CDU, Bauernverband & Co. blasen zur Treibjagd auf Wölfe

Wer stoppt die Feinde der Natur?

Die Wölfe – kaum werden sie in Deutschland wieder heimisch, bricht bei einigen Zeitgenossen Panik aus, und manche Politikerinnen und Politiker verbrüdern sich mit einer überschaubaren Zahl von Schäfern, Bauern und Jägern, die alle Wölfe abknallen wollen. Leider meldet sich die vernünftige Mehrheit – wie zumeist – auch bei diesem Thema nicht zu Wort. Und wer stellt sich schon gerne gegen den Deutschen Bauernverband, der zur Wolfshatz aufruft? Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands und ein erklärter Fahnenträger der industriellen Landwirtschaft, will den Wölfen nur „extensiv genutzte Gegenden im Südosten der Republik, Truppenübungsplätze“ als Lebensraum zubilligen und ansonsten „regulieren wir die Bestände und versuchen, den Wolf aus diesen Regionen rauszuhalten“ („DLF“, 25.10.17). Dies ist für mich eine perfide Augenwischerei: Generalsekretär Krüsken leugnet es, aber letztendlich geht es um die erneute Ausrottung des Wolfes oder soll er per Helikopter in die wenigen angedachten Gebiete fliegen? Und wehe, er setzt seine Pfoten auf die falsche Seite der Demarkationslinie, dann kracht der Schuss.

Es wird das Schreckgespenst an die Wand gemalt, die Wölfe läuteten das Ende der Weidewirtschaft ein. Schäfer erklären, sie würden ihre Hut an den Nagel hängen und keine Schafe mehr halten, aber dabei vergessen sie ganz zu erwähnen, dass die miesen Preise für deutsches Schaffleisch sie zu ruinieren drohen – und ganz bestimmt nicht der Wolf! In manchen Förstern, die über die riesige Zahl an Rehen jammerten, die ihre nachwachsenden Bäumchen fressen, erwacht das Jägerherz und sie wollen dem Isegrim den Garaus machen. Und wenn man schon mal dabei ist, dann könnte man doch auch gleich Luchsen und Bären – für den Fall, dass sich wieder einmal einer über die deutsche Grenze verirrt – gleich auch noch eine Kugel verpassen.

Einige Gestalten, wohl Schäfer, lehnen sich gemütlich auf ihre Schäferstäbe: Ob sogenannte "Mahnwachen" den Schafen mehr Schutz bringen? Besser wäre es, wenn diese Herren Elektrozäune errichten würden.
Wäre ich ein Wolf, dann würde ich das Weite suchen, wenn ich solche Herren sehe! Diese wackeren Recken sollten doch Elektrozäune errichten, Herdenschutzhunde füttern und ihre Schafe bewachen, statt sich auf ihren Schäferstab zu lehnen und gegen Wölfe zu hetzen. In den Medien finden ihre aberwitzigen Vorstellungen gute Aufnahme. Dennoch treffe ich immer wieder Schäfer, die mit „Mahnwachen“ und „Mahnfeuern“ nichts zu tun haben wollen, oder naturverträglich jagende Waidmänner, die nichts mit ‚Trophäenjägern‘ am Hut haben. Während ich einer kleinen Schafsherde ihr Winterfutter brachte, um das kärgliche Grasangebot aufzubessern, dachte ich daran, was diese Herrschaften wohl gerade trieben. (Screenshot, „moz.de“, 20.2.18)

