Müll – wohin das Auge schaut

Geht es Ihnen auch so?

von Cordula Ulsamer

Sie gehen einen Wanderweg entlang, mitten in der Natur. Die Vögel zwitschern, Eidechsen rascheln. Und was ist das? Da hat doch tatsächlich irgendein Zeitgenosse einfach die Überreste seines Wander-Vespers  am Wegesrand direkt hinter der Bank, auf der er wohl rastete, entsorgt: Plastikuntersetzer, Pappbecher, sogar eine Gabel und ein paar Papiertaschentücher. Das abstoßende Stillleben vervollständigen noch einige Zigarettenkippen und ein zerknüllter Zettel, samt Plastiktüte. Und natürlich ein zugebundenes Tütchen mit dem großen Geschäft seines 4-beinigen Wandergefährten. Ich frage mich ernsthaft, ob derjenige wirklich glaubt, dass andere Menschen für ihn seinen Dreck wegräumen sollen, einschließlich der völlig sinnfreien Verpackung des Hundehäufchens, was natürlich nur dann der Sache dienen würde, wenn es in einen dafür vorgesehenen Behälter entsorgt worden wäre.

Wegwerfmentalität

Oder noch schlimmer, weil zahlreicher: Sie fahren mit dem Auto eine Landstraße entlang. Alle paar Meter verunzieren Plastik- oder Papiertüten, mit oder ohne Inhalt, große oder kleine, dick gefüllte oder schlapp im Fahrtwind sich bewegende den Fahrbahnrand. Besonders nehmen diese Überreste unserer Wegwerf- und  to-go-Mentalität zu, je näher man einem Fastfood-Restaurant kommt. Dann mischen sich unter Bananenschalen und Müllbeutel natürlich noch Pommes-Tüten,  Espresso-Becher, Pizzaschachteln, …  Ganz deutlich sichtbar für jeden Autofahrer sind diese hässlichen „Farbtupfer“ neuerdings an den Autobahnzubringern, nach dem Motto  „Fenster auf und nix wie raus“ mit dem Müll. Aber auch einfach irgendwo im Nirgendwo kann man – mit ständig zunehmender Tendenz – abgestellte Mülltüten finden ohne dass man extra danach suchen müsste. Wenn man Glück hat, sind sie wenigstens noch verschlossen, bis sich eine Krähe vielleicht des Inhalts annimmt!

Mülleimer an der Bushaltestelle einen Tag nach seiner Leerung. (Bild: Ulsamer)

Vor wenigen Jahren konnte man an den Ampelanlagen regelrechte „Häufchen“ von aus Fahrzeugaschenbechern entsorgten Zigarettenstummeln finden. Jetzt gesellen sich alle möglichen anderen mehr oder weniger geschmackvollen Überreste des Autofahrerlebens hinzu. Haben diese Menschen zuhause keinen Mülleimer?

Man sollte sich auch mal fragen, warum manche Menschen erwarten, dass andere ihren Dreck wegräumen?

Sauberkeit – ade!

Abgesehen von ihrer Hässlichkeit sind öffentliche Müllansammlungen natürlich auch ein Krankheitsrisiko – und immer wieder auch todbringende Fallen für kleine Lebewesen oder Anziehungspunkte für Ratten.  Nun schrammen wir natürlich zumindest in Deutschland angesichts funktionierender Müllabfuhr, Stadt- und Land“putzeten“, Strandräumungsaktionen vor der Touristensaison, …  noch nicht an schweren Epidemien entlang!!!  Aber wenn man offenen Auges durch die Landschaft wandert, ist zweifelsfrei eine Zunahme von achtlos weggeworfenen Überresten unseres täglichen Lebens feststellbar. Und immer häufiger springt einen dieser Schmutz eben auch in Deutschland an, von dem viele Menschen anderer Länder immer noch glauben, es sei ja so „sauber“. Ich habe den Eindruck, das ist leider nicht (mehr?) so.

Warum muss dieser Müll ausgerechnet direkt vor einer Kita „wild“ entsorgt werden? (Bild: Ulsamer)

Dabei sind die Müllgebühren bei hervorragendem Service seitens der Abfallwirtschaftsbetriebe – zumindest in unserer Stadt – nicht in schwindelerregende Höhen geklettert, trotz allerlei zusätzlichen Entsorgungseinrichtungen, von Papiertonne, Restmülltonne, gelbem Sack, Biotonne, kostenloser Sperrmüllabfuhr, Glascontainern, Grünschnittsammelstellen, Wertstoff- oder Gefahrgutsammlungen, …, …  Und trotzdem quellen öffentliche Mülleimer z.B. an Bushaltestellen fast täglich über, Leeren scheint da gar nichts mehr zu bewirken.

Kann Überwachung helfen?

Appelle, Erziehung, gut gemeinte Putzaktionen oder die oft so belächelte schwäbische Kehrwoche werden mit dieser Untugend wohl nicht fertig werden. Muss man also wirklich zu Kameraüberwachungen im öffentlichen Raum greifen? Mit Strafen erziehen? Werden wir zukünftig am Glascontainer für das Überwachungsvideo posieren?

Und was für neue „Berufsbilder“ sollen hier entstehen?

 

2 Antworten auf „Müll – wohin das Auge schaut“

  1. Neulich entdeckte unsere Tochter auf einem hohen Baum einen blauen Müllsack und fragte mich, wie der denn dort hin kommt. Ich konnte ihr spontan keine Antwort geben. Dass ein Mensch sich die Mühe macht, über 10 Meter in einen Baum zu steigen, um dort seinen Müllsack aufzuhängen, halte ich für unwahrscheinlich. Ebenso die Theorie, dass er sich aus eigener Energie dorthin aufgemacht hat, um sich der regulären Entsorgung zu entziehen. Bleiben nur der Wind oder das Tier. Beides ist nicht akzeptabel. Genauso wenig wie 17,6 Tonnen Plastikmüll auf der unbewohnten Südseeinsel Henderson Island. Aber das macht ja nix, wen kümmert schon eine einsame Insel. Wer kennt nicht das Gedankenspiel „Welche drei Dinge würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Ich würde eine Recyclinganlage mitnehmen um es mir erstmal gemütlich einzurichten. Eines ist jedenfalls sicher, der blaue Plastiksack zerstört keine Inselparadiese – der hängt schließlich bei uns im Baum.

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