Schwarzwaldhochstraße im Tief?

Hotelruinen versperren den Blick in die Zukunft

„Die berühmte Panoramastraße von Baden-Baden nach Freudenstadt (B 500) ist ein Muss für jeden Schwarzwaldbesucher“, so heißt es auf der Internetseite „Natur- und Erlebnisparadies Schwarzwaldhochstrasse“. Noch immer ist die Schwarzwaldhochstraße eine wichtige Lebensader, aber touristisch hat die Zugkraft nachgelassen. Angeregt durch eine Studie, die Ansatzpunkte für eine Neuorientierung der Schwarzwaldhochstraße entwickelte, sind wir diese 60 km lange Strecke jüngst mal wieder an mehreren Tagen besucht und kamen doch sehr ernüchtert zurück. Zwar teile ich den ersten Teil der Werbeaussage der Nationalparkregion Schwarzwald e.V., es handle sich um „die älteste und bekannteste“ – aber beim zweiten Teil kommen mir doch Zweifel – „und vielleicht sogar die schönste Touristenstraße im Schwarzwald“.

Die Natur sprach uns – wie im Schwarzwald immer – sehr an, aber mit der „schönsten Touristenstraße“ tue ich mich dann doch schwer. Warum dies leider so ist, das möchte ich in diesem Beitrag herausarbeiten.

Wechselnde Besitzer, finanzschwache und konzeptionslose Investoren, dann noch der Sturm ‚Carmen‘, das hält kein Gebäude auf Dauer aus. Und so verfügte die öffentliche Hand wegen akuter Einsturzgefahr einen Teilabriss am Hotel Hundseck. Aber eine Ruine über Jahre stehen zu lassen, das wirft ein negatives Licht auf die Schwarzwaldhochstraße. (Bild: Ulsamer)

Verfallene Idylle und Leuchttürme

Die Schwarzwaldhochstraße ist mir seit langem vertraut, und deshalb trifft mich der Stillstand in besonderer Weise, der sich in weiten Teilen breitgemacht hat. Gerade die Hotels, die ursprünglich Anziehungspunkte für die ersten motorisierten Gäste waren, haben seit Jahrzehnten ihren Glanz verloren. So ist eine Aussage aus der bereits genannten Internetseite wohl eher als Scherz zu verstehen: „Gönnen Sie sich die Einkehr in ein idyllisches Höhenhotel oder in einen typischen Berggasthof.“ Zumeist finden sich an wichtigen Kreuzungspunkten der Schwarzwaldhochstraße nur Hotelruinen, in denen uns zersplitterte Scheiben, alte Vorhänge, die aus offenen Fenstern wehen, oder demolierte Eingangsportale begrüßen. Wo einst Speisekarten einen Einblick in die Kochkünste vermittelten, herrscht heute nur noch gähnende Leere. Mit den typischen Berggasthöfen ist das inzwischen so eine Sache, und dies gilt leider auch für das weitere Umfeld der Schwarzwaldhochstraße.

Ehe ich die kritische Einschätzung fortsetze, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es selbstredend auch rühmliche Ausnahmen gibt, die Belege für unternehmerisches Denken und Handeln sind. An den Wünschen der Gäste orientieren sich z.B. Hotels und Restaurants am Mummelsee oder am Schliffkopf, und sie können über Zuspruch nicht klagen. An manchen Tagen wird der malerische Mummelsee auch mal zum ‚Rummelsee‘. Aber das ist allemal noch besser, als der Niedergang an anderen Orten.