Die wilden Gestalten der Mahnwachen

„Mahnfeuer“ lodern in deutschen Regionen – und so mancher Teilnehmer dürfte den Wolf schon alleine durch sein Auftreten in die Flucht schlagen. Und „Mahnwachen“ beziehen Stellung: Die ganze Diskussion um den Wolfsbestand in Deutschland nimmt abstruse Dimensionen an, denn man könnte meinen, Tausende und Abertausende von Wölfen würden hungrig durch unsere Gassen streunen und im Wald sei man mit oder ohne rotes Käppchen nicht mehr sicher. Haben wir in unserem Land und in dieser Welt keine wichtigeren Fragen zu beantworten? Selbst in Wahlkämpfen – so z.B. in Niedersachsen – wurde der Wolf zum politischen Streitthema, auch der Koalitionsvertrag von Union und SPD stilisiert den Wolf zum Feind. Ausgerechnet Julia Klöckner, die in Rheinland-Pfalz keine Regierungsmehrheit zu Stande brachte, soll Angela Merkels neuer Bundesregierung als Landwirtschaftsministerin angehören. Im vorauseilenden Gehorsam hat sie sich schon mal – im Sinne des Deutschen Bauernverbands – gegen die Wölfe positioniert.

Plakat der CDU im niedersächsischen Landtagswahlkampf: "Andere schützen den Wolf. Wir auch Menschen und Nutztiere", heißt es dort. Unterstellt wird, dass Naturschützer das Wohl von Menschen und Weidetieren nicht im Blick hätten.
Mit Attacken gegen den Wolf kann man keinen Wahlkampf gewinnen: Musterbeispiel ist der zweite Platz der CDU bei der Landtagswahl in Niedersachsen. „Andere schützen den Wolf – wir auch Menschen und Nutztiere“, so der etwas simple Slogan der CDU in Niedersachsen. Auch wenn man sich – wie der Autor – für den Wolf als Teil unserer Natur engagiert, heißt dies doch nicht, dass man sich nicht ebenso für die Sicherheit der Menschen und den Schutz der Nutztiere einsetzt. Wer in solcher Weise den Wolf zu einem Wahlkampfthema macht, der hat aus meiner Sicht auch keinen Wahlsieg verdient. Die CDU in Niedersachsen will „den Wolf zwecks Regulierung der Population und zur Eingrenzung von Nutztierschäden in das Jagdrecht aufnehmen.“ Ganz ‚gesetzestreu‘ soll dies nach „Erreichung der artenschutzrechtlichen Voraussetzungen“ geschehen. Aber hier kann man auf politischem Wege natürlich für eine entsprechende Einschätzung sorgen. Dass dies das Ziel ist, wird auch in folgender Aussage deutlich: „Wo Maßnahmen zum Herdenschutz nicht ausreichen, werden wir ein Bestandsmanagement für Wölfe schaffen.“ „Bestandsmanagement“ liest sich ja ganz nett, aber es bedeutet Abschuss von Wölfen. Ist dies die klare Wortwahl, die wir uns von Politikern wünschen? Ich glaube nicht! (Bild: Screenshot, „Facebook“, 15.10. 2017)

Ob sich Julia Klöckner als Rotkäppchen aus Rheinland-Pfalz sieht, das weiß ich natürlich nicht, doch sie hat den Wolf ins Visier genommen und vertritt vehement einige höchst unsinnige Thesen des Koalitionsvertrags. Der Ansatzpunkt im Koalitionsvertrag der irrlichternden CDU, CSU und SPD ist clever gewählt: „Die Weidetierhaltung ist aus ökologischen, kulturellen und sozialen Gründen sowie zum Erhalt der Artenvielfalt und Kulturlandschaft zu erhalten.“ Wer möchte da dem Koalitionsvertrag widersprechen? Ich sicherlich nicht, da die Bedeutung der Schafsbeweidung unbestritten ist in Bezug auf eine ökologisch ausgerichtete Flächenbewirtschaftung. „Im Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität“ heißt es weiter im Koalitionsvertrag. Sicherlich ebenfalls richtig, aber bisher hatte ich bei keiner Wanderung durch den Wald ein flaues Gefühl im Magen, denn ich habe das „Rotkäppchen“ auch eher im Märchen verortet, wo es ja um eine ganz andere inhaltliche Deutung geht (Widerstand gegen Verführungen aller Art usw.). Und dann kommen die Autoren des Koalitionsvertrags auf den eigentlichen Kern ihres höchst fragwürdigen Vorstoßes zu sprechen.  „Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können.“ Also darum geht es den Koalitionären: Weniger Wölfe ist das Ziel. Wie geht das z.B. in Baden-Württemberg? Da schaffte es doch echt ein Wolf aus Niedersachsen bis in den Schwarzwald, um dort kurzerhand von Unbekannt erschossen und in den Schluchsee geworfen zu werden. Wollte er etwa aus Niedersachsen ‚flüchten‘, wo während des Wahlkampfs die CDU die Dezimierung der Wolfsbestände gefordert hatte? Aber selbst im grün-schwarz regierten Baden-Württemberg ging es ihm – wenn auch illegal – an den Kragen. War dies die von manchen Politikern und Verbandsvertretern geforderte Reduktion?

