Von Sickerwasser und Müllbergen

Nachhaltigkeit ein europäisches Fremdwort?

Eine Gemeinschaft wie die EU kann nur dauerhalt existieren und allen Bürgerinnen und Bürgern eine Zukunft bieten, wenn auch die zentralen Standards im Bereich der Infrastruktur sich angleichen. Und damit meine ich nicht, daß sich die EU-Bürokraten wieder einmal mit der bis heute nicht so richtig geregelter Krümmung von Gurken oder der weltweit so wichtigen Beschaffenheit von Traktorsitzen befassen sollten, sondern mit Trinkwasser und Müll.

Natürlich wird der geneigte EU-Politiker rufen, dies tun wir doch auch, aber mit welchem Erfolg?

Marode Wassernetze

In Deutschland verloren die Trinkwassernetze laut EU-Statistik im Jahr 2004 rd. 7 % des Bruttowasseraufkommens. Eigentlich auch zu viel für eine führende Wirtschaftsnation! Die Lecks lassen grüßen!! Laut der gleichen EU-Statistik versickerten in Irland 34 % (Jahr 2000, leider  keine aktuelleren EU-Daten). Die Internetseite (2017) von Irish Water, 80 % der Einwohner der Republik Irland werden durch dieses Unternehmen versorgt, vermeldet sogar: „we also losing almost half oft the water we produce to leakage“. Wenn nahezu die Hälfte des produzierten Trinkwassers dank zahlloser Lecks in uralten Rohren im Untergrund verschwindet und ein Gutteil der Bürgerinnen und Bürger kostenloses Trinkwasser als Menschenrecht ansieht, dann humpelt die Infrastruktur hinter den ökologischen Ansprüchen unserer Tage her. Derzeit wackelt in der Republik Irland die Regierung, da sich diese nicht über die Wasserentgelte einigen kann. Dazu an anderer Stelle demnächst mehr.

Irland: Die Hälfte des Trinkwassers versickert auf dem Weg zum Kunden. Hier der Trinkwasserspeicher Loch Eagle in Kerry auf der Dingle Halbinsel. (Bild: Ulsamer)

Müllberge am Wegesrand

Betrachtet man fassungslos die zahllosen Trinkbecher, Fast-Food-Verpackungen oder gleich ganze Müllsäcke an deutschen Straßenrändern, dann fällt man in Süditalien endgültig vom Glauben an eine Europäische Union ab, die sich zielstrebig in eine positive und ökologische Zukunft entwickelt. Müllberge soweit das Auge reicht. Und auch eine Müllsiedlung ist nicht weit: Im Bereich der Stadt Lesina an der apulischen Küste  wurden rd. 2000 Häuser  illegal errichtet, und wenn schon ohne Baugenehmigung erstellt, dann kann man den Müll auch gleich vor den Häusern liegen lassen und hin und wieder abfackeln. Und dies auch noch an und in einem Naturschutzgebiet.

Italien: Wenn der Müll zum Alptraum wird. (Bild: Ulsamer)

Ratlosigkeit breitet sich bei mir aus: Wie sollen Staaten zu einem größeren Ganzen zusammenwachsen, wenn die elementaren Aktivitäten der Daseinsvorsorge nicht nachhaltig ergriffen werden? Wie kann die EU Vorbild für andere sein und wie konnte gar eine gemeinsame Währung eingeführt werden, wenn das europäische Gebäude vom Sickerwasser unterhöhlt wird und die Räume vermüllt werden?

5 Antworten auf „Von Sickerwasser und Müllbergen“

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