„Ulysses“: Spielhalle auf großer Fahrt

„Irish Ferries“ und ein spezielles „Family Entertainment“

Zwischen Wales und Irland verkehrt seit 2001 eine der größten Autofähren der Welt: Langsam aber sicher wird die „Ulysses“ auch zu einem kleinen Las Vegas zur See. Spielautomaten in jeder Ecke des Passagierbereichs, und kaum zu glauben, sie scheinen nach Meinung der Reederei „Irish Ferries“ auch zum „Familiy Entertainment“ zu taugen. Unterhaltung für die Familie hatte ich mir immer anders vorgestellt!

Unzählige Spielautomaten in allen Ecken des Schiffes, gut sichtbar und erreichbar auch für Kinder. (Bild: Ulsamer)

Vielleicht braucht mancher auch ein wenig Nervenkitzel, um sich aufzuwärmen, denn nicht nur mir war bei der jüngsten Überfahrt eiskalt. Und zwar nicht im Außenbereich, der auf allen Fähren immer mehr zu einer besseren Raucherecke verkommt, sondern im Innern. Mitteleuropäern ist dringend dazu zu raten, ihren Wintermantel mitzubringen, damit sie sich nicht – wie viele Mitreisende – mit Wolldecke oder Badetuch zudecken müssen.

Wirft das Fährgeschäft zu wenig ab?

„Irish Ferries“, die sich als „Ireland’s Leading Ferry Company“ bezeichnet und 100 Mio. Euro in die „Ulysses“ investiert hat, sollte es  zwischen Holyhead in Wales und der irischen Hauptstadt Dublin nicht nötig haben, den Passagieren das Kleingeld aus der Tasche zu ziehen. Wer nur Banknoten dabei hat, dem kann auch geholfen werden, denn der Wechselautomat hat sein Plätzchen gleich neben den Spielautomaten gefunden.

„Family Entertainment“ lautet der Schriftzug über der Tür, doch das Familienparadies entpuppt sich als Ansammlung von Spielautomaten und einem Klettergerät für die Kleinen. (Bild: Ulsamer)

Für völlig abwegig halte ich das Motto „Family Entertainment“ über der Tür, die zu einer Vielzahl von Spielautomaten und eben nicht in erster Linie zu Spielgeräten für Kinder führt. Oder sollen Mama und Papa die Spielautomaten befüllen, während die Kinderlein gleich nebenan ein Klettergerät bevölkern. Dort habe ich im Übrigen keine Kinder gesehen, sondern sie drückten alleine auf Automaten herum.

Ob Glücksspiel oder nicht – Spielautomaten gehören nicht in den Kinder- oder Familienbereich eines Fährschiffes in Europa. (Bild: Ulsamer)

Selbstredend ist eine Fährgesellschaft nicht als Ersatzeltern für die Beaufsichtigung von Kindern zuständig, aber Verantwortungsgefühl wäre auch nicht schlecht. Und Spielautomaten haben – egal ob sie zum „echten“ Glücksspiel mit entsprechenden Einsätzen taugen oder nicht – auf einem Fährschiff nichts zu suchen. Die Anmutung der Spielautomaten ist im Family-Bereich die gleiche wie bei den anderen Automaten.

Das Kleingeld ist aus? Auch hier kann geholfen werden, damit der „Spieltrieb“ nicht verkümmert. Eine Spielecke hatte ich mir doch ganz anders vorgestellt. (Bild: Ulsamer)

Den Strom für die Spielautomaten könnte „Irish Ferries“ im einen oder anderen Raum für eine hellere Beleuchtung investieren, so z.B. im “Leopold Blooms“, damit geneigte Reisende den Roman „Ulysses“- der dem Schiff seinen Namen gab – lesen können: Das umfängliche Werk des irischen Schriftstellers James Joyce verlangt wegen seiner Komplexität allemal vollste Konzentration. Was er wohl zu einer schwimmenden „Spielhalle“ mit seinem Namen sagen oder schreiben würde?

Was der irische Literat James Joyce wohl sagen würde, wenn er statt Büchern nur Spielautomaten vorfindet – und dies auf einem Schiff, das den Namen seines Werkes „Ulysses“ trägt? (Bild: Ulsamer)

Spielautomaten gehören nicht in den Familienbereich

Seit Jahren fahren wir mit den Schiffen von „Irish Ferries“ zwischen Irland und Wales oder direkt von Frankreich nach Irland, und häufig hatten wir Sonnenschein und hielten uns dann lieber an Deck auf. Wobei der Außenbereich auf den Fähren, auch der anderen Gesellschaften, leider immer bescheidener ausfällt.

Landet man wegen des Regens im Innern der „Ulysses“, dann überkommen mich doch Zweifel, ob Spielautomaten in dieser Massierung und dann auch noch im Blickfeld von Kindern zu einem Fährschiff in Europa passen. Ich denke: Nein!

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