Julia Klöckner agitiert gegen Wölfe - "CDU, Bauernverband & Co. blasen zur Treibjagd auf Wölfe", in: www.deutschland-geliebte-bananenrepublik.de
„Hilfe“ würde der Wolf rufen, wenn er den Koalitionsvertrag lesen könnte. Das Rotkäppchen aus Rheinland-Pfalz ist sicherlich in Deutschland noch keinem Wolf in freier Wildbahn begegnet, aber dennoch ruft die stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, Julia Klöckner, in den Medien zur Dezimierung der Wölfe auf. Hätte sie doch mal mit gleichem Nachdruck Wahlkampf in Rheinland-Pfalz gemacht, dann wäre sie heute Ministerpräsidentin und müsste jetzt nicht in der Berliner Regierung als Landwirtschaftsministerin versorgt werden. Und beim Deutschen Bauernverband hat sie einen Stein im Brett, da sie so vehement gegen Wölfe vom Leder zieht. Mit Naturschutz hat diese Ministerin in spe nichts im Sinn! (Bild: Screenshot, „Rheinische Post“, 6.2.18)

Sag doch einer mal die Wahrheit

„Unabhängig davon wird der Bund mit den Ländern einen geeigneten Kriterien- und Maßnahmenkatalog zur Entnahme von Wölfen entwickeln.“ Sollten Politiker nicht ehrlich bleiben und dann eben von ‚erschießen‘ sprechen? Entnahme klingt doch irgendwie verlogen. „Dazu erarbeiten wir mit der Wissenschaft geeignete Kriterien für die letale Entnahme. Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden.“ In anderen EU-Ländern dagegen wirken Herdenschutzhunde und spezielle Elektrozäune abschreckend, warum sollte dies nicht auch in Deutschland funktionieren? An positiven Beispielen fehlt es bei engagierten Weidetierhaltern auch in deutschen Landen nicht, aber die Wolfs-Hysteriker sind leider lauter.

Bild mit Flammen - und im Visier sind Wolf, Bär und andere Wildtiere.
Die Hetze gegen „Wolf, Bär & Co.“ wird immer lauter. Und weite Teile der Politik schweigen oder stimmen zu. „Mahnwachen“ und „Mahnfeuer“ – da bekomme ich doch ein ungutes Gefühl: Wer heute gegen Tiere hetzt, der könnte morgen auch mit Fackeln mal wieder vor anderer Leute Häuser ziehen. (Screenshot, „Facebook“, 20.2.18).

Eins ist für mich klar, wenn wir die Wölfe den Koalitionären aus Union und SPD überlassen, dann wird bald zur großen Treibjagd geblasen. Oder sollen gar Sondereinsatzkommandos gebildet werden für das Erschießen der Wölfe, pardon, die „letale Entnahme“? Sicherlich lässt jeder Naturschützer in echten Problemfällen mit sich reden. Wer aber argumentiert wie die Koalitionäre oder Julia Klöckner, die stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, dem geht es langfristig um die erneute Ausrottung des Wolfs, dies macht die Argumentation überdeutlich.

Sind die Fackelträger wieder erwacht?

