Silvester-Feuerwerk: 5 000 Tonnen Feinstaub

Ist der Feinstaub aus dem Auspuff schlimmer als von Böllern?

„Feinstaubalarm“ sollte eigentlich mal zum Wort des Jahres, vielleicht auch zum Unwort, gekürt werden. Bei kaum einem anderen Begriff wird so deutlich, dass manche Zeitgenossen zu hysterischen Ausfällen neigen, obwohl sich die Gesamtsituation seit Jahren kontinuierlich verbessert. Da wird Stuttgart medial als „schmutzigste Stadt“ Deutschlands abgestempelt, da an einer vielbefahrenen Kreuzung am Neckartor, die Grenzwerte immer wieder überschritten werden. Apokalyptische Rechner machen sich ans Werk und ermitteln enorme Zahlen an Menschen, die wegen des Feinstaubs vorzeitig sterben, und dies obwohl die Lebenserwartung – auch in Kommunen mit Feinstaub – steigt. Aber der Knaller ist es für mich dann im wahrsten Sinne des Wortes, wenn an Silvester innerhalb von sagen wir mal einer halben Stunde rd. 17 Prozent des Feinstaubs in die Luft gepustet wird, der ansonsten im ganzen Jahr durch den Verkehr in Deutschland entsteht.

Wer möchte schon bei schönen Sternen und leuchtenden Farben am Silvesterhimmel an den Feinstaub denken? Wahrscheinlich kaum jemand, aber sollten wir dann nicht auch an den restlichen Tagen des Jahres etwas mehr Realitätssinn und Augenmaß in der Feinstaub-Debatte erwarten dürfen? (Bild: Ulsamer)

Gibt es guten und bösen Feinstaub?

Niemand muss befürchten, diese Zahlenangabe sei von der Automobilindustrie in die Welt gesetzt worden, die ihren Anteil an der Feinstaubbelastung relativieren wolle, nein, sie stammt vom Umweltbundesamt: „Zwischen 100 und 200 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Dabei werden rund 5.000 Tonnen Feinstaub (PM10) frei gesetzt, diese Menge entspricht in etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge.“ Dass Feinstaub für die Gesundheit nicht förderlich ist, dies soll hier nicht in Zweifel gezogen werden, aber es stellt sich schon die Frage, warum im Straßenverkehr um jedes Mikrogramm Feinstaub gerungen wird und an Silvester 5 000 Tonnen per Böller und Raketen in unsere Umwelt gelangen.

Selbst in der bereits erwähnten baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart war dieses Mal der Feinstaub in der Silvesternacht dank eines starken Windes schnell verfolgen. Aber kann es volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch sinnvoll sein, einerseits mit Milliardenausgaben Emissionen pro Fahrzeug kontinuierlich zu reduzieren und andererseits an Silvester ohne jede Beschränkung Feinstaub produzieren zu dürfen. Sollte es etwa bösen und guten Feinstaub geben? Wohl kaum!

Mal weniger knallen?

Und so rät das Umweltbundesamt weitestgehend ungehört: „Wenn Sie zur Verminderung der Feinstaubbelastung in der Silvesternacht beitragen möchten, können Sie Ihr persönliches Feuerwerk einschränken oder sogar ganz darauf verzichten. Das hilft nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt, verursacht weniger Müll und reduziert den Energieaufwand, der bei der Herstellung der Feuerwerkskörper erheblich ist.“

Wer Böller, Raketen und Batteriefeuerwerk auf dem Gehweg zündet, der sollte auch die Überreste in die eigene Restmülltonne befördern und nicht der Straßenreinigung, sprich dem Steuerzahler, aufbürden. (Bild: Ulsamer)

Ja, den Müll kann man dann am nächsten Tag auf unseren Straßen und Gehwegen besichtigen, denn die Lust der Freizeitknaller, auch die Hinterlassenschaften selbst zu beseitigen, hat stark nachgelassen. Kaum einer, der Raketen abfeuert oder herkömmliche Böller entzündet oder gar Batteriefeuerwerk einsetzt, macht sich auch Gedanken über die Arbeitsbedingungen unter denen in China und anderswo all diese Feuerwerksartikel hergestellt werden. Die Produktion findet nahezu ausschließlich in Fernost statt.

Mehr Augenmaß in der Feinstaubdebatte

Ich möchte niemandem seinen Silvesterspaß nachträglich oder schon für die Zukunft vermiesen, aber wäre nicht auch in der politischen Diskussion etwas mehr Augenmaß in Sachen Feinstaub angesagt? Die Keule „Fahrverbote“ mutet doch etwas brutal an, wenn in der Silvesternacht ohne große Emotionen der Feinstaub-Aktivisten fast ein Fünftel des Feinstaubs freigesetzt wird, der durch unseren Straßenverkehr direkt entsteht. Auch wenn manche Einzelpersonen, die sich dem Kampf gegen den Feinstaub verschrieben haben, oder Umweltverbände weiterhin ihren Kreuzzug gegen den Feinstaub führen, so haben sie doch inzwischen selbst bemerkt, dass diese Waffe statistisch gesehen langsam aber sicher stumpf wird und haben mit NOx aufgerüstet. Aber auch diese Werte steigen in unseren Städten nicht an, sondern sinken.

Gibt es eigentlich guten und bösen Feinstaub? Jedes Mikrogramm, das aus dem Auspuff von Autos kommt oder von anderen Fahrzeugkomponenten hervorgerufen wird, treibt manche Zeitgenossen zur Blockade einer Durchgangsstraße oder vor den Kadi, um ein Durchfahrtsverbot zu erstreiten. Aber wenn 17 Prozent des durch den Straßenverkehr in Deutschland in einem Jahr entstehenden Feinstaubs innerhalb einer halben Stunde durch Silvesterfeuerwerk in die Umwelt gepustet wird, dann bleibt es recht still. (Bild: Ulsamer)

So bleibt eigentlich nur die Überlegung: Ist alles was von Fahrzeugen ausgeht, so auch der Feinstaub, schlimmer als aus anderen Quellen, wie z.B. aus Feuerwerksartikeln? Ich würde mir etwas mehr Augenmaß und weniger Alarmgeschrei beim Feinstaub wünschen und auch einen Blick für Verursacher, die keine vier Räder haben, dafür aber laut knallen. Viele Tiere würden sich zumindest über weniger Silvesterkracher freuen.

 

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