Der märchenhafte Mummelsee ist schon seit dem Bau der Schwarzwaldhochstraße im Jahr 1930 ein touristischer Anziehungspunkt ersten Ranges. Selbst an nebelverhangenen Tagen – oder gerade an diesen – zieht der knapp vier Hektar große Karsee zahlreiche Besucher an. An Sommertagen wird er fast schon zum ‚Rummelsee‘, aber dies ist auch ein Beleg dafür, dass durchdachte Hotel- und Restaurantkonzepte in Verbindung mit Einkaufsmöglichkeiten, einem Kunstpfad, einer kleinen modernen Kapelle, Spazier- und Wanderwegen oder auch einer Bootsfahrt großen Erfolg haben können. Dort entstehen derzeit Standplätze für Wohnmobile, auch dies ist ein Beweis dafür, dass das Berghotel Mummelsee Trends der Zeit aufgreift. “Schwarz beschatteter Spiegel des Wassers … öd und abgeschieden … kein Laut unterbricht die ewige Stille, nur dass tief unten im Tal melancholisch ein Quell murmelt. Immer unbewegt ist der schwarz beschattete Spiegel des Wassers, auf dem die gelbe Seerose ihre breiten Blätter entfaltet. Es ist hier der Aufenthalt der Betrachtung, der Wehmut und der Dichtung“, so beschrieb Alois Schreiber, einer der ersten, der den Schwarzwald durchwanderte, den Mummelsee. Und die Seerosen, die im Volksmund als ‚Mummeln‘ bezeichnet wurden, gaben dem See seinen Namen. (Bild: Ulsamer)

Diese Häuser zeigen auch, dass man an der Schwarzwaldhochstraße bei Hotels und Restaurants seine Geschäfte machen kann, wenn das Konzept stimmt. Und so trifft in manchen Streckenabschnitten auch die Feststellung noch zu, die sich ebenfalls auf der Internet-Seite der Nationalparkregion Schwarzwald e.V. findet: „Bereits 1930 wurde die Straße eingeweiht – von ihrem Charme hat sie bis heute nichts verloren.“ Aber wenn auch die ganze Schwarzwaldhochstraße wieder zu alter Stärke zurückfinden soll, dann braucht sie gewissermaßen ein ‘Facelifting‘.

Nationalpark als Rettungsanker?

Der 2014 eingerichtete Nationalpark Schwarzwald bietet mit Sicherheit zusätzliche Chancen, die es allerdings gilt, sowohl engagiert als auch nachhaltig aufzugreifen. Ansätze sind durchaus auf dem Gebiet des Nationalparks, aber auch darüber hinaus zu erkennen, so z.B. am Lotharpfad, der nicht dem Autor des Beitrags gewidmet wurde, sondern an den gleichnamigen Orkan erinnert, der am 26. Dezember 1999 über den Schwarzwald hinweg fegte. Auf dem Feldberg erreichte er Windgeschwindigkeiten von deutlich über 200 Stundenkilometern und hinterließ in den Wäldern des Landes Baden-Württemberg 30 Millionen m³ Sturmholz und 40.000 Hektar Kahlfläche.

Der ‚Lotharpfad‘ wird barrierefrei erweitert. Er bietet einen ausgezeichneten Einblick in die Regenerationsfähigkeit der Natur: Der Kahlschlag, den der Orkan ‚Lothar‘ am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1999 mit gewaltiger Kraft anrichtete, ist der Nährboden für eine erwachende Natur. (Bild: Ulsamer)

Eine interessante Ausstellung finden Besucher im bisherigen Nationalparkzentrum am Ruhestein. Nur schade, dass der Bau des neuen Gebäudes mit einem finanziellen Knalleffekt startete. Nicht nur der Bund der Steuerzahler ärgerte sich über eine wahre Kostenexplosion bei den Baukosten: Im „Herbst 2013 noch mit rund 17 Millionen Euro angegeben, soll das grün-rote Kabinett laut Presseberichten im Jahr 2014 bereits einen Kostenrahmen von bis zu 25,5 Millionen Euro abgesegnet haben.“, so der Bund der Steuerzahler. „Im Juli 2016 war dann von knapp 32 Millionen Euro die Rede. Mittlerweile werden die Baukosten auf rund 37 Millionen Euro geschätzt. Inzwischen ist der Grundstein für das Nationalparkzentrum samt Skywalk gelegt. Der Steuerzahlerbund hofft, dass keine weiteren Kostensteigerungen hinzukommen.“ Letzteres hoffe ich auch, doch gibt es kaum ein öffentliches Bauvorhaben, das im Kostenrahmen geblieben wäre. Aus meiner Sicht wäre es angebracht gewesen, das bisherige Nationalparkzentrum durch einen modernen Anbau zu ergänzen: So hätten sich sicherlich besser Geschichte und Gegenwart verbinden lassen. Und die dann eingesparten Gelder wären sinnvoller in die inhaltliche Arbeit gesteckt worden.