Aus den sogenannten „Mahnfeuern“ droht ein Flächenbrand zu werden, denn in immer mehr Bundesländern halten Politikerinnen und Politiker die Fackel gegen den Wolf hoch – und ich frage mich schon das eine oder andere Mal, ob die auch genau wissen, wohin sie diese werfen? Die CDU-Landtagsfraktion in Brandenburg bläst auch zur Jagd auf Wölfe, obwohl sie sich als Oppositionspartei doch stärker um die wirtschaftlichen Strukturschwächen ihres rot-rot-regierten Bundeslandes und die daraus mit resultierenden sozialen Probleme kümmern sollte. So erklärt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Dieter Dombrowski die „Wolfsverordnung ist gescheitert“ und hat auch Vorschläge für den Umgang mit Wölfen: „Die Brandenburgische Wolfsverordnung löst den Konflikt zwischen der Weidetierhaltung und Problemwölfen nicht. Wir hatten deshalb vorgeschlagen, Schutzjagden nach schwedischem Vorbild einzuführen“.

Unter einem Foto eines Wolfes steht der TexT "Brandenburgs Wolfsverordnung ist untauglich. Wir brauchen Schutzjagden nach schwedischem Vorbild".
„Schutzjagden“ auf Wölfe fordert die CDU-Landtagsfraktion im Brandenburger Landtag. So ist das allenthalben: Wichtige Themen greift keiner auf, aber viele blasen zur Hatz auf Wölfe. Einst dachte ich, dass der Naturschutz ein konservatives Anliegen sei, doch das war wohl ein Irrtum. (Screenshot, „Facebook“, 23.2.18)

Erwähnt werden muss, dass erstmals nach 100 Jahren im Jahr 2009 wieder Wolfswelpen in Brandenburg aufgezogen wurden, und jetzt wird bereits der Eindruck vermittelt, das Abendland ginge an den Wölfen zu Grunde. Vielleicht ist das Gezeter über die Zunahme der Wölfe auch nur ein Ablenkungsmanöver, um die wahren Probleme unserer industriellen Landwirtschaft zu verschleiern? Wie viele Tiere sterben in der Massentierhaltung jedes Jahr in Deutschland einen traurigen Tod? Warum wird über die Weidetierhaltung in einer Art und Weise berichtet, die den Eindruck erweckt, als wären Kühe und Schafe, Ziegen und Federvieh den ganzen Tag auf sich alleine gestellt in der freien Natur unterwegs? Die Anzahl der in Deutschland pro Jahr von Wölfen gerissenen Weidetiere steht doch in keinem angemessenen Verhältnis zum politischen und medialen Geschrei!

Ein Wolf in einem niedrigen Gebüsch.
‚Mein Gott, da bin ich aber froh, dass unser Rudel ein Zaun vor schießwütigen Wolfskillern schützt, die uns nach dem Leben trachten‘. Soll denn Natur nur noch hinter Gittern stattfinden? (Bild: Ulsamer)

Selbstredend muss bei Wolfsrissen schnell und unbürokratisch eine Entschädigung bezahlt werden, aber gerade da fehlt es doch: Die Mühlen der Behörden mahlen langsam. Wäre es nicht des Schweißes der Politiker wert, sich im Sinne der Landwirte und Schäfer für eine zügige Abwicklung bei Schadensfällen einzusetzen? Stattdessen nur nach der Flinte zu rufen, sollte den Damen und Herren in unseren Parlamenten doch zu billig sein.

Wolfskiller gegen den Rechtsstaat

Wenn ich in der Berliner Zeitung (18.1.18) bereits im Titel des Beitrags „Angst vor Wölfen: Brandenburgs Bauern ‚schießen, schippen, schweigen‘“ lese, dann kommen mir erhebliche Zweifel am rechtsstaatlichen Denken mancher Bauern und ihrer Vertreter. Gerade ein Berufsstand, der in unseren Tagen häufig zu über 60 % von Subventionen lebt, der sollte sich doch an die Gesetzeslage halten. Nicht selten wird dann von Verbandsvertretern auch noch betont, das Aufstellen höherer Elektrozäune oder das Mähen im Zaunbereich sei zu mühsam. Da frage ich mich schon, ob dieser zusätzliche Aufwand nicht erwartet werden kann? In schwierigem Gelände handelt es sich bei der Beweidung mit Schafen und Ziegen ohnehin häufig um naturschutzfachliche Aufgaben, und gerade hier bin ich der Meinung, dass die kargen Entgelte im Sinne des Naturschutzes erhöht werden müssen. Berücksichtigt werden sollten auch höhere Kosten für Herdenschutzhunde durch Anschaffung, Ausbildung und Unterhalt. Ich erwarte allerdings im gesamten Bereich der Landwirtschaft wieder ein Geben und Nehmen und nicht nur das Vortragen von Ansprüchen durch die Bauernvertreter.

