in Italien und Rumänien usw. gibt. Ich habe allerdings nicht gehört, dass dies die Kriminellen in die Bredouille gebracht hätte. (Bild: Screenshot, Twitter, 4.1.19)

Preissensibilität entsteht im Kleinen

Beim Kleingeld dienen Oliver Krischer auch unsere Nachbarn als Vorbilder, so z.B. Irland und Italien, wo es Rundungsregeln gibt, die den Einsatz von kleinen Cent-Münzen hinfällig machen sollen. Das mag ja sein, doch unsere Erfahrungen aus über 25 Jahren in Irland lassen mich zu dem Schluss kommen: Über all diese Zeit war und ist der Wettbewerb in preissensiblen Bereichen – auch und gerade im Einzelhandel mit Lebensmitteln – weit weniger intensiv als in Deutschland. Rundungsregeln werden nicht zu mehr Wettbewerb führen – eher im Gegenteil. Aber wer heute die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschaffen möchte wie Krischer, der vergreift sich morgen an den Fünf-Cent-Stücken.

Vielleicht klingt es altmodisch, doch dann bin ich es gerne: Ich glaube, dass der Satz „Wer den Pfennig nicht ehrt, der ist des Talers nicht wert“ noch immer seine Bedeutung hat. Preissensibilität ist für mich eine positive Eigenschaft, und diese sollte nicht durch das Wegfallen kleiner Münzen gemindert werden. Dies hat nichts damit zu tun, dass viele unserer Zeitgenossen nur nach dem Billiger-Schild Ausschau halten, denn Qualität hat oftmals ihren Preis. Dies gilt gerade auch für Lebensmittel. Dennoch sollten wir auch die Cent bei Preisauszeichnung und nicht nur die EURO im Blick behalten. Gleiches gilt im Grunde genauso für das Sparen, an das man auch Kinder und Enkelkinder heranführen sollte, doch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) führt das Sparen natürlich ad absurdum. So drehen Politiker nicht nur von unten und oben an der Schraube, die das Bargeld zerquetscht, sondern Mario Draghi treibt vielen mit seiner Nullzinspolitik die Lust an der Altersvorsorge aus. Und irgendwie wird der Wunsch nach Erhalt der Ein- oder Zwei-Cent-Münzen auch zum Kampf mit Windmühlenflügeln, wenn Mario Draghi das 2,5-Billionen-EURO-Rad dreht und weiterhin fleißig Anleihen im EURO-Raum ankauft. Langsam bin ich es leid, dass Politiker von allen Seiten in meinen Geldbeutel greifen.

Verschiedene Münzen groß im Bild, klein ein Foto von Oliver Krischner. Facebook-Post mit dem Text "Die Münzen sind komplett überflüssig und hauptsächlich ein Ärgernis im Geldbeutel". Mit der Unterschrift "Oliver Krischer, stellvertretender Vorsitzender, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen.
Dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen, Oliver Krischer, sind Ein- und Zwei-Cent-Münzen ein Ärgernis im Geldbeutel, und er fordert deren Abschaffung wegen der Material- und Energiekosten. Das sehe ich ganz anders, denn wer die kleinen Beträge nicht schätzt, der verheddert sich auch bei den großen Summen. Vielleicht kann Krischer die Energie gegenrechnen, die grüne Politiker wie Cem Özdemir oder Katharina Schulze bei ihren Urlaubsreisen in die Anden oder nach San Franzisko verbrauchen. Und überzählige Cent-Münzen – gerne auch höhere Münzwerte – in die nächste Sammelbüchse werfen. (Bild: Screenshot, Facebook, 12.1.19)