Trotz dieser kritischen Anmerkung stellt der Nationalpark Schwarzwald – wie auch das Biosphärengebiet Schwarzwald – einen deutlichen Fortschritt dar: Die Bedeutung, die dem Schutz der Natur zukommt, wird natürlich gerade auch durch entsprechende Schutzgebiete unterstrichen.

Das Nationalparkzentrum am Ruhestein bietet schon jetzt eine kleine Ausstellung, doch für einen architektonisch aufwendigen Neubau wurde der Grundstein gelegt. Die Kosten haben sich inzwischen nach Aussagen des Bundes der Steuerzahler verdoppelt. Hoffentlich bleibt dann auch genügend Geld für die inhaltliche Arbeit. Ein moderner Anbau an das vorhandene Gebäude hätte eine Verbindung von Geschichte und Zukunft schaffen können. (Bild: Ulsamer)

Gäste länger (unter-)halten

Interessante Wanderungen und gut erreichbare Skigebiete locken zwar jedes Jahr viele Menschen über die Schwarzwaldhochstraße in den Schwarzwald, doch sie bleiben zumeist nur einen Tag, häufig bringen sie auch gleich noch ihr Vesper mit, da nur noch wenige Gasthöfe ihre Pforten geöffnet haben oder einladend wirken. Und nicht jedermann möchte an einem Biker-Treff seinen Hunger stillen. Der generell erkennbare Trend zum Kurzurlaub wirkt sich auch auf den Schwarzwald aus, so dass die Bettenauslastung – mit Ausnahme von Baden-Baden und “Sternedorf” Baiersbronn (drei Sternerestaurants) – zumeist nur schwach ist.

So kommt auch der von der Project M GmbH im Auftrag der Landkreise Rastatt, Ortenau und Freudenstatt entwickelte Masterplan für eine Belebung der Schwarzwaldhochstraße zu dem Schluss: „Ein unmittelbarer Bedarf an zusätzlichen Übernachtungskapazitäten kann auf Grund der aktuellen Angebots- und Nachfragestrukturen nicht zwingend abgeleitet werden. Dies bedeutet aber nicht, dass an geeigneten Standorten nicht auch neue Beherbergungsangebote erfolgreich etabliert werden könnten, sofern diese entweder einen Nischenmarkt bedienen und/oder einen ‚stand-alone-Charakter‘ besitzen, d.h. einen Besuchsgrund an sich darstellen. Mit Blick auf die Situation an der Schwarzwaldhochstraße wird empfohlen, grundsätzlich keine neuen Standorte für Beherbergungsbetriebe zu entwickeln, sondern vielmehr Leerstände, soweit wirtschaftlich vertretbar und machbar, unter vorgenannten Prämissen einer neuen Nutzung zuzuführen.“ Wenn man die früheren Luxusherbergen sieht, die sich wie dunkle Perlen an der Schwarzwaldhochstraße aufreihen, dann bekommt diese Analyse noch mehr Gewicht. Leerstände gibt es nicht nur auf der Bühler Höhe, am Sand, am Hundseck oder an der Alexanderschanze, sondern auch an zahlreichen weiteren Stellen im Umfeld, so z.B. an der Schwarzenbach Talsperre.

Nur mit zusätzlichen Angeboten zu allen Jahreszeiten können Gäste überzeugt werden, doch einige Tage länger im Schwarzwald zu verweilen. Das dies geht belegen ja auch die Hotels und Restaurants im bereits erwähnten, früher total abgelegenen Baiersbronn. Weit und breit gibt es keine solche Ansammlung von Sternerestaurants – drei an der Zahl mit zusammen acht „Guide Michelin“-Sternen – und hochkarätigen Hotels. Das spannende an solchen Auszeichnungen ist, dass nur eine kleine Minderheit in den dekorierten Restaurants speist, aber dadurch viele weitere Gäste angelockt werden, die in Wahrheit den notwendigen Umsatz bringen, um die Sterneküche am Leben zu halten. Die meisten Besucher essen gut bis gehoben und stärken die wirtschaftliche Basis der Restaurants und Hotels, in denen sie gerne auch mal etwas länger verweilen.

