Musikpreis „Echo“ für zwei rappende Irrläufer: Kollegah & Farid Bang

Gibt es in Deutschland keine Grenzen mehr?

Nun bin ich alles andere als ein Rap-Spezialist, aber wie eine Jury halbwegs gebildeter Menschen auf die Idee kommen kann, Rappern wie Kollegah & Farid Bang einen Musikpreis wie den „Echo“ zu verleihen, das erschließt sich mir wirklich nicht. Sicherlich kann und soll man auch nicht jede Zeile, die ein Rapper so von sich gibt, auf die Goldwaage legen, aber für geballten Schwachsinn einen Musikpreis zu verleihen, das grenzt schon ans Absurde. Wenn Kollegah und Farid Bang in irgendeinem Vorstadtkeller ihren Rap von sich geben würden, um keine schlimmeren Begriffe zu benutzen, dann müsste man sich das ja nicht anhören. Aber die Texte dieses merkwürdigen Duos lassen mich schon fragen, wes Geistes Kind diese Rapper sind und wie solche Texte ein großes Publikum anziehen können, denn der „Echo“ basiert ja auch auf den Kauf- und Nutzerzahlen.

Kollegah und Farrid Bang halten den "Echo" in Händen.
„Der Deutsche Musikpreis ECHO ist seit 1992 der Höhepunkt eines jeden Musikjahres. Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie e. V., ehrt mit dem Preis jährlich herausragende und erfolgreiche Leistungen nationaler und internationaler Künstler“, so heißt es in der Selbstdarstellung der „Echo“-Preisverleiher. Hätten einem selbsternannten „Kulturinstitut“ nicht Zweifel an einem Preisträger wie Kollegah & Farid Bang kommen müssen? Oder liest dort niemand die antisemitischen, frauenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Texte? Und auf der Internetseite „musikindustrie.de“ findet sich auch die Feststellung: „Schon wer für diesen Preis nominiert ist, kann sich zu den Top-Künstlern der Branche zählen.“ Da fällt mir nur noch Heinrich Heine ein: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“. Wenn diese Rapper zu den „Top-Künstlern“ in unserem Land gehören, dann muss ich mich ja fremdschämen. (Bild: Screenshot, „musikinsdustrie.de“, 13.4.18)

Antisemitismus ist eine Schande – auch im Rap

Rap hat sicherlich nichts mit Feinsinnigkeit zutun, doch was hat eine Textzeile wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ in einem in Deutschland vorgetragenen Song zu tun? Zwar verstehe ich den tieferen Sinn dieses Satzes nicht, doch schon alleine diese Art der Thematisierung des Massenmordes in Auschwitz in einem Rap halte ich für einen Skandal. Aber verwundert es noch, wenn in Berlin israelische Flaggen verbrannt und Kinder in der Schule wegen ihres jüdischen Glaubens attackiert werden, wenn allen Ernstes auch noch ein sogenannter „Ethik-Beirat“ nicht einschreitet, sondern die Verleihung des „Echos“ an Typen ermöglicht, die antisemitisches Gedankengut absondern? Wer von den beiden hat sich denn eine solche Textzeile ausgedacht, Kollegah mit deutsch-kanadischen Wurzeln oder Farid Bang, ein deutscher Rapper marokkanischer Herkunft? Die eifrigen Fahnen-Verbrenner in Berlin und die von ihren Eltern aufgehetzten Kinder, die ihre jüdischen Mitschüler angreifen, haben zumeist einen muslimischen Hintergrund. So haben unsere ewig gestrigen Neonazis dann doch noch Verstärkung durch Zuzug erhalten.

Oder muss ich nun auch noch in unserer ach so verständnisvollen Gesellschaft einen Satz tolerieren, der da lautet: „Mache wieder mal ‘nen Holocaust / Komm‘ an mit der Molotow im Hennessy für meine Enemies“. Wer solche Texte schreibt und rappt, der sollte sich besser irgendwo vor Scham verkriechen, aber nicht in Berlin den „Echo“ empfangen!

Der Musikpreis "Echo" wird entwertet wird durch die Vergabe an die Rapper Kollegah &Farid Bang entwertet.
Auf der Seite „echopop.de“ wird gar die „Kunstfreiheit“ als Deckmäntelchen herangezogen, um den Rapper-Schwachsinn von Kollegah & Farid Bang als preiswürdig darzustellen. „Verbale Provokationen sind ein Wesensmerkmal des Genres Battle-Rap und unterliegen, solange sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen, der künstlerischen Freiheit. Die jeweiligen Songs kann und soll man selbstverständlich kritisch hinterfragen. Denn dazu ist Kunst schließlich auch da: Gesellschaft zu provozieren und ihr einen Spiegel vorzuhalten. Und natürlich gibt es immer wieder Zweifelsfälle, in denen die Grenzen der künstlerischen Freiheit möglicherweise überschritten werden.“ Wem soll denn mit „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ der ‚Spiegel vorgehalten werden‘, und wo steckt bei „„Ich komm‘ und zertrenne deine Halsschlagader“ der künstlerische Mehrwert? (Bild: Screenshot, „echopop.de“, 13.4.18)

