Frohe Weihnachten … oder nur noch „eine besinnliche Zeit“?

Wenn die politische (Über-) Korrektheit ins Abseits führt

„Egal woran Sie glauben …“, so beginnt die Grußkarte, die die CDU-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz an Medienvertreter verschickte, und sie fuhr fort „…wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr“. Zwei der abgebildeten Damen durften Weihnachtsmann-Mützen aufsetzen und im Hintergrund steht ein geschmückter Nadelbaum. Von einem Weihnachtsbaum darf man in diesem Zusammengang wohl nicht mehr sprechen. Die Tübinger Volksvertreterin hätte sich die Empörung ersparen können, wenn sie die freundlichen Grüße nicht zu Weihnachten verschickt hätte. Die beiden Mitstreiterinnen mit dem rot-weißen Kopfputz bzw. eine andere mit Rentiergeweih hätten ja auch noch in die Faschings-, Fasnets- oder Karnevalszeit gepasst. Klamauk hat eher dort seinen Platz. Und warum gibt eine christlich-demokratische Politikerin eine solche Karte ausgerechnet an Weihnachten zur Post, wenn sie zu eben diesem Fest keine Bezüge herstellen möchte?

Staatssekretärin Widmann-Mauz umgeben von Mitarbeiterinnen. Zwei mit rot-weißer Weihnachtsmann-Mütze auf dem Kopf, eine Dame mit Rentiergeweih.
Als Kritik gegen ihre skurrile Grußkarte aufbrandete, verkündete die CDU-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz über die sozialen Medien dann doch ganz eifrig ‚Fröhliche Weihnachten‘. (Bild: Screenshot, Facebook, 20.12.18)

Politische Überkorrektheit hemmt Integration

In den USA herrscht vordergründig seit langen Jahren eine scheinheilige politische Korrektheit: Es werden ‚seasonal greetings‘ übermittelt, doch der Integration der einzelnen Bevölkerungsgruppen scheint dies bisher nicht geholfen zu haben. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung unter Angela Merkel konnte sich nicht zu einem ‚Frohe Weihnachten‘ aufraffen und leistet damit der Integration einen Bärendienst. Denn Integration kann nur funktionieren, wenn klar ist, was sich die bisherige Mehrheitsgesellschaft selbst unter Weihnachten vorstellt. Dies bedeutet nicht, dass unsere jüdischen oder mohammedanischen Mitbürger mit uns unterm Weihnachtsbaum Platz nehmen müssen, wenn sie dies nicht wollen, doch wir sollten unsere religiösen Traditionen nicht vorschnell über Bord werfen. Und natürlich werden auch Atheisten oder Desinteressierte nicht in Handschellen in die Christmette geschleppt. Wenn Millionen unserer MitbürgerInnen über Weihnachtsmärkte flanieren, ist natürlich nicht anzunehmen, dass sie alle überzeugte Christen sind. Sollen diese Veranstaltungen deswegen umgetauft werden?

So habe ich jüdischen Partnern in meinen beruflichen Aufgaben auch zum Lichterfest meine besten Wünsche übermittelt und dabei selbstredend Chanukka erwähnt und mich nicht mit besinnlichen Stunden um das Thema herumgedrückt. Jedem Mitbürger, der den Ramadan ernstnimmt, sollte Verständnis und Achtung entgegengebracht werden. Aber dürfen wir dann nicht auch in einer Gesellschaft, die auf christlich-jüdischen Traditionen basiert, erwarten, dass eine Staatssekretärin der ‚C‘-Partei das Weihnachtsfest nicht wortreich umgeht? Es ändert nichts, wenn Widmann-Mauz die Empörung besänftigen wollte, indem sie ihre ominöse Grußkarte in Facebook und bei Twitter widergibt und darüber plötzlich „Fröhliche Weihnachten allen in Deutschland“ prangt. Ja, was denn nun? Wer „allen in Deutschland“ – durch Kritik aufgeschreckt – per soziale Medien „fröhliche Weihnachten“ wünscht, der hätte diesen Gruß doch auch an die Journalisten richten können. Oder gehören die nicht zu Deutschland?

Wann geht Widmann-Mauz das Weihnachts-Licht auf?

Sicherlich wird in Deutschland niemand genötigt, Weihnachten zu feiern, doch gehört dieses Fest zum Grundbestand unserer Kultur. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass wir uns in unserem Land weit stärker als bisher mit unserer Kultur beschäftigen sollten. Beliebigkeit ist keine Grundlage für die Integration. Natürlich erhob sich sofort der Chor derer, die die Staatssekretärin Widmann-Mauz in Schutz nahmen, und vor künstlicher Aufregung warnten. Das christliche Abendland ist durch diese missglückte Grußkarte nicht in Gefahr. Sie ist jedoch ein weiterer Beleg dafür, dass wir eine konstruktiv-kritische Debatte über die Grundlagen unserer Kultur führen müssen. Dabei geht es nicht um Ausgrenzung, sondern um eine Selbstvergewisserung. Wer nicht weiß, wofür er steht, der kann auch den offenen Diskurs mit anderen Kulturen und Religionen nicht führen.

Wenn auf einer Grußkarte einer CDU-Staatssekretärin der Bundesregierung das Wort Weihnachten gemieden wird, sollte gleichwohl auf alberne Weihnachtsmann-Mützen verzichtet werden. Und hätte sich Widmann-Mauz mal den geschmückten Baum angeschaut, wäre ihr vielleicht auch ein Weihnachts-Licht aufgegangen.

 

 

 

Weihnachtsbaum mit brennenden Kerzen und Glaskugeln.

Allen Leserinnen und Lesern meines Blogs wünsche ich frohe und friedvolle Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019

Ihr

Lothar Ulsamer

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