Kaiserin Sissis Glanz ist verblichen

„Als frühere ‚Prachtstraße‘ mit weit über die Region hinaus bekannten Kur- und Renommierhotels mit guter Küche hat die Schwarzwaldhochstraße damit zweifellos an Glanz verloren“, so die Autoren des Masterplans. Betrachtet man die leerstehenden, einstmals glamourösen Hotels, in denen nicht nur Kaiserin Sissi oder Konrad Adenauer nächtigten, sondern auch betuchtere Kreise, die sich mit ihren damals noch seltenen Automobilien auf den Weg in die Sommerfrische machten, dann wird auf den ersten Blick erkennbar, dass irgendwann ein Investitionsstau entstanden war, der die Besitzer erdrückte. Zu lange hatten sie wohl auf die gleiche Klientel gesetzt und ganz vergessen, ihren Standard anzupassen, neue Angebote aufzubauen und weitere Besuchergruppen anzusprechen. Auch der Rückgang der Kurgäste trug in manchen Bereichen zum Niedergang bei.

„Die einzigartige Lage, die luxuriöse Eleganz und der persönliche Service unseres Hauses verleihen Ihrem Aufenthalt zu jeder Jahreszeit etwas ganz Besonderes, vielleicht sogar Einzigartiges“, so heißt es noch immer auf der Internetseite des Schlosshotels Bühlerhöhe, das allerdings seit Jahren geschlossen ist, und die Initiativen des ukrainischen Besitzes lassen weiter auf sich warten. So ist der nächste Satz aus der Hotelpräsentation irgendwie absonderlich: „Erleben Sie ein Hotel, das alle Ihre Sinne verwöhnt, Geschichte und Gegenwart stilvoll verbindet und offen ist für alle Generationen.“ Und der Knüller ist dann der nächste Satz: „Wir freuen uns auf Ihren Besuch!“ Es ist an der Zeit, dass Kommunen, Landkreise oder Bundesländer ein Mitspracherecht beim Verkauf von Schlüsselimmobilien erhalten. Als überzeugter Befürworter einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft fällt mir diese Forderung schwer, aber manche Investoren dürfen nicht alleine weiterhin darüber entscheiden, welche Gebäude sie der Nutzung entziehen oder dem Verfall überlassen. (Bild: Ulsamer)

Der bis heute anhaltende hohe Bekanntheitsgrad der Schwarzwaldhochstraße ist natürlich ein Pfund, mit dem auch in unseren Tagen noch ‚gewuchert‘ werden könnte. Dafür bedarf es bei der Infrastruktur und dem Erhalt des einen oder anderen ‚Renommierhotels‘ aus besseren Zeiten der Mitwirkung der öffentlichen Hand. Aber es wird auf Investoren ankommen, die mit der Region vertraut sind und nicht nur ein Schnäppchen machen wollen, um sich anschließend wieder nach Russland, in die Ukraine oder nach Aserbaidschan zurückzuziehen bzw. türkische oder bulgarische Spekulanten ablösen. Ich habe noch selten eine Region in Deutschland gefunden, in der Geldgeber aus ferneren Staaten aktiv sind, die dann mangels Geld oder Lust die früheren Hotels wie ein ungeliebtes Spielzeug fallenlassen oder ganz einfach vergessen. Leider stehen ihnen deutsche Traumtänzer in nichts nach. Und ob es großen Sinn macht, bei einer touristischen Entwicklung auf deutsche und ausländische Investoren zu setzen, die branchenfremd oder klamm sind, das wage ich zu bezweifeln.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich eine chinesische Investorin in Baiersbronn erfolgreich engagiert hat. Sie hat ihr Geld mit Kosmetikstudios gemacht und es laut „Stuttgarter Zeitung“ zur Milliardärin gebracht. Wenhong Yu kaufte über ihre ‚Young Merry Real International Group‘ das insolvente ‚Schwarzwald MedicalResort‘ und betreibt dort die Privatklinik ‚Schwarzwald Sanatorium‘ für chinesische Gäste und Patienten. Andere chinesische Investoren haben jetzt auch in Bad Rippoldsau zugegriffen: Eine seit 2011 leerstehende Kurklinik mit 70 000 Quadratmetern Nutzfläche soll zu einem Hotel mit dem Schwerpunkt Gesundheit umgebaut werden. Beiden Vorhaben liegen als Ausgangspunkt allerdings jüngere Gebäude zugrunde und keine Hotels aus der Gründerzeit. Zumindest hier stimmt es, dass die Sonne im Osten aufgeht und die dunkle Nacht aus den Gemäuern vertreibt.