Der Vorsitzende des Bauernbunds in Brandenburg mit breitkrempigem Hut. Die Überschrift "Schießen, schippen, schweigen" legt den Gedanken nahe, man dürfe illegal Wölfe erschießen.
Wo hat er denn seinen schicken Hut her? Der Präsident des Bauernbunds in Brandenburg, Marco Hintze, betont „Die Zeit des Verhandelns ist vorbei“, denn jetzt sollen die Wölfe dort dezimiert werden. Die Politik sollte dem Herrn mit Hut nicht – wie die CDU-Landtagsfraktion – nach dem Munde reden, sondern den Verbandsvertretern die Prozesse in einem demokratischen Rechtsstaat näherbringen. Nicht einzelne Verbandsvertreter definieren das Thema Naturschutz, sondern die demokratisch legitimierte Mehrheit. Sich auf EU-Subventionen auszuruhen, ist keine ausreichende Grundlage, um zur Jagd auf Wölfe aufzurufen. (Screenshot, „Berliner Zeitung“, 18.1.18).

Wenn nach einem Bericht der „Märkischen Allgemeinen“ (25.2.18) der Präsident des Bauernbunds in Brandenburg, Marco Hintze, betont „Die Zeit des Verhandelns ist vorbei“, dann sollte ihm die Politik nicht – wie die CDU-Landtagsfraktion – nach dem Munde reden, sondern den Verbandsvertretern die Prozesse in einem demokratischen und rechtsstaatlichen Staat erklären. Und dann heißt es weiter, der Bauernbund verlange, große Teile Brandenburgs zur wolfsfreien Zone zu erklären. Das mag er ja fordern, aber woraus schöpft der Bauernbund die selbstherrliche Vorstellung, alle würden nach der Pfeife ihrer Interessenvertreter tanzen?

AfD und CDU: Wettstreit der Wolfstöter

Wäre es nicht so traurig, dann müsste ich schon beinahe lachen, wenn die AfD in Sachsen die CDU in Sachen Wolfsjagd noch übertreffen möchte. Aber irgendwie passt das ja doch, denn bei der letzten Bundestagswahl überholte die AfD die CDU in Sachsen. „Sachsen-CDU beim Thema Wölfe saft- und kraftlos wie immer!“, meint die AfD-Landtagsabgeordnete Silke Grimm. Dabei steht doch der Bautzener CDU-Landrat, Michael Harig, an vorderster Front, wenn es um den Abschuss eines Wolfsrudels bei Rosenthal geht. Liest man die Äußerungen des Landrats, dann geht es ihm nicht nur um einzelne Wölfe, sondern um eine generelle Reduktion bis zur Ausrottung: „Ich glaube, es ist nicht ausreichend, dass man sich auf Problemwölfe konzentriert, sondern die Wölfe müssen bejagt werden, damit ein Jagddruck entsteht und damit die Nutztierhaltung hier im ländlichen Raum überhaupt noch eine Chance hat.“ („MDR“, 24.10.17). Das Letzte, was wir bei einem so sensiblen Thema benötigen, ist ein Abschuss-Wettlauf zwischen der AfD und der CDU!