Auf dem Weg zum gläsernen Menschen

„Die CDU Deutschlands spricht sich dafür aus, dass geschäftliche und private Bezahlvorgänge ohne summenmäßige Begrenzung mit Bargeld möglich sind“, beschloss die CDU auf ihrem letzten Bundesparteitag. Ingeborg Gräßle scheint diese Festlegung allerdings nicht mitzutragen. „Die CDU Deutschlands spricht sich dafür aus, dass die europäische Zentralbank (EZB) die Ausgabe von Banknoten weder einschränkt noch begrenzt und in dem Umfange zur Verfügung hält und stellt, dass die Nachfrage nach Bargeldtransaktionen erfüllt werden kann.“ Die Käufe mit Bargeld gehen im Zuge des Internethandels und der Transaktionen mit Kreditkarten oder anderer Zahlungssysteme – wie Paypal – ohnehin zurück. Daher halte ich politische Eingriffe – von der Streichung von Ein- oder Zweit-Cent-Münzen bis zu weiteren Beschränkungen des Bargeldverkehrs – für abwegig. Wer den gläsernen Menschen verhindern möchte, der muss auch das Bezahlen mit Bargeld weiterhin ermöglichen. Ich warte schon darauf, dass bei der bargeldlosen Bezahlung im Laden gleichzeitig noch Verbote von bei Politikern ungeliebten Erzeugnissen durchgesetzt werden.

Meist sind auch die Persönlichkeiten vergänglicher als das Bargeld, auf das sie bereits einen Abgesang angestimmt hatten. Musterbeispiel ist John Cryan, Chef der Deutschen Bank, der 2016 in Davos beim Weltwirtschaftsforum verkündete: „In zehn Jahren wird Bargeld wahrscheinlich nicht mehr existieren“. Und er fuhr fort: „Es ist einfach schrecklich ineffizient.“ Letzteres mag sein, wenn man an die Herstellungskosten denkt, die bei der Ein-Cent-Münze über deren Wert liegen. Aber beim Geld geht es um mehr als die Herstellungskosten von Zahlungsmitteln und weltweiten Spekulationen, dies hätte Cryan vermutlich nie begriffen und daher setzte ihn die Deutsche Bank 2018 auch vor die Tür!

Fünf-Cent-Münzen angeordnet auf hellem Holz wie eine Blume mit Stil.
Erst kommen die Ein- und Zwei-Cent-Münzen in Misskredit beim grünen Oliver Krischer – und dann folgen bald auch die Fünf-Cent-Münzen? (Bild: Ulsamer)

Hände weg von unserem Geld

Zwar sind wir als Steuer- und Abgabenzahler sowie als Leidtragende der Nullzinspolitik gewohnt, dass uns die Politik fleißig das Geld abnimmt. Doch: Hände weg von unserem Geld, so möchte ich gerne ausrufen! Und mir geht es sowohl bei den ach so kleinen Cent-Münzen als auch bei der Bargeldobergrenze ums Prinzipielle. Wer Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus dem Verkehr nehmen möchte, wie Oliver Krischer, der trägt dazu bei, dass die Sensibilität für kleine Beträge schwindet. Und wer wie Ingeborg Gräßle Bargeldobergrenzen einzuführen trachtet, der engt den Freiheitsraum der BürgerInnen ein.  Auch ich bezahle immer häufiger bargeldlos, aber diesen Weg sollten wir freiwillig gehen und uns das Tempo nicht von regulierungswütigen Politikern vorschreiben lassen. Wer glaubt, dass sich Korruption und Geldwäsche durch eine möglichst niedrige Obergrenze für Bargeldtransaktionen bekämpfen lässt, der befindet sich auf dem Holzweg.

Ingeborg Gräßle sollte sich besser um die Irrwege von EU-Fördermitteln kümmern und Oliver Krischer um die Bienen, die er auf seiner Internetseite erwähnt. Dies meine ich nicht despektierlich – ganz im Gegenteil! Gräßle und Krischer haben doch genügend gewichtige Themen zu bearbeiten: also anpacken und echte Prioritäten setzen.

Irgendwie erinnert mich die Diskussion um Ein-Cent-Münzen und die Bargeldobergrenze an die Diskussion um die Bekämpfung der wenigen Wölfe in Deutschland: Erkennen denn immer weniger PolitikerInnen die wahren Prioritäten für ihre Arbeit? Solange Kinder ohne gutes Frühstück in Kitas, Kindergärten oder Schulen sitzen oder sie aus finanziellen Gründen nicht am Schulmittagessen teilnehmen können, da möchte ich nichts von der Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen, aber auch nichts von einer Bargeldobergrenze oder der Hatz auf einzelne Wölfe hören!

 

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