Neue Ideen und neue Besitzer unerlässlich

Nun möchte ich nicht verhehlen, dass ich als überzeugter Vertreter einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft vor Eingriffen in das Privateigentum zurückschrecke, aber bei Schlüsselimmobilien sollte es zumindest nach einer Karenzzeit Durchgriffsrechte von Kommunen und Landkreisen oder des Landes geben: Wer sein Eigentum verkommen lässt, der sollte ohne jahre- bzw. jahrzehntelange Streitereien gezwungen werden können, den Weg für eine Neuorientierung freizumachen. Hin und wieder habe ich aber auch den Eindruck gewonnen, dass manche Gemeinde allzu leichtgläubig auf verwegene Projektentwickler hereinfällt – vielleicht auch aus der Not heraus, da sich keine verlässlichen Partner eingefunden hatten.

Am Hotel Plättig, das den selben Besitzern wie das Schlosshotel Bühlerhöhe zu gehören scheint, haben sie schon mal auf Russisch ein Schild mit ‚Rauchverbot‘ angebracht, aber ansonsten rührt sich auch hier – nichts (Bild: Ulsamer)

Neue Ideen, wie sie auch der Masterplan vorschlägt, setzen sicherlich auch eine Bereinigung bei den leerstehenden Hotels voraus, denn wer möchte schon in einer Region länger Urlaub machen, wo er ständig Ruinen sieht oder an verschlossenen Restauranttüren rüttelt? Frappierend ist es für mich schon, dass nicht früher gegengesteuert wurde. Nach Jahrzehnten des Leerstands bedarf es vielfach des großen Wurfs, gerade auch finanziell. Zu lange wurden schrittweise Veränderungen vernachlässigt, die eher zu stemmen gewesen wären.

Traurige Zeiten

Der Masterplan entwickelt auch Vorschläge für Hotels wie das seit 2010 leerstehende ‚Hotel Plättig‘, das den gleichen Besitzern aus der Ukraine gehört wie das frühere Vorzeigehotel ‚Bühlerhöhe‘, aber es wird auch hier die mangelnde Kenntnis über die Pläne der Investoren beklagt. Zumindest am ‚Plättig‘ steht ja schon mal auf Russisch „Rauchen verboten“! Die bis heute gut erhaltene Gesamtanlage des Hotels Bühlerhöhe, das einst Max Grundig in seinen finanziell erfolgreichen Zeiten auf Vordermann gebracht hatte, und seine Nähe zu Baden-Baden sollte eine Wiederbelebung mit zahlungskräftigen Kunden ermöglichen. Das gegenüberliegende Hotel Plättig ist wegen seiner verschandelten Architektur wohl kaum erhaltenswert.