AfD in Sachsen in "Facebook": "Sachsen-CDU bei Thema Wölfe saft- und kraftlos wie immer!" Dabei wetteifern doch CDU und AfD bereits miteinander im Wettlauf der Wolfs-Killer.
Das kann doch nicht wahr sein: Jetzt eifern AfD und CDU um die erste Position im Dezimieren von Wölfen. Das hat unserer Demokratie gerade noch gefehlt! (Screenshot, „Facebook“, 25.2.18)

Aber nicht nur manche Schäfer, Bauern und Jäger haben sich beim Thema Wolf im Wald verirrt und suchen nun Arm in Arm mit gleichgesinnten Politikern täglich nach neuen Abschusszielen, sondern es hat sich auch der ‚böse Wolf‘ aus dem Märchenbuch in die Werbebranche geschlichen. „Secret Escapes“ wirbt mit seinen besonders niedrigen Konditionen nicht für eine Übernachtung im Wolfsgebiet, sondern in Luxushotels, und ausgerechnet dort am Pool berichtet eine Darstellerin „Wissen Sie, eigentlich dürfte ich überhaupt gar nicht hier sein. Es war vor sechs Monaten, da war ich Joggen im Wald und wurde von einem Wolf angegriffen. Ich kämpfte wie im Wahn, und als ich wieder erwachte, lag sein Körper vor mir, das Tier war mausetot.“ Das mit dem Wahn glaube ich unbesehen, aber den hat sicherlich den Marketingfreak gepackt, der diesen absolut sinnfreien Spot entwickelte. Die dümmsten Sprüche finden zwar immer wieder Interesse, aber auf Dauer wird das nicht funktionieren.

Gruselgeschichte über Wolfsattacke in TV-Spot von "Secret Escapes".
Von Wölfen verfolgt, attackiert und dann doch glücklich am Pool gelandet – man könnte über diese aberwitzigen Aussagen nur lachen, wenn es nicht so traurig wäre: „Secret Escapes“ wirbt für günstige Übernachtungen in Luxushotels und verirrt sich dabei im Märchenwald. Der ‚böse Wolf‘ ist sinnentstellt aus dem Märchenbuch entsprungen! (Screenshot, „horizont.de“, 20.2.18).

Mit Sicherheit gibt es auch bei geschützten Wildtieren Einzelfälle, bei denen ein Abschuss unumgänglich ist, aber hier muss die Latte besonders hochgelegt werden. Wenn wir dem Druck mancher Politiker und Verbandsvertreter folgen, gibt es bald ein Gemetzel in der Natur. Dann geht es um Wölfe ebenso wie um Luchse. So wurde in Bayern auch der einzige aus Italien über Österreich zugewanderte Bär kurzerhand erschossen, und in Brandenburg ein polnischer Wisent liquidiert, der mal einen Ausflug nach Deutschland gemacht hatte. Jahrelang war er friedlich durch die polnische Natur gezogen und trottete dort auch mal durch ein Dorf, ohne dass etwas passiert wäre. Aber der Amtsdirektor von Lebus witterte Gefahr, ließ sich vom Feuerwehrkommandanten fachlich beraten – und dann war Schluss! Ein Schuss – und der Gast aus Polen war niedergestreckt.

Die Natur ist nicht unser Feind

Immer häufiger wird auch über eine Zunahme der Biber geklagt, die Bäume fällen, aber auch Otter schnappen dem Fischer die Beute weg, und damit finden sie wie die Kormorane bei manchen Zeitgenossen wenig Gegenliebe. Kaum bricht in Polen eine – zugegebenermaßen schwere – Tierseuche aus, da sollen am besten gleich die Wildschweine dran glauben. Die machen sich doch ohnehin mit Vorliebe über die Einheitsplantagen aus Mais her, den manche so dringend in die Biogasanlage schütten wollen. Übrigens: erbeutete Wildschweine sind ein Leibgericht der Wölfe! Wenn man den selbstregulierenden Kräften der Natur mehr Vertrauen entgegenbringen und als Mensch nur dann ‚regulierend‘ eingreifen würde, wo wir vorher das Gleichgewicht aus der Balance gebracht haben, hätten hysterische Reaktionen keinen Nährboden. Doch in nicht städtisch geprägten Räumen droht vielen ‚entwöhnten‘ Mitmenschen oft nur Ungemach! Es ist an der Zeit, der einseitigen Sicht auf die Natur Einhalt zu gebieten und die Schießwütigen – egal welcher Profession – zu stoppen!

