Gibt es bei Eurowings bald Gehörschutz für die Fluggäste?

Per Propeller ins Zeitalter der Flugpioniere

Wir fliegen mehrmals im Jahr mit Ryanair und wundern uns hin und wieder über die Abwicklung der Ticketkontrolle und die peniblen Vorgaben für das Handgepäck. Doch nach einem Flug von Stuttgart nach Berlin und zurück mit Eurowings kommen mir die Zustände bei Ryanair schon fast wieder paradiesisch vor! Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass Eurowings, Ryanair, EasyJet oder Aer Lingus im Markt der Billigflieger konkurrieren, aber von Eurowings, einer Tochter des deutschen Vorzeige-Carriers hätte ich mir doch mehr erwartet.

Passagiere beim Aussteigen aus der Propeller-Maschine am Flughafen Stuttagrt.
Ich wollte meinen Augen nicht trauen, aber von Berlin nach Stuttgart ging‘s mit einer Propellermaschine von Bombardier. Na hoffentlich war dann wenigstens die Ökobilanz in Ordnung. (Bild: Ulsamer)

Den ganzen Hausrat dabei

In Stuttgart verzögerte sich der Start, das soll ja mal vorkommen, doch endlich im Flugzeug angekommen, schleppten manche Zeitgenossen ihren gesamten Hausrat in mehreren Taschen oder Bordkoffern an. Die Gepäckfächer konnten den Inhalt nicht fassen, und in diesem Getümmel zuckte die Flugbegleiterin nur mit den Achseln. Nur gut, dass wir uns auf die vorgeschriebene Zahl von einem Gepäckstück pro Nase beschränkt hatten. Niemand bei Eurowings hatte die Köfferchen- und Taschenflut gestoppt, und dies, obwohl die Vorgaben noch strenger als bei Ryanair klangen: Beim irischen Konkurrenten gibt es immerhin zehn Kilo beim Kabinengepäck, bei Eurowings nur acht, und bei Ryanair ist gar gegen Aufpreis noch eine zweite Tasche erlaubt.

Doch die Gedanken an die Gepäckrichtlinien verflogen schnell, denn jetzt ging es in die Luft und unsere Ohren dröhnten. Saßen wir wirklich in einem Airbus? In jedem Industriebetrieb müssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem solchen ohrenbetäubenden Lärmpegel einen Gehörschutz tragen, aber in dem kleinen Karton, der den Fluggästen zum ‚Lunch‘ gereicht wurde, fanden sich neben einem übersichtlichen ‚Häppchen‘ und einem stillen Wasser mit Trinkhalm leider keine Ohrstöpsel! Eine Unterhaltung war kaum möglich, denn der Lärm hielt auch nach dem Steigflug an. In meinen beruflichen ‚Spitzenjahren‘ habe ich es schon mal auf 150 Flüge in einem Jahr gebracht, doch so ein Geräuschpegel war mir nicht untergekommen. Vielleicht sollte der Flieger mal zur Überholung! Ausgeführt wurde der Flug durch die von der Lufthansa im Zuge der Air Berlin-Pleite übernommenen Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW), deren Flugzeuge – laut Internet – durchschnittlich 8,4 Jahre alt sind, die Flotte von Ryanair dagegen ist mit 5,5 Jahren deutlich jünger.

Snack bei Eirowings: Mini-Kuchen und stilles Wasser in einem blau-roten Karton.
Sollen mit einem kleinen Schnittchen und einem stillen Wässerchen die Passagiere ruhiggesellt werden, wenn es mit der Pünktlichkeit hapert, der Computer zickt und statt einem Airbus eine Bombardier-Propellermaschine wartet? (Bild: Ulsamer)

Computer ausgefallen

Und nach vier Tagen in Berlin sollte es dann wieder nach Stuttgart gehen. Nachdenklich machte ein Blick auf das Ticket, denn der dort ausgedruckte Sitzplatz war plötzlich ein ganz anderer: jetzt saßen wir viel weiter vorne. Doch beim Anblick des Gefährts, das uns nach Stuttgart bringen sollte, wurde uns auch klar, warum wir einen anderen Sitzplatz verpasst bekommen hatten: Auf uns wartete eine Bombardier-Maschine mit Propeller! Bei unserer ursprünglichen Platzwahl hätten wir hier im Freien gesessenen. Also nicht gemault, und schnell den Platz eingenommen. Dank der niedrigen Decke unter dem Gepäckfach habe ich auch gleich mal den Kopf angestoßen. Aber mit dem Billigflieger ist es eben wie mit dem Bus, doch zumindest muss man nicht stehen.

Deutlich verspätet waren alle im Flugzeug und startklar – oder doch nicht? Wir dachten, der Flugkapitän verkündet nun den Start, doch er hatte einen Computerfehler entdeckt: „Aber es ist wohl wie zu Hause“, meinte er, „sicherlich reicht es, wenn der Computer mal heruntergefahren wird …“. Der Techniker kam und werkelte allen Ernstes ein bisschen mit dem Schraubenzieher – und dann ging es wirklich los! Zwar war es wieder reichlich laut, doch die Propellermaschine aus dem Hause Bombardier flog dafür so tief, dass ich einige recht brauchbare Fotos schießen konnte.

Propeller im Flug aufgenommen durch das Kabinenfenster und der Blick auf die Erde.
Einen Vorteil haben Propellermaschinen: Sie entschweben nicht in höchste Lüfte, und daher ist der Blick besser. (Bild: Ulsamer)

Lernfähigkeit kann nicht schaden

Bei Ryanair saß ich zwar auch schon mal Fensterplatz ohne Fenster, obwohl bei der Buchung explizit „Window“ vermerkt worden war, aber inzwischen haben auch die Iren bemerkt, dass sie nicht auf Dauer fensterlose Fensterplätze verkaufen können und vermerken den Mangel bei der Buchung. Vielleicht ist ja auch Eurowings lernfähig und schaut nach dem Gepäck, das manche Passagiere ins Flugzeug schleppen, versucht sich an Pünktlichkeit – sie ist ja schließlich kein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn -, und reduziert den Krach in der Maschine auf ein branchenübliches Maß.

Frank Ramonds Songtext „Zum Flieger ging’s zu Fuß, den letzten Rest geschwommen“ sollte sich Eurowings sicherlich nicht zum Vorbild nehmen, wenn sie gegen Ryanair und EasyJet im Konkurrenzkampf bestehen will. Und selbst Aer Lingus brachte uns dieses Jahr schon gemütlicher von Stuttgart nach Dublin, wobei allerdings das Durchschnittsalter der Flugzeuge laut Wikipedia bereits deutlich über 11 Jahren liegen soll.

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