Am Kurhaus Sand, einst Anlaufpunkt der ‚höheren Kreise‘, die in den frühen Jahren der automobilen Mobilität in den Schwarzwald reisten, zerfällt nicht nur die Fassade, sondern manche Gebäudeteile können vermutlich nicht mehr erhalten werden. Jedes Jahr ohne Renovierung und Nutzung lässt den Verfall drastischer hervortreten. Zwar liegen auf den Tischen, an denen auch Kaiserin Sissi tafelte, noch die festlich bestickten Tischtücher, aber ansonsten schreit das ganze Haus dramatisch nach Hilfe. Und damit es auch alle hören, stehen Fenster offen, aus denen die Vorhänge im Wind Notsignale geben. (Bild: Ulsamer)

Anders sieht es beim 1891 eingeweihten Kurhaus Sand aus, das 1994 seinen letzten regulären Gast empfing, bis 2005 noch geschlossene Gesellschaften beherbergte, und das zumindest in Teilen sanierungsfähig scheint. Der Masterplan sieht hier eine Möglichkeit für ein Museum, berichtet aber auch über Gespräche, die in Richtung eines Zentrums für Naturmedizin gehen könnten. Hoffen wir das Beste, denn dieses Gebäude hätte es verdient, renoviert und neu genutzt zu werden.

Völlig indiskutabel ist die Situation am früheren Hotel Hundseck, denn dort wurde ein Gebäudeteil auf behördliche Anordnung wegen Einsturzgefahr abgerissen und der Rest sieht irgendwie aus, als hätte ein Erdbeben zugeschlagen. Auch diese Ruine ist ein Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn Investoren ohne tragfähiges Konzept und nachhaltigem Budget versuchen, Hotels in welcher Form auch immer wieder zum Laufen zu bringen. Nach seiner Glanzzeit als Hotel diente das Hundseck im Zweiten Weltkrieg der Kinderlandverschickung, danach okkupierten es französische Soldaten, schließlich kamen in die Kurklinik bis 1982 Bergleute aus dem Ruhrgebiet. Sein wechselhaftes Ende gestalteten ein bulgarischer Hotelier, türkische Unternehmer und weitere Besitzer mit, ehe der Sturm Carmen 2010 zum Angriff ansetzte. Haftbefehle gegen die Besitzer, Klagen gegen die Abbruchverfügung … und bis heute kein Abschluss des Siechtums.

Tiere als Impulsgeber

Auch das Hotel Alexanderschanze macht einen desolaten Eindruck, denn der letzte Besitzer musste im hohen Alter seinen Ein-Mann-Betrieb aufgeben. Inzwischen hat das Land Baden-Württemberg die Immobilie erworben, und voraussichtlich soll hier eine Ranger-Station des Nationalparks untergebracht werden, obwohl das Gelände außerhalb der Nationalparkgrenzen liegt. Aber wenn das ehemalige Gebäude dadurch gerettet werden kann, dann wollen wir mal nicht päpstlicher sein als der Papst.

Das Hotel Alexanderschanze – oder das, was davon übriggeblieben ist – wurde vom Land Baden-Württemberg erworben. Aufopferungsvoll hatte der letzte Besitzer das Hotel weitergeführt. Gegenüber dem „Schwarzwälder Bote“ bestätigte schon im September 2015 Thea Karcher-Kastner, Abteilungsleiterin Liegenschaft und Immobilien bei Vermögen und Bau Pforzheim, den Kauf. „Derzeit werde das Haus winterfest gemacht und vom Personal des Nationalparks betreut“, so wurde im Artikel berichtet. Als ich in diesem Herbst das Gebäude in Augenschein nahm, stand allerdings die hintere Tür sperrangelweit auf, man wird doch keine zwei Jahre zum ‚winterfest machen‘ benötigt haben? Bild: Ulsamer)

Ob allerdings ein geplantes Wisentgehege zu einer echten Belebung beitragen kann, das muss sich erst noch zeigen. Wisente sind imposante und interessante Tiere, aber vielleicht wird in unserem Bundesland auch in solchen Fragen zu sparsam gedacht? Besondere Anziehungspunkte sind z.B. im Nationalpark Bayerischer Wald zwei Tiergehege, die zahlreiche angestammte Tierarten fast schon im natürlichen Umfeld zeigen. Dagegen wären dann einige Wisente an der Alexanderschanze nicht in gleichem Maße zugkräftig. Etwa 15 Kilometer entfernt gibt es bereits einen ‚Alternativen Wolf– und Bärenpark‘ in Bad Rippoldsau-Schapach, der vorher schlecht gehaltenen Tieren eine neue Heimat bietet.

