Das 1-Prozent-Ministerium

Agrarlobby stoppt Umweltkampagne

Humor ist nun mal nicht jedermanns Sache, aber ganz zu fehlen scheint er in manchen Teilen der organisierten Landwirtschaft. Warum spreche ich von der organisierten Landwirtschaft und deren Lobbyisten? Weil ich in vielfältiger Weise mit Landwirten zu tun habe, die längst erkannt haben, daß auch die Landwirtschaft die eingefahrenen Feldwege verlassen muss. Wer zunehmend von Subventionen und nicht vom echten Ertrag seiner Hände Arbeit lebt, der wird immer abhängiger. Und auch vielen ökologisch denkenden Landwirten fällt auf, dass über Maisplantagen immer weniger Bienen und Schmetterlinge unterwegs sind.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

 Aber kaum zu glauben war es, dass das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit eine Informationskampagne einstellen musste, weil sie eben dieser organisierten Landwirtschaftslobby missfiel. „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“, fand in Teilen der Landwirtschaft und gerade auch beim zuständigen Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung kein Wohlgefallen. Auch wenn es der Wahrheit entspricht!

Gar nicht witzig fanden die Lobbisten auch den Spruch: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Haben sie noch nie etwas von zu kleinen Ställen in der Massentierhaltung gehört? 

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

 Überhöhte Nitratwerte durch Überdüngung

Und auch die Klage der EU gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen überhöhter Nitratwerte scheint nicht ins Bewusstsein der Agrarlobby vorgedrungen zu sein, ansonsten hätte sie wohl kaum gegen folgenden Spruch polemisieren können:  „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.“

Auffällig hohe Nitratwerte gibt es gerade in den Bundesländern, in denen gigantische Mastbetriebe angesiedelt sind, die im engeren Sinne kaum noch als Landwirtschaft zu bezeichnen sind. Der Bauer, der seine Kühe über lange Zeiträume draußen auf der Wiese hält, dessen Hühner sich im Freien bewegen, der kann und wird sich durch eine solche Aktion wohl kaum getroffen fühlen.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Großes Ministerium für kleine Wertschöpfung

Flugs wurde nach drohenden Worten der Agrarlobby und ihres zuständigen Ministers Christian Schmidt die Kampagne eingestellt. Hinweisen möchte ich auch darauf, daß ich eben diesen Minister in seiner alten Funktion als Staatssekretär im Verteidigungsministerium als sehr interessierten und offenen Politiker kennenlernen durfte. Liegt es am Thema oder am Ministerium?

Nur 1,4 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft und erarbeiten 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), so SPIEGEL ONLINE am 20.1.2017. So stellt sich für mich nun wirklich die Frage, warum die Landwirtschaft über ein eigenes Ministerium verfügt?

Da müßten ja – wenn das Landwirtschaftsministerium ein Vorbild sein soll – weitere Wirtschaftszweige mit gleicher Berechtigung ein eigenes Ministerium erhalten.  So sind im Wirtschaftszweig „Fahrzeugbau“ (Hersteller von Fahrzeugen und Komponenten usw.) knapp 3 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (ca. 900 000 Arbeitnehmer) tätig und erarbeiten rd. 4 bis 5 % des BIP. Würde man Handel, Transport und Logistik etc. hinzunehmen, dann könnte man den Faktor 2 bis 4 bei den Beschäftigten ansetzen.

Aber Scherz beiseite: Natürlich kann nicht jeder Wirtschaftszweig auf ein eigenes Ministerium hoffen, aber damit stellt sich doch die Frage nach der Bedeutung und Berechtigung eines eigenständigen Landwirtschaftsministerium.

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