Wer kann denn in Deutschland auf die Idee kommen, „Mach wieder mal ‘nen Holocaust“ zu singen? Wer solche Aufforderungen in die Welt rappt, der hat aus unserer deutschen Geschichte nichts gelernt! Mich macht dies auch ganz persönlich betroffen, da ich im Rahmen meiner Arbeit für die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ viele Menschen kennenlernen durfte, die während der NS-Diktatur in deutschen Unternehmen Zwangsarbeit leisten mussten. Und nicht nur ihr Schicksal hat mich tief berührt, sondern auch ihre Bereitschaft, mir und Deutschland zu vergeben und sich für die tiefgehenden Veränderungen in unserem Land zu interessieren. Wir müssen alle diejenigen stoppen, die diese Freundschaft zu Bürgerinnen und Bürgern aus unterschiedlichen Ländern gefährden, die sich trotz des erlittenen Leids nicht von Deutschland abgewandt haben. Antisemitisches Geschwafel à la Kollegah & Farid Bang hat keinen „Echo“, sondern unsere Abscheu verdient. Wir tragen die historisch-moralische Verantwortung für den Völkermord der Nationalsozialisten und daraus muss auch ein klares Nein zu Texten wie aus dem Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ resultieren. Vielleicht sollte man auch „Gutaussehend“ durch „Schwachsinnig“ ersetzen, das wäre allemal treffender.

Gewaltverherrlichung und Frauenfeindlichkeit pur

Aber auch der Rest dieser „Lyrics“ ist so haarsträubend, dass ich juristische Schritte für angemessen halte. „Und lass deine Family verbrennen an ‘nem Waldrandparklatz“, „Lade wieder scharfe Waffen wie Talibankrieger“, „Und mache dann aus dei’m Bodyguard Schrott per scharfem Geschoss aus der Kalaschnikow“, „Ich hole mir die Kohle mit dem Ballermann“, „Ich komm‘ und zertrenne deine Halsschlagader“. Irgendwie erinnert mich der letzte Hinweis an die erschreckende Zunahme von Messerattacken in diesen Tagen.  Und auch das Frauenbild dieser „Echo“-Rapper müsste eigentlich jede denkende Hörerin und jeden Hörer in die Flucht schlagen: „“Lass‘ die Fotzen zappeln, denn der Knockout kommt am Ende“, „Yeah, ich kommuniziere mit Bitches im Regelfall immer nur Blowjobs kriegend“, „der einzige Ort, wo sich Bitches entfalten sollten, ist die Botoxklinik“, „Fick eure Mütter“ …

Darstellung der "Echo"-Preistraäger: Kollegah & Farid Bang zwischen Helene Fischer und Santiano.
Kollegah & Farid Bang finden sich auf der „Vox“-Seite zwischen den „Echo“-Preisträgern Helene Fischer und Santiano. Was die wohl über die beiden Rapper denken? Und ausgerechnet an dem Tag, an dem in Auschwitz tausende Menschen beim „Marsch der Lebenden“ der in Auschwitz ermordeten Menschen gedenken, da bekommen in Berlin Kollegah & Farid Bang den „Echo“ verliehen und dies trotz der gerappten Aufforderung „Mache wieder mal ‘nen Holocaust / Komm‘ an mit der Molotow im Hennessy für meine Enemies.“ (Bild: Screenshot, „vox.de“, 13.4.18)

Wie eine sogenannte „Deutsche Phono-Akademie“ einen „deutschen Musikpreis“ an Rapper wie Kollegah & Farid Bang verleihen kann, die sich in ihren Texten antisemitisch, frauenfeindlich und gewaltverherrlichend äußern und dann auch noch „Vox“ eine solche obskure Veranstaltung in die Haushalte senden kann, das ist für mich völlig unverständlich. Und ob sich andere „Echo“-Preisträger wie Helene Fischer oder Santiano in einem solchen Umfeld wohlfühlen, das darf man wohl bezweifeln. Zumindest einer der anderen Preisträger, Tote-Hosen-Sänger Campino, kritisierte die Vergabe des „Echo“ an das Rapper-Duo.

2015/16 hatten wir in Deutschland dank der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel Probleme mit der Sicherung unserer Außengrenzen, aber auch die inneren Grenzen (des Anstands und des guten Geschmacks) scheinen längst von Rappern wie Kollegah & Farid Bang überrannt worden zu sein: Wie steht es um unsere kulturellen und gesellschaftlichen Werte, wenn Kollegah & Farid Bang zu einem neuen Holocaust aufrufen dürfen und dafür auch noch einen Musikpreis erhalten?

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