Eher zu einer Verzettelung könnte ein weiteres Tiergehege mit Schaubauernhof beitragen, das die Anima Tierwelt in Sasbachwalden auf dem Breitenbrunn aufbauen möchte.  Psychologische Tiertherapie und Naturbildung sind die Schwerpunkte, die in einem (weiteren!) leerstehenden Kurhotel und auf Freiflächen realisiert werden sollen. Laut Internet-Seite geht es nun 2018 mit den Baumaßnahmen los, es wurden jedoch verschiedentlich deutlich frühere Starttermine angegeben. Vorangetrieben wird das Projekt u.a. durch Maria Wruck, der Tochter von Max Grundig, der einst dem Hotel Bühlerhöhe neuen Glanz vermittelt hatte. Heute steht dieses – wie bereits ausgeführt – leer.

Etwas blauäugig scheinen die beiden Initiatorinnen an das Projekt herangegangen zu sein, denn die gesetzlich vorgeschriebene Kartierung von Pflanzen und Tieren als Grundlage der Genehmigung hat sie wohl überrascht. So wird die Geschäftspartnerin und Freundin von Maria Wruck in der „Stuttgarter Zeitung“ im Jahre 2014 zitiert: „Wir würden lieber Geld für die Tiere ausgeben als dafür, dass die Tiere gezählt werden“, sagte Davina Platz. Und dann war auch noch eine „Feuchtwiese“ bei der Planung des Tiergeheges im Weg. So ist das eben, kann ich da nur aus meiner Erfahrung mit einem großen Bauprojekt sagen, aber man kann ja schlecht zu Lasten vorhandener freilebender Tiere ein Gehege bauen wollen. In Zeiten des Artensterbens, man denke nur an das Verschwinden vieler Insekten, dürfen Bauprojekte nicht leichtfertig zu zusätzlichen Problemen führen.

Bei unserem Besuch lagen die Gebäude der alten Kurhotels auf dem Breitenbrunn in Sasbachwalden im Nebel. Hoffentlich kein schlechtes Omen, denn der Baustart der dort geplanten ‚Anima Tierwelt‘ wurde schon mehrfach verschoben. Dort sollen Tiergehege mit tiergestützter Therapie verbunden werden. (Bild: Ulsamer)

Diesen laufenden und noch zu startenden Initiativen wünsche ich selbstverständlich viel Erfolg. Es bedarf klarer und abgestimmter Konzepte, um eine Kannibalisierung zu verhindern, die letztendlich alle Vorhaben belasten könnte. Es geht auch darum, im touristischen Marketing Durchschlagskraft zu erzielen, damit nicht nur Gäste aus dem Nahbereich angezogen werden: Viele kleine Ansatzpunkte sind allemal schwerer zu vermarkten als eine Örtlichkeit, die mehrere Highlights an einem Ort anbietet. Über diese Frage werden sich sicherlich die Tourismusmanager und Projektentwickler noch Gedanken machen müssen.

Schwarzwaldhochstraße: Zukunft und Geschichte verbinden

Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte, dies lässt sich auch an den Hotels erkennen, die zu ihrer Blütezeit Luxus boten, inmitten der Natur – und doch noch erreichbar mit dem Auto. Die Fahrzeuge aus jener Zeit sind heute gesuchte Oldtimer, aber auch nur, wenn sie pfleglich behandelt worden sind. Gerade daran hat es aber bei den Hotels am Sand, am Hundseck oder der Alexanderschanze gemangelt. Und auch auf der Bühlerhöhe nagt der Zahn der Zeit weiter an den Hotels. Ein trauriger Rückblick nutzt jedoch niemandem, daher war es höchste Zeit für den Masterplan. Es ist nur zu hoffen, dass die Anregungen aufgegriffen werden. Sie benötigen natürlich eine deutliche Konkretisierung, doch müssen diese gemeinsam von der öffentlichen Hand und den privaten Eigentümern sowie neuen Investoren erarbeitet werden.