Frontseite der Zeitschrift "Perspektiven" mit dem Titel "Naturschutz - ein konservatives Anliegen" und einem Foto eines einsamen Hofes im Schwarzwald.dem
Als ich 1983 eine Ausgabe meiner Schriftenreihe „Perspektiven“ dem Thema „Naturschutz – ein konservatives Anliegen“ widmete, hätte ich mir nicht vorstellen können und wollen, dass die CDU, der Deutsche Bauernverband, manche Jäger, Schäfer und Medien heute in derart einseitiger Weise gegen den Wolf und andere Wildtiere agitieren. Auch die erschreckende Abnahme von Insekten und Vögeln führte bisher nicht zu einer echten Neuorientierung der industriellen Landwirtschaft. Die „Perspektiven“-Ausgabe enthielt auch einen Beitrag mit dem Titel „Wir müssen ein sensibles Gewissen gegenüber der Natur haben“. Recht hat der Autor, der damalige Bundespräsident Karl Carstens. Seine Ausführungen schlossen mit folgender Aussage, der auch in unseren Tagen nichts hinzuzufügen ist: „Aber auch in unserer eigenen Kultur finden wir eine Tradition, die einen freundlichen, ja, liebenden Umgang mit der Natur empfiehlt. Der mittelalterliche Ordensgründer Franz von Assisi hat dies sinnbildlich klargemacht, als er mit Vögeln und Fischen sprach und sie nicht als Beute, sondern als Freunde behandelte. Naturschutz, Liebe zur Natur und Freude an der Gestaltung ihrer Schönheit verbinden sich.“ (Bild: Ulsamer)

Die Insekten sind um bis zu 75 % zurückgegangenen, gerade auch als Folge der industriellen Landwirtschaft, viele Vögel finden eine Lebensgrundlage nur noch in Gärten und Parks, die Vielfalt an Pflanzen schwindet, Hecken sind aus der Feldflur immer stärker verschwunden. Man sollte in unserem Land sich lieber überlegen, wie wir die Diversifikation in der Natur erhalten oder erhöhen, statt sie zu zerstören. Was soll denn von unserer Natur übrigbleiben, wenn Wildtiere als Feinde des Menschen abgestempelt werden und neben Insektiziden und Herbiziden wie Glyphosat jetzt auch noch die Flinte zum Einsatz kommen soll? Wer diesen Irrweg mitgeht, der versündigt sich an unserer Natur.

Zwei Schafe auf einer Wiese bei leichtem Schneefall.
Schafe gehören zu meinen Lieblingstieren – egal wo immer sie grasen. Und auch sie fressen – getreu ihrer Lebensweise – natürlich auch mal die wilden Primeln, die ich eigentlich gerne erhalten hätte. Ebenso hat der Wolf ein Lebensrecht in unserer Natur – und Schafe und Ziegen brauchen Schutz und kein Alarmgeschrei! (Bild: Ulsamer)

5 Antworten auf „CDU, Bauernverband & Co. blasen zur Treibjagd auf Wölfe“

  1. Die Jäger-eine Zunft,die ich gar nicht mag…
    Bei denen sitzt das Gewehr so locker wie bei …..
    Ich bin voll dafür,das sich Wölfe hier wieder heimisch fühlen,den
    ihnen wurde und wird wieder der Lebensraum entzogen…
    Und was die Politik sagt-interessiert mich gar nicht…
    die sollen sich lieber um das arme Volk kümmern-Kinder an den
    Tafeln-Rentnerarmut-Alleinerziehende-Gesundheitssystem und
    sehr vieles mehr….Obdachlose über 1,5 Millionen….
    Macht was für eure Bürger-wenn ihr „leider“schon Macht habt….
    und nicht Pöstchen hin und herschieben-nichts gegen Umweltgifte einsetzen….ihr seid so volksfremd…da ist mir der Wolf lieber,
    denn er ist sozial und gut für das Ökosystem***
    Noch was-ich und viele sind für Neuwahlen….dann
    hättet ihr keine Chance mehr….hoffen viele !!!

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