Ibis Belfast City Center: Das Fenster zum Hof

Mit diesem Ausblick hätte es Hitchcocks Film nicht gegeben

„Das Fenster zum Hof“ kam mir im Ibis City Center in Belfast in den Sinn, denn der Ausblick öffnete sich direkt in den Hof. Allerdings hätte James Stewart in dem von Alfred Hitchcock geschaffenen gleichnamigen Kinofilm durch unser Fenster keinesfalls seine Nachbarn beobachten können. Der Fotoreporter Jeff Rat saß mit einem gebrochenen Bein im Rollstuhl und schaute aus seinem „Rear Window“ – so der Originaltitel des Films aus dem Jahr 1954 – in die gegenüberliegenden Wohnungen: Und er beobachtete dort einen Mord. Zum Glück haben wir nichts dergleichen gesehen und da wir nicht gehandikapt waren, konnte ich auch im Stehen aus dem kleinen Fenster in Kopfhöhe schauen. So einen tristen Blick hatten wir in vielen Jahren noch in keinem zur französischen Accor-Gruppe gehörenden Ibis-Hotel erlebt!

Der Autor steht am Fenster und kann gerade so aus dem Fenster in Kopfhöhe schauen.
Unter 183 Zentimetern sollte man nicht groß sein, wenn man aus diesem Zimmerfenster im Ibis in Belfast schauen möchte. Aber eigentlich macht es auch nichts, wenn der Gast etwas kleiner ist, denn zu sehen gibt es außer dem Boden eines Lichthofs und ab und zu einigen Füßen eh nichts. (Bild: Ulsamer)

Einblicke in Geschichte und Gegenwart

Sehen konnte ich aus unserem ‚Fenster‘ gerade mal den Fußboden des Lichthofs, über den verschiedene Wohnungen erreicht werden konnten. Aber nicht nur Hitchcocks Film erschien vor meinem inneren Auge, sondern ich erinnerte mich auch noch an die früher kolportierten Geschichten über längst vergangene ‚Fremdenzimmer mit Alpensicht‘: Man musste nur einen Stuhl auf den Tisch stellen und flugs hinaufklettern und schon konnte man die Alpen-Silhouette erspähen! Wir hatten uns ein volles Programm in Belfast vorgenommen und verzichteten daher auf eine Beschwerde, denn ein interner Umzug hätte nur Zeit gekostet.

Betonierter Innenhof, Zugänge zu den Wohnungen und ein Abluftschacht: Der Blick aus dem Fenster.
Eindrucksvoll ist der Blick aus jenem Zimmerfenster im Ibis Belfast City gewiss nicht, dafür gibt es in Belfast aber um so mehr durchaus sehenswerte Ausstellungen, historische und moderne Gebäude und Stadtbezirke mit politischen Bezügen. (Bild: Ulsamer)

Wenn man schon aus dem Fenster eigentlich nur einen betonierten Hinterhof zu sehen bekommt, dann wird man aber auf jeden Fall beim Stadtspaziergang in Belfast selbst reich entschädigt, darüber habe ich bereits berichtet. Wer sich für die politische und historische Entwicklung interessiert, der sollte unbedingt die von Katholiken bewohnte Falls Road und die von Protestanten dominierte Shankill Road besuchen. Und nicht nur Untergangsenthusiasten sind in der ‚Titanic Experience‘ gut aufgehoben, denn auch dort gibt es reichlich Informationen zur Entstehungsgeschichte des Luxusliners, der bereits bei seiner Jungfernfahrt 1912 nach der Kollision mit einem Eisberg im Atlantik versank.

Eine Frauengestalt aus Metall mit einem dünnen Stahlreifen in beiden Händen.
Im Straßenraum in Belfast finden sich auch moderne Kunstobjekte wie hier ‚Nuala with the Hula‘ am Thanksgiving Square. Natürlich hat die Skulptur von Andy Scott auch einen offiziellen Namen: Beacon of Hope. Die Metallinstallation erreicht fast eine Höhe von 20 Metern. Unterstreichen soll die Erdkugel, dass wir nur gemeinsam in der einen Welt leben können, und es gilt, in einer gespaltenen Gesellschaft Brücken zu bauen und Menschen zusammenzuführen. Hoffnung, Frieden und Aussöhnung soll das Kunstwerk verdeutlichen und anmahnen – auch mit Bezügen zur keltischen Mythologie. In meinem Beitrag „Belfast – die mehrfach gespaltene Stadt” finden Sie auch ein Foto von der nicht minder gelungenen Skulptur ‚Spirit of Belfast‘, die sowohl an die Textilindustrie als auch an die Stärke der Werften erinnert. (Bild: Ulsamer)

Zu den Vorteilen dieses Ibis Hotels gehört die fußläufige Lage zur City Hall – mit ihrer umfassenden Ausstellung zur Stadtgeschichte – und zur Innenstadt. Das Frühstück ist dagegen in keiner Weise mit dem Angebot in französischen Ibis-Hotels vergleichbar und leider liegt auch keine Frühstücksgelegenheit gegenüber – wie z.B. beim Ibis Cardiff Gate. Dies mag auch an zu geringen Gästezahlen beim Frühstück liegen, denn auch britischer Schinken wird beim Warmhalten irgendwann steinhart und der Käse schimmert wenig erbaulich.

So hatten wir zwar keinen Blick auf das kriminelle Geschehen im Nachbargebäude – wie James Stewart -, aber wer möchte dies schon. Und was bringt es Hitchcocks Protagonisten Jeff ein? Er klärt zwar einen Mord auf, doch bei einem Fenstersturz – nach der Attacke des Übeltäters von nebenan – bricht er sich auch noch das zweite Bein. Da ist es doch besser, auf Aus- und Einblicke durch ein ‚Fenster zum Hof‘ zu verzichten und stattdessen bei einer Stadttour auf zwei Beinen eine Vielzahl interessanter Eindrücke aus Belfast mitnehmen zu können.

Sicherlich sollte bei der Buchung im Ibis Belfast City Center auf Zimmer mit solch eingeschränkten Fenstern hingewiesen werden, denn Ryanair hat es inzwischen auch gelernt, und vermeldet es, wenn der gewählte ‚Fensterplatz‘ über kein Guckloch verfügt. Vielleicht hat sogar mein Blog-Beitrag „Ryanair’s Fensterplatz“ einigen Verantwortlichen der Fluggesellschaft die Augen geöffnet, denn die würden bestimmt nicht an einem Fensterplatz ohne Fenster Platz nehmen wollen.

Schmale Baulücke, in der ein Transporter in Sprinter-Größe steht.
Wer da wohl bauen möchte? In diese kleine Lücke zwischen Ibis und Wohngebäude sollen im leicht bauwütigen Belfast noch einige Apartments reingequetscht werden. (Bild: Ulsamer)

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