Die im Masterplan angerissenen Rahmenthemen wie ‚Kultur und Geschichte‘, ‚Natur erleben‘ und ‚sportlich aktiv sein‘ lassen Spielräume, in die sich vorhandene und neue Projekte einfügen können. Vorschläge zu neuen Liftanlagen oder barrierefreien Angeboten müssen mit den Anforderungen des Naturschutzes abgeglichen werden. Erwähnenswert ist auch die Förderung dieses Masterplans mit Mitteln aus dem EU-LEADER-Programm.

Eine Belebung der Schwarzwaldhochstraße wird sich nur durch weitere Angebote erreichen lassen, die aber auch Eingriffe in die Natur und die vorhandene Bausubstanz notwendig machen. Es ist dann zu hoffen, dass zwar sensibel bei der Planung und Umsetzung vorgegangen wird, aber auch neue Ideen nicht unter bürokratischen Belastungen begraben werden. Freizeitanlage am Mehliskopf. (Bild: Ulsamer)

Für mich ist es allerdings verwunderlich, warum nicht schon früher versucht wurde, die genannten Stichworte aufzugreifen. Dabei bieten sich Natur- und Umweltbildung an, die zunehmend auf Interesse treffen, aber auch aus der Geschichte kann Kapital geschlagen werden. Wo einst Sissi residierte, die ersten Automobilisten einkehrten, eine Talsperre Ansatzpunkt für Energiethemen (Elektromobilität) sein kann, haben sicherlich auch moderne Darstellungen in Museen mit aktivierenden Konzepten eine Zukunft.

Die Schwarzenbach Talsperre bei Forbach wurde 1926 fertiggestellt und staut nicht nur den Schwarzenbach und den Seebach auf, sondern das Wasser weiterer Bäche wird per Stollen aus benachbarten Tälern zugeführt. Ergänzend kann Wasser aus der Murgtalsperre Kirschbaumwasen in den Stausee gepumpt werden. Bei regenerativen Energien aus Wind und Sonne kommt es auf Speichermöglichkeiten an, und wo lassen sich diese besser erklären als an einer Talsperre, die Teil eines Pumpspeicherkraftwerks ist. Mit aktuell nicht genutztem Strom kann Wasser in das höhergelegene Becken gepumpt werden, um es in Spitzenzeiten zur Stromerzeugung wieder abzurufen. Schnell wäre man thematisch dann auch bei der Speicherung von ‚Überschussenergie‘ als Wasserstoff oder in Batteriesystemen usw., was einer professionellen Aufarbeitung und besseren, publikumswirksamen Darstellung vor Ort bedürfte: Neue Impulse für das leerstehende Hotel Schwarzenbach direkt oberhalb der Talsperre? (Bild: Ulsamer)

Es geht somit nicht darum, die Geschichte der Schwarzwaldhochstraße und ihrer Region zu leugnen, sondern ganz im Gegenteil: Der Glamour früherer Zeiten, aber auch das einfache Leben in den Schwarzwaldgemeinden in längst vergangenen Jahrhunderten müssen mit den Fragen unserer Tage verknüpft werden. Wandern und Skifahren, gestern und heute, mit einem vertieften Blick auf Natur und Umwelt werden ebenso Interesse finden. Häufig werden auch Kompromisse auszudiskutieren sein, denn nicht jede Funsportart passt in die Natur. Aber meist lässt sich ein Weg finden, um den Ruhe und niedrigere Temperaturen suchenden Städter – und den wird es beim Klimawandel noch häufiger geben – ebenso zu seinem Recht kommen zu lassen wie den Mountainbiker.

Zwar ist es höchste Zeit, um der Schwarzwaldhochstraße neue Impulse zu vermitteln, aber wenn die Probleme tatkräftig angegangen werden, und dazu gehören auch zukunftsorientierte Verkehrskonzepte, dann lässt sich der alte Glanz aufpolieren. Einen wichtigen Beitrag dazu kann der Nationalpark Schwarzwald leisten.

Der Schwarzwald zieht viele Menschen dank seiner Naturschönheiten an, und der Nationalpark wird hier verstärkend wirken. Aber die Schwarzwaldhochstraße muss aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden. (Bild: Ulsamer)

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