DDR: Zerschnittene Gemeinschaften

Die Fake News des Jahres 1961

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“ Diesen Satz sagte der damalige DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz. Leider handelte es sich dabei auch um eine Fake News, denn bereits am 13. August – also nur zwei Monate später – war es soweit: Das sozialistische Regime riegelte den Ostteil Berlins hermetisch ab und errichtete in den folgenden Wochen eine Mauer. Berlin und ganz Deutschland wurden nun noch brutaler geteilt!

Nicht nur ein Land wurde geteilt, sondern Städte und Gemeinden zerschnitten, Familien zerrissen. Und wer sich durch Mauern und Zäune auf fast 1400 km, durch über 250 Beobachtungstürme, 144 Bunker und 260 Hundelaufanlagen nicht stoppen ließ, der wurde unter Beschuß genommen. 150 bis 250 Menschen haben – je nach Quelle – an dieser Grenze den Tod gefunden, Tausende wurden abgefangen und wanderten ins Gefängnis.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war die sozialistische DDR wirtschaftlich und politisch am Ende – die Umwelt zerstört.

Eine Wahrheitskommission fehlte

Die politische und juristische Aufarbeitung kam zu kurz, dies empfinden gerade die Mitbürgerinnen und Mitbürger in besonderer Weise, die zu Opfern des sozialistischen Unrechtsstaats wurden. Damit stehen auch unsere Forderungen an andere Staaten auf wackligen Beinen, denen die deutsche Politik immer mal wieder eine systematische Aufarbeitung und Bestrafung des Unrechts ans Herz legt. Eine Wahrheitskommission hätte auch uns gut zu Gesicht gestanden!

Aber noch immer gibt es Orte, in denen die deutsch-deutsche Trennung bis heute deutlich spürbar ist. In Berlin haben sich die meisten Narben im Stadtbild geschlossen,  Mauerreste erheben sich nur noch an wenigen Stellen aus dem Alltagsleben, ganz anders in Mödlareuth. Der Westteil lag in Bayern, der Ostteil in Thüringen und zwischen den Ortsteilen verlief nicht nur der schmale Tannbach, sondern urplötzlich auch eine Mauer. „Little Berlin“, tauften es die US-Amerikaner.

Wenn neben dem Bächlein eine Mauer wächst: Mödlareuth als Symbol für Trennung und Unterdrückung in DDR-Zeiten. (Bild: Ulsamer)

Die Unterdrückung nicht vergessen

Wer diese Gemeinde und ihr Deutsch-Deutsches Museum heute besucht, der spürt die Bedrückung in den Jahren der Trennung und freut sich umso mehr, dass Deutschland wieder zusammengewachsen ist und auch die Teilung Europas überwunden werden konnte. Ein historischer Fortschritt, den es zu erhalten gilt.

Ohne diese historischen Plätze mit Symbolcharakter oder auch die Arbeit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur würden die Menschenrechtsverletzungen in der DDR noch schneller vergessen, als es ohnehin geschehen ist. Wer die Stimme gegen Unrecht heute und morgen erheben soll, der muß auch wissen, was sich in der DDR abgespielt hat.

 

 

 

 


 


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